Haftlinger

Lesedauer: 8 Minuten Aufrufe 133

Größe:
138 – 150 cm
Gewicht:
450 – 600 kg
Herkunft:
Österreich
Lebensdauer:
25 – 30 Jahre
Farbe:
Fuchsfarben, Lichtfuchs
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Ausdrucksvoll
Körper
Elegant, Kraftvoll
Gang
Dreigänger
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Der Haflinger ist ein beliebtes Freizeitpferd und begeistert viele Reiter mit seiner Vielseitigkeit. Die charismatischen Blondschöpfe aus Südtirol stammten einst von Gebirgspferden ab und wurden durch die Einkreuzung von Vollbütern wie dem Araber veredelt.

Das Ergebnis ist mehr als überzeugend! Der Haflinger ist elegant und kräftig in ansprechender Fuchsfarbe mit schneeweißer Mähne.

Das macht das Pony nicht nur zu einem ansprechenden Begleiter für Kinder und Jugendliche, auch zahlreiche Erwachsene sind von der Leistungsbreitschaft, Trittsicherheit und Freundlichkeit begeistert.

Rassebeschreibung

Obwohl der Haflinger als Pony kein klassisches Sportpferd für Reiter mit Turnierambitionen ist, kann er mit etwas Begabung ohne Probleme schwierige Lektionen erlernen.

Seine Passion liegt zwar zweifelsohne im Fahrsport, schließlich diente er vor langer Zeit den Bauern als Zugpferd, kann aber auch als normales Reitpferd begeistern. Wer sich ein bisschen mehr Temperament wünscht, aber von der Optik und dem Wesen des Haflingers angetan ist, ist beim Edelbluthaflinger genau richtig.

Bei dieser Zuchtlinie ist der Vollblutanteil höher als in der klassischen Zuchtlinie. Das macht den Edelbluthaflinger etwas filigraner und spritziger ohne die typischen Eigenschaften wie Nervenstärke und Gutmütigkeit zu verlieren.

Zu guter Letzt sind es die Widerstandsfähigkeit und Robustheit, die den Haflinger attraktiv machen. Er kann ganzjährig problemlos im Freien leben und benötigt nicht viel Futter.

Seine Leichtfuttrigkeit ist gleichzeitig Vor- als auch Nachteil. Der Haflinger neigt bei reichlich Futter schnell mal zum dick werden, was ihn krank machen kann. Maß halten ist daher angeraten! Seine harten Hufe benötigen meist keine Hufeisen, außer sie sind extremen Belastungen ausgesetzt.

Mit all seinen Eigenschaften lässt der Haflinger kaum einen Wunsch offen!

Herkunft und Rassegeschichte

Der Haflinger stammt aus den Tiroler Alpen und war dort bereits seit dem Mittelalter als Gebirgspferd im Einsatz. Die kleine Gemeinde Hafling in Südtirol nahe Meran und Bozen war namensgebend für den Haflinger.

Die kleinen kräftigen Ponys zeichneten sich vor allem durch eine hohe Trittsicherheit im schwierigen Gelände der Hochalmen aus.

Einst war der Haflinger ein Zug- und Saumpferd und seine damalige Erscheinung erinnerte mehr an ein Kaltblutpferd als an den eleganten Haflinger von heute. Immer wieder wurden Noriker-Hengste eingekreuzt.

Beginn der Haflingerzucht

Im Jahr 1874 wurde ein Araberhengst mit einer einheimischen Stute gepaart. Der Sohn dieses Hengstes war 249 Folie. Folie gilt bis heute als Stammvater aller Haflinger.

Tatsächlich gehen die sieben verschiedenen Blutlinienbegründer der Haflinger alle auf diesen einen Hengst zurück. Der Haflinger wurde schließlich 1898 offiziell als Rasse anerkannt.

Einen herben Rückschlag erlitt der Haflinger im Ersten Weltkrieg. Da Südtirol nicht mehr länger Teil von Österreich war, übernahmen Italiener die Zucht des Haflingers.

Aufgrund des Zeitpunktes waren alle für die Zucht benötigten Hengste in Österreich verblieben, die Zuchtstuten hingegen in Italien. Die Haflingerzucht musste in Österreich wieder neu aufgebaut werden und erholte sich nur langsam.

Bis heute werden Haflinger in Österreich, Deutschland und Italien gezüchtet. Immer wieder wurden vor allem in Deutschland Araber eingekreuzt, um eine weitere Veredelung des Haflingers zu erreichen.

Der Zuchtverband der Haflinger reagierte besorgt auf diese Entwicklung und entschied 2008 daher, zwei Zuchtbücher zu erstellen. Heute gibt es ein Zuchtbuch für Haflinger und eines für Edelbluthaflinger.

Die Welt Haflinger Vereinigung erlaubt bei einem Haflinger einen Fremdblutanteil von bis zu 1,56 %, forciert aber die Reinzucht. Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol hingegen hat sein Zuchtbuch 1920 geschlossen und erlaubt seit diesem Zeitpunkt keine Einkreuzung weiterer Rassen.

In solch einem Falle muss ein Haflinger von einem anderen Zuchtverband als solcher anerkannt werden.

Wissenswert: Edelbluthaflinger dürfen maximal einen Fremdblutanteil von bis zu 25 % aufweisen.

Dieser Fremdblutanteil muss allerdings zwingend von einem Araber, erkennbar am ox am Endes des Namens, stammen.

Aussehen des Haflingers

Haftlinger

Der Haflinger zählt mit einem Stockmaß zwischen 138 und 150 cm zu den größten Ponyrassen und kann somit als Kleinpferd bezeichnet werden. Aufgrund seiner kräftigen Statur ist der Haflinger problemlos von erwachsenen Menschen reitbar.

Körperbau

Der Körperbau der Haflinger ist muskulös und gleichzeitig elegant. Während der frühere Typ stämmiger war, wird heute vermehrt auf sportliche Pferde gesetzt.

Der Haflinger-Verband hat ein eindeutiges Zuchtziel formuliert; erwünscht ist ein elegantes Pferd mit einem ausdrucksvollen Kopf und großen Augen.

Der Rücken des Haflingers ist meist lang und kräftig, der Hals ist gut bemuskelt, die Schulter schräg. Der Edelbluthaflinger unterscheidet sich optisch kaum vom klassischen Haflinger.

Je nach Höhe des Vollblutanteils wirkt er etwas filigraner, was aber nicht zwingend der Fall sein muss.

Farbe

Die Farbe des Haflingers wird als Lichtfuchs bezeichnet. Die Fuchsfarbe des Haflingers kann in verschiedenen Farbvariationen vorkommen, Kohlfüchse sind allerdings selten, charakteristisch ist immer der weiße oder flaxfarbene Behang.

Die Fuchsfarbe wird durch das sogenannten Flaxen-Gen aufgehellt. Das Fell am Bauch und den Innenseite der Beine kann deutlich heller sein als der restliche Körper.

Viele Haflinger besitzen zudem ein Mehlmaul, Abzeichen am Kopf wie eine Blesse sind erlaubt.

Charakter und Wesen

Der Haflinger zählt zu den charakterstarken Pferderassen und ist von Natur aus extrem leistungsbereit. Ist er ausgelastet und wird psychisch und physisch gefordert, gilt er als freundlich, gutmütig und nervenstark.

Trotz seiner hohen Leistungsbereitschaft ist der Haflinger leicht händelbar und im Alltag stets ruhig. Im Umgang mit dem Haflinger muss entsprechend auf die Sensibilität der Pferde Rücksicht genommen werden.

Der Haflinger benötigt eine konsequente und faire Erziehung. Seine Cleverness und eigensinnige Art darf nicht unterschätzt werden. Gibt der Mensch dem Haflinger nicht vor, wie dieser sich zu verhalten hat, entscheidet der Haflinger selbst.

Aufgrund dieser Eigenschaften ist der Haflinger kein typisches Anfängerpferd, da er auf unklare Befehle und fehlendes Durchsetzungsvermögen stur reagieren kann.

Eine Verwendung in Reitschulen oder ein Einsatz als Therapiepferd ist je nach Charakter und Temperament aber möglich.

Haltung und Ernährung

Haltung

Der Haflinger ist ein widerstandsfähiges und robustes Pferd, dass problemlos das ganze Jahr über im Offenstall gehalten werden kann.

Die Möglichkeit eines trockenen und sauberen Unterstandes sollte aber in jedem Fall gewährleistet werden. Der Haflinger ist wie viele andere Ponyrassen gerne unter seines Gleichen, kann aber auch problemlos in rassegemischten Herden gehalten werden.

Ernährung

Ähnlich wie das Islandpferd zählt der Haflinger als Robustpferd zu den leichtfuttrigen Pferderassen. Er neigt bei entsprechender Veranlagung zum Übergewicht und sollte daher mit Bedacht gefüttert werden.

Als Richtwert sind rund 8 Kilogramm Heu ohne große körperliche Belastung empfehlenswert. Eine sogenannte ad libitum Fütterung von Heu, bei dem das Pferd freien Zugang zu Heu erhält, geht meistens nach hinten los und wird schnell mit Übergewicht bestraft.

Eine Zufütterung von Kraftfutter ist meist nicht notwendig und sollte dem Arbeitspensum angepasst werden.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Der Haflinger benötigt in der Erziehung eine klare Linie und muss gefordert werden. Seine Gutmütig- und Freundlichkeit machen ihn in vielen Fällen zu einem idealen Pferd für ambitionierte Reitanfänger.

Durch ihre Intelligenz und Leistungsbereitschaft sind viele Haflinger allerdings für fortgeschrittener Reiter geeignet. Der Haflinger ist äußerst fleißig und kann bei entsprechender Förderung und ausreichend Talent problemlos schwierige Lektionen erlernen.

Viele Richter sehen Haflinger zwar ungerne im Dressurviereck, aber zahlreiche Beispiele zeigen, wie vielseitig der Haflinger ist. Auf Westernturnieren, im Fahrsport und auf Distanzritten ist der Haflinger kein seltenes Bild.

Durch ihre hohe Auffassungsgabe erlernen sie schnell Kunststücke und Zirkuslektionen. Zu diesem Zweck eignet sich beispielsweise Clickertraining, das vornehmlich aus dem Hundetraining bekannt ist, sehr gut.

Pflege

In der Pflege ist der Haflinger ansonsten unproblematisch. Seine stabilen und harten Hufe benötigen nur selten Hufeisen. Im Winter entwickelt er ausreichend Fell und muss nicht zwingend eingedeckt werden.

Mähne und Schweif sollen natürlich erscheinen. Ein Verziehen der Mähne ist entsprechend nicht erforderlich. Der Schweif sollte zum Schutz des Pferdes regelmäßig gestutzt werden.

Tritt sich das Pferd auf den Schweif (der eine Verlängerung der Wirbelsäule darstellt), zieht es sich nicht nur dicke Strähnen aus dem Schweif, sondern erhält gleichzeitig einen unangenehmen Zug, der sich auf den gesamten Körper auswirkt.

Während der Sommermonate solltest Du Dein Pferd regelmäßig nach Zecken absuchen. Borreliose ist auch bei Pferden ein immer größer werdendes Problem.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Haflinger ist ein robustes und widerstandsfähiges Pferd. Krankheiten wie beispielsweise Hufrehe sind auf seine Leichtfuttrigkeit zurückzuführen.

Bei falscher Ernährung können neben Hufrehe auch Cushing und EMS (Equines metabolisches Syndrom) die Folge sein. Einige Pferde sind vom Sommerekzem (allergische Reaktion auf Mücken) betroffen. Ferner besteht eine Disposition zu equinen Sarkoiden (gutartige Hauttumore).

In jüngerer Zeit wurde zudem das Auftreten von PSSM (Polysaccharid Speicher Myopathie) beobachtet. Dabei handelt es sich um eine Muskelkrankheit, die bei muskulösen Pferden wie dem Haflinger oder auch Quarter Horse gehäuft auftreten kann.

Typische Symptome sind Muskelzittern und starke Muskelschmerzen nach der Arbeit.

Lebenserwartung des Haflingers

Ein Haflinger hat eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren und ist damit für ein Pferd sehr langlebig. Viele Haflinger werden bis weit über 20 hinaus problemlos geritten und gefahren.

Die Lebensdauer hängt selbstverständlich davon ab, ob der Haflinger unter Vorerkrankungen leidet und wie gut er gepflegt und gehalten wird.

Wie Du bereits erfahren hast, gibt es einige Dinge, die Du tun kannst, damit Dein Haflinger möglichst lange gesund und fit bleibt.

Haflinger kaufen

Einen gerittenen Haflinger kaufen

Du hast Dich dazu entschieden eine Haflinger zu kaufen? Damit triffst Du eine gute Wahl, ganz gleich, welche Pläne Du mit Deinem Haflinger hast. Als echtes Allround-Talent wirst Du mit dem Haflinger eine wunderbare Zeit haben.

Wegen seiner besonders in Europa starken Verbreitung ist der Haflinger in der Anschaffung durchaus erschwinglich. Ein gut gerittenes Freizeitpferd bekommst Du oftmals schon für 3000 EUR.

Je besser ausgebildet ein Pferd ist, desto teurer ist es natürlich. Neben den Anschaffungskosten solltest Du einen monatlichen Betrag von mindestens 300 EUR einkalkulieren, den Dich Dein Pferd kosten wird. Tierarzt, Hufschmied, Pension, Ausrüstung und Reitstunden sind permanente Kosten.

Hast Du alle Bedürfnisse und die entsprechenden Kosten für ein Pferd berücksichtigt, spricht nichts dagegen, einem Haflinger ein Zuhause zu geben.

Darf es vielleicht ein Fohlen sein?

Bringst Du bereits viel Erfahrung in der Ausbildung junger Pferde mit, kannst Du mit einem Haflingerfohlen ein richtiges Schnäppchen machen.

Der Haflinger ist in seinem Heimatland stark verbreitet und dient nach wie vor der Fleischgewinnung. Die Stuten und Fohlen verbringen dem Sommer auf den Almwiesen und werden im Herbst zurück ins Tal getrieben.

Fohlen, die nicht verkauft werden, gehen in die Schlachtung. Viele Organisationen kaufen diese Schlachtfohlen auf und vermitteln sie an Interessierte. Solche Fohlen erhalten meist keine Papiere, eine Teilnahme an einigen Turnieren wäre daher nicht möglich.

Legst Du Wert auf Papiere, findest Du auch bei seriösen Züchtern Fohlen, die um die 800 EUR kosten. Willst Du ein Fohlen kaufen, musst Du allerdings mit einigen Kosten rechnen, bis Du Dein Pferd reiten kannst.

Entscheidungshilfe

Obwohl der Haflinger ein durchaus anspruchsvolles Pferd sein kann, bereitet er vielen Reitern aufgrund seiner Vielseitigkeit große Freude.

Mit ein wenig Erfahrung im Umgang mit Pferden bekommst Du mit dem Haflinger ein Pferd, dass immer Spaß an der gemeinsamen Arbeit mit Dir haben wird. Dabei ist es dem Haflinger vollkommen egal, ob Du ausgiebige Geländeritte unternimmst oder Dressurlektionen trainierst.

Der Haflinger wird bei allen Aufgaben stets motiviert und mit Freude bei der Sache sein, solange Du ihn ehrlich und fair behandelst und ihn für gute Arbeit lobst.

Entscheidest Du Dich für den Haflinger, dann kannst Du einen absoluten Allrounder mit tollem Charakter Dein Eigen nennen!

Gib jetzt deine Bewertung ab:
Bewertung:
Bewertungen: 1 Ihre Bewertung: {{rating}}

Ähnliche Artikel

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.