Finnischer Lapphund

Lesedauer: 9 Minuten Aufrufe 177

Größe:
41 – 52 cm
Gewicht:
16 – 25 kg
Herkunft:
Finnland
Lebensdauer:
12 – 15 Jahre
Farbe:
laut Rassestandard sind alle Farben erlaubt, solange die Grundfarbe klar erkennbar ist
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Finnische Lapphunde sind wolkig und rund wie Bären und hervorragende Familienhunde

Jagdtrieb zeigen die Hütehunde gar nicht, und auch das Hüteverhalten ist beim Finnischen Lapphund nicht mehr stark ausgeprägt. Der Hund verträgt sich gut mit anderen Tieren und will in der Familie immer dabei sein. Die intelligenten und aufgeweckten Tiere bellen nicht häufig, sind ruhig und suchen die Nähe von Menschen. Wie beschäftigst Du so ein aufgewecktes Tier artgerecht?

Finnische Lapphunde sind wollig und rund wie Bären und hervorragende Familienhunde

Von der FCI unter der Nummer 189 geführt, ist ein Finnischer Lapphund ursprünglich ein Hütehund. Die Geschichte der flauschigen Tiere ist nicht geklärt, die Ursprünge der Rasse sind unbekannt. Erst seit 1993 ist der Name der Rasse auf „Finnischer Lapphund“ festgelegt, davor hießen die Tiere bisweilen auch Läppischer Schäferhund und wurden lange zusammen mit dem Läppischen Rentierhund geführt.

Die mittelgroßen und kräftigen Tiere sehen aus wie kleine Bären, was nicht nur am Körperbau liegt: Das dichte Fell mit den langen und wetterfesten Deckhaaren verstärkt den Eindruck. Die freundlichen und treuen Hunde gelten heute als Familienhunde, die sich gut sozialisieren lassen und immer Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.

Als intelligente Tiere lassen sich mit Hundesport wie Agility und Obedience gut beschäftigen und leisten Kindern wie Erwachsenen gerne Gesellschaft. Aber wie gehen die eigentlich ruhigen Tiere mit lebhaft tobenden Kindern um?

Warum ist ein Finnischer Lapphund etwas Besonderes? Die Rassebeschreibung

In Mitteleuropa sind die Finnischen Lapphunde kaum verbreitet, können aber hin und wieder angetroffen werden. Die Tiere werden auch in Deutschland gezüchtet, so dass Du bei Interesse recht schnell einen Züchter findest. In Nordeuropa dagegen werden die Tiere recht häufig gehalten.

Früher sollte ein Finnischer Lapphund beim Hüten von Rentierenden helfen – das ist heute eher nicht mehr der Fall. Die meisten Lapphunde werden heute auch in Nordeuropa als Familienhunde gehalten und erfüllen keine Aufgaben im landwirtschaftlichen Bereich mehr. Vom Wesen her ist so ein Finnischer Lapphund auch hervorragend als Spielgefährte für Kinder, als treuer und loyaler Begleiter geeignet.

Die Hunde bellen zwar, sind aber keine Kläffer. Sie haben keinen Jagdtrieb, sind ruhig und strahlen eine gewisse gelassene Gemütlichkeit aus. Ob Dein Finnischer Lapphund auch mit tobenden, agilen Kindern umgehen kann, wie Du das Tier beschäftigst und ob Du eine artgerechte Haltung gewährleisten kannst, erfährst Du in unserem Rasseportrait.

Herkunft und Rassegeschichte: Finnischer Lapphund ist eine alte Rasse

Aus Finnland kommt der Finnische Lapphund, und dort wird er Suomenlapinkoira genannt. Das ist auch die offizielle Rassebezeichnung. In Deutschland dagegen wirst Du bei Fans der Hunderasse immer die Bezeichnung „Lappi“ hören. Das spielt nicht etwa auf ein ängstliches Wesen an (die mittelgroßen Hunde sind recht mutig), sondern ist schlicht die Abkürzung für „Lapphund“.

Ursprünglich wurde diese Rasse beim Hüten der Rentierherden der Samen eingesetzt, der Hund kommt also aus dem Siedlungsgebiet der Samen, aus Lappland. Da Rentiere recht agil und nicht klein sind, wurde über die Jahrhunderte eine robuste und zuverlässige Rasse von Arbeitshunden geschaffen.

Die Tiere halfen nicht nur beim Hüten und Treiben der Herden, sondern wurden auch bei Jagd mitgenommen. Ein Finnischer Lapphund ist immer auch ein Wachhund, denn die Tiere hüteten und bewachten die Lager der oft nomadisch lebenden Familien. Und natürlich war der Hund nachts im kalten Zelt auch eine kleine Wärmflasche: Ein Finnischer Lapphund lebt in sehr engem Kontakt mit seinen Menschen und teilt gerne die Wohnung mit ihnen.

Die Rasse ist in Deutschland trotzdem kaum bekannt. In der Literatur ist der Finnische Lapphund beispielsweise bei Carl von Linné erwähnt. Der Naturforscher beschreibt die Rasse schon 1750 und lobt sie als Arbeitshund. Etwa um das Jahr 1900 herum wurden die Lapphunde, auch Lapinkoira genannt, von finnischen und schwedischen Stadtmenschen als Begleithunde entdeckt.

Zu dieser Zeit war die Rasse schon eher selten geworden. Man tat sich anfangs des 20. Jahrhunderts schwer, einen Zuchtstamm nach Vorbild der modernen rassehundezucht aufzubauen, aber es gelang. Die erste Rassedefinition entstand 1945 im Finnischen Kennel Club. Damals hieß die Rasse noch Lappländischer Hütehund.

1955 wurde der Lapphund offiziell durch den FCI anerkannt, 1967 legte man den Namen der Rasse in Lapphund fest. Und erst 1993 wurden die Tiere offiziell mit dem heutigen Namen Finnischer Lapphund bezeichnet. Zusammen mit dem Namen änderte sich auch die Verwendung des Hundes. Aus den alten Hüte- und Jagdhunden wurde ein moderner Begleithund. Das Aussehen wurde einheitlicher, das Fell wurde deutlich länger, trotzdem blieb der Charakter eines kernigen Hundes, der ein treuer Begleiter ist.

Aussehen: Finnischer Lapphund fasziniert mit langem Fell

Ein Finnischer Lapphund ist mittelgroß und sieht aus wie ein klassischer nordischer Hund. Das Fell ist lang und wetterfest, das Deckhaar ist sehr robust und rau. Laut Rassestandard darf es nicht lockig sein. Die Rüden sind außerdem mit einer luxuriösen Mähne ausgestattet.

Die Fellfarbe ist nicht festgelegt: Dein Finnischer Lapphund kann also jede beliebige Farbe haben. Wichtig: Die Grundfarbe sollte deutlich erkennbar sein. Mit einer Widerristhöhe von etwa 49 cm beim Rüden und 44 cm bei der Hündin sind die Tiere relativ kompakt. Aufrecht stehende Ohren und eine mittellange Rute, die sich über dem Rücken oder seitlich krümmt, geben dem Hund ein aufmerksames und pfiffiges Aussehen.

Die Tiere sind kräftig und muskulös, denn auch heute noch wollen sie viel Bewegung und haben Ausdauer.

Charakter und Wesen: Ein Finnischer Lapphund ist charmant, ruhig und vertrauenswürdig

Fremden gegenüber ist ein Finnischer Lapphund immer erst einmal zurückhaltend bis schüchtern. Allerdings kündigt er sie auch laut bellend an. In der Familie dagegen verhält sich das Tier treu und vertrauensvoll, gehorcht bei guter Erziehung allen Familienmitgliedern und kann aufgrund seiner Intelligenz sogar als Assistenzhunde öde Therapiehund eingesetzt werden.

Ein bisschen Jagdtrieb zeigt der Hund mit seinem friedfertigen und souveränen Wesen noch. Allerdings sind die Tiere auch unkompliziert und gelehrig, so dass das aberzogen werden kann. Als lernbegierige und sehr soziale Hunde tun die Tiere allen in der Familie gut und streicheln die Seele.

Haltung und Ernährung des Finnischen Lapphundes

Ein Finnischer Lapphund lernt gerne und bereitwillig. Die Tiere verzeihen Fehler und lassen sich gut erziehen. Die meisten nordischen Hunde sind nicht für Anfänger geeignet – ein Finnischer Lapphund kann dagegen auch von weniger erfahrenen Hundehaltern erzogen werden.

Allerdings mögen die Tiere keine Etagenwohnungen, sie haben Probleme mit Treppen. Idealerweise werden sie in einem Haus mit Garten gehalten und können sich immer dann draußen aufhalten, wenn sie das wollen. Denn als Nordischer Hund schläft ein Finnischer Lapphund gerne nachts draußen und rollt sich im Winter gerne im Schnee ein. Mit Ziergärten können die Tiere nicht viel anfangen, sie buddeln gerne, graben sich Höhlen und wühlen den Garten um.

Die Anlagen des Hütehundes kommen beim Finnischen Lapphund bisweilen noch zum Tragen, aber die Tiere sind anspruchsloser als andere Hütehundrassen. Sie müssen nicht permanent beschäftigt werden. Hundesport machen sie trotzdem gerne. Die Herausforderungen bei Agility oder Obedience sind toll, sie machen den Tieren Spaß und stärken Eure Beziehung. Als Fährtenhund beweist ein Finnischer Lapphund, was in ihm steckt.

Der Finnische Lapphund ist zwar heute ein Familienhund und wird selten als Arbeitstier gehalten. Dennoch sollte die Ernährung der agilen und intelligenten Tiere viel Fleisch enthalten. Sie benötigen einen hohen Proteingehalt und wenig Getreide. Achte darauf, dass das Futter keinen Zucker enthält.

Mit Leckereien solltest Du eher sparsam umgehen, damit Dein Hund nicht zu fett wird. Das ist vor allem dann wichtig, wenn sich Dein Finnischer Lapphund eher wenig bewegt und überwiegend im Haus gehalten wird.

Erziehung und Pflege eines Lapphundes

Ein Finnischer Lapphund lässt sich gut erziehen, denn die Tiere sind dem Menschen zugewandt und sehr wissbegierig. Allerdings nehmen sie nur eine Erziehung von Menschen an, die sich ganz auf die Tiere einlassen. Der Lapphund ist selbstbewusst und intelligent und will, dass Du ihn mit seinem urwüchsigen Weltverständnis annimmst und das unterstützt.

Nur dann akzeptiert der Hund Dich und ist Dir sehr treu ergeben. Eine liebevolle und konsequente Erziehung von Welpenalter an macht Deinem Finnischen Lapphund klar, wo seine Stellung in der Familie ist. Die nimmt er dann auch an. Damit es Deinem Hund von Anfang an gut geht und er sich mental und körperlich gesund entwickelt, solltest Du an Hundesport teilnehmen oder ihn im Fährtenlesen ausbilden.

Das stärkt Deine Bindung an dem Hund und sorgt für ein enges, partnerschaftliches Verhältnis zwischen Euch beiden.

Während des Fellwechsels in Frühjahr und Sommer sollte die Fellpflege sehr intensiv ausfallen. Denn die wuscheligen Hunde mit dem doppelten Haarkleid verlieren wirklich viele Haare. Einmal täglich bürsten reicht dann nicht aus. Ansonsten sind die Tiere eher pflegeleicht und lassen sich auch von Kindern gerne bürsten.

Gesundheit und typische Krankheiten: Finnischer Lapphund ist robust

Die Rasse Finnischer Lapphund ist erst einmal sehr robust und gesund. Allerdings hat sie nur eine kleine Zuchtbasis. Daher solltest Du auf Inzucht achten, wenn Du einen Welpen kaufst. Lass Dir den Stammbaum des Hundes zeigen. Vertrauenswürdige Bücher lassen außerdem Tests durchführen, die feststellen sollen, ob ein Hund die Veranlagung zu Erbkrankheiten hat.

Lass Dir diese Tests zeigen. Der Finnische Lapphund zeigt bisweilen eine Anfälligkeit für die progressive Retina Atrophie, also ein sukzessives Absterben der Netzhaut. Diese Erkrankung führt zur langsamen Erblindung der Hunde. Sie kann nicht medikamentös behandelt werden.

Lebenserwartung: So alt kann ein Finnischer Lapphund werden

Die Altersangaben schwanken, normalerweise findest Du so etwas wie „12+“ oder „maximal 15 Jahre“. Wie alt Dein Finnischer Lapphund wirklich wird, hängt von der Haltung ab. Pflegst Du Deinen Hund gut und sorgst für eine artgerechte Ernährung und Beschäftigung, kann er durchaus älter als andere Hunde werden.

Eine gute Sozialisation in der Familie und enger Kontakt stärken den Hund ebenfalls und sorgen für eine längere Lebensdauer.

Kannst Du ihn Deutschland Finnische Lapphunde kaufen?

Es gibt tatsächlich Züchter in Mitteleuropa und auch in Deutschland, die diese Rasse mit viel Leidenschaft und Sachverstand züchten. Organisiert sind diese Züchter im Deutschen Club für Nordische Hunde, kurz DCNH e. V. Dort bekommt Du auch Züchteradressen, kannst den Kontakt herstellen und viel über den Finnischen Lapphund erfahren.

Achte darauf, dass Dein Finnischer Lapphund aus einer artgerechten und nachhaltigen Zucht stammt, die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Hunde nimmt. Das geht mit einem hohen Preis für die Welpen einher, denn die Züchter müssen neben Futter auch Tierarztkosten stemmen.

Vor allem dann, wenn der Hund auf das Risiko von Erbkrankheiten getestet wird, ist das nicht ganz kostengünstig. Außerdem gehört zu einer artgerechten Zucht, dass nicht jede Läufigkeit der Hündin genutzt wird – die Tiere bleiben gesund und fühlen sich wohler, wenn immer etwas Zeit zwischen den Würfen vergeht.

Viel Platz benötigen die Hunde außerdem. Das mag die Kosten von mehr als 1.200 Euro je Welpe erklären. Übrigens haben viele Züchter heute eine eigene Webseite, auf der Du einen ersten Eindruck vom Zuchtbetrieb, den Tieren und den Anlagen bekommst. Dort erfährst Du auch weitere interessante Details über die Rasse Finnischer Lapphund.

Entscheidungshilfe: Passt ein Finnischer Lapphund in Dein Leben?

Ein Finnischer Lapphund ist gerade für unerfahrene Hundehalter einfacher zu handhaben als andere Nordische Hunde. Dazu kommt das freundliche und treue Wesen des Hundes, seine Ergebenheit gegenüber seiner Familie und der etwas niedrigere Bewegungsdrang im Vergleich zu anderen Hunden.

Allerdings stellt ein Finnischer Lapphund hohe Ansprüche an seine Umgebung: Diese Tiere wollen tatsächlich bei jedem Wetter nach draußen und lieben Schnee über alles. Sie pflügen Dir den kompletten Garten um und „bauen“ sich Erdhöhlen, in denen sie gerne schlafen.

Kannst Du damit umgehen? Wenn Du Deinen Garten für die Zucht von Obst und Gemüse nutzen willst oder einen Ziergarten angelegt hast, wirst Du mit einem Finnischen Lapphund eher nicht glücklich. Denn als Dein treuer Partner beansprucht der Hund natürlich auch die Nutzungsrechte des Gartens für sich.

Kleine Stadtwohnungen und Etagenwohnungen sind eher nicht für die Haltung geeignet. Wenn Du Spaß daran hast, Deinen Hund intellektuell zu fordern, gerne einen Assistenzhund oder einen Therapiehund hältst und die entsprechende Ausbildung mit Deinem Tier machen willst, ist ein Finnischer Lapphund eine gute Wahl.

Auch als Fährtenspürhund und Suchhund können die Tiere ausgebildet werden. Ein Finnischer Lapphund ist also etwas ambivalent: Als einfach zu haltendes Tier mit hoher sozialer Kompetenz eignet er sich für Familien mit Kindern gut. Aber er ist auch eine gute Wahl für alle, die vielleicht beruflich oder ehrenamtlich mit Tieren und Menschen arbeiten wollen.

Maren Kappel

Expertin für Hunde & Katzen

Maren trifft man immer nur im Vierer-Pack an: Mit ihrem süßen Mini-Leoparden "Sahara" und ihren zwei verspielten Hunden "Mars" und "Jupiter" joggt Maren gerne durch die Stadtwälder Freiburgs. Hier kann die leidenschaftliche Tiernärrin prima den Kopf freibekommen und Ideen für neue Blog-Artikel sammeln.

Seit zehn Jahren schreibt Maren schon über das Leben mit Hunden und Katzen. Auf die Idee, zu bloggen, kam sie durch ihren Freundeskreis. Dort ist sie nämlich als Tierexpertin oder auch "Miezen-Maren" bekannt.

Gib jetzt deine Bewertung ab:
Bewertung:
Ihre Bewertung: {{rating}}

Ähnliche Artikel

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.