Ein Hund im Haus: Was dagegen spricht und was unbedingt dafür

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Studien zeigen immer wieder, welche positive Wirkung ein Hund auf das Leben der Menschen haben kann, die ihm ein Zuhause bieten. Der vielleicht wichtigste Grund, warum so viele Familien, und das betrifft nicht nur die Kinder, sich einen Hund wünschen. Aber es bleibt doch die Frage, ob es immer so eine gute Idee ist, dir einen Hund ins Haus zu holen.

Keine falschen Erwartungen

In der Werbung gibt es zwischen Hund und Haltern selten etwas anderes als Harmonie. Zu sehen sind fest eingespielte Teams aus Vierbeiner und Mensch, die alles miteinander teilen, ohne Konflikte. Tatsächlich kann es so sein, wenn du dein Leben mit einem Hund verbringst. Wie in jeder Beziehung wird es dabei aber nicht nur Sonnenschein geben.

Hunde sind keine Kuscheltiere

Im Gegenteil: Hunde haben ihren eigenen Willen und ihren eigenen Kopf und entsprechend oft sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie tun dürfen und was sie bleiben lassen sollen. Grenzen austesten und deine Autorität ignorieren gehören da zum Alltagsgeschäft. Das ist anstrengend und hat oft nur wenig mit den Bildern der TV-Werbung zu tun.

Was auch daran liegt, dass sich vielfach und hartnäckig die Vorstellung hält, Hunde seien in erster Linie Kuscheltiere. Mit dem großen Unterschied, dass sie Körperkontakt und Kuscheleinheiten selbst einfordern und sich nicht so einfach beiseitelegen lassen, wenn dir das gerade nicht passt. Genauso wenig wird dein Hund deinen Anweisungen folgen, ohne das nötige Training. In einer Hundeschule bekommt er dieses Training, genauso wie du übrigens. Einen Hund zu halten bedeutet eben für beide Seiten eine Menge Arbeit, wenn das Zusammenleben funktionieren soll.

Die Sache mit der Verantwortung

Dazu gehört auch, die Bedürfnisse deines Hundes zu kennen und zu erkennen. Ein Punkt, den viele Menschen mit Hundewunsch im Vorfeld zu wenig berücksichtigen: Hier soll ein Lebewesen aufgenommen werden, das Pflege und Unterstützung braucht. Mit einem Hund kommt daher große Verantwortung und die duldet keine Pausen. Andererseits, wer möchte schon freiwillig eine Pause von seinem treuen Begleiter haben, der einen bedingungslos liebt und den Alltag so sehr bereichert?

Schon an diesen einleitenden Fragen zeigt sich, wie viele Aspekte du vor dem Kauf eines Hundes bedenken und gegeneinander abwägen musst. Denn ein Hund ist definitiv kein Hobby, er ist eine Lebensaufgabe.

Ausschließende Kriterien

So groß der Wunsch nach einem vierbeinigen Begleiter sein mag, es geht bei dessen Anschaffung nicht allein darum, Pros und Contras gegenüber zu stellen. Das macht einen wichtigen Teil der Entscheidungsfindung aus, wichtiger noch ist aber ein klarer Blick darauf, ob die Umstände für einen solchen Schritt überhaupt gegeben sind.

Die Wohnsituation

Mitunter sind nämlich alle Überlegungen schon im Vorfeld hinfällig, weil deine Wohnsituation das Halten eines Hundes gar nicht zulässt. Das kann verschiedene Gründe haben. In Mietwohnungen beispielsweise kann es durch den Mietvertrag ausgeschlossen sein, dort mit einem Hund zusammen zu wohnen. Da es keine eindeutigen gesetzlichen Regelungen zur Haustierhaltung in Mietwohnungen gibt, sind die vertraglichen Regelungen zwischen Mieter und Vermieter ausschlaggebend. 

Letzterer wird die Interessen mehrerer Mietparteien berücksichtigen müssen, was gleichzeitig beinhaltet, die Haltung eines Hundes nicht per Formularklausel generell verbieten zu können. Der beste Weg ist daher immer der Dialog, um eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wo genau die Wohnung liegt. In einer Stadt scheint ein Hund nur suboptimal aufgehoben zu sein, andererseits weisen Experten darauf hin, dass die Hundehaltung grundsätzlich nicht sonderlich artgerecht ist. Insofern stellt das Leben in der Stadt nur eine weitere Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit deines Hundes und dein Einfühlungsvermögen dar. Grundsätzlich schließen sich Hund und Stadt also nicht aus, sie erfordern lediglich eine besondere Herangehensweise und die Einhaltung diesbezüglicher Regelungen, die von Seiten der Städte für Hunde gelten.

Ein Hund im Büro?!

Abgesehen von der Wohnsituation spielt auch deine berufliche Situation eine nicht unerhebliche Rolle für das Miteinander mit deinem tierischen Begleiter. Denn Hunde brauchen Zeit und Aufmerksamkeit und je stärker du beruflich eingespannt bist, desto weniger wird es deinen Hund davon geben. Deshalb gilt es, frühzeitig Lösungen zu finden, damit dein Hund nicht einen Großteil des Tages alleine verbringen muss. Dafür ist er nicht gemacht, er braucht den sozialen Kontakt.

Im Idealfall kannst du dazu deine Berufstätigkeit mit der Verantwortung für deinen Hund verbinden, ohne auf einer der beiden Seiten Abstriche machen zu müssen. Home Office ist hierbei eine optimale Lösung, allerdings muss der Arbeitgeber mitspielen. Das gilt auch für den umgekehrten Fall, wenn dein Hund zum „Bürohund“ wird. 

Das muss zunächst einmal geduldet werden und erfordert eine Menge Erziehungsarbeit, für deinen Hund ebenso wie für deine Kollegen. Die gemeinsame Bürozeit kann für alle nur dann funktionieren, wenn sich auch alle an die Regeln halten. Grundsätzlich wird das Thema Bürohund übrigens positiv aufgefasst, wie eine Erhebung des Bundesverbands Bürohund e.V. ergab: Sowohl für die Arbeitnehmer wie auch für die Arbeitgeber stellt ein Hund im Unternehmen einen enormen Zugewinn dar. 

Können diese beiden Optionen nicht realisiert werden, ist die Vereinbarkeit von Hund und Beruf in erster Linie eine Frage von Organisation und Geld. Nur so lässt sich eine Betreuungssituation herstellen, in der dein Hund ausreichend versorgt ist.

Einschränkungen contra die große Freiheit

Was für viele Nicht-Hundebesitzer erst einmal schwer nachzuvollziehen ist, das ist der Stellenwert, den ein Hund in einer Familie einnimmt. In vielen Angelegenheiten und alltäglichen Situationen wird dein Hund zum bestimmenden Faktor, im positiven wie im negativen Sinne.

Es ist ein Hundeleben

Wenig Spaß macht es zum Beispiel, wenn dein Hund gerade dann ein heftiges Bedürfnis entwickelt, nach draußen zu müssen, wenn es dort gerade Sturzbäche regnet. Dass im Anschluss ein klatschnasser Hund irgendwie getrocknet werden muss, weil er ansonsten keinen sonderlich angenehmen Geruch entwickelt, kommt noch erschwerend hinzu.

Umgekehrt trägt ein Hund sehr dazu bei, die nähere und weitere Umgebung kennenzulernen. Raus muss dein Hund ja ohnehin, warum also nicht die Gelegenheit nutzen und es ihm mit den Erkundungen gleichtun? So kann jeder Ausflug zu einem Abenteuer für und Halter gleichermaßen werden.

Reisen mit Hund: Geht das überhaupt?

Besonders in nichtalltäglichen Situationen werden dir aber die gänzlich anderen Voraussetzungen, die ein Hund mit sich bringt, auffallen. Spontanes Verreisen wird selbst im günstigsten Fall schwierig, weil Hunde nicht überall willkommene Gäste sind. 

Auf der anderen Seite gibt es genug Urlaubsziele, an denen du mit deinem Hund eine gute Zeit verbringen kannst. Hundefreundlichkeit ist für viele Urlaubsorte inzwischen ebenso zu einer Selbstverständlichkeit geworden wie Familienfreundlichkeit und schließlich ist dein Hund ohnehin ein vollwertiges Familienmitglied. Abgesehen davon ist so ein Urlaub für deinen Hund natürlich ebenso eine Abwechslung vom Alltag wie für dich: Neue Umgebung, neue Eindrücke, neue Hunde, insgesamt eine aufregende neue Erfahrung.

Die Reise selbst kann allerdings ein wenig zu viel Aufregung bedeuten. Nicht jeder Hund ist ein Fan von Autofahrten, da kommt es nicht einmal auf die Dauer der Fahrt an. Trotzdem ist es im Vergleich immer noch die schonendste Art zu reisen, weil dein Hund im Kreis seiner Familie ist und die Pausen individuell gestaltet werden können. Den Stresslevel für deinen Vierbeiner solltest du bei Reiseplänen daher immer im Blick haben.

Keine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung

Manchmal ist die Anschaffung eines Hundes aber gar keine Frage der Lebens- und/oder Wohnsituation, es fehlt auch nicht an Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Tier oder an Zeit, sich darum zu kümmern. Manchmal ist die Kostenfrage ein entscheidendes Kriterium für oder gegen einen Hund.

Der Hund als Kostenfaktor

Denn die Ausgaben für den Hund an sich, für seine Ausstattung, seine medizinische Versorgung, sein Futter, für Versicherungen und Steuern läppern sich. Als Orientierung, welcher finanzielle Aufwand auf dich zukommt, sobald ein Hund im Haus ist, hat der Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH) eine Beispielaufstellung der Kosten zusammengetragen. Diese verschafft dir einen ungefähren Einblick über die Ausgaben für das neue Familienmitglied.

Zeit mit einem Hund: Unbezahlbar

Was dir dein Hund für deine Fürsorge zurückgeben wird, kannst du aber ohnehin mit keinem Geld der Welt aufwiegen. Mit einem Hund hast du einen sensiblen Gefährten, der dich rückhaltlos liebt, der deine Gefühlslagen erkennt, der dich nicht allein lässt.

Wenn du nach Hause kommst, wirst du freudig erwartet, wenn du gestresst bist, bringen dich einige Minuten beim Streicheln und Kraulen wieder runter. Gleichzeitig sorgt dein Hund für mehr Bewegung an der frischen Luft und schafft schnell neue Kontakte. Übrigens nicht nur mit anderen Hundehaltern, denn ein Hund ist immer ein gutes Thema, um in ein Gespräch einzusteigen und Bekanntschaften zu machen.

Nicht zu vergessen die vielen kleinen Eigenheiten, die jeden Tag für lustige Situationen sorgen und den Alltag sehr viel interessanter gestalten, als er ohne das vierbeinige Familienmitglied wäre. Kurzum: Die Zeit mit einem Hund ist unbezahlbar, aber darüber darfst du weniger schönen Seiten nicht vergessen. Am Ende bedeutet die Anschaffung eines Hundes immer die Verpflichtung zu einer Menge Verantwortung für einen relativ langen Zeitraum. Die Bereitschaft hierzu ist die Grundvoraussetzung, um einem Hund ein Zuhause in der eigenen Familie zu geben.

Maren Kappel

Expertin für Hunde & Katzen

Maren trifft man immer nur im Vierer-Pack an: Mit ihrem süßen Mini-Leoparden "Sahara" und ihren zwei verspielten Hunden "Mars" und "Jupiter" joggt Maren gerne durch die Stadtwälder Freiburgs. Hier kann die leidenschaftliche Tiernärrin prima den Kopf freibekommen und Ideen für neue Blog-Artikel sammeln.

Seit zehn Jahren schreibt Maren schon über das Leben mit Hunden und Katzen. Auf die Idee, zu bloggen, kam sie durch ihren Freundeskreis. Dort ist sie nämlich als Tierexpertin oder auch "Miezen-Maren" bekannt.

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