Bloodhound

Lesedauer: 9 Minuten Aufrufe 2603

Größe:
58 – 72 cm
Gewicht:
40 – 54 kg
Herkunft:
Belgien
Lebensdauer:
10 – 12 Jahre
Farbe:
schwarz-loh, leberfarben-loh, rot
Charakter:
FCI Gruppen:
Auslauf
Fellpflege
Haaren
Für Anfänger geeignet
Anfällig für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Du interessierst Dich für den Bloodhound und möchtest mehr über diese Hunderasse erfahren? Viel Spaß beim Rassenportrait einer uralten, faszinierenden Hunderasse, die ihre Besitzer fordert wie kaum anderer Hund:

Rassebeschreibung

Haushunderassen werden vor allem vom größten Dachverband namens Fédération Cynologique Internationale (FCI, Sitz in der belgischen Gemeinde Thuin) anerkannt und beschrieben. Die FCI klassifiziert die anerkannten Rassen in Gruppen und Sektionen.

Der Bloodhound gehört zur Gruppe 6 „Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen“ und dort zur Sektion 1 „Laufhunde“, Ziffer 1.1 „Grosse Laufhunde“.

In dieser Sektion wird die Hunderasse mit dem Originalnamen „Chien de Saint Hubert“ als einziger Laufhund aus Belgien geführt. Bloodhound ist die englische Bezeichnung, unter der der große, freundliche Hund heute auch hierzulande besser bekannt ist als unter seinem deutschen Namen Bluthund.

Einen solch martialisch anmutenden Namen hat der sanfte, intelligente Bloodhound auch wirklich nicht verdient: Er gehört als Laufhund zu den Jagdhunden, die Wild über weite Strecken verfolgen können, ohne das Wild auch nur einmal selbst anzugreifen oder überhaupt in direkten Kontakt mit ihm zu kommen.

Dazu brauchen Laufhunde einen sehr guten Geruchssinn und unermüdliche Ausdauer, die vor allem bei den großen Laufhunden über weite Strecken reicht. Dem Bloodhound wird nachgesagt dass er unter allen Hunden der Welt die Rasse mit dem besten Geruchssinn sei.

Herkunft und Rassegeschichte

Die Ursprünge der Rasse Bloodhound reichen vermutlich weit in die Vergangenheit: Wahrscheinlich wurden die Vorfahren der Bloodhounds schon im 2. Jahrhundert n. Chr. von keltischen und gallischen Jägern als Laufhunde eingesetzt.

Sicher weiß man, dass diese Hunde in den Ardennen von den Mönchen des Klosters Saint-Hubert gezüchtet wurden und dass sie bis ins 16. Jahrhundert ein fester Bestandteil der königlichen Meuten waren.

Den „Zweitnamen“ Bloodhound erhielt der Sankt-Hubertus-Hund im 11. Jahrhundert, als die leistungsstarken Hunde nach England exportiert wurden und auch dort schnell als Fährtenhunde überzeugten.

Wahrscheinlich geht der englische Name Bloodhound auf die besonderen Fähigkeiten dieser Fährtenhunde zurück (damals waren die Fährten leider häufig mit Blut durchsetzt); vielleicht spielte aber auch das besonders „edle Blut“ der Rasse bei der Benennung eine Rolle.

In Belgien und anderen Ländern Kontinentaleuropas wurde der Bloodhound als reiner Jagdhund weitergezüchtet; mit einem Ardennenbracke genannten Arbeitsschlag, der als Vorfahre vieler weiterer Brackenrassen gilt und bis heute in kleinem Umfang parallel zum Bloodhound gezüchtet wird.

Aussehen des Bloodhounds

Das Aussehen des Bloodhounds lässt sich für Disney-Fans ganz schnell beschreiben: Ein junger Bloodhound ist die Vorlage für Pluto, das bekannte Haustier von Disneys Mickey Mouse.

Der reale Bloodhound wird groß wie Pluto (bis 70 cm) und hat vielleicht auch dessen Farbschlag, der „schwarz und loh“ genannt wird. Er hat einen kräftigen Körper auf stämmigen Beinen, der ein Gewicht von gut 50 kg entwickeln kann.

Das Haar ist fein und kurz, weitere Farbschläge sind die Farben „leberfarben und loh“ und „rot“. Der große, kräftige Hund hat eine muskulös Nacken- und Rückenpartie und eine lange, kräftige, geschwungene Rute mit meist längeren Haaren, die selbstverständlich nicht kupiert wird.

Der Schädel des Bloodhounds ist lang und kräftig, die hochstehende, faltenreiche Stirn sitzt über großen dunklen, ausdrucksstarken Augen.

Die Ohren sind schmal geformt, dünn und so lang, dass sie bis über die Nasenspitze reichen. Der Hals ist im unteren Bereich von Fang bis Brust großzügig mit Haut ausgestattet, so dass die Nase vom Bloodhound im vollen Lauf leicht den Boden erreicht.

Charakter und Wesen

Der Bloodhound wird als sanftmütig, anhänglich und sehr intelligent beschrieben. Der ruhige, freundliche und umgängliche Bloodhound orientiert sich stark an seinem Menschenpartner, der als Rudelführer die Richtung vorgeben sollte.

Bloodhounds sind schon als Welpen sehr den Menschen zugewandt, haben aber nach einer normalen Sozialisierung auch mit Artgenossen gewöhnlich keinerlei Probleme.

Die weltbeste Hundenase möchte allerdings beschäftigt werden, regelmäßiges Such-Spiel und/oder Fährtentraining können beim Bloodhound fast als eine Art Lebenselixier bezeichnet werden.

Deshalb wird der Bloodhound auch fast nur von Menschen gehalten, die sich beruflich oder ehrenamtlich in Rettungsdiensten engagieren.

Als Familienhund wird der Bloodhound nur sehr selten und dann vor allem im Rahmen der Zucht gehalten. Er ist als Familienhund trotz seiner Menschenfreundlichkeit auch nur höchst eingeschränkt geeignet.

Seine Haltung kann nur für Familien mit viel Hundeerfahrung empfohlen werden, die willens und fähig sind, bei der täglichen Beschäftigung des passionierten Spürhunds viel Kreativität und Ausdauer walten zu lassen.

Haltung und Ernährung

Der Bloodhound braucht täglich Auslauf, möglichst in Form eines stundenlangen Spaziergangs, möglichst mit eingebauten Such-Elementen.

Zwischendurch genießt der große Hund den Aufenthalt im grünen Garten, eine Haltung in beengten Großstadt-Wohnungen ist allein wegen der massiven Struktur des kräftigen Bloodhound nicht zu empfehlen.

Der Hundesport des Bloodhounds heißt „Fährtensuche“, die Möglichkeit zu ausgedehnten Spielen mit anderen Hunden sollte aber natürlich auch zum täglichen Leben eines Bloodhounds gehören.

Solltest Du Dich wirklich zur Anschaffung eines Bloodhounds entscheiden, wirst Du mit ihm wahrscheinlich viele Wege im Auto zurücklegen. Denn eine geeignete Hunde-Spielgruppe wird sich nicht unbedingt in der Nähe finden lassen, und eine Anleitung zum Fährten-Training gibt es auch nicht unbedingt beim Hundetrainer um die Ecke.

Deshalb brauchst Du von Anfang an einen geeigneten Kennel Das ist ein komfortabler Hundekäfig, der dem Bloodhound z. B. auf Autofahrten eine sichere Umgebung bietet und in der zu einem Bloodhound passenden Größe nicht immer leicht zu finden ist.

Weiter benötigst Du unbedingt ein gut passendes Hundegeschirr, weil sich beim kurzen Fell des Bloodhounds jede Druckstelle schnell zu einer unangenehmen Hautveränderung entwickeln kann.

Dann braucht der Bloodhound noch einen geeigneten Ruheplatz, auf dem er sich auch wirklich mit seinem ganzen, massiven Körper ausbreiten kann.

Ernährung

Der Bloodhound lässt sich eigentlich unproblematisch ernähren. Da es sich beim Bloodhound um einen Hund handelt, der das Gewicht leichter Menschen erreicht, sollte der Hundebesitzer allerdings über ein gutes Grundwissen und Erfahrung in der Hundeernährung verfügen.

Wird der Bloodhound einfach mit irgendeinem Futter aus dem Laden oder dem Internet versorgt, ergeben sich schnell Unausgewogenheiten in der Nährstoffversorgung.

Denn bei diesem schweren Hund muss vom Welpenalter an auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden. Bei einem Überangebot an Futter besteht allerdings gerade beim eher ruhig agierenden Bloodhound die Gefahr, dass er Übergewicht ansetzt.

Das gilt auch, wenn beim Fährtentraining oder der sonstigen Erziehung zu viel von den „Erziehungshilfen“ Leckerlis und Leberwurstpaste verabreicht werden.

Wenn Du vor allem auf ein Hundefutter setzen willst, solltest Du Dich ausgiebig in Bezug auf Abwechslung über die belohnende Zufütterung informieren.

Als beste Fütterung gilt jedoch eine Mischung an Nass- und Trockenfutter: Das Nassfutter ermöglicht eine optimale Verdauung, Nährstoff-Ausnutzung und Training der Darm-Peristaltik.

Das Trockenfutter wird professionell und fachkundig mit Nährstoffen angereichert und sichert so eine gute Basis-Versorgung mit allen unbedingt notwendigen Vitalstoffen.

Tipps zur Ernährung gibt es gewöhnlich schon vom Züchter, im Zweifel ist immer der Tierarzt der beste Ratgeber.

Der Bloodhound kann sich absolut für sein Futter begeistern – und wird doch niemals Essen vom Tisch oder anderen ihm nicht zugewiesenen Orten klauen, wenn er gut erzogen wird:

Erziehung und Pflege

Der Bloodhound gilt als sehr intelligent. Er zeigt bei der Fährtensuche viel eigene Initiative und übernimmt auch selbst Verantwortung für sein Tun – was zur Folge hat, dass er bei seiner Erziehung gerne mal „mitreden“ möchte.

Die Ausbildung und Erziehung eines Bloodhounds ist deshalb alles andere als einfach!

In seiner Jugend wirkt der Bloodhound ähnlich „tollpatschig“ wie Pluto, die Welpen kommen auch vergleichsweise langsam „in die Gänge“.

Der junge Bloodhound ist recht agil, braucht aber viel Motivation, um auch andere Spiele außer „Fährten verfolgen“ zu lernen.

So freundlich und begeisterungsfähig der Bloodhound hier wirkt: Wenn es um andere Alltags-Aufgaben außerhalb des „Nasen-Einsatzes“ geht, kann ein Bloodhound sehr zurückhaltend und auch sehr eigensinnig reagieren.

Er kann sich sogar höchst empfindsam zeigen, auf Lob genauso wie auf Tadel.

Pflege

Das kurze Fell des Bloodhounds ist pflegeleicht, braucht aber dennoch eine regelmäßige Pflege: Das tägliche Bürsten entfernt lose Haare und abgestorbene Hautschuppen.

Außerdem ist es eine angenehme Massage für den Bloodhound und dient nach dem Spaziergang dazu, die Zecken aufzuspüren, die entfernt werden müssen.

Augen und Ohren sollte beim Bloodhound besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sie nicht von langem Fell geschützt werden: Augen immer auf Anzeichen von leichten Bindehautentzündungen beobachten, die dann sofort mit gut verträglichen Augentropfen in Schach gehalten werden sollten.

Ohren regelmäßig säubern und in der Sommersaison täglich auf Grannen (borstige Haarspelze von Gräsern) untersuchen, wenn Du mit dem Bloodhound auf entsprechenden Wiesen unterwegs warst.

Gesundheit und typische Krankheiten

Beim Bloodhound gibt es keine besonders schlimmen, durch übertriebene Zucht verursachten, rassentypischen Krankheiten. Die Schleimhäute um die großen Augen sind allerdings recht empfindlich und entzündungsanfällig.

Die beste Vorsorge ist die ständige Entsorgung von überflüssigem, Bakterien sammelndem Sekret mit dem flachen Handrücken vom inneren Augenwinkel weg, ohne die Bindehäute zu berühren.

Auch die tiefen Hautfalten sollten gut im Auge behalten werden, hier bilden sich beim Bloodhound gerne einmal Hautentzündungen.

Beim Bloodhound sind weiter Augenlid-Fehlstellungen wie Roll-Lider (Entropium) und Hängelider (Ektropium) etwas öfter zu beobachten als bei urgesunden Mischlingen oder Gebrauchshunderassen.

Im Alter hat der schwere Bloodhound außerdem oft mit Gelenkerkrankungen wie HD (Hüftgelenksdysplasie, ) oder ED (Ellenbogendysplasie) zu kämpfen, vor allem bei genetischer Vorbelastung.

Weil die erbliche Veranlagung bei Augenkrankheiten nicht ausgeschlossen werden kann und bei Hüftgelenksdysplasie sicher bewiesen ist, ist der Erwerb eines gesunden Welpe aus einer seriösen, HD-freien Zucht die beste Gesundheitsvorsorge für das gesamte Leben des Bloodhounds.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung wird beim Bloodhound mit durchschnittlich 10 bis 12 Jahren angegeben.

Wenn Du bei einem verantwortungsbewussten Züchter einen gesunden Welpen erwirbst, diesen artgerecht ernährst und bei der Haltung alle „Sonderwünsche“ der Bloodhound-Rasse erfüllst, kann Dein Bloodhound diese 12 Jahre sogar ohne ständige Tierarztbesuche durchleben.

Hunderasse Bloodhound kaufen

Einen Bloodhound kann man nicht einfach so kaufen. Oder vielleicht schon, heute kann man ja alles kaufen – wenn Dir aber außerhalb von Zucht, Verein, etc. „mal eben so“ ein Bloodhound angeboten wird, sollten bei Dir alle Alarmglocken schrillen.

Denn kein Mensch, der dieser Hunderasse und generell anderen Lebewesen zugetan ist, würde einen Bloodhound einfach so auf der Strasse oder über Kleinanzeigen verkaufen.

Es ist bewusst von Lebewesen die Rede, denn Du leidest nach einem solchem Erwerb genauso wie der meist kranke Hund, wenn Du ein normaler, mitfühlender Mensch bist.

Mit dem Kauf eines Bloodhounds wirst Du vielmehr in eine große beratende Community eingebunden, deren Rat selbst erfahrene Halter der seltenen Bloodhounds beanspruchen und schätzen.

Die erste Anlaufstelle für den Erwerb kann zum Beispiel einer der offiziellen nationalen Bloodhound-Vereine sein, die in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und einigen weiteren Ländern existieren.

Dort gibt es eine Züchter-Liste, und es werden Kontakte zu anderen Bloodhound-Besitzern vermittelt.

Momentan gibt es eigentlich nur seriöse Bloodhound-Züchter, falls der „sanfte Riese“ zum Modehund bzw. Geheimtipp werden sollte, könnte sich das aber schnell ändern.

Deshalb folgt jetzt ein kleiner Züchter-Check, der natürlich auch für alle anderen Rassen gilt:

  • Ein Züchter sollte tagsüber unter seiner Heimatadresse erreichbar sein
  • Er sollte nicht nur einen Besuch bei den Welpen ermöglichen
  • Diese Welpen sollten im Wohnumfeld zu besichtigen sein und nicht in irgendwelchen abgelegenen Anlagen
  • Bloodhound-Eltern und Welpen sollten gesund, fröhlich und interessiert wirken
  • Der Züchter sollte Fragen zur Gesundheit der Zuchttiere ohne Zögern beantworten und ggf. durch tierärztliche Dokumente belegen können
  • Auch zur HD-Freiheit der Zucht sollten Nachweise existieren.
  • Die ganze Umgebung der Tiere sollte sauber und ordentlich wirken

Wenn Du Dir vorstellen kannst, einen älteren Hund zu übernehmen und über die dazu nötige Erfahrung in der Hundehaltung verfügst, gibt es manchmal die Möglichkeit, wegen Krankheit des Herrchens verwaiste Hunde zu übernehmen.

Möglicherweise sogar einen alten Bloodhound, dem die Rente vom Rettungsdienst bevorsteht … Kontakte, die Dich in dieser Richtung weiterbringen, kannst Du bei den deutschen Rettungshundestaffeln und manchmal auch im Tierheim erfragen.

Entscheidungshilfe

Der Erwerb eines Bloodhound ist sicher nichts für Ersthundehalter. Auch für erfahrene Hundehalter ist der Kauf eines Bloodhounds meist eine Lebensentscheidung, die ihr Leben ziemlich verändert.

Sie bekommen Kontakt mit dem Rettungshundewesen und professionellen Hundeführern, zum Thema „Spaziergang“ muss eine vollkommen neue Sichtweise entwickelt werden …

Ähnliche Artikel

Weitere Beiträge

Kommentare

  1. Pingback: Polnische Bracke

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.