Kuvasz

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Größe:
66 – 75 cm
Gewicht:
30 – 60 kg
Herkunft:
Ungarn
Lebensdauer:
10 – 14 Jahre
Charakter:
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Eine eigenwillige Schönheit – der Kuvasz

Mit seiner harmonisch geformten Statur und dem gelockten Fell zieht der Kuvasz oft bewundernde Blicke auf sich. Insbesondere die Rüden, die häufig eine wollige Brustmähne tragen, liefern ein eindrucksvolles Bild. Ein gut erzogener Kuvasz erfreut seinen Besitzer mit seinem klugen und loyalen Wesen.

Rassebeschreibung des Kuvasz

Der Kuvasz fand seinen Weg mit umherziehenden Hirtenvölkern von Asien über Ungarn nach Europa. Ein mit Liebe, Konsequenz und viel Geduld erzogener Kuvasz zeigt sich ausgeglichen und loyal und ist ein idealer Wach- und Familienhund. Gerät ein Kuvasz außer Kontrolle, kann es jedoch schnell gefährlich werden. Fremden Eindringlingen gegenüber zeigt er sich äußerst aggressiv. Dank seiner Kraft und Schnelligkeit kann dies durchaus verheerende Folgen haben. Dieser Wesenszug führte dazu, dass die Rasse während des 2. Weltkrieges und des Ungarnaufstandes 1956 so stark dezimiert wurde, dass um deren Fortbestand zu fürchten war.

Die tapferen Hunde versuchten ohne Rücksicht auf das eigene Leben die Soldaten am Betreten Ihres Reviers zu hindern. Diese zögerten nicht lange und erschossen die Tiere. Da der Kuvasz zu dieser Zeit bereits zahlreiche Liebhaber in anderen Ländern, so auch in Amerika, gefunden hatte, konnte sich die Population der Rasse wieder erholen.
Die ausgesprochen schönen Rassehunde verfügen über ein ausgeprägtes Rangordnungsempfinden, was an die Erziehung eines Kuvasz hohe Anforderungen stellt. Der temperamentvolle Hund benötigt viel Auslauf und liebt es, sich im Freien aufzuhalten. Für die Zwingerhaltung ist der Kuvasz allerdings auf keinen Fall geeignet.

Herkunft und Rassegeschichte des Kuvasz

Südlich von Akkad in Mesopotamien, im alten Sumer, wurden bei Ausgrabungen Tontafeln gefunden, auf denen Hunde zu erkennen waren. Diese Bilder sehen dem heutigen Kuvasz sehr ähnlich. Daher wird davon ausgegangen, dass die Ursprünge des Kuvasz bereits im Zeitraum von 375 nach Christi liegen. Zu jener Zeit fanden die großen Völkerwanderungen der Magyaren von Asien nach Ungarn statt.

Es wird vermutet, dass die Hunde mit dem Namen KU-AS-SA die Menschen auf ihrer Reise begleiteten, um sie vor den drohenden Gefahren zu beschützen. Der heutige Name Kuvasz stammt aus dem türkisch – asiatischen Raum. Er ist zurückzuführen auf Worte wie „Kawash“ oder auch „Kawass“. Dies bedeutet so viel wie Sicherheitswächter oder Bogenschütze.

Auf ihrem Weg aus den asiatischen und mongolischen Steppen nach Europa benötigten die Hirtennomaden große und kräftige Hunde, um sich und ihre Herden vor Dieben und Raubtieren zu schützen. Nach ihrer Ansiedlung in Europa, vornehmlich in Ungarn, übernahmen die Hunde auch hier diese wichtige Aufgabe. Daher wird der Kuvasz auch als ungarischer Hirtenhund bezeichnet.

Im 15. Jahrhundert wurde der Kuvasz erstmals als willkommenes Gastgeschenk am Hof von König Matthias Corvinus(1458-1490) erwähnt. Der Kuvasz wurde am königlichen Hof und in den Kreisen des Hochadels gerne zur Jagd verwendet. Die weiße Fellfarbe des Kuvasz sorgte dafür, dass man ihn auch in der Dunkelheit leicht von Wölfen und anderen Raubtieren unterscheiden konnte. Im 16. und 17. Jahrhundert hat sich der Kuvasz, wie man vermutet, wahrscheinlich mit anderen türkischen Hunden vermischt. Kuvasz und Kommondor, ein ebenfalls ungarischer Hirtenhund, konnten sich jedoch nahezu unbeschadet in ihrem Wesen behaupten.

Nachdem im 19. Jahrhundert die Viehzucht immer mehr an Bedeutung verlor, büßte der Kuvasz seine ursprüngliche Aufgabe nahezu vollständig ein. Aus dem einstigen Hütehund wurde ein hervorragender Bewacher von Haus und Hof.

Es sollte noch bis 1905 dauern, bis man mit einer kontrollierten Zucht der edlen Rasse begann. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erste Rassestandards festgelegt, die 1921 von Raitsis weiterentwickelt wurden. 1935 wurde diese Aufgabe vom Oberdirektor des Budapester Zoos, der zahlreiche kynologische Werke verfasste, Prof. Dr. Gheza-Csaba Anghi, gemeinsam mit Oberveterinär Lajos Abonyi, der auch als Kynologe und Vizepräsident des ungarischen Kynologenverbandes fungierte, sowie dem ebenfalls als Kynologe tätigen Oberveterinär und internen Hunderichter Ivan Márki fortgesetzt. 1960 wurde nach einer Neuorganisation eine zusätzliche Rassebeschreibung verfasst, die 1963 von der FCI akzeptiert und 1966 nochmals präzisiert wurde. Sie ist bis heute unter der Nr. 54b gültig.

Aussehen des Kuvasz

Ein Kuvasz präsentiert sich mit einem auffälligen Erscheinungsbild. Charakteristisch ist das weiße dichte und sich in kleinen Löckchen wellende Fell. Ein Kuvasz ähnelt daher den Tieren, die er schon seit Jahrhunderten hütet – den Schafen. Sein imposanter Körperbau spiegelt die Kraft und Energie, die in ihm steckt. Unter dem auffallenden Fell des Kuvasz verbirgt sich ein muskulöser Körper mit einem kräftigen Knochenbau.

Die Rüden der großen Hirtenhunde mit asiatischem Ursprung können eine Widerristhöhe von bis zu 76 cm erreichen. Das Gewicht kann bis zu 60 kg betragen. Damit ist der Kuvasz ein echtes „Kraftpaket“. Mit seiner großen und kräftigen Statur strahlt er eine von Anmut geprägte adlige Haltung aus. Die Struktur des Körperbaus entspricht einer harmonischen Komposition.

Scharf umrissene Gelenke und eine hagere Muskulatur erwecken eine dynamische Grundform zum Leben, die die Kraft des Tieres ahnen lässt. Der Körper bildet ein Rechteck, das der Form eines Quadrates nahekommt. Die Widerristhöhe wird von der Körperlänge nur minimal übertroffen. Die Tiefe des Brustkorbs beträgt in etwa die Hälfte der Widerristhöhe. Der Fang ist geringfügig kürzer als eine halbe Kopflänge.

Das Fell des Kuvasz ist weiß, die darunter liegende pigmentierte Haut schiefergrau. An Kopf, Ohren und Pfoten findet sich kurzes und glattes Fell, während der Rest des Körpers mit langen welligen, bzw. sanft gelockten Haaren bedeckt ist. Die Nase, die Lidränder und die Lefzen sind ebenso wie die Ballen schwarz. Mit seinen dunklen Augen und seiner eleganten Gestalt erobert der Kuvasz im Nu die Herzen der Betrachter.

Charakter und Wesen des Kuvasz

Der Kuvasz ist ein tapferer und furchtloser Hund mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt. Was seiner Obhut anvertraut wurde, wird er, falls erforderlich, unter Einsatz seines Lebens verteidigen. Wird der selbstbewusste Hund jedoch schlecht behandelt, steigt sein Aggressionspotenzial. Menschen, die ihn lieben, werden mit ebensolcher Liebe und Treue belohnt. Lange Spaziergänge sind aufgrund seines hohen Bewegungsdrangs seine große Leidenschaft.

Der Kuvasz ist gerne an der frischen Luft, genießt aber auch die gemütlichen Stunden zuhause gemeinsam mit seiner Familie. Er mag es lieber kalt als zu warm und trotzt auch schlechten Wetterbedingungen, ohne Schaden zu nehmen. Ein Kuvasz braucht viel Beschäftigung und eignet sich daher auch hervorragend als Reitbegleithund. Ein eigenes umzäuntes Revier, indem er seinem Instinkt als Beschützer und Bewacher nachgehen kann, wäre ideal.

Der Kuvasz gehört zu einer uralten Hirtenhunderasse, die es gewohnt war, während die Menschen schliefen oder andere Dinge verrichteten, als selbstständige Herdenschutzhunde zu arbeiten. Dank seiner hohen Intelligenz und seiner schnellen Auffassungsgabe war ihm diese Tätigkeit nahezu in die Wiege gelegt.
Seiner Familie gegenüber ist er sehr anhänglich, ohne sich jedoch einzuschmeicheln. Der Kuvasz bleibt souverän und zeigt dies leider auch. Daher ist es nicht leicht, den Kuvasz zu einem absolut folgsamen Hund zu erziehen. Bei allen positiven Eigenschaften – er behält gerne seinen eigenen Kopf.
Seine Reizschwelle liegt deutlich über dem Durchschnitt, sodass er sich anderen Hunden gegenüber meist tolerant zeigt. Auch wenn der Kuvasz mit seiner außerordentlichen Schönheit hervorsticht, ein Zierhund wird er nie sein. Er fordert, Individualist durch und durch, seine Menschen, schenkt ihnen dafür aber ein Maximum an Liebe und Zuneigung.

Haltung und Ernährung des Kuvasz

Ein Hund ist ein Fleischfresser, daher solltest Du ihm auch genau das bieten – Fleisch. Zwar haben schon seine Ahnen die Wölfe mit dem Mageninhalt der Beutetiere auch bereits leicht verdautes Getreide und andere Rohstoffe zu sich genommen, Hauptbestandteil der Mahlzeiten sollten sie aber nicht werden. Ein Futter mit hohem Fleischanteil ist gerade für große Hunde ein Garant für mehr Gesundheit. Nur so kann er seine Mahlzeiten optimal verwerten. Um den stark beanspruchten Bewegungsapparat des Kuvasz möglichst gut zu unterstützen, sind hochwertige Proteine aus Muskelfleisch die ideale Ernährung.
Bei Welpen solltest Du unbedingt darauf achten, dass sie ein für große Hunderassen ausgelegtes Futter erhalten.

Zu viel Nährstoffe im Futter können dazu führen, dass die Muskulatur zu schnell wächst. Dies kann bewirken, dass der Hund Skelettprobleme entwickelt.Nach der Fütterung sollte ein Kuvasz ruhen. Rennspiele oder ähnliches sollten vermieden werden, damit es nicht zu einer gefürchteten Magendrehung kommt. Aus diesem Grund solltest Du Deinen Hund auch stets nach dem Gassi-Gehen füttern.

Hilfreiche Tipps zur Ernährung mit Trockenfutter findest Du hier.

Was Du über die Haltung eines Kuvasz wissen solltest

Um ohne Probleme in sein neues Zuhause hineinwachsen zu können, sollte schon der Welpe als voll integriertes Familienmitglied behandelt werden. Als Hütehund hat er es seit vielen Jahrhunderten gelernt, alle Familienmitglieder gleichermaßen zu seinem „Rudel“ zu zählen. Seien es kleine Kinder, ältere Menschen oder auch andere Haustiere – der Kuvasz wird sie bedingungslos beschützen. Als Hund für die Stadtwohnung ist der Kuvasz nicht geeignet. Idealerweise wohnt er in einem Haus mit Garten.

Erziehung und Pflege des Kuvasz

Ein Kuvasz gehört niemals in die Hände von Anfängern. Wenn Du Dich auf das Abenteuer Hund einlassen möchtest, aber noch keine Erfahrungen mit der Psychologie eines Hundes gesammelt hast, solltest Du Dich lieber für eine andere Rasse entscheiden. Für die Erziehung eines Kuvasz sind vor allem Kenntnisse im Bereich der Herdenschutzhunde von großem Vorteil.

Respekt und Vertrauen eines Kuvasz musst Du Dir verdienen. Dazu ist es notwendig absolute Konsequenz zu zeigen und jede Form von Unsicherheit zu vermeiden. Gerade Rüden haben ein untrügliches Gespür dafür, wann sie menschliche Schwächen ausnutzen und sich selbst zum Boss erklären können. Und genau das werden sie tun. Der Besuch einer Hundeschule kann sehr hilfreich sein.

Mehr zu diesem Thema kannst Du hier lesen.

Einen von Natur aus misstrauische Kuvasz solltest Du bereits als Welpe mit allem vertraut gemacht werden, was ihn in seinem zukünftigen Leben erwartet. Das hilft, späteren Problemen vorzubeugen. Die Anschaffung eines Kuvasz sollte gut überlegt sein. Die Zahl der Herdenschutzhunde, die aufgrund einer nicht angemessenen Erziehung in Tierheimen und Notaufnahmestellen landen, ist sehr groß. Ohne eine liebende aber strenge Hand wächst der eigensinnige Kuvasz vielen Besitzern über den Kopf.

Wenn Du Deinen Hund noch besser verstehen möchtest, solltest Du hier nachlesen.

In der Pflege zeigt sich der Kuvasz deutlich einfacher. Mit seinem üppigen Fell und der dichten Unterwolle ist er selbst Minustemperaturen bestens gewachsen. Einziges Manko ist sein Hang zum Haaren. Ohne Fusselbürste solltest Du daher nie aus dem Haus gehen.

Zu einer optimalen Pflege gehört natürlich auch die Reinigung der Ohren und eine regelmäßige Kontrolle auf Zeckenbefall und andere unerwünschte Untermieter.

Gesundheit und typische Krankheiten des Kuvasz

Der robuste und widerstandsfähige Kuvasz erfreut sich in der Regel einer langen Gesundheit bis ins hohe Alter. Außer der für große Hunde schon beinahe typischen Hüftdysplasie (HD) und leichten Hautirritationen sind keinerlei rassetypischen Erkrankungen bekannt.

Lebenserwartung des Kuvasz

Mit einer ausgewogenen Ernährung kann ein Kuvasz sich über eine für seine Größe erstaunliche Lebenserwartung von 10 bis 14 Jahren erfreuen.

Einen Kuvasz kaufen

Wenn Du die entsprechende Erfahrung mit Hunden mitbringst und Dich für einen Kuvasz entschieden hast, solltest Du natürlich auch über ein ausreichendes Maß an Zeit und entsprechende Räumlichkeiten mit genügend Auslauf verfügen. Um späteren Gelenkerkrankungen vorzubeugen, solltest Du Dich an einen seriösen Züchter wenden, der von HD betroffene Tiere nicht zur Zucht verwendet und entsprechende Vorsorgeuntersuchungen durchführen lässt.

Entscheidungshilfe

Wenn Du einem der bildschönen Kuvasz einen Platz in Deinem Leben einräumen möchtest, solltest Du Dich im Vorfeld eingehend mit der Rasse und den hohen Anforderungen vertraut machen. Nur so lässt es sich vermeiden, dass immer mehr dieser ausdrucksstarken Hunde in Einrichtungen wie Kuvasz in Not enden.
Der Kuvasz ist ein äußerst intelligenter Hund, der sich nicht gerne unterordnet. Für Hundeanfänger ist das willensstarke Tier nicht geeignet. Nur erfahrene Hundekenner werden es verstehen, den optisch imposanten Kuvasz mit einer liebevollen Erziehung zu einem folgsamen Tier zu prägen. Mit etwas Geduld entwickelt sich der Kuvasz zu einem Hund, der seinem Menschen bedingungslos ergeben ist und den ihm gegebenen Befehlen ohne zu zögern gehorcht.

Als ursprünglicher Hirtenhund ist er es gewohnt, auch ohne menschlichen Befehl Entscheidungen zu fällen. Und das lässt sich ein Kuvasz bis heute nicht nehmen. Ein Kuvasz ist äußerst wachsam und verteidigt sein Territorium. Angst kennt der Kuvasz nicht und auch seine Schmerztoleranz liegt ziemlich hoch. Das macht ihn zum idealen Beschützer. Durch seine hohe Bindung an den Menschen und seine absolute Loyalität ist der Kuvasz ein liebevoller Gefährte für die Familie.

Das eigene Revier wird er, stets misstrauisch, im Zweifelsfall unerbittlich verteidigen. Auf neutralem Terrain zeigt sich der Kuvasz Fremden gegenüber eher distanziert.
Wenn Du Dich gut mit Hunden auskennst und bereit bist, Zeit und Geduld für die Erziehung aufzubringen, eroberst Du Dir mit einem Kuvasz einen treuen Wegbegleiter, der Dich stets unter Einsatz seines Lebens verteidigen wird.

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