Norwegischer Lundehund

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Größe:
32 – 38 cm
Gewicht:
6 – 9 kg
Herkunft:
Norwegen
Lebensdauer:
12 – 14 Jahre
Farbe:
rotbraun oder dunkel, selten auch weiß
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Norwegischer Lundehund

Für Hundeexperten, die ausgedehnte Spaziergänge in der freien Natur lieben, ist ein Norwegischer Lundehund der perfekte Begleiter. Das kleine Energiebündel mit den sechs Zehen bereitet sicher auch Dir eine Menge Freude.

Hunderasse Norwegischer Lundehund

In Mitteleuropa ist die Rasse Norwegischer Lundehund nur selten anzutreffen, ist sie doch ein waschechter Skandinavier. An die rauen Gegebenheiten des hohen Nordens angepasst ist diese urtümliche Rasse der perfekte Begleiter für alle abenteuerlustigen Hundebesitzer, die ihren Liebling gerne auf ausgedehnte Wandertouren mitnehmen möchten. Ob ein Norwegischer Lundehund auch in Dein Leben passt, kannst Du im folgenden Artikel herausfinden.

Rassebeschreibung

Der Norwegische Lundehund gehört in die FCI Gruppe 5 – „Spitze und Hunde vom Urtyp“. In dieser Gruppe befinden sich eine Reihe an typisch nordischen Rassen, wie beispielsweise der Siberian Husky. Innerhalb dieser Gruppe findet man den Norwegischen Lundehund in der Sektion 2 – „Nordische Jagdhunde“, wo unter anderem auch der Finnen Spitz untergebracht ist.

Sowohl diese Einteilung als auch der Name der Rasse gibt einen Hinweis auf den Jagdtrieb und das ursprüngliche Einsatzgebiet für die Rasse. Das norwegische Wort „Lunde“ bezeichnet nämlich den Papageientaucher, der in den nördlichen Ländern als Delikatesse galt. Der Norwegische Lundehund wurde nämlich gezielt darauf gezüchtet, diese arktischen Vögel zu jagen.

Herkunft und Rassegeschichte

Der Norwegische Lundehund ist vermutlich die älteste Hunderasse Norwegens. Das verrät schon seine urtümliche Anatomie. Während die Rasse heute extrem selten ist, kann man davon ausgehen, dass vor Jahrhunderten zu fast jeder Familie Nordnorwegens auch ein Norwegischer Lundehund gehörte. Damals war er nämlich ein fester Bestandteil der Jagd auf die Papageientaucher. Dabei jagte der Hund den Vögeln über die Steilklippen der Küste nach und machte mühelos die unterirdischen Nisthöhlen aus. Das erforderte einen Hund, der anatomisch zu diesen Manövern in der Lage war, der aber auch selbstständig den richtigen Weg fand. Beides sind heute Besonderheiten der Rasse.

Erste historische Erwähnung des Norwegischen Lundehundes findet sich in den Dokumenten von Zeitzeugen aus dem 16. Jahrhundert. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor man allmählich das Interesse an der Rasse. Zum einen entwickelte man bessere Fangmethoden, zum anderen wurde der hübsche Papageientaucher unter Schutz gestellt. Mit einem Mal hatte der Norwegische Lundehund kein Aufgabengebiet mehr. Zusätzlich setzte zweimal die Staupe dem ohnehin bereits stark reduzierten Bestand zu.

Überlebt hat der Norwegische Lundehund nur auf der Insel Værøy, wo er kurz vor dem Aussterben stand. Heute sind ca. 1000 bis 1200 Norwegische Lundehunde bekannt, die ihrerseits beinahe alle auf 5 Tiere zurückgehen, mit denen 1961 die gezielte Zucht begann. Langsam verbreitete sich die Rasse auch in andere Länder. Bis heute ist ein Norwegischer Lundehund aber selbst auf Ausstellungen eine wahre Rarität. Umso mehr bemühen sich Liebhaber darum, die Rasse gesund und vor allem reinrassig zu züchten.

Aussehen Norwegischer Lundehund

Prinzipiell ist ein Norwegischer Lundehund mit unter 40 cm Höhe und einem Gewicht von maximal 9 kg sehr klein. Das muss er aber auch sein, um in die engen Niströhren der Beutevögel zu kriechen. Um ihm dies zu ermöglichen, hat die Rasse eine Reihe an anatomischer Besonderheiten entwickelt.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Norwegischer Lundehund extrem biegsam ist. Seine Schultergelenke sind so flexibel, dass er seine Vorderbeine bis zu einem Winkel von 90° vom Körper abspreizen kann. An den Pfoten wiederum sitzen jeweils 6 Zehen. Diese ermöglichen ihm einen höheren Halt auf dem teilweise sehr felsigen Untergrund seiner Jagdgründe.

Auch der Kopf lässt sich so weit zurückbiegen, dass er damit seinen eigenen Rücken berühren kann. Die Ohren kann ein Norwegischer Lundehund weit zurückklappen, damit weder Wasser noch Schmutz in den Gehörgang eindringen kann. All dies hilft dem Norwegischen Lundehund, auch durch enge und verwinkelte Höhlensysteme zu gelangen.

Zusätzlich hat ein Norwegischer Lundehund ein reduziertes Gebiss mit weniger Backenzähnen. Dies war früher wichtig, damit er beim Apportieren das wertvolle Gefieder seiner Beutevögel nicht zerstörte.

Ein Norwegischer Lundehund ist in der Regel rotbraun mit schwarzen Haarspitzen oder grau bis schwarz mit weißen Abzeichen. Seltener kommen auch weiße Exemplare mit schwarzen Abzeichen vor. Dieses Fell ist sehr dicht, um auch den rauen Wetterbedingungen des hohen Nordens zu trotzen.

Charakter und Wesen

Alle Charaktereigenschaften, die ein Norwegischer Lundehund einst zur Jagd auf Seevögel brauchte, bringt er auch heute noch mit. So ist die Rasse sehr selbstständig und trifft gerne ihre eigenen Entscheidungen. Wie für einen Jagdhund typisch, musst Du Dich auch bei einem Norwegischen Lundehund auf ein temperamentvolles und verspieltes Energiebündel einstellen.

Ein Norwegischer Lundehund ist gleichzeitig freundlich und wachsam. In Norwegen ist er ein beliebter Familien- und Hofhund, der sich durchaus als Beschützer für Besitz und Personen eignet. Er neigt dann aber auch zum Kläffen, weswegen er in ländlichen Gegenden besser aufgehoben ist.

Außerdem darfst Du Dich darauf einstellen, dass Dein Norwegischer Lundehund mit großer Freude jedes Gewässer erkunden möchte. Hier kommen ihm auch seine verschließbaren Ohren zur Hilfe. So verhindert er nämlich, dass bei seinen Schwimmausflügen Wasser in seine Ohren eindringt.

Haltung und Ernährung

Aufgrund der kleinen Statur wirkt ein Norwegischer Lundehund auf den ersten Blick wie ein perfekter Stadthund. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. Die Rasse braucht viel Bewegung in Form von ausgedehnten Spaziergängen und Wandertouren. Generell liebt der Norwegische Lundehund die freie Natur. Im Gebirge, an Gewässern und in den Bergen fühlt er sich zu Hause. Die Temperaturen dürfen ruhig auch über längere Zeit tiefer liegen. Das dichte Fell schützt den Norwegischen Lundehund vor Schnee und Kälte.

Durch den hohen Spieltrieb und Bewegungsdrang eignet sich ein Norwegischer Lundehund auch für Hundesport sehr gut. Manchmal musst Du aber ein oder zwei Augen zudrücken, wenn sich Dein Norwegischer Lundehund vielleicht einmal den Anweisungen widersetzt. Stelle hier in erster Linie den Spaß in den Vordergrund. Darüber hinaus liebt der Norwegische Lundehund als Jagdhundrasse natürliche jegliche Art des Apportierspiels.

Ernährung

In seiner ursprünglichen Heimat ernährte sich der Norwegische Lundehund hauptsächlich von Fisch, Geflügel, Kartoffeln und Essensresten, die bei Tisch anfielen. Viele Hunde dieser Rasse können Fette von Säugetieren gar nicht verdauen, weswegen Du auf Schwein oder Rind lieber verzichten solltest. Ein Norwegischer Lundehund ist darüber hinaus eine Rasse, die sich gut für das BARFen eignet. Zusätzlich kannst Du mit Reis und Gemüse füttern.

Erziehung und Pflege

Ein Norwegischer Lundehund ist selbstständig und unabhängig, weswegen er sich Dir nie ganz unterordnen kann. Mit konsequenter Erziehung und einem Besuch in der Hundeschule wird er aber dennoch zu einem folgsamen und unkomplizierten Gefährten. Das braucht aber viel Geduld und oft musst Du mit positiver Verstärkung in Form von Leckerlis arbeiten. Das und der hohe Bewegungsdrang sind Gründe dafür, dass ein Norwegischer Lundehund eher in die Hände eines erfahrenen Hundebesitzers gehört.

Pflege

Gerne wird scherzhaft behauptet, dass ein Norwegischer Lundehund den Putzfimmel einer Katze in sich trägt. Tatsächlich sind die Tiere sehr reinlich und verbringen viel Zeit damit, sich selber zu putzen. Beim Fellwechsel im Frühling und im Herbst musst Du ihn aber aufgrund des dichten Fells ein wenig unterstützen. Mit einer Hundebürste bürstest du dann am besten gegen den Strich. So lässt sich ein Großteil der losen Haare entfernen.

Obwohl ein Norwegischer Lundehund ein waschechter Skandinavier ist, verträgt er Kälte nur bis zu einem gewissen Grad. Unternimmt er im Winter einen Schwimmausflug, solltest Du ihn danach trotzdem gründlich trockenreiben, um Erfrierungen und Erkältungen zu verhindern.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Norwegische Lundehund ist prinzipiell eine gesunde und widerstandsfähige Rasse, neigt aber zu Krankheiten im Verdauungssystem. Viele davon lassen sich aber mit entsprechender Ernährung problemlos verhindern. Achte darauf, dass Dein Norwegischer Lundehund kein Fleisch von Säugetieren zu fressen bekommt. Reiche ihm stattdessen lieber Fisch und Geflügel.

Eine Krankheit ist so spezifisch für diese Rasse, dass sie sogar nach ihr benannt ist: Das Lundehundsyndrom. Diese ist genetisch im Erbgut des Lundehundes verankert und vererbt sich daher von einer Generation zur nächsten. Das Lundehundsyndrom ist eine chronisch entzündliche Darmkrankheit. Diese kann entweder völlig unauffällig bleiben oder plötzlich in Schüben auftreten. Ein Gentest hilft, die Erkrankung festzustellen. Bei regelmäßigen Besuchen beim Tierarzt wird der Gesundheitszustand des Tieres überprüft und gegebenenfalls mit Medikamenten eingegriffen. Es muss dennoch erwähnt werden, dass das Lundehundsyndrom bei manchen Hunden zum Tod führt.

Lundehundzüchter bemühen sich darüber hinaus darum, das Gen für das Lundehundsyndrom möglichst aus der Zucht hinauszubekommen. Aufgrund des geringen Bestandes der Rasse ist dies nicht ganz einfach.

Lebenserwartung Norwegischer Lundehund

Als kleine Hunderasse kann ein Norwegischer Lundehund ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen. Voraussetzung dafür ist ein gesundes Tier, das artgerecht ernährt und ausreichend bewegt wird. Hunde, die das Gen für Lundehundsyndrom in sich tragen, haben oft eine niedrigere Lebenserwartung. Du kannst Deinem Norwegischen Lundehund mit fischreicher Ernährung und regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen dabei helfen, ein höheres Alter zu erreichen.

Norwegischen Lundehund kaufen

Einen Norwegischen Lundehund käuflich zu erwerben ist nicht immer ganz einfach. Als Abgabetiere von Vorbesitzern bzw. in Tierheimen tritt er praktisch gar nicht in Erscheinung. Schätzungsweise leben heute ca. 1000 Norwegische Lundehunde, die in der Regel von Rasseliebhabern gehalten und gezüchtet werden. Aufgrund dieser kleinen Population gibt es auch entsprechend wenig Züchter.

Dazu kommt noch das Problem, dass Norwegische Lundehunde meist nur sehr kleine Würfe mit durchschnittlich drei Welpen hervorbringen. Stell Dich also darauf ein, dass du mitunter weit fahren musst, um zu deinem Norwegischen Lundehund zu gelangen. Rechne dann mit einem Kaufpreis von ca. 1500 Euro. Am ehesten wirst Du im Ursprungsland Norwegen fündig. Aber auch im deutschsprachigen Raum gibt es eine Handvoll Züchter Norwegischer Lundehunde.

Entscheidungshilfe

Bist Du Dir immer noch nicht sicher, ob ein Norwegischer Lundehund in Dein Leben passt?

Zunächst einmal solltest Du die Anschaffungskosten bedenken. Ein Norwegischer Lundehund ist keine billige Rasse. Zusätzlich zum Preis des Tieres musst Du noch die Anschaffung von Zubehör wie Bürste, Leine, Halsband oder Futternäpfe bedenken. Da der Norwegische Lundehund ein Futterspezialist ist, kann es auch hier zu hohen Kosten kommen. Und halte auch immer Ersparnisse für etwaige Tierarztkosten zurück.

Wohnst Du in der Stadt, dann solltest Du lieber eine andere Hunderasse wählen. In ländlichen Gegenden hingegen, insbesondere in den Bergen oder an der Küste, fühlt sich ein Norwegischer Lundehund pudelwohl. Am besten eignet er sich dann als Familienhund, wo sich die Familienmitglieder mit den ausgiebigen Spaziergängen und Spieleinheiten abwechseln können. Dein Norwegischer Lundehund bedankt sich dann mit seiner unerschütterlichen Treue.

Am besten wäre es natürlich, wenn ihr eine sportliche Familie seid, denn bei Wanderungen, Schwimmeinheiten und beim Hundesport geht Deinem Norwegischen Lundehund so richtig das Herz auf.

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Kommentare

  1. Patrizia Tresiok

    Eine super und ausführliche Beschreibung dieser Rasse und anderer. Jeder kann sich so auf die Bedürfnisse des Vierbeiners einstellen und schauen, ob man für die Rasse geeignet ist. Super Seite, die sehr viel Aufschluss der Rasse gibt, auch habe ich mich mit den Korea Jindo der Beschreibung verfehlt. Sie hatten Recht, dass diese Rasse einen sehr hohen Bewegungsdrang und Beschäftigung benötigt und ich verglich es nur mit Terriern. Terrier sind unbestechlich mit der unstillbare Energie, jedoch brauch der Jindo mehr Freiraum oder Möglichkeiten seiner Bedürfnissen auszuleben und so ihm gerecht zu werden. Unser Jindo ist mit 8 Monaten in der Pubertät, jedoch brauch Sie neben der Schleppleine immer die Möglichkeit ihre Wege selbstständige auszuprobieren und bis zu einem gewissen Grad zu erkunden. Danke für die genaue Darstellungen der einzelnen Rassen.

  2. Patrizia Tresiok

    Eine super und ausführliche Beschreibung dieser Rasse und anderer. Jeder kann sich so auf die Bedürfnisse des Vierbeiners einstellen und schauen, ob man für die Rasse geeignet ist. Super Seite, die sehr viel Aufschluss der Rasse gibt, auch habe ich mich mit den Korea Jindo der Beschreibung verfehlt. Sie hatten Recht, dass diese Rasse einen sehr hohen Bewegungsdrang und Beschäftigung benötigt und ich verglich es nur mit Terriern. Terrier sind unbestechlich mit der unstillbare Energie, jedoch brauch der Jindo mehr Freiraum oder Möglichkeiten seine Bedürfnissen auszuleben und so ihm gerecht zu werden. Unser Jindo ist mit 8 Monaten in der Pubertät, jedoch brauch Sie neben der Schleppleine immer die Möglichkeit ihre Wege selbstständig auszuprobieren und bis zu einem gewissen Grad zu erkunden. Danke für die genaue Darstellungen der einzelnen Rassen.

  3. Harald Lehner

    Hatte Glück eine gute Züchterin zu finden doch für einen zweiten hat sich bis jetzt noch niemand gefunden wird wohl nie mehr einen geben obwohl ich gerne helfen würde diese tolle rasse auch hier zu etablieren

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