Boerboel

Lesedauer: 8 Minuten Aufrufe 2316

Größe:
61 bis 72 cm
Gewicht:
55 bis 80 kg
Herkunft:
Südafrika
Lebensdauer:
8 bis 12 Jahre
Farbe:
rot, braun, gelb, schwarz, gestromt; nicht mehr als 30 % Weißanteil
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellüpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Der Boerboel ist ein Hund, der sich durch seine muskulöse Statur und seine charakterliche Präsenz auf den ersten Blick Respekt verschafft.

Das muss er auch, ist er doch in erster Linie als Schutzhund gezüchtet worden, der sich in seiner südafrikanischen Heimat nicht nur mit menschlichen Eindringlingen, sondern auch beeindruckendem Großwild wie Elefanten und Löwen konfrontiert sieht. 

Hierzulande kann der Boerboel es problemlos mit allen denkbaren Gefahren aufnehmen, die seiner Familie vielleicht drohen könnten, und ist damit der perfekte Wachhund.

Denn über seine Familie lässt er nichts kommen und verteidigt sie, wenn es sein muss mit allem, was er hat. Umso wichtiger ist es, dem Boerboel eine geradlinige Orientierungshilfe an die Hand zu geben, die den Beschützerinstinkt des massigen Hundes in die richtigen Bahnen lenkt.

Der Boerboel ist kein Hund für den unerfahrenen Halter. Der Boerboel ist ein intelligenter und selbstständiger Hund, der wenn es sein muss, auch eigenständig handelt.

Wenn er das Gefühl hat, dass seine Menschen die Verantwortung nicht allein tragen können, übernimmt er selbst die Führung. 

Mit viel Liebe, Sicherheit und Selbstbewusstsein sollte der erfahrene Hundehalter daher klare Linien setzen, an denen sich der Boerboel orientieren kann. Gelingt dies, ist der Boerboel ein kontrollierbarer und absolut loyaler Hund, für den sein Rudel seine ganze Welt bedeutet. 

Er liebt den engen Kontakt mit seinen Menschen und holt sich nur zu gerne ausgiebige Streicheleinheiten ab. Dabei kann der kuschelige Riese bei entsprechender Sozialisierung auch gut mit Kindern umgehen und ist ihnen ein treuer und einfühlsamer Beschützer. 

Herkunft und Rassegeschichte

Die Ahnen des Berboels sind die inzwischen ausgestorbenen Bullenbeißer, was den Boerboel in eine enge Verwandtschaft zum Deutschen Boxer stellt.

Als es die weißen Kolonialisten im 17. Jahrhundert in den Süden des schwarzen Kontinents verschlug, brachten sie ihre großen, furchtlosen Hunde mit sich, die ihre Menschen vor den wilden Gefahren Afrikas beschützen sollten. 

Absolute Loyalität und Mut wurden von diesen Hunden vorausgesetzt, welche sich mit so respekteinflößenden Tieren wie Löwen, Elefanten und Hyänen konfrontiert sahen.

Durch Einkreuzung großer heimischer Rassen kam man dem Idealbild eines großen und unbeirrbaren Schutzhundes schließlich näher.

Offiziell keine Anerkennung als Rasse

1983 gründete sich die South African Boerboel Breeders Society, kurz SABBS, deren Ziel es war und noch immer ist, mit dem Boeboel einen Teil ihrer „Africana“ Kultur aufrecht zu erhalten.

Mit ihrer Gründung wurden die ersten 75 Boerboels ausgewählt, welche fortan die Rasseideale verkörperten und eine zielführende Zucht anstießen.

Seit dem Jahr 1990 wird die Zuchttauglichkeit von Boerboels offiziell beurteilt. Bis heute ist der Boerboel von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) nicht offiziell als eigenständige Rasse anerkannt worden.

Dennoch wird die imposante Rasse auch außerhalb Südafrikas immer beliebter. So gibt es inzwischen Halter und Zuchtbemühungen in den USA, in Europa, Russland und auf dem australischen sowie dem asiatischen Kontinent.

Aussehen des Boerboel

Mit einer Schulterhöhe von bis zu 72 Zentimeter und 80 Kilogramm ist der Boerboel ein sehr großer Hund. Er ist dem ebenfalls sehr großen Mastiff sehr ähnlich. Seine muskulöse Endgröße erreicht ein Rüde erst mit zwei bis drei Jahren. 

Das kurze Fell kommt in den Schattierungen rot, braun, gelb und schwarz vor und ist häufig gestromt. Weiße Abzeichen sollten nicht mehr als 30 Prozent der Körperoberfläche des Boerboel einnehmen.

Das Gesicht kann von einer schwarzen Maske eingerahmt sein. Der Kopf ist groß und breit. Die Ohren setzen weit oben am Kopf an und liegen weit auseinander. Die Rute ist vergleichsweise kurz und gerade.

Charakter und Wesen

Der Boerboel wird als Schutzhund gezüchtet und nimmt seine Aufgabe als solcher sehr ernst. Er ist territorial und bewacht sein Reich mit allen Mitteln. Über die Sicherheit seines Rudels lässt er nichts kommen und entscheidet eigenständig, ob Gefahr durch Mensch oder Tier droht.

In seinem Heimatland kann zögerliches Verhalten dabei fatal sein. Entsprechend fackelt der Boerboel nicht lange und ergreift wenn nötig die Initiative. 

Sein ausgeprägter Schutzinstinkt sollte nicht unterschätzt und entsprechend früh im Training adressiert werden. Fremden begegnet der Boerboel im eigenen Revier mit einem gesunden Misstrauen, auf neutralem Territorium hingegen entspannt.

Dabei orientiert er sich stark am Verhalten seines Menschen, für das er ein feines Gespür beweist. Empfängt sein Halter einen Fremden als Freund, wird auch der Boerboel entspannt reagieren. 

Auf andere Hunde hingegen reagieren insbesondere Rüden nicht selten angespannt bis dominant. Typisch Molosser erweist sich der Boerboel vor allem im Jugendalter mitunter als eigensinnig.

In Südafrika hat der Boerboel immer schon engen Familienkontakt gepflegt, und den möchte er auch hierzulande nicht missen.

Haltung und Ernährung

Trotz seiner Größe sollte der Boerboel kein Hund sein, der ausschließlich draußen gehalten wird. Er möchte in die Familie im täglichen Leben einbezogen werden, was bei einer reinen Hof- oder gar Zwingerhaltung nicht ausreichend umzusetzen ist.

Bei der Größe versteht es sich von selbst, dass eine kleine Etagenwohnung jedoch nicht der richtige Platz für einen Boerboel ist. Ideal ist ein ebenerdiges Haus, in dem der Boerboel keine Treppen steigen muss. 

Der Boerboel liebt seine Familie bedingungslos und geht bei entsprechend früher Sozialisierung ausgezeichnet mit Kindern um. Der Umgang zwischen Kindern und dem Boerboel sollte aber immer beaufsichtigt werden, da es allein aufgrund seiner Masse bei Aufregung sonst zu unabsichtlichen Unfällen kommen könnte. 

Der Boerboel bleibt nicht gern allein und lässt den durch Einsamkeit entstehenden Frust schon mal in zerstörerischer Weise am Mobiliar aus. Bis der Boerboel ausgewachsen ist, sollte eine übermäßige Belastung der Gelenke vermieden werden.

Entsprechend sind Radfahren und Joggen mit dem Hund in dieser Zeit tabu und sollten, wenn überhaupt, erst dem ausgewachsenen Hund langsam antrainiert werden. 

Der Boerboel braucht seine täglichen Gassigänge, um auf dem Grundstück ausgeglichen wachen zu können. Die Ausflüge müssen aber nicht übermäßig actionreich ausfallen, ist der Boerboel doch ein zwar kraftvoller aber eher behäbiger Läufer.

Der Boerboel ist eine sehr große Hunderasse und als solche läuft der Junghund Gefahr, bei zu energiereicher Fütterung zu schnell heranzuwachsen.

In der Folge wächst das Knochengerüst in rasantem Tempo, während Muskeln und Sehnen nicht in gleichem Maße mithalten können. Für den Hund ist dies nicht nur eine schmerzhafte Erfahrung, sondern es kann auch bleibende Schäden wie Fehlstellungen nach sich ziehen. 

Um dieses Problem zu umgehen, solltest Du großen Wert auf eine geeignete Energiezufuhr für deinen im Wachstum befindlichen Boerboel legen.

Das ideale Futter für den heranwachsenden Hund sollte nicht nur alle nötigen Nährstoffe bieten, sondern auch eine ausgewogene Energiebilanz und nicht zu viele Rohproteine aufweisen.

Qualitativ hochwertiges Trockenfutter oder Nassfutter speziell für junge Hunde kann erfüllt diese Ansprüche. 

Auch die Ernährung mit selbst zusammengestelltem Rohfutter ist denkbar, erfordert aber eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie, damit keine Mangelerscheinungen oder Überdosierungen von Nährstoffen auftreten.

Bedenke, dass sich die Ansprüche an die Zusammenstellung des Futters mit dem Alter ändern, und die Ernährungsauswahl entsprechend angepasst werden muss. Im Zweifelsfall solltest Du deinen Tierarzt zur optimalen Ernährung konsultieren.

Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, um den Boerboel gesund zu erhalten. Das betrifft nicht nur die Qualität des Futters, sondern auch die Quantität.

Ein Boerboel neigt dazu, sich zu überfressen und dann überschüssige Pfunde anzusetzen. Diese schlagen sich negativ auf die Gelenke und den Kreislauf nieder, und sollten daher vermieden werden. 

Ist der Magen zu vollgefuttert, ist bei großen Hunden wie dem Boerboel zudem das Risiko einer lebensbedrohlichen Magendrehung nicht zu vernachlässigen.

Diese Gefahr kann deutlich reduziert werden, wenn der Boerboel seine Tagesration in zwei oder drei Portionen am Tag verteilt erhält.

Auch sollte wildes Toben danach für mindest zwei bis drei Stunden vermieden werden. Ideal ist es daher, den Boerboel nach seinen Gassigängen zu füttern.

Erziehung und Pflege

Eine frühe Sozialisierung und ausgezeichnete Prägung stellt die Grundvoraussetzung dar, damit der ausgewachsene Boerboelspäter keine Gefahr für Mensch und Tier darstellt.

Denn ein Boerboel der selbstständig entscheidet, dass eine Person Gefahr bedeutet, ist aufgrund seiner enormen Masse nur schwer zu bremsen. 

Er sollte daher frühzeitig positive Erfahrungen mit Fremden verknüpfen. So lernt das Tier, dass Besucher zuhause willkommen sind, wenn seine Menschen dies signalisieren.

Um diese regelmäßigen Eindrücke und Kontakte zu gewährleisten, ist der Besuch einer Hundeschule unerlässlich. 

Auch mit neuen Eindrücken wie Stadtleben und Verkehr sollte der Boerboel von klein auf regelmäßig konfrontiert werden, damit er ihnen entspannt begegnen kann.

Das ein Boerboel mitunter dazu neigt, die Rangfolge in Frage zu stellen, muss schon in der Welpen- und Junghundphase darauf geachtet werden, dem Hund ausreichend Schutz, selbstverständliche Dominanz und eine sichere Führung zu vermitteln.

Der Boerboel ist sehr intelligent, und wenn er das Gefühl hat, dass sein Halter nicht entscheidungsfähig ist, wird er das Ruder übernehmen. 

Versucht man, seinen Willen mit zu viel Druck durchzusetzen, kann der Boerboel das als Unsicherheit missverstehen und agiert entsprechend. Besser ist es auf Geduld, Vertrauen und Belohnung zu setzen.

Von der Sturheit des pubertierenden Hundes solltest Du dich nicht beeindrucken lassen, sondern mit konsequenter Hand die etablierten Regeln durchsetzen.

Das kurze Fell des Boerboel erweist sich als ausgesprochen pflegeleich. Außerhalb des Fellwechsels reicht es, ihn einmal wöchentlich zu bürsten und dabei auf Verletzungen und Parasiten zu achten.

Die Krallen sollten bei Bedarf gekürzt werden, nutzen sich aber normalerweise bei ausreichend Bewegung von allein ab.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Boerboel leidet nicht an rassetypischen Erbkrankheiten, ist aber aufgrund seiner Dimensionen für einige Erkrankungen anfällig.

Wie viele große Hunde hat der Boerboel mit Gelenkproblemen zu kämpfen. Hüftdysplasie und Kreuzbandrisse treten immer wieder auf. 

Das Risiko kann jedoch durch eine überlegte genetische Auswahl, sowie eine angemessene Ernährungsweise und ein geeignetes Bewegungsmuster vom Welpenalter an deutlich minimiert werden.

Eine weitere Gefahr geht für große Hunde von der Magendrehung aus. Auch kann mit angepasster Fütterung und Verhaltensweisen gut vorgebeugt werden.

Lebenserwartung des Boerboel

Der Boerboel kann bei sachkundiger Haltung und Pflege ohne weiteres ein Alter von 8 bis 12 Jahren erreichen. Vor allem die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung des Boerboels.

Boerboel kaufen

Die Anschaffung eines Boerboels ist nicht ganz günstig. Da die Rasse mitnichten als Modehund in Erscheinung tritt, sondern in Europa ein eher seltener Anblick ist, sind im Moment nur wenige Züchter am Erhalt der nicht FCI-regulierten Rasse beteiligt.

Dennoch kann man auch in Deutschland durchaus fündig werden, muss aber mit Anschaffungskosten von etwa 2000 Euro rechnen. 

Da beim Boerboel die Frühprägung ein besonderes Gewicht in der späteren Entwicklung des Tieres hat, solltest Du dir die Zuchtstätte genau ansehen. Zeigen die Elterntiere ein gefestigtes Wesen?

Werden die Welpen früh mit verschiedenen Umweltreizen konfrontiert? Legt der Züchter Wert auf einen gesunden Zuchtstamm, der beispielsweise die Zucht mit HD-belasteten Elterntieren verbietet? 

Entscheidungshilfe 

Der Boerboel ist fraglos ein Hund, der in erfahrene Hände gehört. Erziehungsfehler können bei seiner Statur und Masse nur schwer ausgeglichen werden.

Umso wichtiger ist es, dass der Boerboel von Beginn an klare Grenzen aufgezeigt bekommt. Der Boerboel will trotz seiner Größe einen engen Familienkontakt und wird nicht gerne von seinem Rudel getrennt. 

Dies sollte sowohl bei der täglichen Haltung, die einen Zugang zu den Wohnbereichen erlauben muss, als auch bei der Urlaubsplanung berücksichtigt werden.

Das Verreisen mit dem großen Hund sollte gut geplant werden, und ist eigentlich nur im eigenen Auto ohne Weiteres möglich.

Bestimmte Reiseländer fallen mit dem Boerboel von vorneherein raus, da die Rasse in einigen Ländern der Welt als gefährlich gelistet ist. 

So ist eine Einreise nach Dänemark oder Frankreich mit einem Boerboel nicht möglich. Auch solltest Du die hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein so großes Tier mit einkalkulieren.

Nur wenn Du sowohl der Größe als auch dem selbstständigen Schutzinstinkt des Boerboels in allen Facetten gerecht werden kannst, und bereit bist, das anhängliche Tier mit viel Liebe und Aufmerksamkeit zu überschütten, kann die Entscheidung für den Boerboel ausfallen.

Ähnliche Artikel

Weitere Beiträge

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.