Reptil ist nicht gleich Reptil – Terrarium ist nicht gleich Terrarium! Bevor man sich für eine Behausung entscheidet, sollte die Frage nach seinem Bewohner bereits geklärt sein. Terrarien lassen sich nicht pauschalisieren, ebenso wenig wie Tiere. Diese haben durch unterschiedliche Ansprüche verschiedene Lebensbedingungen. Daran muss auch der neue Lebensraum angepasst werden.

 

Vorüberlegungen

Reptilien kommen aus ganz verschiedenen Klimazonen. Zunächst informiert euch, wie der natürliche Lebensraum eures Haustiers aussieht. Kommt es aus der Wüste oder aus dem Dschungel? Mag es die Kälte oder die Wärme? Eine falsche Haltung kann im schlimmsten Fall tödliche Folgen für euren Schützling haben. Informationen bekommt ihr aus diverser Fachliteratur oder lasst euch auf Messen und in speziellen Geschäften beraten.

Bevor ihr euch ein Terrarium und Haustier anschafft, kalkuliert vorher die Kosten. Diese werden gerne unterschätzt! Stellt euch die Frage, ob ihr die Motivation über mehrere Jahre hinweg aufbringen könnt, sich um ein Haustier zu kümmern. Bei Schildkröten können es auch mehrere Jahrzehnte sein.

 

Standort

Habt ihr euch nun entschieden, das Tier samt Terrarium aufnehmen zu wollen, geht es an die Planung. Sucht euch zunächst einen Standort für die neue Behausung aus. Dabei sollte es weder am Fenster, noch an einer Heizung stehen. Diese können zusätzliche Wärmequellen bedeuten und eure Technik beeinflussen. Vermeidet auch Zugluft und laute Orte. Ideal ist eine Stromversorgung in der Nähe des Terrariums. Zur Not könnt ihr auch Kabel verlegen.

Stellt sicher, dass Kleinkinder und andere Haustiere keinen Zugriff auf das Terrarium haben können.

 

Größe

Nachdem ihr euch nun für einen Standort in eurer Wohnung entschieden habt, könnt ihr die Größe des Terrariums abschätzen. Diese orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen eures Tieres. Dabei gilt: Umso größer, desto besser!

Nun messt den Standort genau aus. Schrägen und evtl. Unterschränke müssen miteinkalkuliert werden. Ebenso denkt daran, dass ihr den Deckel problemlos öffnen müsst und für die Reinigung genug Platz haben solltet.

 

Terrarienarten

Je nach den Bedürfnissen eures Tieres könnt ihr zwischen verschiedenen Terrarienarten wählen. Hier werden euch die beliebtesten vier Modelle vorgestellt.

 

Wüsten- oder Trockenterrarium

Das Wüsten- oder Trockenterrarium simuliert meist einen trockenen und heißen Ort. In der freien Wildbahn wäre dies die Wüste. Bewohner benötigen dabei hohe Temperaturen und sandigen Untergrund. Steine und Kakteen bieten sich als Dekoration besonders gut an. Dabei könnt ihr mit größeren Steinen eine Höhle bauen. Denn viele Tiere brauchen einen Unterschlupf und Rückzugsort.

Klima

Das Klima muss heiß und trocken gehalten werden. Hierfür benötigt ihr Wärmelampen. Da die natürliche Wetterlage in der Nacht aber abkühlt, berücksichtigt die Schwankungen. Zu empfehlen ist hierbei das Anbringen eines Thermostats, welches automatisch die eingestellten Temperaturen regelt. Um den Übergang von Nacht zu Tag zu erleichtern, könnt ihr zum Beispiel den Morgentau nachahmen. Dafür besprüht ihr morgens leicht die Pflanzen mit Wasser und sorgt für eine kleine Abkühlung.

Technik

Die wichtigste Technik ist wohl die der Wärmeregulation. Dafür kommen Heizmatten, Heizsteine und Wärmespots wie UV Lampen in Frage. Da die erforderliche Technik auch vom Stoff des Terrariums abhängt, lest dazu mehr unter den Punkten der Terrariumsmaterialien.

Einrichtung

Dringend notwendig ist eine Wasserschale. Optisch gliedern sich Steinschalen perfekt in die Umgebung. Falls ihr euch für ein Glasterrarium entscheidet, könnt ihr die Rückwand in Stein- oder Wüstenoptik gestalten.

Der Boden wird bei den meisten Reptilien aus der Wüste aus Sand bestehen. Ausnahmen sind hierbei zum Beispiel der Leopardgecko, der einen lehmigeren und feineren Untergrund bevorzugt. Da ihr euch bei diesem Schritt bereits über euer Haustier informiert habt, wisst ihr am besten, welcher Untergrund für euren Schützling in Frage kommt.

Für Reptilien in einem Wüstenterrarium stehen meist Heuschrecken, Mehlwürmer und Grillen auf dem Speiseplan. Anders sieht es bei Schlangen aus, die lebende Kleintiere wie Mäuse bevorzugen. Lese zu den speziellen Anforderung von Schlangen diesen Artikel: Schlange kaufen – Tipps und Tricks vom Kauf bis zur Haltung.

Feucht- oder Tropenterrarium

Der große Vorteil des Feuchtterrariums sind die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Viele Pflanzen, umfangreiche Deko und Einrichtungsideen können das Terrarium zum Blickfang eures Wohnzimmers werden lassen. Der große Nachteil ist allerdings der große Pflegeaufwand.

Klima

Sehr wichtig ist beim Tropenterrarium konstante Temperaturen mit einer optimalen Beleuchtung und einem schwülwarmen Klima herzustellen. Für Anfänger ist dies meist eine zu anspruchsvolle Aufgabe. Daher empfiehlt sich das Feucht- oder Tropenterrarium eher für Menschen mit ersten Erfahrungen im Terraristik-Bereich. Durch das feuchte Klima sollten Glas- oder Aluminiumversionen in Betracht gezogen werden. Holzterrarien sind hierfür völlig ungeeignet. Außerdem können sie in der Behausung eures Haustieres Schimmel hervorrufen, was für euren Schützling fatale gesundheitliche Folgen haben könnte.

Um eine ausreichende Belüftung zu gewährleisten, sollte das Terrarium oben und unten Luftöffnungen haben. So kann überschüssige Feuchtigkeit austreten und eine gute Luftzirkulation stattfinden. Das Feuchtterrarium sollte im Durchschnitt zwischen 70 und 80 % Luftfeuchtigkeit haben (tierabhängig). Die Temperaturen liegen hierbei meist bei 25 und 32 Grad. Nachts kühlt es sich auf angenehme 20 Grad hinunter.

Technik

Generell braucht man beim Tropen- weniger Technik als beim Wüstenterrarium. Trotzdem sind Wärmespender durch Heizmatte oder Heizkabel notwendig. Die Heizung liegt in der Regel unter dem Terrarium. Ausgenommen sind dabei die Bedürfnisse der Tiere, die einen feuchten oder halbfeuchten Boden benötigen. Dann werden Matte oder Kabel an der Rückseite angebracht. Fertige Rückwände kann man in einem Fachhandel erwerben.

Da die konstante Temperatur sehr wichtig ist, empfiehlt es sich, Regler einzubauen. Denn Schwankungen können dem Tier schaden. Durch das Anbringen von Thermometer und Hygrometer könnt ihr die Werte überprüfen.

Die Beleuchtung im Tropenterrarium sollte sonnenähnlich und natürlich ausfallen. Dafür sind UV-Leuchtsoffröhren, Tageslicht- oder Pflanzenröhren am besten geeignet. Diese weisen einen geringen Energieverbrauch auf, haben aber gleichzeitig eine hohe Lichtausbeute.

Damit das Regenwaldfeeling aufkommt ist die Luftfeuchtigkeit enorm wichtig. Daher muss das Terrarium täglich bewässert werden. Achtet darauf, dass das Wasser kalkarm ist und vorher durch einen Kohlefilter läuft. Zur Beregnung kann man Handpumpflaschen und manuelle Druckluft-Spritzen verwenden. Diese sind die kostengünstige, aber aufwendigere Möglichkeit. Eine Beregnungsanalage läuft automatisch, ist aber auch wesentlich teurer in ihrer Anschaffung. Da das Terrarium aber 2- bis 3-mal täglich bewässert werden sollte, ist ein Kosten-Nutzen-Abgleich sinnvoll.

Einrichtung

Bei der Einrichtung des Terrariums habt ihr viel gestalterischen Spielraum. Die Auswahl sollte natürlich an die Größe der Behausung und des Tieres angepasst sein. Erlaubt ist hierbei aber ziemlich alles: Von Rinden und Kork über Wurzeln und Blättern bis zu ganzen Ästen. Pflanzen sorgen nicht nur optisch für einen Hingucker, auch sorgen sie für ein optimales Klima. Der Bodengrund ist ebenfalls vom Reptil abhängig – manche bevorzugen Kokossubstrat, andere Moos.

 

Aquaterrarien (Paludarium)

Eine besondere Form des Terrariums ist das Paludarium. Für wasserliebende Reptilien sowie Amphibien wird hierbei eine Symbiose aus Land und Wasser kopiert. Es gilt als „Kompromisslösung“ zwischen Aquarium und Terrarium. Palus ist dabei der lateinische Begriff und bedeutet übersetzt soviel wie Sumpf.

Klima

Das Paludarium besteht aus einem Wasser- und einem Landteil. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es entsteht ein tropisches Klima.
Ein natürlicheres Gefühl kommt auf, wenn man die Pflanzen direkt in den Boden einsetzt. Allerdings muss man bedenken, dass man sie bei jeder Reinigung erneut herausziehen muss und später wieder bepflanzt. Daher sind Blumentöpfe meist die praktischere Lösung. Die Pflege des Paludariums gestaltet sich häufig als Herausforderung. Eine vollständige und eigenständige Säuberung ist unmöglich. Setzt die Bewohner erst bei völliger Kein- und Parasitenfreiheit ein. Bei der Reinigung kann ein leistungsfähiger Abfluss eine wertvolle Hilfe darstellen.

Der optimale Wasserstand eines Paludariums variiert – wer hätte es gedacht – auf Grund seiner Bewohner. Er darf nicht zu hoch für die Tiere sein, bei denen eine Gefahr des Ertrinkens besteht. Um dies zu vermeiden, sollte auch immer eine Ausstiegsgelegenheit installiert werden, zum Beispiel durch Äste oder Steine. Zu niedrig kann aber ebenfalls schädlich sein und sie nicht mit ausreichend Flüssigkeit versorgen. Daher empfiehlt es sich, nicht zu viele unterschiedliche Tierarten einzusetzen.

Technik

Die Technik besteht aus einem Wasserfilter, der eine saubere Umgebung gewährleistet, einem Vernebler, der eine hohe Luftfeuchtigkeit erzeugt, und der Beleuchtung. Amphibien sind dabei nicht auf UV-Licht angewiesen. Reptilien als Warmblüter allerdings schon. Auch benötigen manche Tiere einen extra Wärmebereich. Dafür sind besonders Spotstrahler zu empfehlen.

Es sind die höheren Anforderungen an die Belüftung zu beachten. Eine gute Planung ist dabei alles! Auch sind geöffnete Paludarien möglich. Lasst euch dafür in Fachgeschäften beraten.

Einrichtung

In Sachen Lebensraum habt ihr beim Paludarium die größte Auswahl. Für den Schutz von Fischen sorgen hier Pflanzen und Wurzeln wie bei einem natürlichen Ufer. Die Wasserqualität ist meist sogar besser als die des Aquariums. Pflanzenwurzeln wachsen hier direkt in den Wasserteil. So haben sie die Möglichkeit Schadstoffe zu entziehen und durch ihre freiliegenden Blätter wieder abzugeben.

Ob ihr das Aquaterrarium dicht bepflanzt oder eher karg ausstattet, hängt auch hier von den Bewohnern ab. Geeignet für ein Paludarium sind Kröten, Molche, Schildkröten oder Agamen.

Bei der Gestaltung des Landteils kann man sich am Sumpfgebiet orientieren. Eine Bepflanzung mit Farnen, Bromelien, Schilf und Bambus kann zum optischen Highlight des Terrariums werden. Der Bodengrund ist aus Torf, Humus oder Kies.

Reptil

Materialien

Beim Kauf des Terrariums werdet ihr bald auf die Auswahl zwischen Glas, Holz, Kunststoff und Aluminium stoßen. Alle Materialien haben ihre Vor- und Nachteile, sind aber nicht für jedes Tier gleich geeignet.

 

Das Glasterrarium …

…gehört zu den beliebtesten Formen in der Terraristik. Man kann die Tiere immer sehen und bei schöner Gestaltung ist das Glasterrarium ein absoluter Hingucker. Das Glasheim ist vielseitig einsetzbar und kann bei den verschiedensten Tieren die richtige Wahl sein. Besonders für Tiere, die Feuchtigkeit oder Nässe bevorzugen empfiehlt sich dieses Material. Auch ist die Reinigung gegenüber Holz wesentlich einfacher und ohne großen Aufwand zu betreiben.

Allerdings kann Glas Wärme schlecht speichern und so sind zusätzliche Wärmequellen immer nötig. So können höhere Energiekosten anfallen. Viele Reptilien mögen es nicht, immer beobachtet werden zu können, sodass sie sich eher zurückziehen.

 

Das Holzterrarium…

…ist besonders bei Wüstenlandschaften beliebt. Es bietet das perfekte zu Hause für Insekten, Spinnen, subtropische und steppenbewohnende Tiere. Das natürliche Material gliedert sich problemlos in den Lebensraum ein. Auch hat es eine bessere Wärmedämmung als Glas, wodurch geringere Kosten für Stromverbrauch und Wärmequellen entstehen. Der Anschaffungspreis ist in der Regel ebenfalls geringer.

Das Holzterrarium kann allerdings nicht von jedem Tier bewohnt werden. Besonders Arten, die in feuchten Gebieten leben, können nicht in Holzterrarien gehalten werden. Die Gefahr ist zu groß, dass sich durch die Feuchtigkeit Schimmelpilze bilden. Im schlimmsten Fall wird dein Tier dadurch lebensbedrohlich krank.

 

Das Kunststoffterrarium…

…zeichnet sich durch eine sehr gute Wärmedämmung aus, wodurch Energiekosten auf Dauer geringgehalten werden. Sie weisen eine hohe Stabilität auf und sind trotzdem sehr leicht. Durch die glatte Oberfläche ist das Terrarium einfach zu reinigen. Außerdem kann es nicht schimmeln oder aufquellen wie z.B. Holz.

Integralhartschaumplatten oder Forex sind hier die Materialien, die verwendet werden. Dadurch ist das Terrarium sehr teuer.

 

Das Aluminiumterrarium…

…ist hygienisch, robust und stabil. Auch durch sein geringes Gewicht bleibt es mobil und weist oftmals ein modernes Design auf. Die Langlebigkeit von Aluminium ist unbestreitbar.

Allerdings ist diese Variante, ebenso wie die aus Kunststoff, recht kostenintensiv. Hinzu kommt die schlechte Wärmedämmung. So sind nicht nur Anschaffungskosten hoch, auch die laufenden Ausgaben erhöhen sich.

 

Gut zu wissen

Auch die Wahl der Tür des Terrariums sollte miteinbezogen werden. Beachtet bei einer Schiebetür, dass sie verschließbar ist.

Bei giftigen Bewohnern ist eine Falltür zu empfehlen. Hier könnt ihr schnell reagieren und eure Hände in Sicherheit bringen. Allerdings ist diese Variante eher bei kleineren Terrarien ratsam.

Wenn ihr Tiere besitzt, die gerne graben (z.B. Bartagame) bestimmt der Abstand zwischen Tür und Boden die Füllhöhe eures Bodengrundes. Hier rät es sich, ein Terrarium mit höher liegendem Portal zu wählen.

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