Aufgeregt fängt mich mein Nachbar Herbert vor der Wohnungstür ab. Er erzählt hektisch, seine Schlange war nicht mehr im Terrarium als er von der Arbeit zurückkam. Dabei habe er sie doch erst seit 3 Tagen und nun ist sie schon weg! In der ganzen Wohnung unauffindbar. Was solle er denn jetzt tun? Die 1,50 Meter lange Python Robert, genannt Bobby, hatte wohl keine Lust mehr auf das Terrarium. Damit es euch nicht so ergeht wie meinem Nachbarn und Bobby, habe ich euch hier Tipps für den Schlangenkauf und eine artgerechte Haltung zusammengestellt. Außerdem erfahrt ihr, welchen Rat ich bei entkommenen Schlangen gebe und ob wir Bobby wiederfinden konnten.

 

Der Schlangenkauf

Bevor man sich auf dem Schlangenmarkt umschaut, sollte man sich bewusst machen, welche Schlange zu einem passt. Setzt euch daher gründlich mit den Bedürfnissen der Schlangenarten auseinander. Es gibt tausend verschiedene Arten mit jeweils anderen Haltungsbedingungen. Schlangen kommen aus den unterschiedlichsten Lebensräumen – von der Polarwüste bis zum Regenwald. Aufgrund der Herkunft unterscheiden sich nicht nur Klimabedingungen im Terrarium, auch Fress- und Verhaltensgewohnheiten. Diese wirken sich dann auch auf die Terrariumswahl und -ausstattung aus. Daher stelle dir zunächst folgende Fragen:

  • Wieviel Platz habe ich, um eine Schlange zu beherbergen?
  • Was brauche ich für eine artgerechte Haltung?
  • Gibt es spezielle Regelungen für die Haltung der Schlange?
  • Habe ich ausreichend Kenntnisse, um ein gute Haltung zu garantieren?
  • Wieviel Geld möchte ich ausgeben – Haltung und laufende Kosten?
  • Welche Schlange ist die Richtige?

Generell können ungiftige und ungefährliche Schlangen ohne Genehmigungen gehalten werden. Auch muss der Vermieter nicht gefragt werden. Die Tiere fallen unter die Kategorie Kleintiere und haben so den gleichen Status wie Hamster, Kaninchen und Co.

Bei Gift- und Würgeschlangen sieht es anders aus. Ohne Genehmigungen könnt ihr keine dieser Schlangen besitzen. Und solltet ihr auch nicht! Besonders für den Einstieg in die Schlangenhaltung empfiehlt es sich dringend, keine gefährliche Art zu kaufen. Habt ihr bereits Erfahrungen und könnt diese auch nachweisen, könnt ihr euch auch an Würge- und Giftschlange herantrauen. Schlangen sind in der Regel Einzelgänger. Möchtet ihr dennoch 2 halten, sollte es unbedingt ein Pärchen sein. Allerdings müsst ihr dann mit Nachwuchs rechnen.

Empfehlung: Nattern können für Einsteiger in die Schlangenwelt sinnvoll sein. Sie sind robuster und verzeihen Anfängerfehler (wie Fehler bei Beheizung, Beleuchtung oder Feuchtigkeit). Dabei können Korn- und Erdnattern, Kettennattern oder zum Beispiel die indische Schmucknatter in Frage kommen. Meist haben sie ein farbenprächtiges Schuppenkleid, ein friedliches Wesen und können sogar Längen bis 150cm erreichen. Nicht empfehlenswert dagegen sind Königspythons, die gerne gekauft werden. Diese sind allerdings wesentlich sensibler. Sie reagieren eher auf Haltungsfehler. So können plötzlich exotische Futterwünsche oder komplette Futterverweigerung den Halter verunsichern.

Marktplatz für Schlangen

Eine berechtigte Angst beim Kauf der Schlange ist ein „illegales“ Tier zu erwerben. Also Tiere, die nicht aus einer zugelassenen Zucht stammen. Meist handelt es sich hier um Schmugglerware. Habt ihr einen Verdacht, dass es sich um einen unseriösen Verkauf handelt, kauft nicht diese Schlange. Meldet eure Bedenken umgehend der Polizei oder regionalen Tierschutzverbänden.

Empfehlenswert ist der Kauf von renommierten privaten Züchtern. Informiert euch im Internet über Angebote in eurer Region. Scheint die Website seriös und bietet euch Informationen über Herkunft, Alter und Art macht einen Termin vor Ort aus und schaut euch die Gegebenheiten an.

Auf Reptilienbörsen und Terraristikmessen kommen Züchter zusammen. Hier findet ein reger Austausch über Verkäufe und Haltungsempfehlungen statt. Meist könnt ihr dort gleichzeitig Terrarien und Zubehör erwerben. Die weltweit größte Börse findet viermal jährlich im nordrhein-westfälischen Hamm statt. Erwerbt ihr hier eure Schlange, ist es in der Regel sicher, ein Tier aus einer guten Nachzucht zu erhalten. Außerdem gibt es viele Tipps und Informationen rund um Schlangen und Reptilien kostenlos dazu. Ein vertrauensvoller Züchter hat entsprechende Nachweise, dass die Schlange bei ihm in der Nachzucht geboren wurde. Fragt also stets nach dieser Beglaubigung.

Vermeidet Zoohandlungen und Tierabteilungen. Hier ist die Gefahr zu groß, dass die Tiere krank sind. Auch weiß man meist nicht, woher die Tiere stammen. Der Internethandel ist ebenfalls skeptisch anzusehen. Besonders bei sehr günstigen Angeboten lohnt es sich, zwei Mal hinzuschauen, nachzufragen und die Aussagen zu überprüfen. Wenn ihr euch nämlich einen geschmuggelten Wildfang kauft, kann der Käufer genauso strafrechtlich belangt werden wie der Verkäufer. Empfehlung: Nehmt den Weg nach Hamm zur Terraristika auf euch! Dort werdet ihr am besten beraten. Es gibt Tierärzte vor Ort, die einen Blick auf die Schlange werfen können, falls ihr euch nicht sicher seid, ob sie gesund ist. Bei Zweifeln könnt ihr einfach den Stand wechseln, die Auswahl ist riesig.

Beim Kauf der Schlange

Erkrankungen der Schlangen sind oftmals nicht direkt zu erkennen. Trotzdem könnt ihr euch während des Kaufes oberflächlich absichern. Wirkt das Terrarium dreckig und ungepflegt, dreht sofort um und kauft das Tier nicht. Wie bei jedem Lebewesen ist eine saubere, hygienische Umgebung wichtig, um sich vor Krankheiten zu schützen.

Lasst euch genug Zeit! Beobachtet die Schlange. Gesunde Schlangen sind aufmerksam und züngeln gelegentlich. Liegt das Kriechtier schlapp oder sogar ausgestreckt herum, ist sie gesundheitlich nicht auf dem besten Stand. Schaut euch das Maul an. Ist es verschleimt? Auch dann rate ich vom Kauf ab. Wirken die Augen trüb oder geschwollen ist mit dem Tier ebenfalls etwas nicht in Ordnung. Ein Milbenbefall äußert sich mit kleinen weißen Punkten auf der Haut oder auf den Augen. Auch dies könnt ihr als Laie überprüfen.

Die Schlange macht einen guten Eindruck, wenn ihr sie aus dem Terrarium nehmen dürft und sie versucht euch zu beißen. Dies bedeutet sie ist lebhaft und aktiv. Ein kraftlos liegendes Tier ist vermutlich krank oder geschwächt. Würgeschlangen (wie Pythons und Boas) neigen dazu, sich um eueren Arm zu wickeln.

Artgerechte Haltung im Terrarium

Der Schlüssel für eine artgerechte Haltung ist das Wissen über die Herkunft der Schlange. Durch geographische und klimatische Fakten, könnt ihr der Schlange ein Abbild seiner natürlichen Umgebung schaffen. Generell kann man zwischen dem klassischen Glasterrarium und dem Holzterrarium entscheiden. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Für tropische Schlangen eignen sich Glasterrarien besser. Diese brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Glas ist gegen Feuchtigkeit unempfindlich und leicht zu reinigen. Außerdem könnt ihr euer Haustier ständig beobachten. Andererseits ist Glas ein Wärmeleiter. Die Wärme des Terrariums wird nach außen abgegeben. Daher werden höhere Energiekosten auf euch zukommen. Auch können manche Schlangen es nicht ausstehen, ständig gesehen werden zu können und verstecken sich dann eher.

Ein Holzterrarium speichert Wärme. Damit ist es perfekt für Tiere, die aus einem warmen und trockenen Klima stammen. Das Ziel eines Terrariums ist das natürliche Abbild des ursprünglichen Lebensraums. Hier bietet sich Holz als Naturmaterial besser an. Für tropische Schlangen ist dies allerdings nicht geeignet. Durch ihr feuchtwarmes Habitat kann sich Schimmel bilden. Dies kann für Schlangen tödlich ausgehen.

Größe

Wie bei jedem im Käfig gehaltenen Tier spielt die Größe eine enorme Rolle. Es gilt daher immer: Umso größer, desto besser. Keine Schlange wird in einer zu kleinen Unterkunft glücklich. Der Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz hat folgende Rechnung aufgestellt:

Reptilien unter 150cm = Terrarium Mindestmaße von 75 x 50 x 75 cm (LBH)

Reptilien über 150cm = Terrarium Mindestmaße von 100 x 50 x 75 cm (LBH)

 

Technische Ausstattung

Schlangen können ihre Körperwärme nicht selbst erzeugen. Sie sind auf äußere Einflüsse angewiesen. Die Temperatur im Terrarium darf daher nicht unter 20 Grad fallen. Ausgenommen sind hier Schlangenarten, die eine Winterruhe halten. Ihr stattet das Terrarium also mit Licht- und Wärmequellen aus. Auch kann eine Bodenheizung dazu kombiniert werden. Wichtig ist, nicht das gesamte Terrarium mit Wärme auszustatten. Lasst das Tier zwischen verschiedenen Temperaturen wählen. Thermometer und Hygrometer lassen euch wissen, ob Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausreichend sind. Sorgt auf jeden Fall für eine gute Belüftung.

 

Sicherheit

Falls du nicht wie mein Nachbar auf die Jagd nach deiner Schlange gehen möchtest, achte auf genug Sicherheit im Terrarium. Es dürfen keine Lücken, Spalten oder sonstige Schwachpunkte entstehen können. Auch sollte die Schiebetür ausreichend gesichert werden (durch Schlösser). Sonst kann die Schlange das Tor zur Freiheit in die Wohnung einfach aufdrücken.

 

Einrichtung

Für kletterfreudige Schlangen ist eine ausreichende Höhe wichtig. Große Terrarien lassen sich sehr schön mit Pflanzen, Steinen, Kletterästen und Wurzeln einrichten. Sie bieten nicht nur Beschäftigung, sondern auch Häutungshilfen. Wasserbecken fürs Baden und Trinken können ebenso hineingestellt werden. So hat jede Schlange ihre eigenen Bedürfnisse, die ihr erfüllen solltet. Unabhängig von ihrer Art benötigt jedes der Reptilien einen dunklen Rückzugsort. Hier kann es sich sicher und unbeobachtet fühlen. Baumrindenstücke, Blumentöpfe oder Höhlen aller Art kommen dafür in Frage.

Die Giftschlange – gefährliche Tiere in Deutschland

Schlange

Python

Die Haltung von gefährlichen und giftigen Tieren ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Grundsätzlich ist sie aber nicht verboten. Hessen und Bayern haben Gesetze, die die Haltung einschränken und teilweise verbieten. Im Großteil Deutschlands kann aber Jeder Giftschlangen oder giftige Tiere in der Wohnung halten. Zurzeit sind nur Tiere meldepflichtig, die auf der Artenschutzliste stehen.

Um einen praktischen Einblick in den Umgang mit Giftschlangen zu bekommen, empfehle ich Treffen mit Giftschlangenhaltern. Diese haben in der Regel mehrjährige Erfahrungen und können dich praxisnah informieren. Giftige Tiere sind nicht unproblematisch und sollten nicht unterschätzt werden. Allgemein gilt, dass bei der Haltung von Giftschlangen keine Gefahr für andere Mitmenschen ausgehen darf. Besonders beim Zusammenleben mit Kindern ist äußerste Vorsicht geboten, da diese Gefahren nicht richtig einschätzen können.

Wie finde ich meine entkommene Schlange?

Nicht nur Herbert hat mir diese Frage gestellt. In Foren liest man häufig die verzweifelte Suche nach Tipps, wie man denn die entkommene Schlange wiederfindet. Zunächst begutachtet man das Terrarium und stellt sicher, wie das Tier ausbrechen konnte. Meist sind undichte Terrarien oder offen gelassene Türen die Gründe für das Verschwinden des Schützlings. Besonders umtriebige Schlangen können die Terrarientür auch selbst aufdrücken, wenn sie nicht mit einem Schloss gesichert wurden. Auch Bobby gehört zu dieser Sorte.

Nicht nur hat Herbert das Terrarium im Wohnzimmer und nicht in einem eigenen Raum aufgestellt, auch hat er es nicht verschlossen. Ist nun der terraristische Supergau passiert, gilt erstmal: Keine Panik und Ruhe bewahren! Schließt zunächst alle Fenster und Türen.

Der zweite Schritt: Terrarium richtig durchsuchen. Manchmal versteckt oder vergräbt sich die Schlange so tief im Becken, dass sie anfangs unauffindbar wirkt. Hohle Pflanzen oder Baumrinden können das ideale Versteck sein.

Sollte man dennoch vor dem leeren Terrarium stehen folgt Schritt 3: Spuren lesen! Setzt euch die imaginäre Pfadfinderkappe auf und durchsucht die nähere Umgebung. Nicht selten liegt das Tier hinter dem Becken an der Wand. Schlangen würden nicht direkt durch den offenen Raum kriechen. Ist auch dieser Platz leer schaut, ob ihr Spuren im Staub findet.

Enttäuscht auch dieser Weg, setzt die Pfadfinderkappe ab und streift euch die FBI Weste über. Nun muss das ganze Zimmer abgesucht werden! Fangt am Terrarium an. Geht von dort aus die Wände und besonders die Fußleisten ab. Schaut hinter den Büchern im Regal, in Sofaritzen und Blumentöpfen. Schuhe, Taschen und dunkle Orte können hierbei der perfekte Rückzugsort sein. Versetzt euch in das Tier hinein. Schlangenkompatible Orte sind meist eng, nicht zu kühl und ungestört. Lüftet das Zimmer der Schlange nur unter Aufsicht. Im Falle eines Ausbruchs wären eure Nachbarn sicherlich wenig vergnügt dem Tier am Abendessenstisch zu begegnen. Außerdem werden dann Polizei, Feuerwehr und ggf. lokale Medien benachrichtigt und es können hohe Strafen auf euch zukommen.

Nach etwa zwei Stunden des Suchens hatten wir uns in Herberts Büro durchgekämpft. Wie Sherlock und Watson fanden wir schließlich inmitten des Kabelsalates eine ganz entspannte Schlange! Fast vergnügt über unser Schauspiel zischte Bobby uns genüsslich zu als wir ihn zurück ins Terrarium setzten. Ende gut, alles gut!

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