Hokkaido

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Größe:
45,5 – 60 cm
Gewicht:
10-20 kg
Herkunft:
Japan, nördliche Insel Hokkaido
Lebensdauer:
9-15 Jahre
Farbe:
rot, schwarz, sesam, schwarz-loh
Charakter:
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Familienfreundlich
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Der Hokkaido trägt viele Namen, ist unter anderem als Ainu-Inu, Ainu-ken oder Hokkaido-ken bekannt. Die verschiedenen Namen lassen sich recht leicht erklären: Der Hund kommt aus dem Norden Japans, ist auf der nördlichsten der vier Hauptinseln zu Hause.

Dort, auf Hokkaido, leben auch die Ainu. Diese ethnische Gruppe war früher auch auf den anderen japanischen Inseln verbreitet, wurde aber von der kulturellen Mehrheit der Japaner verdrängt.

Auf Hokkaido ist das Klima rau und vor allem im Winter sehr kalt. Der Hokkaido-Hund hat ein entsprechend dichtes und dickes Fell. Warum heißt er manchmal Hokkaido-Inu, manchmal aber auch Hokkaido-ken?

Das ist den japanischen Schriftzeichen geschuldet, die jeweils eine rein japanische Aussprache und eine Sino-japanische (vom Chinesischen abgeleitete) Benennung haben. Das Schriftzeichen für „Hund“ kann also „Inu“ oder „Ken“ gelesen werden, es ist bedeutungstragend, nicht phonetisch.

Rassebeschreibung: Das macht den Hokkaido-Inu so besonders!

Die großen Hunde aus Hokkaido werden in Japan als Jagdhunde gehalten. Sie sind mutig, scharfsinnig und haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Dadurch sind die Tiere als Personenschutzhunde hervorragend geeignet.

In Familien sollte diese Rasse allerdings nicht gehalten werden. Denn die Hunde sind grundsätzlich nur auf eine Person bezogen. Dieser Person gehorchen sie, die schützen sie – alle anderen werden mit vornehmer Zurückhaltung behandelt.

Dadurch ist es etwas schwierig, diese Hunde in Familien zu integrieren. Sie sind auch nicht verspielt, für Kinder also eher uninteressant.

Herkunft und Rassegeschichte des Hokkaido-Inu

Die in Deutschland nicht sehr bekannte Hunderasse kommt aus Japan, genauer von der nördlichen Insel Hokkaido. Dort lebt bis heute das Volk der Ainu, die sich bereits vor mehr als 3.000 Jahren in Japan niederließen und vermutlich den Hokkaido-In mit sich brachten.

Allerdings fehlen Aufzeichnungen, so dass der Ursprung der Hunde nicht ganz klar ist. Auffällig ist, dass alle japanischen Hunderassen ein ähnliches Erscheinungsbild haben. Die Tiere tragen allesamt ihre Rute eingeringelt hoch über dem Rücken, zeigen ähnliche Kopfformen und Körperformen.

Man geht davon aus, dass die japanischen Hunderassen möglicherweise auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen. Die Hunde werden als Indien bezeichnet, es handelt sich also um Rassen, die es so nur in Japan gibt. Das Land war sehr lange gegenüber dem Ausland abgeriegelt.

Erst im 19. Jahrhundert öffnete sich Japan, und erst nach dieser Öffnung wurden die japanischen Rassen mit anderen Hunderassen gekreuzt.

Die große Hunderasse der Hokkaido dienten den Menschen früher als Nutzhunde. Sie unterstützten bei der and auf baren und Großwild, halfen beim Fischfang.

Dem Volk der Ainu dient die Bärenjagd zum einen zur Nahrungsbeschaffung, aber die Ainu zelebrieren auch bis heute einen Bärenkult. Die großen Tiere gelten als göttliche Wesen. Dementsprechend werden die Hunde verehrt, die Bären in Schach halten können.

Die indigenen Hunderassen Japans gelten heute als japanisches Naturdenkmal und dürfen nicht aus dem Land exportiert werden. Das gilt auch für diese Rasse.

Im VDH wird der Hokkaido nicht mehr gezüchtet. Es gibt aber durchaus noch eine Züchter außerhalb Japans, die sich dieser Hunderasse verschrieben haben.

Aussehen des Hokkaido Hundes

Mit seinen bis zu 51,5 cm Widerristhöhe gehört der Hokkaido zu den mittelgroßen Hunden. Wir haben die Rasse als groß bezeichnet, weil der Hokkaido deutlich größer als andere indigene japanische Rassen ist: Den Akita überragt er beispielsweise auch. Der Rassestandard kennt keine Gewichtsangaben für den Hokkaido.

Wie rundlich Dein Hund ist, sollte aber immer in einem gesunden Verhältnis zur Körpergröße stehen. Die Hunderasse kommt in unterschiedlichen Färbungen vor:

 

  • Rot
  • Schwarz
  • Weiß
  • Sesam (Rot bis Falbfarben mit schwarzen Spitzen)
  • Schwarz-Loh
  • Gestromt

 

Die weichen Teile der Nase sind bei dieser Hunderasse normalerweise schwarz. Allerdings können weiße Tiere auch eine fleischfarbene Nase haben. Eine Besonderheit der Rasse ist, dass einige Tiere ein blauschwarze Zunge haben. Möglicherweise (so vermutet man) sind die Tiere zumindest entfernt mit dem Chow-Chow verwandt.

Allerdings handelt es sich dabei wirklich nur um eine Vermutung, bislang konnten keinerlei verwandtschaftliche Verhältnisse der Rassen ausgemacht oder widerlegt werden. Der Hokkaido ist in der Regel gleichmäßig proportioniert und kräftig gebaut.

Die Hunde haben einen stabilen Knochenbau, das Geschlecht ist sehr deutlich erkennbar. Die Muskulatur ist stark entwickelt und gut sichtbar.

Charakter und Wesen: So verhält sich der Hokkaido-Inu

Dein Hokkaido-Inu ist ein sehr ausdauernder Hund, der immer in Bewegung sein will und täglich viel Auslauf benötigt. Fremden gegenüber verhält sich der Hund normalerweise vornehm und zurückhaltend.

Die intelligenten Tiere sind ihrem menschlichen Partner gegenüber treu und fügsam. Sie verhalten sich aufgeweckt. Ihr außerordentlicher Mut macht sie zu hervorragenden Personenschutzhunden, und natürlich werden die Hokkaido-Inu immer noch in der Jagd eingesetzt.

Als typischer Ein-Mann-Hund ist der Hokkaido-Inu alleine seinem Rudelführer ergeben, und nur von ihm nimmt der Hund Befehle an. Andere Familienmitglieder werden zwar von diesem Hund auch beschützt und akzeptiert, Gehorsam dürfen diese aber nicht erwarten.

Die Hunde neigen zur Dominanz und zeigen viel Eigensinn. Selbst für erfahrende Hundeführer ist der Hokkaido-Inu eine Herausforderung. Mit Fingerspitzengefühl und Geduld gelingt aber die Erziehung dieser Hunde doch. Die Tiere sind sehr sensibel. Fühlen sie sich ungerecht behandelt, werden sie sofort stur.

An sich zeigt Dein Tier einen sehr ruhigen und gelassenen Charakter, nur selten wird der Hund ausfallend und bietet Herrchen oder Frauchen Paroli. Das kann passieren, wenn sie von Kindern respektlos behandelt werden – diese Hunde sind weder Spielzeug, noch Kuscheltier.

Und sie akzeptieren es auch nicht, wenn Kinder sie als solche behandeln. Als Personenschutzhund kann der Hokkaido-Inu durchaus mit Kindern umgehen, ein Spielgefährte ist er nicht.

Als sehr ruhige Hunde mit einer ernsthaften Natur begegnen die großen Tiere aus Japans Norden allen Fremden erst einmal zurückhaltend. Sie bellen nicht aufgeregt, begeistertes Schwanzwedeln darfst Du ebenfalls nicht erwarten.

Die Hunde sind mutig und greifen bei Gefahr eigenständig schnell ein. Aggressives Verhalten kannst Du nur vermeiden, wenn Du Deinem Hund von Anfang an klarmachst, dass Du der Rudelführer bist.

Hat Dein Tier Vertrauen in Deine Souveränität, kannst Du Dich immer auf ihn verlassen. Weder eisige Kälte, noch starker Schneefall machen diesen robusten Tieren etwas aus.

Dein Hund läuft gerne und weit, hält sich bei jedem Wetter im Freien auf und fordert wirklich täglich seine Bewegung.

Haltung und Ernährung des Hokkaido-Inu

Wie gesund Dein Hund ist, hängt unter andere von der Ernährung ab. Diese Hunde sind Fleischfresser und mag auch Fisch sehr gerne. In Japan werden die Tiere bis heute beim Fischfang eingesetzt. Sie holen Lachse auf dem Weg zu den Laichgebieten aus dem Wasser und fressen diese Fische auch.

An seinen Herrn gibt der Hokkaido-Inu erst dann Fisch ab, wenn er selbst satt ist. Ob Du es mit Barfen probieren willst oder Deinen Hund mit selbst zubereitetem Futter ernährst, hängt von Deinen Vorlieben ab und von dem Geschmack Deines Hundes.

Generell kannst Du den Hokkaido-Inu auch mit Nassfutter oder Trockenfutter ernähren. Achte darauf, dass das Futter ausgewogen ist und ausreichend Protein enthält. Die Futtermenge sollte sich nach dem Bedarf Deines Hundes richten.

Gewichtsangaben kennt der Rassestandard für den Hokkaido-Inu nicht, aber der Hund sollte immer athletisch-kräftig aussehen. Wirkt der Hund zu rundlich oder stehen die Rippen hervor, ist die Futtermenge nicht gut gewählt.

Kannst Du dagegen die Rippen unter dem Fell Deines Hundes mühelos tasten, ohne dass sie sichtbar sind, stimmt das Gewicht Deines Tiers.

Bewegst Du Deinen Hokkaido-Inu sehr viel und lässt ihn den Tag aktiv verbringen, braucht er mehr Futter und vor allem viel Energie. Die tägliche Futtermenge sollte sich ungefähr bei 300 g Fleisch oder Fisch plus 140 g Gemüse plus 100 g Reis oder Nudeln einpendeln, dann ist der Hund ausreichend ernährt.

Idealerweise verteilst Du das Futter auf zwei Mahlzeiten am Tag. Mit Leckereien solltest Du eher sparsam sein und sie bei der täglichen Futtermenge berücksichtigen. Stel Deinem Hokkaido-Inu immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung.

Ein Hokkaido-Inu braucht viel Bewegung. Die Tiere wollen nicht in der Stadtwohnung gehalten werden und fühlen sich alleine im Haus auch nicht wohl. Sorge dafür, dass Dein Hund täglich genug Auslauf bekommt und sich viel in der Natur bewegen kann.

Hundesport und Agility sind zwar ein akzeptabler Ersatz für Laufen und Jagd, aber eben nur ein Ersatz. Du solltest Deinen Hund eher bei der Jagd einsetzen, ihn auf lange Spaziergänge in die Natur mitnehmen, ihn im Bach oder im See baden lassen.

Außerdem will der Hund geistig gefordert sein und Aufgaben lösen. Als Hundehalter musst Du sicherstellen, dass sich Dein Hund nicht langweilt oder unterfordert ist.

Erziehung und Pflege des Hokkaido-Inu

Vernachlässige die Erziehung Deines Hundes nicht. Der Hokkaido ist ein sehr eigenwilliger und sensibler Hund, der Respektlosigkeit genauso übel nimmt wie Inkonsequenz.

Trotzdem will Dein Hund mit Milde und viel Liebe erzogen werden. Ungerechtigkeit kann er nicht ausstehen. Da der Hokkaido auch für erfahrene Hundehalter schwierig ist, solltest Du über den Besuch einer Hundeschule nachdenken.

Du solltest das Fell Deines Hundes etwa zwei- bis dreimal wöchentlich sanft bürsten, während des Fellwechsels sogar täglich. Ohren und Zähne Deines Hundes müssen ebenfalls regelmäßig gereinigt werden, das ist wenigstens einmal wöchentlich nötig. Denke daran, die Krallen regelmäßig zu stutzen.

Da Du Deinen Hokkaido-Inu eher im Gelände mitnimmst und der Hund weniger auf geteerten Straßen läuft, nutzen sich die Krallen nicht genug ab.

Wenn Dein Hund in einem schlammigen oder pflanzenbewachsenen Gewässer gebadet hat, im Gebüsch unterwegs war oder in ungemähten Wiesen, kontrolliere bitte das Fell gründlich auf Parasiten.

Gegebenenfalls sollte Du Deinen Hund, wenn er unangenehm riecht, nach einem Bad in der Natur zu Hause noch einmal abduschen. Generell solltest Du aber von Hundeshampoo und zu häufigem Baden absehen, denn das gefährdet die natürliche Schutzbarriere der Haut.

Gesundheit und typische Krankheiten: Besteht die Gefahr der Inzucht?

Es gibt nur sehr wenige Zuchthunde der Rasse Hokkaido-Inu in Europa. Die Hunde dürfen nicht mehr aus Japan ausgeführt werden, daher kann tatsächlich die Gefahr der Inzucht bestehen. Unerwünschte Erbkrankheiten können nur vermieden werden, wenn die Ahnentafel der Hunde genau studiert wird.

Das ist aber auch schon die einzige Gefahr für die Gesundheit des Hokkaido-Inu. Die Tiere sind sehr robust und widerstandsfähig. Typische Probleme wie Hüftdysplasien oder dergleichen sind nicht bekannt.

Lebenserwartung des Hokkaido-Inu

Bei guter Haltung liegt die Lebenserwartung der Tiere bei 9 bis 15 Jahren. Das ist eine lange Spanne und sagt eigentlich nur eines: Man weiß gar nicht so genau, wie alt so ein Hund werden wird. Wenn man andere Hunderassen anschaut, finden sich da genauere Angaben.

Eine Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren wird besonders häufig angegeben, manchmal liest man auch 8 bis 10 Jahre oder so etwas wie 13+ Jahre. Hier ist einfach eine weite Spanne angegeben – pflege Deinen Hund und kümmere Dich um eine artgerechte Haltung, dann bleibt er Dir lange erhalten.

Wo kannst Du einen Hokkaido-Inu kaufen?

Die großen japanischen Bärenjäger werden in Deutschland nicht mehr gezüchtet. Insgesamt gibt es außerhalb Japans nicht mehr viele Züchter für diese Rasse. Und aus Japan ausgeführt werden dürfen die Hunde nicht.

Es kann also wirklich schwer werden, einen Welpen zu bekommen. Achte vor dem Kauf darauf, dass der Züchter nachhaltig und artgerecht mit den Tieren umgeht. Um Erbkrankheiten zu vermeiden solltest Du Dir die Ahnentafel des Hundes genau ansehen.

Und natürlich hat so ein Hund dann vermutlich auch einen recht stolzen Preis.

Entscheidungshilfe: Ist der Hokkaido-Hund der richtige Hund für Dich?

Die Ernährung muss passen, die Pflege muss übernommen werden – aber das sind nur die „kleineren“ Bedürfnisse Deines Hundes. Kannst Du den Hokkaido soweit fordern, dass er sich nicht langweilt?

Dein Hund will jeden Tag über mehrer Stunden in Bewegung sein, jagt gerne und erarbeitet sich sein Futter mit Leidenschaft. In der Stadt ist dieser Hund nicht gut aufgehoben, er braucht Natur und viel Platz.

In Familien mit Kindern kommt der Hund nicht so gut klar, und vor allem braucht er eine klare Bezugsperson. Eine „Urlaubsvertretung“ oder einen Hundesitter würde er nie annehmen, der Hokkaido würde den Gehorsam verweigern.

Wenn Du Dich so intensiv um Deinen Hund kümmern und Dich auf das Tier einlassen kannst, vielleicht sogar wirklich einen Schutzhund suchst, ist der Hokkaido-Inu vielleicht wirklich eine gute Wahl. Au jeden Fall solltest Du gut überlegen, ob ein Hund wirklich in Dein Leben passt.

 

Quellen

https://www.zooplus.de/magazin/hund/hunderassen/hokkaido

http://www.fci.be/nomenclature/Standards/261g05-de.pdf

https://www.dehunderassen.de/hokkaido

https://www.hunde-fan.de/hunderassen/ainu-inu/

https://hundeinfos.de/index.php?status=hunderassen&id=105

https://www.japanwelt.de/blog/japanische-hunderassen

Maren Kappel

Expertin für Hunde & Katzen

Maren trifft man immer nur im Vierer-Pack an: Mit ihrem süßen Mini-Leoparden "Sahara" und ihren zwei verspielten Hunden "Mars" und "Jupiter" joggt Maren gerne durch die Stadtwälder Freiburgs. Hier kann die leidenschaftliche Tiernärrin prima den Kopf freibekommen und Ideen für neue Blog-Artikel sammeln.

Seit zehn Jahren schreibt Maren schon über das Leben mit Hunden und Katzen. Auf die Idee, zu bloggen, kam sie durch ihren Freundeskreis. Dort ist sie nämlich als Tierexpertin oder auch "Miezen-Maren" bekannt.

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