Guardian

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Größe:
61 – 76 cm
Gewicht:
34 – 73 kg
Herkunft:
Tibet (Asien)
Lebensdauer:
12 bis 15 Jahre
Farbe:
schwarz, schwarz mit hellem Rotbraun, braun, gold-rötlich, grau mit Blaustich, braunloh (havannafarbig)
FCI Gruppen:
Auslauf
Haaren
Fellpflege
Für Anfänger geeignet
Anfälligkeit für Krankheiten
Intelligenz
Verspieltheit
Katzenfreundlich
    wenig:

    viel:

Wer sich einen Hund zulegen möchte, hat die Qual der Wahl unter den unzähligen verschiedenen Hunderassen. Eine stellt der Guardian of Tibet dar, der einst zu den teuersten Hunden weltweit zählte. Aber wird er auch Deinem Anspruch gerecht? Das Rasseportrait gibt die Antwort.

Rassebeschreibung

Der Guardian heißt korrekt Guardian of Tibet oder in Asien besser bekannt als Do-Khyi. Dabei handelt es sich um eine tibetanische Dogge/Mastiff.

Mit einer Größe bis maximal 71 Zentimeter gehört er den großen Hunderassen an. Trotz seines Namens, der auf eine Dogge hinweist, hat er mit dieser optisch wenig gemeinsam. 

Herkunft und Rassegeschichte

Das exakte Zeitalter, in dem der Guardian bereits schon existierte, kann nicht ermittelt werden. Allerdings ist bekannt, dass er zu den ältesten Hunderassen der Welt gehört. Gerüchten zur Folge soll er auf eine Geschichte von etwa 8.000 Jahren zurückblicken. 

Einst als Herdenschutzhund eingesetzt, entwickelte sich der gewichtige Guardian vermehrt auch zu einem Begleit- und Schutzhund für Bauern, Klöster und Anwesen wohlhabender Personen.

Seine Größe und das Gesamterscheinungsbild machten ihn zu einem abschreckenden Hund, vor dem sogar Wölfe die Flucht ergriffen. Sein Lebensbereich erstreckte sich zwischen dem wärmeren Flachland bis zum eisig kalten Himalaya.

Aufgrund der enormen klimatischen Unterschiede entstand ein Hund, der sehr widerstandsfähig ist sowie sich überall anpasst, aber auch aufgrund seiner verschiedenen Verwendungsarten zu einer vielseitig veranlagten Hunderasse wurde. 

Der Guardian ist nach der gewaltsamen Aneignung Tibets durch die Chinesen nahezu ausgerottet worden. Manch ein Guardian gelang die Flucht mit seinem Herrchen nach Nepal und Nord-Indien, wo die Rasse sich wieder neu erweiterte und Teil verschiedener antiken Legenden wurde.

Durch sein langes, dichtes Fell hielten ihn manche für einen Mix aus Hund und Löwe. Später wurde angenommen, dass der Guardian der Ursprung für Molosser sowie Doggen sei, was allerdings nach einem Gen-Test 2017 widerlegt wurde – zumindest was das Verwandtschaftsverhältnis mit der Molossa-Rasse angeht. 

Während die alten Guardian-Hunde eine reine Rasse waren, so bestehen die heutigen, neuen Do Khyis im Ursprung aus einem Mix mit Doggen und Mastiffs, was in China und den USA vorgenommen wurde.

Das Ziel dieser Kreuzung sollte aus dem Guardian eine große Hunderasse schaffen, die optisch furchteinflössend, aber im Umgang sehr anpassungsfähig, robust sowie ruhig ist. 

Vor etwa 30 Jahren war der Guardian vor allem in China zu einem Modehund und Statussymbol herangewachsen. Unter den Reichen und Schönen entwickelte er sich rasch zu einem der am teuersten gehandelten Hunde weltweit.

Allerdings wies der Guardian durch die Züchtung gesundheitliche Defizite auf, sodass aus dem beliebten und enorm robusten Guardian ein gesundheitlich stark beeinträchtigtes Tier wurde und die Nachfrage wieder nachließ. 

In Deutschland fand der erste offizielle Zuchtversuch im Jahre 1969 statt. Dazu wurden nur einige wenige Guardian-Hunde aus den angrenzenden Gebieten Tibets nach Deutschland importiert.

Hier war der ursprüngliche Guardian noch zu erkennen und die Tiere verfügten über jene Robustheit und Widerstandsfähigkeit, wie einst. Allerdings waren sie auch deutlich kleiner, sodass die deutsche Zucht ebenfalls eine deutlich kleinere Guardian-Rasse hervorbrachte, als sie mit dem Mix von Doggen und Mastiffs bekannt war.

Schließlich forcierten Züchter die Bildung von Gesichtsfalten um die Augen und Fangpartien. Auch wurden die größten Zuchttiere miteinander gekoppelt, um auf natürliche Weise den Guardian größer werden zu lassen, was auch gelang. 

Der Einfluss durch Inzucht war entsprechend risikobehaftet und im Ergebnis finden sich heute Guardian-Hunde, die leistungstechnisch und gesundheitlich negative Einbussen hinnehmen müssen.

Dennoch gelten sie als kräftige, vierbeinige Freunde der Menschen, die mit einer Art Plüschfell zum Knuddeln einladen, aber auch nie ihren Beschützerinstinkt abgelegt haben. Seit 1971 ist der Guardian beim FCI anerkannt und erfährt seit 1977 die Betreuung durch den Internationalen Club für tibetische Hunderassen des VDHs.

Die Zucht läuft zu heutigen Zeit „schleppend“. Der VDH verzeichnet im Durchschnitt zwischen 12 und 25 Welpen pro Jahr

Aussehen der Guardian Hunderasse

Der Guardian verfügt über ein dickes, dichtes und langes Stockhaar. Dieses kann sich in den Farben von tiefem schwarz über Blaugrau bis hin zu Goldtönen in Kombination mit Rot- und Gelbnuancen zeigen. Besonders typisch sind lohfarbene Abzeichen. 

Sein Körperbau ist mächtig und robust gebaut. Er besitzt ein starkes Knochenkonstrukt und feste, große Gelenke. Ausgewachsen sind Rüden mit etwa vier Jahren, Hündinnen zwischen zwei und drei Jahren. 

Der Widerrist ist ausgeprägt, der Rücken wohlgeformt. Die Rute im Endbereich leicht gebeugt und im Gesamten nach oben tragend.

Ein besonderes Erkennungsmerkmal ist dem erhabenen Gang vorhanden, bei dem der Kopf graziös gestreckt wird und der Gang federnd wirkt. 

Je nach Kreuzung und Zucht kann ein Guardian auch tief liegende Augenpartien aufweisen und über übermäßig große Lefzen verfügen.

Auch eine starke Faltenbildung im Gesicht kann vorkommen, insbesondere, wenn es sich im einen Guardian handelt, dessen Zucht auf den Mix mit Mastiffs beruht. 

Charakter und Wesen

Der Guardian ist vom Charakter und seinem Wesen eine sehr spannende und vielseitig veranlagte Rasse. So furcheinflössend er auftreten kann und teils sehr reserviert erscheint, so freundlich und umgänglich ist er auch.

Die Rasse ist für eine ruhige Wesensart bekannt, wenngleich er in freier Natur sehr gern spielt und sich austobt. Seine Neugierde ist grenzenlos. 

Zudem zeigt er sich als ein sehr treuer sowie zuverlässiger Begleiter, vorausgesetzt, er hat Vertrauen gefasst. Ein Guardian geht in der Regel nicht gleich auf Fremde zu, sondern verhält sich von Natur aus eher zurückhaltend.

Er besitzt einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und ist sehr wachsam. Er zählt aber nicht zu den Kläffern, sondern aufgrund einer hohen Intelligenz weiß ein Guardian meist Situationen richtig einzuschätzen und wann Gefahrensituationen ein Bellen als Warnung erfordern. 

Gegenüber anderen Hunden und insbesondere Rüden, zeigt er sich mit einem dominanten Wesen. Streitsüchtig oder aggressiv ist er in keinem Fall, aber er schreckt auch vor keiner Konfrontation zurück. Wächst er als Welpe mit Katzen auf, kommt er gut damit zurecht.

Allerdings verhält er sich hier ebenso dominant, wenn ihm Katzen zu aufdringlich werden beziehungsweise seine Ruhe stören. Andererseits beschützt er seine tierischen Mitbewohner aber ebenso, wie die Familie.

Durch seinen ausgeprägten Beschützerinstinkt stellt sich der Guardian vor allem vor Kinder, mit denen er aufgrund seiner ruhigen Art sehr gut zurecht kommt.

Haltung und Ernährung

Der Guardian ist aufgrund seiner ruhigen Art ohne störendes Kläffen ideal für die Haltung in einem Mehrfamilienhaus geeignet. Allerdings sollte seine nicht unwesentliche Größe Beachtung finden.

In kleinen Wohnungen wird er Vielerorts anecken und das Zusammenwohnen zu einer stressigen Zeit werden lassen. In einer Wohnung sollte er deshalb nur dann gehalten werden, wenn ihm ausreichend Platz zum Bewegen geboten werden kann.

Ideal ist eine Haltung, wo ihm Haus und Garten zur Verfügung stehen und der Guardian nach Belieben ruhen oder aktiv werden kann.

Durch sein eher gemütliches Wesen ist ein Guardian nicht wild auf ein Ausdauertraining und stundenlange Spaziergänge.

Allerdings müssen die „schweren“ Knochen in Bewegung bleiben, um langfristig eine uneingeschränkte Mobilität zu gewährleisten. Zudem spielt und tobt ein Guardian draußen gern. Das kann ideal mit viel Bewegung auf großes Flächen kombiniert werden. 

Aber auch zum Schutz von Geländen eignet er sich hervorragend. Eine Zwingerhaltung ist prinzipiell keine tiergerechte Haltung, sodass davon Abstand genommen werden sollte.

Familiärer Anschluss oder zumindest ein engerer menschlicher Bezug ist für den Guardian und sein Verhalten von großer Bedeutung. 

Da der Guardian ursprünglich ein Arbeitstier war, liebt er Aufgaben und kommt bei jedem Klima mit Anstrengung gut zurecht. Eine körperliche sowie geistige Aufgabe fördert die Gesundheit und steigert seine Lebenslust. 

Bei der Ernährung sollte prinzipiell vorsichtig vorgegangen werden. Früher hat sich der Guardian seine Kalorien durch Arbeit und konzentrierte Wachsamkeit verbrannt hat.

Als reiner Haus- oder Wachhund neigt er zu Übergewicht. Eine kalorienbewusste Ernährung ist unabdingbar und ein Überfüttern zu vermeiden. Ansonsten stellt der Guardian keine großen Ansprüche, weil er nicht sehr wählerisch ist.

Zu viele Kohlenhydrate sollte er aber nicht bekommen, weil sie Energie liefern und bei einem Überschuss der Guardian mit zu viel Übermut reagieren kann, was ihn bei seinem stattlichen Gewicht zu einem enormen Power-Paket sowie ihn schwerer kontrollierbar macht.

Erziehung und Pflege

Der Guardian zeigt sich gern mit sturen, manchmal eigensinnigen und dickköpfigen Eigenschaften. Er verfügt über ein ausgeprägtes Durchsetzungsvermögen. Das sind Wesensarten, die eine Erziehung nicht leicht machen.

Ein Guardian benötigt eine konsequente Erziehung, aber auch die liebevolle Nähe des Herrchens./Frauchens. Das Wichtigste bei der Erziehung ist das Vertrauen. Aufgrund seiner hohen Intelligenz lernt er zwar schnell, aber kombiniert auch gut.

Das heißt, schlechte Erfahrungen lassen ihn in ähnlichen Situationen schnell auf Abstand gehen und aufgrund seiner Dickköpfigkeit nur langsam wieder „gehorsam“ folgen. Ideal ist es, wenn Du die Hundesprache verstehst, um optimal mit ihm kommunizieren und auf sein jeweiliges Befinden eingehen kannst. 

Die Pflege von einem Guardian ist aufwendiger, als die von beispielsweise einem Rauhaardackel. Er haart ganzjährig und vor allem während der Zeiten des Fellwechsels, ist das Haaren immens.

Um das ein wenig einzudämmen, sollte mindestens einmal täglich das Fell gebürstet werden. Da das Fell sehr dicht gewachsen ist, ist das Bürsten/Kämmen auch erforderlich, um eventuelle Parasiten schnell zu entfernen, die sich vielleicht beim letzten Spaziergang eingenistet haben.

Ein Guardian muss bei Wind und Wetter raus. Nasses Hundefell riecht meist, was ein Abtrocknen nach dem Ausflug nötig macht. Schmutz trägt ebenfalls zu Gerüchen bei, der sich beim Guardian gern in der Unterwolle hartnäckig hält.

Ein regelmäßiges Duschen ist neben dem täglichen Bürsten unerlässlich, um auch Hautkrankheiten vorzubeugen. Beim Hundefriseur kann gelegentlich die Unterwolle „gelichtet“ werden, was allerdings Kosten mit sich bringt. 

Gesundheit und typische Krankheiten

Rassetypische Anfälligkeiten für Erkrankungen sind bei dem Guardian nicht bekannt. Hautkrankheiten kommen häufiger vor, was aber dem dichten, langen Fell und meist unzureichender Pflege geschuldet ist.

Augenlidererkrankungen, wie beispielsweise Entropium oder Ektropium, sind des öfteren bei der Guardian-Rasse zu beobachten. Auch Epilepsie wurde in den den letzten Jahren mehrmals festgestellt.

Bei Medikamentengaben ist zu berücksichtigen, dass der Stoffwechsel von einem Guardian deutlich langsamer funktioniert, als es üblich ist.

Dementsprechend wirken Medikamente intensiver, sodass die Dosen nur reduziert erfolgen dürfen, um dem Risiko einer gesundheitlichen Schädigung aus dem Weg zu gehen.

Lebenserwartung der Guardian Hunderasse

Bei guter Pflege, einer abwechslungsreichen und vor allem artgerechten Haltung sowie einer gesunden Fütterung, besitzt ein Guardian de Tibet eine Lebenserwartung zwischen 12 und 15 Jahre. Es gibt Guardians, die sind auch schon 17 oder 18 Jahre alt geworden.

Ein ideales Körpergewicht sowie viel Bewegung an der frischen Luft sind Grundvoraussetzung für ein langes Leben.

Guardian de Tibet kaufen

Einen Guardian de Tibet solltest Du ausschließlich bei einem seriösen Züchter kaufen. Diese findest Du vor allem in der Züchterliste vom VDH e.v, in der sich Züchter nur registrieren lassen können, wenn durch Prüfungen optimale Zuchtbedingungen vorliegen.

Hier kannst Du sicher sein, dass Dein Guardian noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat und artgerecht gehalten wurde. Beim Züchter werden meist nur Welpen angeboten.

Der Preis liegt bei ungefähr 1.000 Euro. Damit ist es allerdings nicht getan, denn Du musst auch Kosten für die Ausstattung mitberücksichtigen. Diese erstreckt sich beispielsweise über Leine und Geschirr, Transportbox, Hundebett bis hin zu Pflegeprodukten, Spielsachen und Fressutensilien. Da kommen schnell einige Hundert Euro zusammen. 

Kaufe niemals einen Guardian von einem „Kofferraum-Verkäufer“. Diese sind mittlerweile stark im Internet vertreten und bieten Guardians meist enorm günstig an. Allerdings liegt deren Fokus auf ihrem Profit und nicht auf dem Wohl der Tiere.

In der Folge kann es sein, dass aufgrund schlimmster Haltungsbedingungen und gegebenenfalls Misshandlungen Du einen todkranken oder psychisch gestörten Guardian kaufst.

Zudem trägst Du mit dem Nicht-Interesse dazu bei, dass das Angebot geringer wird, weniger Tiere leiden müssen und hoffentlich eines Tages die „Kofferraum-Verkäufer“ von dieser Geschäftspraktik Abschied nehmen. 

Entscheidungshilfe

Wenn Du einen Hund besitzen möchtest, der sich zu Hause sehr ruhig verhält, draußen sich aber auch verspielt zeigt, der Dich und die Familie beschützt sowie das heimische Territorium stark verteidigt, dann ist ein Guardian eine gute Wahl.

Ob als Familienhund mit Kindern, als Wach- und Schutzhund oder als Begleithund, er ist sehr anpassungsfähig und vielseitig einsetzbar. 

Nur in puncto Erziehung solltest Du Erfahrungen mitbringen oder Dir Unterstützung in einer professionellen Hundeschule suchen.

Durch sein flauschiges und knuffeliges Aussehen wird oftmals vergessen, dass er bei falscher Erziehung auch zu einem Risiko werden kann, wie jeder andere Hund auch – nur mit dem Unterschied, dass ein Guardian das „passende“ Gebiss und Gewicht mit sich bringt, um ernsthafte Verletzungen zu verursachen.

Mit der richtigen Erziehung erwartet Dich allerdings ein Hund, der Dir treu und mutig zur Seite steht. 

Fazit

Ein Guardian eignet sich ideal für die Haus- und Geländehaltung, wo er als Familienhund ebenso punktet, wie als Bewacher und Beschützer.

So ruhig sein Wesen ist, so dominant und stur kann er auch sein, sodass eine konsequente Erziehung Grundvoraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben ist. 

http://www.do-khyi-world.de/geschichte.html

http://www.guardian-of-tibet.de/

https://auge-online.de/erkrankungen/liderkrankungen/ektropium_entropium

Maren Kappel

Expertin für Hunde & Katzen

Maren trifft man immer nur im Vierer-Pack an: Mit ihrem süßen Mini-Leoparden "Sahara" und ihren zwei verspielten Hunden "Mars" und "Jupiter" joggt Maren gerne durch die Stadtwälder Freiburgs. Hier kann die leidenschaftliche Tiernärrin prima den Kopf freibekommen und Ideen für neue Blog-Artikel sammeln.

Seit zehn Jahren schreibt Maren schon über das Leben mit Hunden und Katzen. Auf die Idee, zu bloggen, kam sie durch ihren Freundeskreis. Dort ist sie nämlich als Tierexpertin oder auch "Miezen-Maren" bekannt.

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