Anatolischer Hirtenhund

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Größe:
71 – 81 cm
Gewicht:
40 – 65 kg
Herkunft:
Türkei
Lebensdauer:
10 – 12 Jahre
Farbe:
weiß, hellbraun und sandfarbend
Geeignet als:
FCI Gruppen:
Preis
900 bis 1500 Euro
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit von Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Du liebst Hunde fast genauso wie deine eigenen Kinder und bist auf der Suche nach dem Hund, der zu dir passt? In diesem Artikel erfährst Du alles Wissenswerte über die Rasse „Anatolischer Hirtenhund“.

Denn dieser ist nicht nur ein wahrer Charakterhund, sanftmütig und geduldig, er möchte auch gefordert werden und braucht unbedingt eine Aufgabe.

In diesem Artikel wird nicht nur auf den Ursprung dieser Rasse eingegangen, auch sein Körperbau, Gewicht und Fellpflege werden thematisiert.

Rassebeschreibung

Die FCI ordnet alle existierenden Hunderassen in unterschiedliche Oberkategorien. Ein Anatolischer Hirtenhund ist ein imposanter und beeindruckender Hund, der zu den größten Hunderassen zählt.

Er ist der 2. FCI Gruppe zugehörig und zählt demnach zu den Pinschern und Schnauzern – Molosser – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen. In der Gruppe II gehört er zur Sektion 2.2: Molossiode, Berghunde.

Wie der Name „Anatolischer Hirtenhund“ schon sagt, gehört diese Rasse zu den Hütehunden. Seine Aufgabe ist es demnach, zu hüten, zu schützen und auch zu bewachen.

Ursprünglich wurden Anatolische Hirtenhunde zur Jagd auf Großwild wie Pferde und Löwen eingesetzt. Auch als Kriegshund fand er lange Zeit Verwendung. Heutzutage schützt er weitgehend selbständig große Schafherden der türkischen Bauern vor Raubtieren.

Herkunft und Rassegeschichte

In der Türkei wird der „Anatolischer Hirtenhund“ sogar als Nationalhund gefeiert wird und auf Briefmarken abgedruckt ist. In Deutschland ist er häufig auch unter dem Namen „Kangal“ bekannt.

Insgesamt zählen vier verschiedene Einschläge zu dem Oberbegriff des Anatolischen Hirtenhundes. Neben dem Kangal gehören noch der Akba, der Karaba und der Kars-Hund dazu. Der Kangal wird in einigen Bundesländern als Listenhund geführt.

In Hamburg ist es den Haltern möglich, die Rassenlistenregelung mithilfe eines Wesentests außer Kraft zu setzen. Auch in Hessen gilt der Hund solange als gefährlich, bis das Amt vom Gegenteil überzeugt ist und dies schriftlich bestätigt. Der Import ist dort untersagt.

Der Ursprung der Anatolischen Hirtenhunde ist nicht eindeutig zu bestimmen. Sicher ist, dass er zu den ältesten Vertretern der Herdenschutzhunde gehört.

Vermutungen zufolge wurde er mit Stämmen aus dem Osten auf die türkischen Bergwiesen gebracht. Er stammt auf direkter Linie von den Mastiffs und den ursprünglichen Herdenschutzhunden des mittleren Ostens ab. Der Anatolische Hirtenhund wurde bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. erstmals schriftlich erwähnt.

Aussehen des Anatolischen Hirtenhundes

Anatolischer Hirtenhund

Der Anatolische Hirtenhund zählt zu den riesigen Hunderassen. Neben seiner stattlichen Schulterhöhe macht diese Hunderasse jedoch auch durch seinen muskulösen Körperbau Eindruck.

Dabei ist er keineswegs plump oder langsam, vielmehr bewegt er sich elegant, ist wendig und athletisch. Sein Fell ist kurz, in einigen Fällen mittellang und liegt eng an.

Eine dichte Unterwolle hält ihn warm und schützt ihn auch vor extremen Temperaturen. Die Ohren sind mittelgroß und liegen eng am Kopf an. Seine Rute ist in der Ruhehaltung am Ende nach oben eingerollt.

Ein Anatolischer Hirtenhund ist in verschiedenen Farbschlägen gezüchtet, von creme weiß, bishin zum gelblichen Ton. Es kommen aber auch gestromte, dreifarbige oder weiß-schwarze Farben vor.

Sein Kopf ist in der Regel weiß, seine Augen sind mandelförmig und häufig goldbraun bis dunkelbraun. Quelle: zooroyal

Charakter und Wesen

Das Wesen eines Hundes ist häufig durch den Zuchthintergrund beeinflusst. Ein Anatolischer Hirtenhund zeichnet sich aufgrund seiner ursprünglichen Aufgabe zu hüten durch eine hohe Unabhängigkeit und Selbständigkeit aus.

Dabei ist er ausgeglichen, ruhig und sehr intelligent, jedoch niemals aggressiv. Gegenüber Fremden ist er misstrauisch und zurückhaltend, gleichzeitig wachsam. Droht Gefahr, reagiert er schnell und wendig.

Seiner Familie gegenüber fasst ein Anatolischer Hirtenhund Vertrauen, fühlt sich ihr verbunden und ist sehr loyal ihr gegenüber.Gegenüber Kindern verhält er sich sanft und geduldig, zuweilen sogar spielfreudig.

Dennoch ist er zur Selbstständigkeit gezüchtet, und trifft Entscheidungen ohne Zusammenarbeit mit seinem Halter. Dies ist vor allem in der Dunkelheit der Fall, da er dann wachsam und voller Konzentration sein Terretorium beschützt.

Diese Eigenschaft führt dazu, dass der Umgang mit dem Anatolischen Hirtenhund seine Herausforderungen mit sich bringt, da er dominant und eigensinnig auftreten kann.

Er neigt zur Eifersucht und ist aufgrund seines ausgeprägten Beschützerinstinkts nicht ganz unproblematisch. Mit anderen Hunden ist ein Anatolischer Hirtenhund verträglich, vorausgesetzt, er hat keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Denn als Herdenschutzhund muss er in der Lage sein, auch mit anderen Hunden die Herden zu beschützen und in Gruppen zusammenzuarbeiten.

Haltung und Ernährung

Haltung

Durch seine ursprüngliche Bestimmung, Herden zu schützen, hat ein Anatolischer Hirtenhund hat ein großes Bewegungsbedürfnis. Er benötigt deshalb ein großes Grundstück, das er beschützen kann und für das er sich verantwortlich fühlt.

Selbstredend eignet er sich für das Beschützen von Schafherden. Hierfür sucht er sich gerne einen erhöhten Platz, von dem er das Gelände gut überblicken kann. Auch die täglichen Spaziergänge können groß genug kaum sein.

Wird ihm das zugestanden, ist er ein freundlicher und intelligenter Hund, der durch seine schnelle Auffassungsgabe in kurzer Zeit die notwendigen Gehorsamsregeln erlernt und sich kooperativ zeigt. Ein Anatolischer Hirtenhund ist ein robuster Hund, der keine großen Anforderungen an das Wetter stellt.

Ist es ihm zu warm, gräbt er gerne tiefere Mulden, um sich an heißen Sommertagen zu kühlen. Die Robustheit muss er mitbringen, da er seinem Zuchtzweck gemäß auch bei extremen klimatischen Verhältnissen die Herden bewacht. Diese reichen von tiefstem Frost bis hin zu sehr heißen und trockenen Tagen.

Ernährung

In Bezug auf die Ernährung ist ein Anatolischer Hirtenhund ebenfalls anspruchlos und hat eine gute, robuste Verdauung. Als Herdenschutzhund musste er in seiner Heimat Türkei mit unterschiedlicher Nahrung zurecht kommen.

Egal ob Fisch, Fleisch oder Brot. Er musste nehmen was kommt. Natürlich muss bei Anschaffung dennoch auf ein qualitiativ hochwertiges Futter geachtet werden.

Da er zu den sehr großen Hunderassen gehört, sollte unbedingt auf ein mineralreiches Futter geachtet werden, das auf den Bedarf großer- und somit auch schnellwachsender Hunde abgestimmt ist.

Erziehung und Pflege

Das Fell des Anatolischen Hirtenhundes sollte regelmäßig gekämmt werden. Vor allem im Fellwechsel ist dies nötig. Darüber hinaus bedarf es keiner weiteren Pflege.

Ein Anatolischer Hirtenhund ist es als Hirtenschutzhund gewöhnt, eigenständig zu agieren und auch selbstständig Entscheidungen zu treffen. Häufig werden die Anatolische Hirtenhunde ohne menschliche Hilfe mit großen Herden alleine gelassen, die sie über einen längeren Zeitraum eigenständig schützen.

Es liegt ihm im Blut, alleine zu schützen und notfalls auch gegenüber Raubtieren seine Herden zu verteidigen. Sieht er seine Schutzbefohlenen bedroht, scheut er nicht vor gefährlichen Auseinandersetzungen mit seinem Gegner, den er im äußersten Notfall auch bereit ist zu töten. Er muss also von Natur aus eine gewisse Schärfe mitbringen.

Deshalb ist dieser Hund keinesfalls für Anfänger geeignet, vielmehr benötigt er einen erfahrenen Menschen, der ihn liebevoll führt und erzieht, ihm jedoch auch konsequent seine Grenzen aufzeigt.

Andernfalls kann er zu einem Problemhund werden, der sich durch seinen Mut und seine Unerschrockenheit von unerfahrenen Menschen kaum beeindrucken lässt.

Wird er nicht art- und vor allem rassegerecht gehalten, beschützt ein Anatolischer Hirtenhund zur Not auch die Müllcointainer oder den kleinen Balkon vor vermeintlichen Eindringlingen.

Dies ist nicht nur äußerst ärgerlich für den Halter, der Hund leidet, da er sich nicht seiner Bestimmung und Bedürfnissen gemäß verhalten darf. Auch wenn die Zuchtbestimmung des Anatolischen Hirtenhundes Beachtung findet, kann die unterschiedliche Körpersprache von Mensch und Hund immer wieder zu Missverständnissen führen.

Gesundheit und typische Krankheiten

Viele Hunderassen leiden unter rassespezifischen Krankheiten. Ein Anatolischer Hirtenhund ist davon weitestgehend verschont. Er ist sehr robust und zeigt keine typischen Erkrankungen auf.

In einigen Fällen tritt HD oder Krebs auf. Man kann jedoch sagen, dass diese Rasse sehr zäh ist.

Lebenserwartung des Anatolischen Hirtenhundes

Anatolischer Hirtenhund

Auch hinsichtlich der Lebenserwartung stellt ein Anatolischer Hirtenhund so manch andere Rasse in den Schatten. Er kann 12 Jahre und älter werden.

Hunderasse Anatolischen Hirtenhund kaufen

Wenn Du Dich dafür interessierst, einen Anatolischen Hirtehund zu kaufen, solltest Du Dir folgende Fragen stellen:

  • Habe ich ein ausreichend großes Grundstück?
  • Bin ich ausreichend hundeerfahren? Bin ich in der Lage, diesem besonderen Hund gerecht zu werden?
  • Wie steht es um meine Finanzen? Kann ich Futter, Steuer- und Tierarztkosten begleichen?
  • An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen habe oder Probleme auftauchen?
  • Habe ich genügend Zeit, mit dem Hund lange und ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen?

Entscheidungshilfe

Die Entscheidung für oder auch gegen einen Hund sollte gut überlegt sein. Es ist wichtig, sich die Rasse genaustens anzuschauen, und auch den Züchter immer wieder zu besuchen. Eine leichtfertige Entscheidung hat häufig negative Folgen, die zu Lasten des Hundes gehen.

Denn schnell entwickeln Hunde Eigenarten, sind nicht mehr gesellschaftskompatibel, wenn eine Zeit lang nicht artgerecht auf sie eingegangen wurde. Ein Anatolischer Hirtenhund ist ein Hund mit besonderen Bedürfnissen.

Niemals solltest Du dir diese Rasse unüberlegt holen. Frage dich, welche Erwartungen Du an deinen Hund hast. Soll es ein freundlicher Familienhund sein, der dir gefallen möchte und sich deshalb in vielen Situationen kooperativ zeigt? Soll er Fremden gegenüber freundlich und aufgeschlossen sein? Dann ist ein Anatolischer Hirtenhund nicht das Richtige.

Diese Hunde benötigen ihren Raum und insbesondere eine Aufgabe. Vor allem ist er nur bedingt als Haushund geeignet, dafür kann er ohne Probleme draußen leben. Voraussetzung hierfür ist ein Platz, der trocken und sauber ist.

Unterdrücken lässt sich ein Anatolischer Hirtenhund nicht. Diese Hunde benötigen einen kompetenten, hundeerfahrenen Menschen, der ihnen ein guter Anführer ist. Ist er das nicht, kann ein Anatolischer Hirtenhund dominantes Verhalten an den Tag legen. Er ist Fremden gegenüber misstrauisch und verteidigt sein Revier.

Im Alltag bedeutet dies, dass das Gelände mit einem Schild an der Pforte ausgestattet sein sollte, das darauf hinweist. Postboten müssen dies wissen, da ein unerlaubtes Eindringen zur Verteidigungshaltung des Anatolischen Hirtenhundes führen kann.

Auch bei Gästen ist es wichtig, dem Hund deutlich zu machen, dass diese eintreten dürfen. Andernfalls kann es geschehen, er drohend auf dem Grundstück steht, und die Gäste nicht passieren lässt. Dieser Hund läuft eben nicht freudig zur Tür. Er benötigt einen Menschen an seiner Seite, der ihm Sicherheit und Schutz bietet, vor dem er jedoch gleichermaßen Respekt hat.

Hast Du diese Aspekte berücksichtigt und bist in der Lage, dem Hund ein artgerechtes Leben zu bieten, hast Du mit dem Anatolischen Hirtenhund einen loyalen Partner an deiner Seite, der Dir nicht von der Seite weichen wird.

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