Für einige Menschen mag das überraschend sein, doch Ziervögel sind die vierthäufigsten Haustiere in Deutschland, noch vor dem Pferd. Auf rund 13,4 Millionen Katzen und 8,6 Millionen Hunde kommen in deutschen Haushalten etwa fünf Millionen Kleintiere wie Hasen, Meerschweinchen und Hamster sowie 4,6 Millionen Ziervögel. Häufig werden diese gleich zu mehreren gehalten und das ist auch gut so, denn bei den meisten Vogelarten wie beispielsweise Wellensittichen handelt es sich um Schwarmtiere, welche sich nur in der Gemeinschaft wohlfühlen. Gerade bei Vögeln ist die artgerechte Haltung aber alles andere als einfach. Ein Vogel muss fliegen, lautet häufig die Kritik. Tatsächlich sollten diese nicht in einem kleinen Käfig gehalten werden. Je mehr Platz, desto besser.

Ziervögel sind keine Käfigtiere

Leider war es noch vor wenigen Jahren ein gewohntes Bild, dass in Omas Küche ein einsamer Wellensittich in einem winzigen Käfig saß. Glücklicherweise wächst langsam aber sicher das Bewusstsein um artgerechte Vogelhaltung in Deutschland. Werden Vögel auf zu engem Raum gehalten oder sie vereinsamen, neigen sie zu Verhaltensstörungen und Krankheiten bis hin zum tödlichen Ausgang. Wenn Sie Ziervögel halten, sollten Sie daher unbedingt auf die Mindestgröße des Käfigs achten.

Besser noch wäre eine große Voliere, in welcher sich die Vögel frei bewegen und ausreichend herumflattern können. Klar, dafür ist nur in den wenigsten Wohnungen beziehungsweise Häusern Platz. Zudem kann so ein Vogelschwarm auch einen gehörigen Lärm veranstalten, welcher in Innenräumen gewiss nicht gewünscht ist, ganz zu schweigen von dem Geruch. Die meisten Vogelhalter bevorzugen deshalb eine Voliere im Außenbereich. Diese kann ganz einfach selbst gebaut und dadurch kostensparend sowie in der passenden Größe beziehungsweise Form installiert werden. Aber was passiert eigentlich im Winter? Können Vögel auch in der kalten Jahreszeit im Freien gehalten werden? Eine Frage, die viele Menschen beschäftigt, welche über die Anschaffung von Ziervögeln in einer Außenvoliere nachdenken.

Außenvoliere winterfest machen: So geht’s

Die gute Nachricht für Vogelliebhaber lautet: Ja, prinzipiell können Ziervögel auch im Winter draußen bleiben. Wer also in den Wohnräumen nicht ausreichend Platz hat, um sie drinnen überwintern zu lassen, muss dennoch nicht auf die Vogelhaltung verzichten. Allerdings muss die Außenvoliere dafür winterfest gemacht werden und es gilt einige Dinge zu beachten, damit die Tiere bei den kalten Temperaturen nicht verenden. Wie also funktioniert die Überwinterung von Vögeln im Freien?

Auf das Tier kommt es an

Wellensittiche können als Ziervögel in der Regel auch bedenkenlos draußen gehalten werden. Fotolia, © JJIMAGE

Auch, wenn Ziervögel im Regelfall draußen überwintern können, gibt es wie von jeder Regel auch hier einige Ausnahmen. Erst einmal geht es dabei um die Vogelart: „Winterfest“ sind in einer entsprechenden Umgebung beispielsweise Wellensittiche, viele Papageien, Zebrafinken, Rotkardinäle, Wachteln und Nymphensittiche. Etwas schwieriger wird es unter Umständen bei kanarischen oder tropischen Vögeln, welche naturgemäß nicht für kalte Temperaturen gemacht sind. Sobald Sie also wissen, welche Vogelarten es sein sollen, lassen Sie sich noch einmal individuell zur Überwinterung beraten.

Ist das Überwintern im Freien für die betreffende Vogelart von einem Experten abgesegnet, ist es sogar häufig die bessere Wahl als in Innenräumen. Ziervögel benötigen nämlich viel Frischluft sowie Sauerstoff, sodass beheizte Räume mit geschlossenen Fenstern schnell zum Problem werden. Zudem ist die direkte Sonneneinstrahlung vor allem im Winter wichtig, um ausreichend Vitamin D produzieren zu können, ein für Vögel lebenswichtiges Vitamin. Zuletzt müsste auch in Innenräumen ausreichend Platz für den Freiflug gewährleistet sein, damit der Kreislauf sowie Stoffwechsel in Schwung bleiben. Wie Sie bereits wissen, stellt aber genau das in vielen Wohnungen und Häusern ein Problem dar.

Dennoch sollten Vögel unabhängig von ihrer Art niemals draußen überwintern, wenn sie krank oder geschwächt sind. Vor jedem Winter ist deshalb eine Überprüfung des Gesundheitszustandes der einzelnen Tiere unablässig.

Der richtige Standort für die Außenvoliere

Nicht nur, aber vor allem im Winter müssen die Ziervögel vor Zugluft geschützt werden. Viele Vogelarten reagieren darauf äußerst empfindlich, manchmal sogar mit tödlichem Ausgang. Weiterhin muss die winterfeste Außenvoliere sowohl ausreichend Schatten als auch direkten Sonnenzugang bieten. Eine südliche bis östliche Ausrichtung ist dafür am besten geeignet. Gleichzeitig muss sie wind- sowie wettergeschützt sein, sodass sich die Vögel dem Regen oder Schnee entziehen können.

Bei der Auswahl des Futtermittels sollte auf nahrhafte Nahrung geachtet werden. Fotolia, © Still & Motion

Spätestens bei Temperaturen unter zehn Grad, wie sie in deutschen Wintern üblich sind, kann auf eine Isolierung der Außenvoliere nicht mehr verzichtet werden. Das schließt ein, die Wände mit Plexiglas und das Dach mit Dachpappe zu verkleiden. Mittels Thermometer sollten Sie dauerhaft überprüfen, dass die Temperatur im Innenraum sowie dem isolierten Außenbereich niemals unter diese zehn Grad fällt.

Wird es kälter, so gibt es zwei Alternativlösungen: Entweder wird die Voliere vollständig verschlossen oder Sie installieren ausreichend Rotlichtlampen in den Innen- sowie Außenbereichen. Damit sich die Tiere nicht daran verbrennen, müssen diese allerdings außerhalb des für die Vögel zugänglichen Bereichs angebracht werden. Zuletzt brauchen die Ziervögel eigentlich nur noch eines, um gesund und glücklich durch den Winter zu kommen: ausreichend Futter, und zwar bereits vor der kalten Jahreszeit. Sie sollten über ein kleines Fettpolster verfügen. Nüsse sind dafür ein geeignetes Futtermittel. Zudem sollte es den Piepmatzen im Winter nicht an nahrhaften Speisen wie Sonnenblumenkernen fehlen.

Übrigens: Je nach Stadt, Gemeinde und Vogelart gelten für Vogelvolieren unterschiedliche Vorschriften, über welche Sie sich unbedingt vorab informieren sollten. Zudem benötigen Sie unter Umständen eine bis mehrere Genehmigungen. Ansonsten riskieren Sie Strafen wie hohe Bußgelder bis hin zur Abholung Ihrer Ziervögel durch den Tierschutz.

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