Berger de Picardie

Lesedauer: 7 Minuten Aufrufe 1338

Größe:
55 – 65 cm
Gewicht:
20 – 30 kg
Herkunft:
Frankreich
Lebensdauer:
12- 13 Jahre
Farbe:
braun, grau, beige
FCI Gruppen:
Preis
800 bis 1200 Euro
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfällig für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Die Picards sind sehr menschenbezogen und loyal. Sie hängen an ihrem Besitzer und ihrer Familie. Am liebsten verbringen Sie viel Zeit mit ihnen zusammen. Gerne begleiten sie sie auf langen Spaziergängen und abwechslungsreichen Ausflügen.

Die Hunde sind intelligent und gelehrig. Allerdings haben sie den Ruf, selbst zu entscheiden, ob ihnen eine Aktivität gefällt oder nicht. Wenn ihnen etwas zu langweilig ist, spielen sie einfach nicht mit. Sie sind attraktive, temperamentvolle Vierbeiner mit Charakter.

Bist Du neugierig geworden? In diesem Artikel findest Du alle wichtigen Informationen rund um die französische Hunderasse – von den Rassemerkmalen bis hin zu Tipps zu Pflege und Erziehung.

Rassebeschreibung

Die Berger de Picardie sind eine ebenso robuste wie lebhafte Hunderasse. Ein typischer Vertreter ist von mittlerer Größe und hat einen athletischen Körperbau. Unverwechselbar ist das struppige Fell in braun-grauen Farben. Der Kopf ist durch eine üppige Griffonage geprägt, die langen Haare im Bereich des Fangs und der Augen.

Seine wachen Augen verleihen ihm einen freundlichen, unternehmungslustigen Gesichtsausdruck. Durch das zottige Fell wirkt der Berger de Picardie sehr rustikal.

Sobald er sich in Bewegung setzt, ist er jedoch ein eleganter Hund. Lange, ausgreifende Schritte und geschmeidige Bewegungen kennzeichnen ihn als fähigen Hütehund. Er ist ausdauernd und stets bereit, etwas Neues zu entdecken.

Der FCI-Standard Nr. 176 vom November 2008 ordnet den Berger de Picardie in Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde, ausgenommen Schweizer Sennenhunde) sowie Sektion 1 Schäferhunde (mit Arbeitsprüfung) ein.

Die Maximalgröße des Berger de Picardie liegt für Rüden bei 65 cm, für Hündinnen bei 60 cm. Unerwünschte Merkmale im Erscheinungsbild sind helle Augen und schwarzes oder weißes Fell.

Die charakteristischen Stehohren und das raue, halblange Fell sind wichtige Kennzeichen der Rasse. Ein Berger de Picardie soll ein ausgeglichenes, aber selbstbewusstes Temperament aufweisen. Übermäßige Ängstlichkeit oder Aggressivität zählen zu den disqualifizierenden Fehlern.

Herkunft und Rassegeschichte

Die Bezeichnung Berger de Picardie sagt bereits einiges über diese Hunderasse aus. Der Name ist französisch und lässt sich mit „Schäferhund aus der Picardie“ übersetzen.

Die Region liegt im Norden Frankreichs. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieses Hundetyps lediglich auf dieses relativ kleine Gebiet beschränkt. Mittelgroße, kräftige Hunde mit dichtem Fell sind im gesamten Nordwesten Europas seit Langem weit verbreitet. Sie helfen beim Schafe- und Rinderhüten, beim Viehtrieb oder dienen als Wachhunde.

Die Rasse scheint sehr alt zu sein. Es gilt als wahrscheinlich, dass bereits die Kelten Hunde dieses Typs als Begleiter und Bewacher hielten. Dennoch ist die Hunderasse mit entsprechenden Zuchtstandards noch nicht lang anerkannt.

Die erste Erwähnung von Picardie-Hunden findet sich erst im Jahre 1898. Beschrieben wird allerdings ein völlig anderer Hundetypus. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind die ersten Bemühungen dokumentiert, den Berger de Picardie als eigenständige, anerkannte Rasse zu etablieren.

Der Erste Weltkrieg zerstört die Hoffnung der Züchter zunächst. Die Hunde müssen bei militärische Einsätzen mithelfen. Für die Zucht bleiben kaum Tiere übrig. Erst einige Jahre nach Kriegsende entsteht der erste Rassestandard.

1925 ist es soweit: Der Club Francais du Chien de berger erkennt den Berger de Picardie offiziell als Hütehunderasse an. Der Zweite Weltkrieg und Unstimmigkeiten unter den Züchtern lassen die Zuchtbemühungen fast zum Erliegen kommen.

1957 existiert nur noch eine Zuchtstätte. Es dauert Jahre, bis sich die Picard-Zucht wieder erholt. Bis heute gilt der Berger de Picardie als seltene Hunderasse. Im Vergleich zu anderen französischen Hütehunderassen wie dem Beauceron oder dem Briard gibt es sehr viel weniger Tiere.

Aussehen des Berger de Picardie

Berger de Picardie

Der Berger de Picardie zählt zu den mittelgroßen Hunden. Ausgewachsene männliche Hunde haben eine Widerristhöhe zwischen 60 und 65 cm, weibliche Hunde zwischen 55 und 60 cm. Mit einem Durchschnittsgewicht von 20 bis 30 kg sind sie für ihre Größe kräftig, aber nicht übermäßig schwer.

Die Tiere haben einen kräftigen Rumpf mit langer, schräger Schulter und einem muskulösen, aufrechten Hals. Der gerade Rücken geht in eine leicht abfallende Kruppe über. Gut bemuskelte Beine und klar ausgeprägte Gelenke geben dem Berger de Picardie seine Schnelligkeit und Wendigkeit.

Kopf und Körper passen in den Proportionen zusammen. Der dreieckige Schädel mit leichter Stirnwölbung ist trocken gezeichnet und nicht zu spitz. Mittelgroße Stehohren, kräftiger Kiefer und dunkle Augen verleihen der Rasse ihr charakteristisches Aussehen.

Im Kopfbereich ist das Haarkleid sehr ausgeprägt. Ein langer Kinn- und Schnauzbart gehört ebenso dazu wie Haarbüschel an den Ohrrändern. Die Augenbrauen können bis zu 4 cm lang werden.

Beim Haarkleid dominieren braune, beige und graue Farbtöne. Gescheckte, rein schwarze oder weiße Tiere sind unerwünscht. Das Fell ist halblang. Es besteht aus harten Deckhaaren und einer dichten Unterwolle.

Charakter und Wesen

Der Berger de Picardie ist ein liebenswertes Energiebündel. Er will sich viel bewegen und beschäftigt werden. Deswegen eignet er sich nicht als reiner Schoßhund. Hunde dieser Rasse werden seit Jahrhunderten dafür gezüchtet, stundenlang in Wind und Wetter bei der Herde auszuharren.

Sie müssen aufmerksam bleiben und bei Gefahr eingreifen. Deswegen möchten sie auch dann genügend Auslauf und Abwechslung haben, wenn sie als Familienhund leben.

Der Berger de Picardie zeichnet sich durch einen ausgeglichenen Charakter aus. Er ist von Natur aus weder ängstlich noch aggressiv. Als Hüte- und Wachhund hat er eine starke Bindung an seinen Eigentümer und seine Familie.

Er ist kinderlieb und anhänglich. Allerdings sollten die Kinder wissen, wie sie sich gegenüber dem Tier am besten verhalten. Ein Berger de Picardie, der sich in seiner Umgebung wohlfühlt, ist ein lebhafter und unterhaltsamer Zeitgenosse. Fremden gegenüber tritt er zunächst distanziert und abwartend auf.

Ein aggressives Verhalten ohne erkennbaren Grund ist jedoch nicht zu erwarten. Mit Hunden und Katzen verträgt er sich, wenn er an die Anwesenheit anderer Haustiere gewöhnt ist.

Der Berger de Picardie ist ein charakterstarker Hund, der eigenwillig sein kann. Er hört gut zu, entscheidet aber gerne selbst, ob er darauf reagieren möchte. Erfahrenen Hundehaltern fällt es leichter, mit dem bisweilen dickköpfigen Verhalten umzugehen.

Geduld, Humor und Konsequenz sind die richtige Mischung, um mit dem vierbeinigen Mitbewohner gut zurechtzukommen. Für junge Tiere ist es wichtig, frühzeitig grundlegende Kommandos und Routinen kennenzulernen.

Haltung und Ernährung

Haltung

Eine artgerechte Haltung setzt beim Berger de Picardie viel Raum zum Laufen und ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten voraus. Für kleine Wohnungen ist er ungeeignet.

Ein Garten, in dem er herumtollen kann, sollte vorhanden sein. Noch wohler fühlt er sich auf größeren, naturnahen Grundstücken. Ebenso wichtig wie viel Platz ist eine intensive Beschäftigung mit dem Hund.

Er liebt es, viel und regelmäßig Kontakt mit seinen Bezugspersonen zu haben. Daher eignet sich diese Rasse nicht für Hundebesitzer, die morgens zur Arbeit gehen und erst abends Zeit für einen kurzen Spaziergang haben.

Besuche in der Hundeschule, ausgedehnte Ausflüge in der freien Natur und abwechslungsreiche Spiele zu Hause lasten den temperamentvollen Hund aus und helfen ihm, seinen ausgeglichenen Charakter zu bewahren.

Einfach nur Stöckchen zu holen oder mit dem Ball zu spielen ist dem intelligenten Hund zu langweilig. Anspruchsvollere Aktivitäten sprechen ihn mehr an. Es gibt eine Reihe von Beschäftigungsmöglichkeiten, die Du mit Deinem Berger de Picardie ausprobieren kannst. Du wirst schnell merken, was ihm wirklich Spaß macht.

  • Agility: Das Parcourslaufen auf Zeit kommt dem Bewegungsdrang des Hundes entgegen.
  • Gehorsamsübungen: Auch wenn der Berger der Picardie gerne etwas eigensinnig ist, sind regelmäßige kurze Gehorsamsübungen sinnvoll. Mit viel Abwechslung bei den Übungen verhinderst Du Langeweile und Desinteresse am Training.
  • Suchspiele und Nasenarbeit: Lass Deinen Hund zu Hause oder bei Spaziergängen nach Futter oder Lieblingsgegenständen suchen.
  • Joggen: Nimm Deinen Vierbeiner zu Deinen Trainingsläufen mit. Das ausdauernde Laufen in Deiner Begleitung ist für diese Hunderasse eine angenehme, artgerechte Betätigung.

Ernährung

Beim Futter stellt der Berger de Picardie keine besonderen Ansprüche. Die Futtermenge richtet sich nach der tatsächlichen körperlichen Betätigung. Die Rasse verträgt handelsübliches Trocken- oder Nassfutter ebenso gut wie selbst zubereitetes.

Es lohnt sich, unterschiedliche Futtermittel anzubieten und auf die individuellen Vorlieben des Tieres einzugehen. Abwechslung im Futterplan sorgt für eine gute Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Wenn Du merkst, dass Dein Hund an Gewicht zu- oder abnimmt, passt Du die Futtermenge entsprechend an.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Damit die temperamentvollen und eigenwilligen Tiere zu angenehmen Begleitern und Mitbewohnern werden, ist eine sorgfältige, art- und altersgerechte Erziehung erforderlich.

Bis zu einem Lebensalter von etwa 18 Monaten solltest Du besonders darauf achten, Deinen Hund nicht zu überfordern. Denn die Erlebnisse in dieser formativen Lebensphase prägen das Verhalten sehr stark.

Außerdem sind Muskeln und Skelett in der Wachstumsphase verletzungsanfälliger. Die Aufmerksamkeitsspanne eines Welpen ist sehr kurz. Deshalb eignen sich kurze Übungseinheiten mit langen Entspannungsphasen für das Training junger Hunde am besten.

Regelmäßige Wiederholung und Konsequenz ist entscheidend, damit das Tier versteht, was es tun soll. Ab einem Alter von 6 bis 8 Monaten kommen Hunde in eine Übergangsphase, die mit der Pubertät vergleichbar ist. Ruhe, Konsequenz und viel Geduld helfen, die turbulenten Monate zu überstehen.

Auch wenn die Grundausbildung spätestens im Erwachsenenalter abgeschlossen sein sollte, kannst Du Deinem Vierbeiner immer etwas Neues beibringen. Tricks, neue Spiele oder die Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung – es gibt viele Möglichkeiten, Hunde zu trainieren und auszubilden.

Pflege

Das raue Fell der Picards benötigt nicht sehr viel Pflege. Es weist Schmutz gut ab und verfilzt kaum. Alle ein bis zwei Wochen Durchbürsten reicht im Normalfall aus. Die Krallen sollten kurz gehalten werden.

Gesundheit und typische Krankheiten

Die robusten französischen Schäferhunde werden bei normaler Pflege und Ernährung selten krank. Dank sorgfältiger Zuchtbemühungen tritt die Erbkrankheit Hüftgelenksdysplasie nur selten auf.

Lebenserwartung des Berger de Picardie

Berger de Picardie

Die Lebenserwartung der französischen Schäferhundrasse liegt bei maximal 12 bis 13 Jahren.

Hunderasse Berger de Picardie kaufen

Der Berger de Picardie gilt immer noch als vergleichsweise seltene Hunderasse. Wenn Du Dich für den Kauf eines Tieres interessierst, sind Züchter und Zuchtverbände die wichtigsten Ansprechpartner. Zusätzlich kannst Du im Tierheim anfragen.

Bei der Suche im Internet nach geeigneten Zuchtstellen findest Du neben der Bezeichnung Berger de Picardie auch Berger Picard oder einfach Picard. Im Englischen wird die Rasse Picardy Shepherd genannt.

Die Preise für einen Berger de Picardie können stark variieren. Wenn Du ihn bei einem Züchter kaufst, musst Du mit mindestens 800 bis 1000 EUR rechnen.

Entscheidungshilfe

Diese temperamentvolle und liebenswerte Hunderasse ist für alle geeignet, die sich gerne und ausgiebig mit ihrem Vierbeiner beschäftigen. Erfahrung im Umgang mit Hunden ist von Vorteil, wenn Du vorhast, einen Berger de Picardie zu kaufen.

Die selbstbewussten Tiere brauchen einen ruhigen, konsequenten Besitzer, an dem sie sich orientieren können. Mit einem Berger de Picardie kommt ein Hund zu Dir, der viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Er bedankt sich dafür mit Zuneigung und Loyalität.

Ähnliche Artikel

Weitere Beiträge

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.