Reptilien sind keine Kuscheltiere: Wem Hund, Katze, Maus zu langweilig erscheinen, der entscheidet sich oft für die exotischen Zeitgenossen. Ihre schillernden Farben und ihr oft ungewöhnlicher Körperbau zaubern ein Urzeitfeeling ins Wohnzimmer, wer sich jedoch für das Reptilien kaufen entscheidet, sollte sich genaustens über die Haltung der Tiere informieren.

Reptilien sind zwar pflegeleichter als so manch anderes Haustier, jedoch benötigen sie einige spezifischen Lebensbedingungen, die von Art zu Art unterschiedlich sind. Deshalb sollte man sich mit Hilfe von Fachliteratur vorher genaustens mit dem Reptil befassen, das man sich zulegen möchte. Vorher sollte man sich jedoch vergewissern, ob die Haltung eines Reptils für einen generell das richtige ist.

Beobachten statt Schmusen

Ein Reptilienbesitzer sollte kein Interesse an einem kuscheligen Tierfreund haben. Reptilien sollten nur wenn zwingend nötig, zum Beispiel auf Grund eines Arztbesuches, aus ihrem Terrarium genommen werden. Sie sind oft sehr empfindlich und direkter plötzlicher Kontakt mit Menschen und der Außenwelt kann sie sehr verschrecken und im schlimmsten Fall sogar einen plötzlichen Tod verursachen.

Wenn du dir ein Reptil zulegen möchtest, solltest du Interesse haben dich viel mit der Lebensweise und den Besonderheiten des Tieres auseinanderzusetzen.

Klapperschlange

Klapperschlange

Vorsicht bei Kindern

Reptilien sind keine Spielgefährten. Reptilienbesitzer mit Kindern sollten klare Absprachen mit den Kleinen treffen, damit das Terrarium nicht am Morgen plötzlich leer steht. Jüngeren Kindern sollte man deshalb den Zugriff auf das Terrarium verweigern.

Außerdem werden Bakterien, wie Samonellen, sehr leicht von Reptilien übertragen. Dies kann durch den Kontakt mit dem Kot, aber auch durch die einfache Berührung des Tieres geschehen. Da Kinder unter fünf Jahren noch nicht so ein ausgeprägtes Immunsystem haben, sollte man sie bewusst von dem Reptil und dessen Terrarium fernhalten. Falls du also ein Familienmensch bist, solltest du dir gut durch den Kopf gehen lassen, ob du dir wirklich Reptilien kaufen möchtest.

Terrariumkauf — eine Wissenschaft für sich

Der Schwerpunkt bei der Haltung von Reptilien liegt auf der Einrichtung und Ausstattung des Terrariums. Die Umgebung sollte dem natürlichen Lebensraum der Tiere ähneln. Vor allem ist es wichtig, dass mit Hilfe von Wärmeeinrichtungen und speziellen Lampen das tropische Klima simuliert wird. Wer sich ein Reptil zulegen möchte, sollte sich also bewusst sein, dass die Pflege des Terrariums im Vordergrund steht. Eine Grundreinigung muss zweimal pro Jahr erfolgen. Einzelne Flecken, sowie der Kot, müssen natürlich häufiger entfernt werden. Auch wenn jede Reptilienart unterschiedliche Bedingungen benötigt, gibt es einige Kriterien, die man immer beachten sollte:

1. Die Größe des Terrariums

Jede Tierart benötigt einen unterschiedlich großen Platz. Während kleine Amphibien oder Spinnen weniger Freiraum brauchen, sollte man für Schlangen oder Leguane ein recht großes Terrarium einplanen. Wichtig ist also, dass du dich vor dem Kauf eines Terrariums sicher für eine Reptilienart entscheidet.

2. Verschiedene Terrarienarten

Terrarium ist nicht gleich Terrarium. Je nachdem, ob das Reptil Wasser, Wald oder Wüste bevorzugt, muss ein dazu passendes Terrarium gekauft werden. Man unterscheidet zwischen:
⦁ Trockenterrarium, Wüsten- oder Steinterrarium
⦁ Regenwaldterrarium oder Tropenterrarium
⦁ Waldterrarium
⦁ Aquaterrarium

3.Material des Terrariums

Auch hier gibt es vier verschiedene Möglichkeiten, die von Tier zu Tier variieren:

Glasterrarium: Das wohl beliebteste Material. Hier kann man die Tiere Tag und Nacht beobachten, die Reinigung ist relativ simpel und vor allem eignet es sich für Tiere, die Feuchtigkeit oder Nässe benötigen. Allerdings mögen es viele Reptilien nicht, wenn sie dauerhaft beobachtet werden. Hinzukommt, dass Glas kein guter Wärmespeicher ist und so höhere Energiekosten für Wärmequellen anfallen.

Holzterrarium: Das Material eignet sich für Insekten und Spinnen, welche oft Wüstenlandschaften bewohnen. Wärme kann hier besser gespeichert werden als im Glasterrarium, dafür eignet es sich nicht für Feuchtigekeit und Nässe.

Kunsstoffterrarium: Kunststoff ist der perfekte Wärmespeicher, ist sehr stabil und kann nicht schimmeln. Allerdings ist dieses Terrarium deutlich teurer als die anderen.

Aluminiumterrarium: Dieses Terrarium ist sehr hygienisch, leicht und stabil. Jedoch besitzt es eine sehr schlechte Wärmedämmung, und spielt trotzdem preislich mit dem Kunststoffterrarium in einer Liga.

4.Terrarieneinrichtung

Vollkommen zu Hause fühlt sich das Reptil erst mit den richtigen Terrarienutensilien. Diese tragen dazu bei die Atmosphäre, das Klima und die Vegetation seines natürlichen Lebensraumes nachzuahmen. Wichtig sind auch hier verschiedene Kriterien:

Der Bodenbelag

Abhängig von der Reptilienart empfehlen sich verschiedene Bodengründe, wie Sand, Span oder Hum.

Licht

Besondere UV-Lampen sind bei Reptilien notwendig, um zum einen Tag und Nacht zu simulieren und zum anderen Wärme zu spenden.

Wärmequellen

Reptilien sind wechselwarme Tiere. Das bedeutet sie nehmen Wärme aus der näheren Umgebung auf. Ihre Körpertemperatur wird also durch die Außentemperatur bestimmt. Deswegen benötigen die meisten Reptilien zusätzliche Wärmequellen, beispielsweise in Form von Infrarotlampen. Auch hier gilt: Informiere dich welche Temperatur für deine Art die beste ist.

Klimatechnik

Viele Reptilien benötigen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Diese sollte durch bestimmte Einrichtungen, wie Druckluftsprüher, erzeugt werden.

Kontrollgeräte

Um das perfekte Klima gewährleisten zu können, werden Geräte benötigt an Hand derer man Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Terrarium täglich kontrolliern kann.

Zeitschaltuhr

Gerade bei nachtaktiven Tieren ist es sehr wichtig, dass mit Hilfe einer Zeitschaltuhr und den Lichteinrichtungen Tag und Nacht nachgestellt wird. So weiß das Tier, wann es Schlafens- und Tageszeit ist und fühlt sich außerdem, als wäre es in der freien Natur.

Terrarium-Rückwand

Durch die Ausstattung der Rückwand kann man bodenbewohnenden Reptilien einen Ort zum Klettern bieten und einen weiteren Ruheplatz schaffen. Insgesamt haben die Tiere so mehr Raum sich im Terrarium zu bewegen. Zusätzlich ist es gut, die Glasscheibe zu verdecken, da die Reptilien sie für Luft halten und nicht verstehen, warum sie nicht weiterlaufen können.

Pflanzen

Gewächse helfen dabei, die Umgebung der Heimat des Reptils noch ähnlicher erscheinen zu lassen.

Verstecke und Höhlen

Reptilien sind sehr scheue Tiere. Sie freuen sich über einen, in die Natur ihres Terrariums eingebundenen, Rückzugsort.

Ernährungsutensilien

Wasserschalen und Tropftränken tragen dazu bei, dass es den Reptilien erscheint als würden sie aus der Natur trinken.

5. Die Tür

Auch Tür ist nicht gleich Tür. Normalerweise wählt man eine Schiebetür, diese sollte aber verschließbar sein. Bei giftigen Tieren empfiehlt sich eine Falltür. So könnt ihr im Notfall eure Hände schnell in Sicherheit bringen. Falltüren empfehlen sich allerdings eher bei kleineren Terrarien.

Auch zu beachten ist, dass manche Reptilien (z.B. Bartagame) gerne graben. Deshalb solltet ihr bei dieser Art eine höher gelegene Tür wählen und dementsprechend keinen zu hohen Bodengrund wählen.

Welche Reptilienart sollte man als Einsteiger wählen?

Wenn man sich als Einsteiger Reptilien kaufen möchte, sollte man erstmal mit einem verhältnismäßig pflegeleichten Tier anfangen.

Verschiedene Arten

Damit ihr erstmal einen Einstieg in die vielfältige Welt der Reptilienarten erhaltet, findet ihr hier eine Liste der Untergruppierungen. Natürlich gibt es auch innerhalb der Tiergruppen noch viele Unterschiede. So gibt es Fleisch- und Pflanzenfresser unter den Schildkröten, harmlose und hochgiftige Schlangen.
⦁ Agamen
⦁ Amphibien
⦁ Chamäleons
⦁ Eidechsen
⦁ Geckos
⦁ Leguane
⦁ Schildkröten
⦁ Schlangen
⦁ Spinnen

Reptilien, die Einsteiger vermeiden sollte

Verschiedene Ausschlusskriterien können dabei helfen festzulegen, welche Art man sich zulegt:

⦁ Giftige Tiere meiden: Ein paar Reptilienarten, wie manche Vogelspinnen, sind giftig und sollten als Einsteiger auf keinen Fall gekauft werden.

⦁ Futter beachten: Bevor du mit dem Reptilien kaufen beginnst, solltest du dich mit der Ernährung des Tieres befassen. Die meisten Schlangen sind nämlich Fleischfresser und müssen demnach mit anderen, lebendigen Tieren gefüttert werden. Erstens ist es nicht jedermanns Sache Kanninchen oder Mäuse an eine hungrige Schlange zu verfüttern, zweitens muss auch diesen Tieren vor ihrer Verfütterung eine artgerechte Haltung gewährleistet werden. Generell haben Reptilien einen sehr exotischen Speiseplan, manche essen sogar Ameisen. Wenn die Bereitstellung des richtigen Futters nicht gewährleistet werden kann, sollte man die Finger von dem Kauf lassen.

⦁ Umempfehlenswerte Arten: Chamäleons und Warane sind sehr aufwendig zu halten und deshalb kein guter Einstieg in die Welt der Reptilien. Auch von Giftschlangen sollten Anfänger die Finger lassen.

Empfehlenswerte Arten für Einsteiger

Die folgenden Arten sind relativ pflegeleicht und somit empfehlenswert für Anfänger:
Echsen: Bartagame, Grüne Wasseragame, Saumfingerechse
Leguane: kleine Anolis-Arten, Erdleguane, Maskenleguane, grüner Leguan
Geckos: Leopardgecko, große Madaskar-Gecko, Zwergwüstengecko
Landschildkröten: Spornschildkröte, Griechische Landschildkröte (benötigen allerdings zusätzlich zum Terrarium ein Freilandgehege)
Spinnen: Vogelspinnen (nachtaktiv, beachten sie beim Einrichtes des Terrariums den Unterschied zwischen Baum- und Bodenbewohnern)
Nattern: Kornnatte                                                                                                                                                                                                                                                                                                             ⦁ Schlangen: Boa constrictor (wird bis zwei Meter lang)

Was du beim Schlangenkauf genau beachten solltest, erfährst du hier!

Landschildkröten eignen sich gut für Anfänger

Landschildkröten eignen sich gut für Anfänger

Zeitanspruch

Wie viel Zeit muss ich mir denn überhaupt für so ein Tier nehmen? Reptilien sind relativ pflegeleicht, da sie nicht ausgeführt und bemuttert werden müssen. Sie brauchen im Gegensatz zu Hunden und Katzen keine physische und emotionale Nähe. Auch beim Essen sind sie wesenstlich anspruchsloser als die Säugetiere: Futter benötigen sie oft nur einmal in der Woche. Dafür fließt viel Zeit in die Terrariumspflege.

Reptilien kaufen

Achtung Artenschutz

Beim Reptilien kaufen ist vorsicht geboten! Viele Reptilien stehen unter Artenschutz und werden nach Deutschland geschmuggelt. Wer solch ein Tier ohne die entsprechende Genehmigung kauft, macht sich auch als Käufer strafbar. Um solche illegalen Käufe zu vermeiden, solltest du Reptilien auf gar keinen Fall im Ausland kaufen oder bestellen.

Vor dem Kauf musst du dich darüber informieren, ob dein Reptil artgeschützt ist und du von dem Verkäufer bestimmte Papiere bekommen solltest. Auf Seiten von Tierschutzbünden, wie WWF, findest du die genauen Verordnungen und außerdem eine Liste der bedrohten Tierarten. Auch hilft es sich im Vorhinein Kundenberichte über den Verkäufer durchzulesen und sich im Netz über sie/ihn zu informieren. So findest du einen seriösen Kaufpartner, der dich zusätzlich über die artgerechte Haltung deines Tieres informieren kann.

Kosten: Wie viel Geld muss ich auch in Zukunft für mein Reptil einplanen?

Mit dem Kauf sind die Kosten noch nicht abgetan. Du solltest neben dem Terrarium und dessen Ausstattung Geld für Futter, Strom, Wasser, die Reperatur der elektrischen Teile und mögliche Arztbesuche einrechnen. Letzteres ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn Reptilien sind hochempfindlich.

Hobby statt Haustier

Wenn du dich von oben genannten Bedingungen angesprochen fühlst, steht deinem Kauf nichts mehr im Wege. Denk dran dich im Vorhinein ausreichend über deinen neuen Mitbewohner zu informieren. Beginne auch mit dem Einrichten des Terrariums vor deinem Kauf. Dies sollte dir Spaß machen und nicht nur Mittel zum Zweck. Wie du beim Lesen wahrscheinlich schon gemerkt hast, eignen sich Reptilien eher als Hobby anstatt als kinderliebendes Haustier. Dann bleibt nur noch zu sagen: Viel Spaß dabei Reptilienexperte zu werden!

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