Karelischer Bärenhund

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Größe:
49 – 60 cm
Gewicht:
17 – 28 kg
Herkunft:
Karelien, finisch-russisches Grenzgebiet
Lebensdauer:
maximal 13 Jahre
Farbe:
Schwarz und Weiß
Charakter:
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
Hundefreundlich
    wenig:

    viel:

Ein Karelischer Bärenhund ist stark territorial, eigenständig und beharrlich. Gleichzeitig sind die Hunde vorsichtig und loyal. Sie werden als Jagdhunde eingesetzt und müssen selbständig handeln – aber als konsequent und geduldig erzogene Familienhunde sind sie überaus loyal. Für Anfänger sind sie allerdings völlig ungeeignet.

Karelischer Bärenhund: Gezüchtet für die Jagd auf Bären und Elche, heute ein Familienhund?

Mit seinen etwa 55 cm Widerristhöhe, den dreieckigen stehenden Ohren und der eingeringelten Rute sehen die schwarz-weiß gezeichneten Hunde irgendwie ein bisschen niedlich aus. Allerdings sind die aus Karelien stammenden Hunde recht eigensinnig und stur. 

Sie waren gezüchtet, um bei der Jagd das Wild selbständig zu verfolgen, es mutig zu stellen und dem Jäger durch lautes Bellen die Position anzuzeigen. Für Anfänger sind die Tiere nicht geeignet, denn die angeborene Sturheit ist schwer zu handhaben. Trotzdem gibt ein Karelischer Bärenhund einen loyalen Familienhund ab. Wie stehen die Tiere zu Kindern?

Rassebeschreibung: Diese Anforderungen stellt ein Karelischer Bärenhund

 

Ein Karelischer Bärenhund ist sehr, sehr stur. Ganz egal, wie oft Du mit ihm ist, wie gut Duin erzogen hast – er wird immer mal wieder einfach weglaufen, herumstreunen und dienen enormen Bewegungsdrang ausleben.

Die Hunde werden zwar heute bisweilen als Familientiere gehalten, tatsächlich sind es aber Jagdhunde. Sie sollen Bären, Elche und anderes großes Wild selbständig aufspüren, jagen und stellen. 

Erst dann sollen sie ihren Jäger durch lautes Bellen rufen. Es ist zwar nicht vorgesehen, dass so ein eher kleiner Karelischer Bärenhund einen Bären selbst angreift oder gar zur Strecke bringt. Trotzdem solltest Du die Tiere, die vor allem auf andere Hunde aggressiv reagieren, nicht unterschätzen. Kann man einen Hund wie den Karelischen Bärenhund heute in einer modernen Stadtwohnung halten?

Herkunft und Rassegeschichte: Karelischer Bärenhund kommt vom europäischen Kontinent

Der Karelische Bärenhund ist auch unter den Bezeichnungen Karjalankarhukoira und Björnhund bekannt. Die Tiere stammen aus Karelien, aus dem finnisch-russischen Grenzgebiet. Aber sogar finnische Hundezüchter lernten die Rasse erst aus das Jahr 1923 herum wirklich kennen.

Die Rasse kommt vermutlich von der europäischen Seite Uralt, stammt aus der Taiga. Die Hunde sind eng mit europäische Laika-Hunderassen verwandt. 

Die erste Ausstellung mit einem Karelischen Bärenhund fand 1936 statt, der Rassestandard wurde erst 1943 festgelegt. Schon 1945 wurde er noch einmal reformiert und gilt in der damals festgelegten Form bis heute.

1949 erfolge die Anerkennung der Rasse durch die FCI. Bei finnischen Jägern ist der Bärenhund aus Karelien überaus beliebt, in den anderen skandinavischen Ländern hat er jedoch auch Leibhaber gefunden. In Deutschland findet man die Hunde eher selten.

Aussehen: Karelischer Bärenhund hat eher kurzes Fell und ist mittelgroß

Einem Hund mit einer Widerristhöhe von maximal 60 cm und einem Gewicht von höchstens 28 kg traut man die Bärenjagd gar nicht zu – trotzdem wurde der Karelische Bärenhund genau dafür gezüchtet. Die Tiere haben ein mittellanges Haarkleid, das eng anliegt und rau ist.

Die reiche Unterwolle ist Schwarz oder braun schattiert. Weiße Abzeichen sind möglich. Da die Haare nie abstehen oder in Zotteln herabhängen, findest Du immer wieder die Angabe, ein Karelischer Bärenhund sei kurzhaarig. 

Was die Fellpflege angeht, kannst Du ihn natürlich wie einen kurzhaarigen Hund handhaben – trotzdem verlieren die Tiere eben doch längere Haare. Insgesamt ist der Bärenhund hübsch proportioniert: Die Körperlänge übertrifft die Widerristhöhe ein wenig, die Ohren stehen aufrecht und geben dem Hund ein sehr aufmerksames Erscheinungsbild. Die Gestalt ist kräftig, die Tiere sind muskulös.

Charakter und Wesen: Karelischer Bärenhund ist eigensinnig

Natürlich solltest Du von Deinem Hund immer Gehorsam erwarten. Das gilt auch dann, wenn Dein Hund ein Karelischer Bärenhund ist. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn Dein Hund laufen will, läuft er. Er wird immer herumstreunen, gelegentlich von zu Hause weglaufen und Spuren folgen. Und er wird immer wieder Streit anfangen. Anderen Hunden gegenüber ist Dein Karelischer Bärenhund nämlich grundsätzlich aggressiv. 

Die Rasse zeigt einen starken Kampfinstinkt. Schaut man sich an, wozu diese Hunde gezüchtet wurden, verwundert das auch nicht weiter. Trotzdem ist ein Karelischer Bärenhund imm von natürlicher Ausgeglichenheit und erscheint ein wenig reserviert.

Die Hunde sind mutig und hartnäckig, und sie strotzen vor Selbstvertrauen. In der Familie verhält sich das Tier aber in der Regel freundlich und liebenswürdig, lässt sich gerne streicheln und ist bisweilen seinen Besitzern gegenüber sehr verschmaust.

Karelischer Bärenhund im Haus? Haltung und Ernährung

Ein Karelischer Bärenhund braucht die Freiheit und die Weiten der Wälder seiner Heimat. In der Haltung ist das sehr schwierig – wo findet man heute in Deutschland (zumal in Städten) diese Möglichkeiten? Die Hunde nutzen eigentlich jede Gelegenheit zum freien Umherstromern. 

Während der Jagd sollten die Hunde eigenständig agieren, weshalb sie heute selbstbewusst sind und immer wieder das Kommando übernehmen. Die mutigen Hunde kommen mit anderen Hunden nicht aus, Wilde Spiele im Stadtpark oder auf der Hundewiese sind also eher nicht ihr Ding.

Dein Karelischer Bärenhund muss jagen, denn dafür wurde er gezüchtet. Gönne dem Tier lange Touren durch den Wald, lass ihn Wild aufstöbern und lass es ihn auch verbellen. Idealerweise solltest Du selbst Jäger sein und Deinen Hund die Arbeitsprüfung ablegen lassen. Dann kannst Du ihm genau die Art von Beschäftigung bieten, die er braucht. Karelische Bärenhunde jagen nicht immer alleine, Sonden mit bis zu drei Tieren. 

So können sie auch großes Wild in Schach halten und so lange verbellen, bis Du da bist. Mit Hundesport kannst Du Deinen Karelischen Bärenhund in Ausnahmefällen ebenfalls begeistern. Du wirst Deinen Hund aber nur zu einem Sport bringen, den er mag. Und vor allem wird er nur dann bei der Sache sein, wenn andere Hunde ihn nicht ablenken. Joggingrunde und leichtere Fahrradrouten begleitet ein Karelischer Bärenhund gerne. 

Allerdings gelingt das nur, wenn Du den Jagdtrieb Deines Hundes unter Kontrolle hast. Bei der Haltung musst Du berücksichtigen, dass ein Karelischer Bärenhund gegenüber anderen Hunden oft aggressiv wird. Allerdings können die Tiere bei entsprechender Sozialisierung auch bisweilen mit andern Hunden gehalten werden – die Prägung durch einen erfahrenen Hundeführer ist ausschlaggebend. Da ein Karelischer Bärenhund Menschen gegenüber nie aggressiv ist, eignen sich die Tiere auch als Familienhunde. Aber was frisst so ein Bärenhund?

Hochwertiges Hundefutter enthält einen hohen Anteil Fleisch und wenig oder gar kein Getreide. Ein Karelischer Bärenhund kann bei entsprechend viel Bewegung einen ausgewachsenen Appetit haben. Liegt Dein Hund aber nur faul im Garten, wird er eher weniger Futter benötigen. 

Da die Tiere gerne fressen, solltest Du darauf achten, dass Du Deinen Hund nicht überfütterst. Zu viel Futter geht nicht nur mit einem fetten, unbeweglichen Hund einher, sondern steigert auch das Risiko von Erkrankungen und belastet die Gelenke der agilen Tiere zu stark. 

Dein Hund will immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung haben und braucht vor allem bei längeren Touren durch die Natur immer wieder Wasser. Die Rasse ist eher hitzeempfindlich, so dass Du für ausgedehnte Spaziergänge im Sommer die kühlen Stunden am Morgen und am Abend nutzen solltest.

Erziehung und Pflege: Starke Hand und wenig Pflege

Ein Karelischer Bärenhund hat grundsätzlich ein sehr selbständiges Wesen. Diese Hunde wollen sich nicht unterordnen. Trotzdem solltest Du Deinen Hund erziehen. Denn dass ein Karelischer Bärenhund einfach tagelang in die Wälder verschwindet, wie die Tiere das in ihrer Heimat üblicherweise tun, ist in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit. 

Die Hunde sind sensibel und sollten nie mit Geschrei oder Härte erzogen werden. Verstärke positives Verhalten, zeige Einfühlungsvermögen und habe vor allem immer viel Geduld. Zieht sich Dein Hund zurück und verkriecht sich, hast Du ihn beleidigt oder warst unfair. Das verträgt ein Karelischer Bärenhund gar nicht. 

Er verlangt absolute Konsequenz in Deinem Verhalten. So kannst Du diesem nicht ganz einfachen Hund einen ganz guten Alltagsgehorsam beibringen. Mit anderen Tieren und insbesondere anderen Hunden wird sich ein Karelischer Bärenhund aber nur vertragen, wenn er ab Welpenalter entsprechend sozialisiert wurde. Das erreichen eigentlich nur Experten mit viel Hundeerfahrung.

Dein Karelischer Bärenhund hat ein pflegeleichtes Fell. Nur im Fellwechsel solltest Du ihn täglich bürsten, ansonsten ist das einmal wöchentlich ausreichend. Damit sich der Hund das gerne gefallen lässt, fängst Du schon beim Welpen mit dieser Routine an. 

Kontrolliere Augen, Ohren und Krallen regelmäßig. Augen und Ohren müssen häufig gereinigt werden. Das machst Du mit einem speziellen Augen- und Ohrenreiniger. Die Krallen brauchst Du nicht zu stutzen, wenn Dein Hund häufig auf geteerten oder asphaltierten Straßen läuft.

Ist Dein Hund eher auf weichem Boden, beispielsweise auf Feldwegen oder im Wald unterwegs, werden die Krallen zu lang und müssen mit einer speziellen Krallenzange gekürzt werden. 

Wenn Du das Gebiss Deines Hundes sauber und frei von Zahnstein halten willst, solltest Du ihm schon im Welpenalter regelmäßig die Zähne mit Hundezahnpasta und einer speziellen Bürste reinigen. Tust Du das nicht, wird sich das erwachsene Tier das nicht mehr gefallen lassen. In diesem Fall sind Zahnpflegesnacks eine gute Idee.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Karelische Bärenhund ist sehr robust und zeigt bei artgerechter Haltung keine gesundheitlichen Probleme oder typischen Krankheiten. Die Hunde brauchen ausreichend Bewegung, sie müssen vor allem genug laufen. Hundesport kann eine gute Idee sein, muss es aber nicht.

Denn ein Karelischer Bärenhund wird wenig Sportbegeisterung zeigen, wenn andere Hunde anwesend sind. Achte auf das Gewicht Deines Hundes, damit er bis ins hohe Alter fit und gesund bleibt.

Lebenserwartung: So alt wird ein Karelischer Bärenhund

Bis zu 13 Jahre alt kann ein Karelischer Bärenhund werden, bisweilen werden einzelne Tiere bei guter Haltung auch älter. Allerdings wird Dein Hund dieses Alter nicht erreichen, wenn Du ihn in einer kleinen Stadtwohnung hältst oder als Bürohund unter dem Schreibtisch schlafen lässt. Ein Karelischer Bärenhund braucht Natur und Freiheit.

Wo kannst Du einen Karelischen Bärenhund kaufen?

In Deutschland werden Karelische Bärenhunde nur von wenigen Zuchtbetrieben gehalten. Du wirst also vermutlich in anderen europäischen Ländern nach so einem Tier suchen müssen. Auch im Tierheim findest Du Bärenhunde eher selten. Die Tiere sind so anspruchsvoll in der Haltung und passen so wenig in moderne deutsche Städte, dass Du Dir für den Welpenkauf viel Zeit nehmen musst. Achte darauf, dass Dein Hund aus einem artgerecht arbeitenden und vertrauenswürdigen Zuchtbetrieb kommt.

Entscheidungshilfe: Passt Du zu einem Karelischen Bärenhund?

Nur erfahrene Hundehalter, die die Rasse wirklich lieben, sollten über die Haltung eines Karelischen Bärenhundes nachdenken. Am besten passt die Rasse immer noch zu einem Jäger. Denn ein Karelischer Bärenhund braucht viel Bewegung und will an der frischen Luft arbeiten. 

Die Haltung als Familienhund kommt nur in Frage, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Wenn Du viel Hundeerfahrung hast, auf dem Land wohnst, ein großes Grundstück hast und einen ausbruchsicheren Garten um das Haus angelegt hast, ist das prima.

Ein Karelischer Bärenhund kann bis zu zwei Meter hoch springen: Ein bisschen Kaninchendraht in der Hecke reicht also nicht aus, um Deinen freiheitsliebenden Hund zurückzuhalten.

Mit Kindern schließt ein Karelischer Bärenhund gerne Freundschaft. Vor allem dann, wenn er entsprechend sozialisiert wurde. Allerdings sollten die Kinder auch schon etwas älter sein und wissen, wie man respektvoll mit den Tieren umgeht. Katzen und andere Hunde sowie Kleintiere sollten eher nicht zusammen mit dem Karelier im Haus gehalten werden. Er könnte sie als Beute betrachten. 

Entsprechend schwierig dürfte es werden, den Hund mit in den Urlaub zu nehmen oder in einem Hundehotel unterzubringen. Für die Erziehung Deines Hundes wirst Du viel Zeit und Geduld aufbringen müssen.

Und selbst dann wirst Du noch hin und wieder mit dem Sturkopf von Hund zusammenstoßen. Kannst Du damit umgehen? Dann wird Dir der Verein für nordische Hunde sicher gerne helfen, einen Züchter für Karelische Bärenhunde zu finden.

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