Kanaan-Hund

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Größe:
50 – 61 cm
Gewicht:
18 – 25 kg
Herkunft:
Israel
Lebensdauer:
12 – 15 Jahre
Farbe:
weiß, schwarz, creme- oder sandfarben bis rotbraun
FCI Gruppen:
Preis
500 bis 1000 Euro
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Der Kanaan-Hund ist ein Exot in Mitteleuropa. Die Rasse stammt aus Israel, wo seine Verwandten noch heute als wilde und halbwilde Hunde in der Nähe von Menschen leben.

Der Kanaan-Hund besitzt viele ursprüngliche Eigenschaften, die ihn zu einem interessanten Hund machen. Intelligenz und Unabhängigkeit gehören dazu. Allerdings fordert seine angeborene Scheu und seine Standorttreue von seinem Besitzer einiges.

Ein Kanaan-Hund wird Dich als seinen gleichgestellten Partner akzeptieren, wenn Du ihn akzeptierst. Blindlings folgen wird der Dir nicht. Er entscheidet selbst, was er tut.

Wenn er Dich akzeptiert hat, ist er ein treuer Begleiter. Wenn Du es ihm beibringst, kann er leicht Kinder und andere Tiere in seiner Nähe akzeptieren. Er beschützt sie aufmerksam.

Rassebeschreibung

Der Kanaan-Hund wird in der FCI unter Nummer 273 geführt. Die Hunderasse ist der Gruppe 5 („Spitze und Hunde vom Urtyp“), Sektion 6 („Urtyp“) zugeordnet.

Die Vorfahren der Kanaan-Hunds gehören zu den ältesten Hunderassen der Welt. Der Kanaan-Hund besitzt starke Überlebensinstinkte. Er ist intelligent, unabhängig und scheu.

Herkunft und Rassegeschichte

Der Kanaan-Hund gehört zur Rasse der Pariahunde und diese zur Familie der Spitze. Sie leben wild oder halbwild in Afrika und Asien in der Nähe von Menschen.

Beduinen nutzen Pariahunde als Hüte- und Wachhund. Die Hunde sind äußerst aufmerksam, interagieren jedoch wenig mit Menschen. Nähert sich ein Unbekannter, bellen sie. Der Kanaan-Hund ist eine Weiterentwicklung des wildlebenden Spitztyps in Israel.

Professorin Rudolphina Menzel begann 1934 den Kanaan-Hund zu züchten. Mit wildlebenden Hunden und Hunden von Beduinen startete sie ihr Zuchtprogramm.

Prof. Menzel war überrascht, wie leicht die Hunde zu domestizieren und auszubilden waren. Sie benannte die Rasse nach dem biblischen Land Canaan (auch: Gelobtes oder Heiliges Land). Sie schrieb den Rassestandard, welcher der israelische Zuchtverband übernahm. Der FCI erkannte die Rasse Kanaan-Hund 1966 an.

Aussehen des Kanaan-Hundes

Kanaan-Hund

Der Kanaan-Hund ist ein quadratisch, kräftig und mittelgroß gebauter Hund. Insgesamt wirkt er harmonisch. Der Widerristhöhe liegt zwischen 50 und 61 Zentimetern. Die Unterschiede zwischen Rüden und Hündinnen sind deutlich.

Das zeigt sich auch am gut proportionierten Kopf. Dieser ist bei Rüden wesentlich breiter. Der Kopf ist keilförmig und spitz zulaufend. Die Ohren sind leicht seitlich und tief angesetzt, dreieckig, breit und stehend. Die mandelförmigen, dunklen Augen sind schräg gestellt und zeigen die aufgeweckte, intelligente, wachsame Natur des Kanaan-Hund.

Der athletischer Körperbau des Kanaan-Hund ist von einem geraden Rücken und einer tief sitzenden Brust geprägt. Die Rute ist hoch angesetzt, bestenfalls verläuft sie über den Rücken.

Manche Kanaan-Hunds besitzen eine Sichelrute, bei anderen ringelt sie sich. Die Vorderbeine sind gerade, die Ellenbogen dicht am Körper. Die Hinterläufe sind gut entwickelt, die Knie stark ausgebildet. Die Pfoten katzenartig rund.

Das kurze bis mittellange Deckhaar des Kanaan-Hund ist dicht und harsch mit viel Unterwolle. Damit ist er perfekt an die Wetterbedingungen der Wüste angepasst. Das Fell weist Schmutzt ab und isoliert. So kann der Kanaan-Hund Kälte und Hitze gut vertragen.

Die Fellfarbe ist variabel. Sie reicht von weiß, über creme- und sandfarben, rotbraun bis zu schwarz. Schwarz mit weiß, weiß mit braunen oder schwarzen Flecken ist ebenso möglich. Weiße Abzeichen am Körper und eine schwarze, symmetrische Maske sind bei allen Fellfarben erlaubt.

Charakter und Wesen

Der Kanaan-Hund ist ein echter Urtyp, das zeigen auch seine Charakterzüge: unabhängig und instinktsicher. Der Kanaan-Hund ist und bleibt eigenständig. Blinder Gehorsam und Unterwürfigkeit sind ihm fremd. Zwar erlernt er gut Befehle, doch er hinterfragt sie. Und er führt sie nur aus, wenn er selbst überzeugt ist, dass es sich lohnt.

Die Beziehung zu einem Kanaan-Hund ist einzigartig, wenn Du dem Hund auf Augenhöhe begegnest und ihn als vollwertiges Wesen anerkennst. Dann erkennt er auch Dich an. Seine Freiräume braucht ein Kanaan-Hund immer und einen Rückzugsort.

Er kann durchaus anhänglich und zärtlich sein. Ohne Vertrauen zwischen Dir und dem Kanaan-Hund wird es keine Basis geben, wie ihr zusammen leben könntet. Der Hund würde sich einfach verweigern, Dir zu folgen. Ist das Vertrauen jedoch da, kann die Beziehung zu einem Kanaan-Hund sehr intensiv sein.

Der Kanaan-Hund ist von Natur aus ortsgebunden und scheu gegenüber Fremden. Es ist deshalb günstig, den Kanaan-Hund früh und gut zu sozialisieren.

Dann erkennt er sein Umfeld als seinen Lebensraum an. Das schließt auch Kinder und andere Tiere ein, denen er ein treuer und loyaler Beschützer ist. Kinder sollten jedoch respektieren, dass der Kanaan-Hund seine Ruhezone braucht.

Als ursprünglicher Wachhund zeigt er deutlich, wenn sich sein gewohntes Umfeld ändert. Der Kanaan-Hund bellt lautstark, wenn sich fremde Personen, Autos oder fremde Tiere nähern.

Er weiß genau, wer das Haus oder die Wohnung öfter besucht und wer nicht. Dabei ist der Kanaan-Hund nicht angriffslustig, jedoch immer zur Verteidigung bereit. Ein Kanaan-Hund bringt sich nie selbst in Gefahr. Sein Überlebenswille und der Fluchtinstinkt sind stark ausgeprägt.

Grundsätzlich ist der Kanaan-Hund offen für Neues, wenn er richtig sozialisiert wurde. Am Anfang ist er jedoch skeptisch. Selbst unbekannte Nahrung wird zunächst misstrauisch begutachtet. Außerdem besitzt er ein ausgeprägtes Jagdverhalten.

Haltung und Ernährung

Haltung

Der Kanaan-Hund ist mit Abstrichen anpassungsfähig. Ausschlaggebend ist, wie er sozialisiert wurde. Das wird auf lange Zeit seine bevorzugte Umgebung bleiben.

Stammt er aus einer ruhigen, reizarmen Umgebung, ist er darauf eingestellt. Ihn dann an die Stadt zu gewöhnen, braucht seine Zeit und viel Toleranz. Laute Geräusche, die vielfältigen Gerüche verunsichern einen Kanaan-Hund. Geschieht etwas, dass ihn erschreckt, greift sein Fluchtinstinkt.

Er flüchtet sich in sichere Entfernung, um das Fremde beobachten zu können. In der Regel verlässt er seine Bezugsperson nicht, kann aber Abstand zu ihr halten, wenn er es für nötig hält.

Wie der Kanaan-Hund auf andere Tiere reagiert, hängt von seiner Sozialisation ab. Jedes Tier ist da anders. Je besser Du Deinen Hund kennst, desto eher weißt Du, welche Situationen Du meiden solltest.

Ältere Tiere gewöhnen sich nur schwer an neue Situationen und können durch Stress aggressiv werden. Hier geht Sicherheit vor und ein Maulkorb schützt Dich und den Hund vor unliebsamen Situationen.

Wenn Du einen Kanaan-Hund in einer Stadtwohnung halten möchtest, ist das möglich. Er braucht aber seinen Auslauf und tägliche Spaziergänge oder Radtouren.

Weil der Kanaan-Hund ein echter Wachhund ist, kann es unangenehm sein, wenn er oft bellt. Wenn im Haus viele fremde Leute ein- und ausgehen kann das einen Kanaan-Hund stressen.

Aufgrund der Eigenschaft als Wachhund ist er ideal als Haus- und Hofhund. Wenn er den ganzen Tag draußen ist, hat er genug Auslauf und Spielmöglichkeiten.

Du solltest einen Zaun um Deinen Garten haben, der dem Hund die Grenze seines Reviers zeigt. Vielleicht soll der Kanaan-Hund auch nachts das Haus bewachen? Am wohlsten fühlt sich der Hund jedoch bei seinem Besitzer. Er wird Dein Haus und Deinen Garten bestens bewachen. Selbst wenn er schläft, entgeht ihm nichts.

Der Kanaan-Hund liebt Bewegung und Toben, aber auch Denkspiele. Er löst gern Probleme. Eine Fährtensuche ist genau das Richtige für ihn. Aber auch hier gilt: Er ist sein eigener Herr, manchmal will er nicht und Wiederholungen langweilen ihn.

Ernährung

Der Kanaan-Hund ist eher anspruchslos in seiner Ernährung. Nichtsdestotrotz es hochwertiges Futter sein und zu mindestens 70 Prozent aus Fleisch bestehen. Ob Du diese als biologisch artgerechte Rohfütterung (BARF) oder als Trocken- und Nassfutter geben willst, bleibt Dir überlassen. Hier findest Du eine Übersicht für die Ernährung Deines Hundes.

Manchmal hebt der Kanaan-Hund übrig gebliebenes Futter auf. Er versteckt es in der Erde von Zimmerpflanzen, unter Kissen, Möbeln oder vergräbt es im Garten.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Das Wichtigste bei einem Kanaan-Hund ist die frühe Sozialisation. Denn je jünger der Welpe, desto aufgeschlossener für Neues ist er. Beim Kanaan-Hund beginnt die Sozialisation früher als bei anderen Rassen.

Bereits in den ersten Lebenswochen sollte der Züchter den Welpen mit vielen Dingen, Menschen und Situationen vertraut machen. Das hilft dem Kanaan-Hund diese Erlebnisse als normal zu erkennen. Dadurch ist er in seinem späteren Leben weniger gestresst und schreckhaft.

Ein neuer Besitzer sollte die Arbeit des Züchters konsequent fortführen. Der Kanaan-Hund braucht eine bestimmte und doch tolerante Erziehungsweise. Ein Kanaan-Hund kann durchaus den Grundgehorsam und manches mehr lernen.

Du wirst das aber nicht ohne Diskussionen und die ein oder andere trickreiche Erziehungsmethode schaffen. Erkennt er Dich als seinen Führer an, machen ihn die schnelle Auffassungsgabe zu einem lernfähigen Hund. Allerdings ist er auch schnell gelangweilt.

Zweimal dasselbe machen, reizt ihn wenig. Du brauchst also etwas Erfindungsreichtum, damit ein Kanaan-Hund kooperiert. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du dem Kanaan-Hund gewachsen bist, findest Du hier einen Hund für Anfänger.

Pflege

Ein Kanaan-Hund ist sehr reinlich, er putzt sich wie eine Katze. Zwei Kanaan-Hunds putzen sich sogar gegenseitig. Das stärkt die Bindung untereinander. Das harsche Fell des Kanaan-Hund hält Schmutz gut ab.

Du musst Deinem Hund nur zweimal in der Woche das Fell bürsten. Während der Zeit des Fellwechsels, ist es besser, jeden Tag die Bürste zu benutzen. Damit hast Du eine Chance, dass Teppiche, Sofa und Hundedecke nicht voller Haare sind.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Kanaan-Hund ist äußerst robust und gesund. Krankheiten sind nicht bekannt.

Lebenserwartung der Kanaan-Hunds

Die Hunderasse Kanaan-Hund hat eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren.

Hunderasse Kanaan-Hund kaufen

Interessierst Du Dich für einen Kanaan-Hund, solltest Du unbedingt einen seriösen Züchter aussuchen. Kanaan-Hund Züchter gibt es unter anderem in Deutschland, Italien und der Schweiz.

Die Hunderasse ist selten. Besonders günstige Preise für Welpen kannst Du manchmal im Internet finden. Diese sind meist betrügerische Angebote. Von Bestellungen im Internet solltest Du unbedingt Abstand halten.

Der Kanaan-Hund ist ein besonderer Hund. Du solltest Dir genau überlegen, ob es der richtige Hund für Dich ist. Die Züchter nehmen die Kaufinteressenten gern genau in Augenschein. Denn es nützt niemanden, wenn der Kanaan-Hund nicht zu einem Menschen passt.

Ein Züchter bespricht mit Dir die Eigenarten des Hundes, den Zeitbedarf und den Erziehungsaufwand für den Hund. Eventuell wird der Züchter Dir auch sagen, dass dieser Hund nicht für Dich geeignet ist.

Nimm das nicht persönlich. Aber ein Kanaan-Hund gewöhnt sich schwer an neue Situationen. Wenn er im Tierheim einen neuen Besitzer suchen muss, ist das fast eine unmögliche Herausforderung für alle.

Entscheidungshilfe

Der Kanaan-Hund ist ein faszinierender Hund, der sich anders verhält als alle Rassehunde. Wenn Du überlegst, ob das ein Hund für Dich wäre, helfen Dir diese Fragen:

  • Habe ich genug Zeit und Erfahrung, mich der Sozialisation und Erziehung des Kanaan-Hund zu widmen?
  • Habe ich genug Zeit für einen lebhaften, lauffreudigen Hund?
  • Schaffe ich es körperlich, dem Hund genug Beschäftigung zu geben?
  • Sind alle in der Familie damit einverstanden, diesen Hund aufzunehmen?
  • Bin ich in der Lage, meine Kinder auf den Hund einzustellen?

Wenn Du all diese Fragen sicher mit „Ja“ beantworten kannst, kommt dieser Hund für Dich in Frage. Du solltest den Zeitaufwand und die Anforderung für die Sozialisation an Deine Umgebung nicht unterschätzen.

Dieser Hund ist auf keinen Fall für Anfänger geeignet oder für Menschen, die einen engen Zeitplan haben.

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