Was versteht man unter Clickertraining?

Click-click – Leckerli. Click-click – Leckerli.
Die Grundlage des Clickertrainings für Hunde ist die Bestärkung positiven Verhaltens. Diese Ausbildungsmethode mit Hilfe eines kleinen Gerätes, das man Clicker nennt, ist hoch effektiv und einfach zugleich. Der Hund erlernt dadurch, welche seiner Handlungen erwünscht sind. Egal, ob zur Grunderziehung von Welpen, zum Erlernen von Tricks und Kunststücken, zum Abtrainieren unerwünschter Verhaltensmuster, oder aber um Zugang zu scheuen oder verhaltensgestörten Hunden zu bekommen – der Clicker ist ein wirklicher All-Rounder.
Auch in hündischen Hochleistungsbereichen, wie in der Ausbildung zum Drogen-, Minensuch- oder Blindenhunden wird auf Clickertraining gesetzt.

Clickertraining für Katze, Hase, Pferd

Wie kam man darauf, ein Tier durch ein Geräusch, anstelle eines Leckerlis zu belohnen? Wer denkt, dass das Clickertraining eine neue Trainingsmethode ist, und ausschließlich für Hunde eingesetzt wird, der irrt sich:
Auch wenn das Experiment erstmals mit Hunden durchgeführt wurde, findet das Clickertraining bei Katzen und allen möglichen anderen Tierarten Verwendung. Neben Katzen wird es mittlerweile auch für Nagetiere, Pferde, Vögel und sogar Fische eingesetzt, um gewünschte Verhaltensmuster zu stärken. Schon während des Kalten Krieges wurden Raben so trainiert, dass sie mit Kameras über bestimmte Bereiche fliegen oder Delfine absolvierten Unterwasseraufträge.

Konditionierung – Vom gesteigerten Speichelfluss zur universellen Trainingsmethode

Der Ursprung des Clickertrainings liegt in der Verhaltenspsychologie. Der russische Physiologe Iwan Pawlow stellte Anfang des 20. Jahrhunderts durch Beobachtung fest, dass bei Zwingerhunden die Schritte des Besitzers für einen starker Speichelfluss sorgten, obwohl noch kein Futter in Sichtweite war. So kam er zu der Vermutung, dass die Hunde das Geräusch der Schritte mit der Fütterung in Verbindung bringen.

Der Pawlow’sche Hund

Pawlow wusste, dass generell der Anblick von Futter einen gesteigerten Speichelfluss bei Hunden hervorruft. Das einfache Klingeln einer Glocke, führte zu keinerlei Reaktion seitens des Hundes. Nachdem er mehrmals die Glocke läutete und dem Hund zeitgleich Futter gab, stellte er fest, dass nun alleine das Klingeln der Glocke, ohne zu füttern, für einen erhöhten Speichelfluss sorgt.

Das Prinzip des Clickertrainings

Das Grundgedanke bei dem Clickertraining ist nicht das Bestechen mit Futter, sondern das Belohnen dafür, dass sich Dein Hund mit Situationen auseinandersetzt. Clickertraining sorgt auch langfristig für eine engere und bessere Beziehung zwischen Hund und Besitzer.
Vor der Konditionierung hat das „Click“-Geräusch für den Hund keinerlei Bedeutung und er kann es nicht zuordnen. Wenn Du allerdings dafür sorgst, dass Dein Hund das Klicken mit einer positiven Erfahrung in Verbindung bringt – in dem Fall einem Leckerli – ist die Grundlage für schnelles und effektives Training geschaffen.
Außerdem kannst Du jetzt „per Knopfdruck“ dafür sorgen, dass sich Dein Hund gut fühlt.
Geht es dem Hund schlecht und er äußert Angst oder Unsicherheit durch ein bestimmtes Verhalten, kannst Du diesen negativen Emotionen entgegen wirken und per Klick dafür sorgen, dass es ihm besser geht. Durch die emotionale Gegenkonditionierung ist nun auch das Erlernen eines alternativen Verhaltens in der unangenehmen Situation einfacher.

Wichtig beim Clickertraining ist, dass Du schnell handelst, denn Hunde können nur in der ersten Sekunde nach einer Handlung zuordnen, welches Verhalten jetzt gut und richtig war.
Deshalb muss es schnell gehen mit der Belohnung und während Du die Leckleri-Tüte suchst, macht Dein Hund schon längst nicht mehr, wofür Du ihn eigentlich belohnen wolltest…

Clickertraining

Clickertraining

Die Konditionierung mit dem Clicker – Schritt für Schritt

Jetzt kommt der Clicker ins Spiel, denn Du kannst Deinen Hund nicht nur mit Leckerbissen belohnen, sondern auch mit einem Geräusch.

Du benötigst:

  • Ca. 10 Leckerlis, am Besten seine Lieblingssorte, die klein und gut schluckbar sein sollten
  • Einen Clicker, es funktioniert natürlich auch mit einer anderen Geräuschquelle, wie einer Klingel oder Glocke
    Wenn Du nichts dergleichen zu Hand hast, funktioniert es auch mit einem Pfiff oder Schnalzen

Clickertraining – So funktioniert’s

1. Schritt: Die Vorbereitung
Nimm Dir ein paar Leckerlis in die eine Hand und den Clicker in die Andere. Unmittelbar, nachdem Du geklickt hast, gibst Du Deinem Hund ein Leckerli.

2. Schritt: Die Verknüpfung
Achte darauf, dass ihr beiden Euch nicht immer in der gleichen Position befindet und wiederhole Schritt 1 ca. 5 -10 mal. Wenn Dein Hund verstanden hat, dass das Leckerli mit dem „Click“-Geräusch in Verbindung steht, kann es weiter gehen.

3. Schritt: Die Festigung
Warte, bis die Konzentration Deines Hundes nicht mehr auf Dir liegt und klicke erst dann. Schaut Dein Hund Dich nun erwartungsvoll an, dann hat die Konditionierung funktioniert – Herzlichen Glückwunsch! Die Grundlage für ein erfolgreiches Training und Erziehung ist nun geschaffen.

Sitz, Platz, Pfote, Rolle, Bei Fuß – die Möglichkeiten sind unendlich

Gut Ding muss Weile haben – das gilt für beide Seite. Der Hund muss sich erst an diese neue Trainingsmethode gewöhnen. Du musst lernen, das richtige Timing abzupassen und hast mit Clicker in der einen und Leckerlis in der anderen Hand alle Hände voll zu tun. Der Spieß wird nämlich jetzt umgedreht: Der Hund muss kreativ werden und von sich aus handeln, während wir nur auf seine Handlung reagieren. Wurden Leckerlis bislang nur als „Lockmethode“ verwendet oder eher mit Korrekturen und Bestrafung gearbeitet, muss sich der Hund auch diesbezüglich umstellen.

Tricks und Tipps für einen vollen Erfolg

  • Je nach Hund dauert die Konditionierung länger oder kürzer. Wenn Dein Hund es nach 10 Leckerlis noch nicht verstanden hat, nimm Dir Zeit (und einfach noch ein Paar Leckerbissen)
  • Starte mit leichten Übungen und steigert Euch beide. Weshalb direkt zu hohe Erwartungen haben und am Ende frustriert sein, wenn es nicht so läuft, wie gedacht?
  • Ein erfolgreicher Start bietet beste Voraussetzungen für spätere, kompliziertere Übungen
  • Vor allem beim Erlernen neuer Tricks ist es empfehlenswert, dies in einer ruhigen und gewohnten Umgebung zu machen, sodass Dein Hund nicht abgelenkt wird
  • Trainiere lieber in mehreren kleinen Einheiten den Tag über verteilt, anstelle von einem langen Training
  • Wenn Deinem Hund von fünf Übungen nur 1-2 mal die gewünschte Übung gelingt, versuch Deine Trainingsmethode etwas zu verändern und sie in kleinere Schritte aufzuteilen – Die Erfolgsrate sollte beim Erlernen neuer Tricks hoch sein

Sobald eine Übung wirklich sehr gut funktioniert, kannst Du am Ende natürlich noch einen „Hauptgewinn“ zur Belohnung einsetzen. Belohnung ist jedoch nicht Belohnung: Du weißt am Besten, mit was Du Deinen Hund richtig glücklich machen kannst, sei es der geliebte Knochen, ein Stückchen Wurst oder ein bestimmtes Spielzeug.
Da Dein Liebling nicht weiß, wann es den Hauptgewinn bekommt, wird er sich jedes Mal anstrengen, besser zu werden.

Rolle

1. Da die Ausgangsposition das Liegen ist, bringe Deinen Hund ins Kommando Platz
2. Nimm ein Leckerli in die Hand und führe seinen Kopf seitlich nach hinten, sodass er sein Hinterteil seitlich ablegt
3. Sobald er Deiner Hand mit der Schnauze folgt, belohne ihn mit einem „Click“
4. Wenn das mehrmals erfolgreich geklappt hat, bringe ihn dazu, sich auf den Rücken und dann weiter auf die andere Seite zu drehen. Belohne ihn sofort wieder mit dem Clicker und Leckerli
5. Nun führst Du ein Kommandowort Deiner Wahl ein, zum Beispiel „Rolle“. Dieses sprichst Du zu Beginn der Übung aus und belohnst ihn mit dem Clicker und einem Leckerli für das Abrollen über den Rücken
6. Es kann einige Wiederholungen benötigen, bis der Hund das Kommando der Übung zuordnen kann
7. Du kannst auch versuchen, langsam Distanz aufzubauen, sodass er das Kommando auch aus der Entfernung ausführen kann. Dazu veränderst Du Deine Position langsam vom Hocken bis hin zum Stehen und bewegst Dich einige Meter weg – auch dies benötigt Zeit und einige Wiederholungen
8. Als nächste Steigerung kannst Du auch noch ein Handzeichen einführen, das Du zeitgleich mit dem ausgesprochenen Kommando ausführst, zum Beispiel einen ausgestreckter Finger, der eine Drehung anzeigt

aufmerksamer Hund

aufmerksamer Hund

Und was ist mit der Bestrafung für negatives Verhalten?

Wie man sich verhält, ist eine Frage der Konsequenzen, die man auf sein Verhalten erlebt hat. Wie schon erwähnt, ist die Grundlage des Clickertrainings die Bestärkung positiven Verhaltens. Wenn man das positive Verhalten eines Hundes belohnt, wird er sich das merken und es wieder zeigen.
Dabei wird auf jegliche Korrektur verzichtet und negatives Verhalten wird nicht beachtet.

Jetzt könnte man davon ausgehen, dass das Training mit sofortiger Belohnung auch mit sofortiger Bestrafung funktioniert und dadurch ein negatives Verhalten nie wieder auftritt.
Theoretisch ist das möglich: Vielleicht hast Du als Kind auch schon mal auf die heiße Herdplatte gefasst und musstest schmerzlich feststellen, dass das keine so gute Idee war. Eine wahrscheinlich recht einprägsame Erfahrung, die dazu geführt hat, dass Du es nie wieder tust.

Effektives Strafen funktioniert nicht

Bei Hunden ist das allerdings etwas anders, denn um wirklich effektiv strafen zu können, müsstest Du sofort reagieren und dieses Verhalten jedes Mal heftig bestrafen. Selbst dann ist es nicht ganz sicher, ob Dein Hund auch versteht, weshalb er bestraft wird.
Abgesehen davon, dass es für beide Seiten keinen Spaß macht, kann es auch zur Folge haben, dass Dein Hund die falschen Handlungen mit der Bestrafung verknüpft und er vollkommen verunsichert wird.

Wesentlich angenehmer, effektiver und spaßiger für Hund und Mensch ist da einfach das sofortige Belohnen eines guten und erwünschten Verhaltens. Außerdem sind Hunde, die keine Angst davor haben, Fehler zu machen, lern bereiter. Sie werden zu einem mitdenkendem Trainingspartner, der sich selbstständig eine Lösung überlegen muss und Freude daran hat, neue Dinge zu erlernen.

Kreativität steigern

Es gibt einige Übungen, um die grauen Zellen und die Kreativität Deines Hundes zu steigern. Die 101-Dinge-Kiste ist perfekt, um die Neugier des Hundes zu nutzen und ihn darin zu bestärken, kreativ zu sein. Ein normaler Karton, eine Kiste oder jedes beliebige andere Objekt, das multifunktional ist, bietet sich dafür gut an.
Der Hund wird für jede seiner Handlungen belohnt, sei es ein simples Anstupsen, Herumschieben, Beschnuppern, Hereinspringen. Sinn hinter dieser Übung ist, dem Hund zu verstehen zu geben, dass sich Kreativität lohnt.

Targettraining

Wenn die Konditionierung mit dem Clicker gut klappt und der Hund weiß, dass sich Kreativität auszahlt, ist die Grundlage für viele Trainingsformen geschaffen, etwa dem Trickdogging oder dem Targettraining. Target ist das englische Wort für „Ziel“, und so geht es in dieser Art des Trainings um den Einsatz eines Zielobjekts, welches der Hund mit der Schnauze berühren soll. Dabei kann man bei der Wahl des Zielobjekts sehr kreativ werden: Am geläufigsten ist ein Stab mit einer Kugel an der Spitze – eine Fliegenklatsche, ein Kochlöffel oder eine Hand tun’s auch. Hauptsache von dem Gegenstand geht keine Verletzungsgefahr für den Hund aus.

Targettraining

Targettraining

Targettraining – Schritt für Schritt:

1. Du nimmst den Clicker und Dein Target-Objekt nach Wahl in eine Hand und Leckerlis in die Andere. Das Target wird hinterm Rücken versteckt und dem Hund erst dann gezeigt, wenn Du bereit zum Clicken
und Belohnen bist.
2. Nutze die Neugierde des Hundes: Sobald er sich für das Objekt interessiert, folgt ein „click“ und ein Leckerli. Während der Hund noch mit dem Fressen beschäftigt ist, nimmst Du das Target wieder hinter
Deinen Rücken und präsentierst es ihm erneut. Auch erste Blicke und Kopfdrehungen in Richtung des Targets werden belohnt und Du wiederholst es 10-15 mal.
3. Allmählich kannst Du auch etwas mehr Denkeinsatz von Deinem Hund verlangen. Er schaut das zwar Target an, aber berührt es noch nicht? Warte einfach mal etwas ab und schau, was er macht.
Wahrscheinlich wird er fordernd reagieren, denn er rechnet mit seiner Belohnung. Sobald er sich dem Target etwas mehr zuwendet, folgt wieder ein „click“. Der Hund versteht, dass er noch etwas näher ran              muss.
4. Jetzt wird nur noch geklickt, wenn die Schnauze sich in unmittelbarer Nähe zum Objekt befindet.
5. Wenn Dein Hund diese Aktion mehrmals zeigt, kannst Du nur noch klicken, wenn die Nase das Objekt auch wirklich berührt
6. Variiere ruhig die Position des Objekts, sodass sich Dein Hund auch mal strecken oder bücken muss, um es mit der Schnauze zu berühren
7. Du kannst auch später noch ein Signalwort bzw ein Kommando für das Anstupsen einführen, zum Beispiel „Stups

 

Was für Vorteile hat es, meinen Hund auf einen Gegenstand zu fixieren?

  • Der Hund kann durch Bewegung des Objekts gelotst werden, zum Beispiel durch einen Slalom-Parcour
  • Man kann das „Bei Fuß“-Gehen üben
  • Kunststücke, wie zum Beispiel „Männchen“-Machen oder auf den Hinterbeinen laufen, können trainiert werden
  • Man kann das Objekt auf andere Gegenstände übertragen und so dem Hund beibringen, einen Lichtschalter an und aus zumachen
Bewertung:
Bewertungen: 1 Ihre Bewertung: {{rating}}