Feldhamster – vom Aussterben bedroht

Früher waren sie eine Plage für die Landwirtschaft, heute sind Feldhamster vom Aussterben bedroht. Klimawandel, Monokulturen und Lichtverschmutzung führen dazu, dass die Nager in 30 Jahren aussterben werden. Warum das so ist und was dagegen getan wird, erfährst Du hier.

Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht: Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) gilt das offiziell für das gesamte Verbreitungsgebiet. Die genauen Gründe sind unklar, schätzungsweise spielen aber der Klimawandel, Monokulturen und die Lichtverschmutzung eine große Rolle. Wenn sich nichts ändert, wird der Nager in den nächsten 30 Jahren aussterben.

Die Rote Liste der IUCN beschreibt seit 1964 die bedrohten Wildtier- und Pflanzenarten weltweit. Diese werden in verschiedene Kategorien eingeteilt. Der Feldhamster war bislang in der Kategorie „least concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Nun hat er auf einen Rutsch drei Stufen übersprungen und wird als „critically endangered“ (vom Aussterben bedroht) geführt. Damit steht er mit dem Rücken an der Wand, denn die nächste Stufe wäre „extinct in the wild“ (in der Natur ausgestorben).

Kurze Lebenserwartung

In den 50er-Jahren waren Feldhamster noch eine Plage. Zwischen dem Elsass und dem Fluss Jenissei in Sibirien waren die Feldhamster einst millionenfach zu Hause. Bei Bauern waren sie verhasst, weil sie Felder untertunnelten und Ernten auffraßen. Für jeden erlegten Hamster wurden Prämien gezahlt, um der Plage Herr zu werden.

Mittlerweile ist die Lebenserwartung von Feldhamstern kurz. Ein weiblicher Feldhase ist im Schnitt 18 Tage trächtig. Nach ihrer Geburt leben die Hasen nur ungefähr zwei Jahre. Früher war die durchschnittliche Lebenserwartung dreimal so hoch.

Im Laufe des letzten Jahrhunderts sind die Fortpflanzungsraten und die Lebenserwartung der Hamster deutlich zurückgegangen. Im 20. Jahrhundert warfen Weibchen noch durchschnittlich 20 Nachkommen im Jahr, mittlerweile sind es nur noch fünf bis sechs.

Vielseitige Gründe für das Aussterben

Die genauen Gründe für diese Entwicklungen sind unklar, wahrscheinlich handelt es sich um eine Kombination von mehreren Faktoren. Als Graslandbewohner leben Hamster hauptsächlich auf Ackerland und ernähren sich von Feldfrüchten. Steht ihnen durch Monokulturen aber beispielsweise nur Mais oder Weizen zur Verfügung, ist das eine ernährungsphysiologisch schlechte Situation. Sie kann zu Gesundheitsproblemen wie Mangel an Proteinen und Vitamin-B3 führen. Zu wenig B3 kann bei Feldhamstern dazu führen, dass die Mütter ihre Kinder töten und Eiweißmangel in der Milch weizenfressender Mütter kann die Entwicklung ihrer Jungen hemmen.

Außerdem wird den Feldhamstern durch die Ernte innerhalb kürzester Zeit ihr Lebensraum genommen. Dadurch müssen sie erst wieder neue Futterquellen finden und werden so zu leichter Beute für Raubtiere. Seit 20 Jahren lassen viele deutsche Bauern Streifen mit Wildpflanzen zwischen Feldern oder ernten später. Das hat den Rückgang der Feldhamster zwar verlangsamt,

Klimawandel als Gefahr

Auch durch den Klimawandel wärmere und feuchtere Winter sind für die Art schädlich. Im Winter graben die Nager fast zwei Meter tiefe Bauten, in denen sie sich warm und von der Schneedecke isoliert einkuscheln, um den Winter zu verschlafen. Ohne diese Schneedecke sind sie tödlichen Witterungseinflüssen wie Kälte und Regen stärker ausgesetzt und überleben die kalte Jahreszeit nicht so leicht, was auch dazu führt, dass Feldhamster vom Aussterben bedroht sind.

Eine Studie legt nahe, dass die Kombination aus Maisanbau und einer Zunahme der Winterregenfälle dazu geführt haben könnte, dass das Körpergewicht der Hamster seit 1937 um bis zu 21 Prozent gesunken ist. Ein geringes Körpergewicht ist auch mit einer geringen Fruchtbarkeit verbunden.

Ein weiterer Grund, warum Feldhamster vom Aussterben bedroht sind, könnte die Lichtverschmutzung sein. Sie kann den Schlafrhythmus der Tiere stören.  Während des Winterschlafs zum Beispiel steuert die Länge der Tage, wann die Hamster wieder aus ihren Höhlen hervorkommen. Künstliche Lichtquellen könnten diese Signale zunehmend verfälschen.

Wie können Feldhamster geschützt werden?

Die alarmierende Klarheit schafft auch Chancen. Denn jetzt realisieren auch diejenigen Länder, die dem Schutz des Feldhamsters bisher keine Bedeutung gaben, dass grenzübergreifend etwas für den Ackerbewohner getan werden muss. Im bundesweiten Projekt „Feldhamsterland“, das von der Deutschen Wildtier Stiftung koordiniert wird, sollen die Situation der verbleibenden Hamsterbestände in Deutschland auf wissenschaftlicher Basis eingeschätzt und gemeinsam mit Landwirten Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Der Fokus liegt dabei auf Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, da es dort noch Chancen gibt, die bestehenden Populationen zu retten.

Auch im internationalen Feldhamsterschutz gibt es eine gut vernetzte Community. Über die „International Hamster Workgroup“ tauscht sich die Deutsche Wildtier Stiftung regelmäßig mit internationalen Feldhamsterschützern aus. 2021 soll ein Treffen in Deutschland stattfinden.

Über den Feldhamster

Feldhamster gelten als Einzelgänger, denn jeder von ihnen lebt in einem eigenen Bau, den er gegen seine Artgenossen verteidigt. Die Tiere leben in Kornfeldern und sind hauptsächlich nachtaktiv. Die hohen Halme im Kornfeld schützen sie vor ihren natürlichen Feinden. Die Nager leben in verzweigten Bauten unter Ackern und halten von Oktober bis April einen festen Winterschlaf.

Gewicht und Aussehen

Feldhamster sind etwa so groß wie Meerschweinchen. Sie wiegen bei der Geburt 7 Gramm und erreichen im ausgewachsenen Alter ein Gewicht von 400 bis 500 Gramm. Die Unterseite der Nager ist schwarz, die Oberseite hellbraun bis grau. Auf dem Köpfchen und den Schultern haben sie weiße Flecken. In Thüringen gibt es eine besondere Art der Feldhamster, diese sind komplett schwarz.

Nahrung

Die Nager ernähren sich von Getreide, anderen Feldfrüchten, Gräsern und Wildkräutern. Eigentlich sind sie Vegetarier. Trotzdem kann es vorkommen, dass sie ab und zu Insekten fressen. Ihre Nahrung sammeln sie – ebenso wie andere Hamsterarten – in ihren Backentaschen, die extrem dehnbar sind.

So können die Feldhamster große Mengen an Nahrung in ihnen transportieren und anschließend bunkern. Diese Vorräte brauchen sie für den Winter und lagern sie in einer speziellen Vorratskammer unter der Erde. Dort halten die Vorräte länger und verderben nicht so schnell. Ohne die gebunkerte Nahrung würde der Feldhamster im Winter verhungern.

Die Fortpflanzung

Im Sommer treffen die Weibchen und Männchen kurz aufeinander, um sich zu vermehren. Nur zu dieser bestimmten Zeit dürfen die Männchen sogar in den Bau des Weibchens. Die Tragzeit beläuft sich auf ungefähr 18 Tage. Die weiblichen Hamster werden bereits im gleichen Sommer geschlechtsreif und könnten sich theoretisch wieder fortpflanzen.  

Feinde

Die natürlichen Feinde der Feldhamster sind Füchse, Wiesel, Rotmilane und Turmfalken. Davon gibt es reichlich und deswegen müssen sich die kleinen Tierchen schnell und zahlreich vermehren.

Feldhamster sehen sehr niedlich aus, aber der Schein trügt. Fühlen sie sich bedroht, können sie ziemlich aggressiv werden. Sie verfügen über sehr scharfe Zähne und stellen sich bei vermeintlicher Gefahr auf die Hinterbeine und versucht seine Feinde durch Fauchen und Knurren zu verjagen. 

Quellen

Ulrich Weinhold, Anja Kayser: Der Feldhamster: Cricetus cricetus. Westarp-Wiss., 2006.

Tierparadiese unserer Erde, Band 2. wissenmedia Verlag, 2008.

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