Früher oder später steht beinahe jeder Hundebesitzer vor der Frage: „Soll ich meinen Hund kastrieren lassen, oder nicht?“. Dies ist keine Frage, die sich ohne weiteres mit ja oder nein beantworten lässt. Die Entscheidung ist jedoch jedem selbst überlassen. Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Um sich aber eine eigene Meinung bilden zu können ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema quasi unausweichlich.
Aus diesem Grund wird im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Aspekte der Kastration geboten.

Was ist Kastration eigentlich?

Bei einer Kastration handelt es sich um die operative Entfernung der Eierstöcke bei der Hündin bzw. der Hoden bei den Rüden. Teilweise wird den Hündinnen auch zusätzlich die Gebärmutter, bzw. die Eileiter, oder auch der Muttermund entnommen. Bei den Rüden ist die Entfernung des Hodensacks nicht unüblich. Dies ist jedoch individuell machbar, und hängt unter anderem mit Faktoren wie Vorerkrankungen zusammen. Nach der Entfernung der Hoden findet keine erneute Bildung der typischen Geschlechtshormone mehr statt.

Eine Kastration ist in Tierpraxen keine Seltenheit und wird fast alltäglich durchgeführt. Dadurch handelt es sich hierbei um einen Routineeingriff. Er wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert in der Regel 30-60 Minuten. Grundsätzlich ist die Dauer bei Rüden geringer. Durch den Eingriff wird der Hund fortpflanzungsunfähig.

Bei den Rüden ist die Operation sehr oberflächlich und somit auch weniger risikoreich. Hier wird lediglich ein Schnitt am Hodensack vorgenommen, um Samenstränge abzubinden und den Hoden zu entnehmen. Bei Hündinnen sieht das anders aus. Die Bauchdecke wird geöffnet, und Eierstöcke sowie Gebärmutter werden vorgelagert, um diese gut erreichen zu können. Nachdem die Eierstöcke entfernt wurden, muss die Gebärmutter wieder zurückgelagert werden. Dies birgt ein höheres Risiko.

Bei der Kastration handelt es sich um einen endgültigen Vorgang. Man kann ihn nicht mehr rückgängig machen.

Kastration vs. Sterilisierung

Viele Menschen denken, dass Rüden kastriert und Hündinnen sterilisiert werden. Diese Annahme ist jedoch falsch. Man kann beide Geschlechter sowohl kastrieren, als auch sterilisieren.
Bei der Sterilisierung werden die Ei- bzw. Samenleiter lediglich durchtrennt. Der Hund ist hierdurch ebenfalls fortpflanzungsunfähig. Jedoch bleibt der Sexualtrieb erhalten. Darüber hinaus wird die Produktion der Geschlechtshormone nicht beeinflusst.

Welche Vorteile hat die Kastration?

Die Kastration bringt viele Vorteile mit sich. Beispielsweise lässt sich der Rüde nicht mehr unbedingt von läufigen Hündinnen aus der Ruhe bringen. Dies könnte mit sich ziehen, dass der Hund allgemein ruhiger wird. Darüber hinaus kann der Sexualtrieb des Hundes vermindert werden. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Oftmals ist er bereits so im Kopf verankert, dass die reine Kastration keine Lösung mehr bietet.

Des Weiteren kann bei Hündinnen die Läufigkeit ausgeschlossen werden. Somit können Blutungen und ungewollte Fortpflanzung vermieden werden.
Einer der häufigsten Gründe für eine Kastration ist die Vorbeugung von Krankheiten. Typische Krankheiten bei den Rüden sind beispielsweise der Hodenkrebs oder die Erkrankung der Prostata. Bei Hündinnen ist vor allem das Risiko für Gesäugetumore oder eine Gebärmutterentzündung sehr hoch. Sie gehören zu den häufigsten Problemen der Krebserkrankungen. Jedoch ist die Reduzierung des Risikos hierfür nur möglich, wenn die Hündin vor der ersten Läufigkeit kastriert wird.

Die Gebärmutterentzündung oder Eierstocktumore können dagegen vollkommen vermieden werden.

Gibt es Risiken, und wenn ja, welche?

Wie bei jeder Operation bestehen natürlich auch hier Risiken. So kann es zum Beispiel zu Narkosezwischenfällen kommen. Des Weiteren sind auch Komplikationen bei der Operation oder Wundheilung nicht auszuschließen. Da es sich um einen Routineeingriff handelt, sind diese Beispiele zwar selten, aber nicht unmöglich. Gerade bei älteren Hunden ist das Risiko erhöht.

Mögliche Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind hier natürlich auch nicht ausgeschlossen. Es ist nicht zwangsläufig nötig, dass es bei einem Hund überhaupt zu Nebenwirkungen kommt. Dennoch ist es wichtig diese zu kennen.
Dazu gehört beispielsweise die Veränderung des Stoffwechsels. Durch die Operation kann er verlangsamt werden, was dazu führt, dass der Hund zunimmt. Dem Ganzen kann durch eine bewusste Ernährung und viel Bewegung entgegengewirkt werden.

Auch eine Veränderung des Fells ist nicht unüblich. Es ist möglich, dass die Hunde ein Welpenfell entwickeln. Hierbei wird das glänzende Deckhaar durch die Unterwolle überwuchert. Dadurch wirkt das Fell struppig und stumpf.

Eine charakterliche Veränderung durch fehlende Hormone liegt ebenfalls im Bereich des Möglichen. Dies hat ein eher „kindliches“ Verhalten zur Folge, tritt jedoch meistens bei zu frühen Kastrationen auf. Bei einer späteren Kastration kann ein infantiles Verhalten grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist die Harninkontinenz. Harninkontinenz bedeutet nichts anderes, als dass die Hunde unbemerkt Harn verlieren. Meist passiert dies im Schlaf oder wenn die Hunde aufstehen, und ist vor allem bei größeren Hündinnen der Fall. Darüber hinaus steigert sich das Risiko, je schwerer die Hündin wird. Eine Harninkontinenz ist auch bei Rüden möglich, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit hier deutlich geringer.

Wann ist eine Kastration sinnvoll?

Einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Da die Hormone, die in den Hoden und Eierstöcken produziert werden, maßgeblich Entscheidend für die physische und psychische Entwicklung des Hundes sind, ist es sinnvoll die Operation erst nach Abschluss der Pubertät durchzuführen.

Wann der Hund aus der Pubertät raus ist, hängt von mehreren Faktoren, wie beispielweise der Rasse und der Größe ab. Deshalb handelt es sich hierbei eher um eine individuelle Entscheidung.
Bei Hündinnen macht es durchaus Sinn, frühestens zwei Monate nach der ersten Läufigkeit eine solche Operation durchzuführen.

Eine Frühkastration ist nicht ausgeschlossen, jedoch nur in Ausnahmefällen, wie beispielsweise bei extremem Sexualtrieb, zu empfehlen. Hierbei wird der Hund vor der Geschlechtsreife, bzw. vor der ersten Läufigkeit kastriert. Der Vorteil davon ist, unter anderem, dass das Krebsrisiko gerade bei Hündinnen extrem sinkt. Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass Geschlechtshormone wichtig für die Knochenentwicklung sind. Zu früh kastrierte Hunde weisen öfter Gelenkprobleme auf. Auch eine Beeinträchtigung der charakterlichen Reifeentwicklung ist durchaus möglich.

Kosten

Die Kosten sind von Tierarzt zu Tierarzt unterschiedlich. Grobe Schätzungen ergeben, dass man in der Regel mit einem Betrag zwischen 100€ und 400€ rechnen kann. Hierbei ist zu beachten, dass der Eingriff bei Hündinnen teurer ist, da die Operation deutlich aufwendiger und dadurch oftmals auch länger ist.

Chemische Kastration

Wenn man sich immer noch unsicher ist, ob es sinnvoll ist seinen Hund kastrieren zu lassen, besteht auch die Möglichkeit einer chemischen Kastration.
Hierbei wird dem Rüden ein so genannter Kastrationschip zwischen den Schulterblättern injiziert. Durch das verabreichen von Hormonen wird der Testosteronspiegel heruntergesetzt und somit die Fortpflanzungsfähigkeit sowie der Hormonhaushalt beeinflusst. Der Vorteil hierbei ist, dass es sich quasi um eine „Kastration auf Probe“ handelt, da der Chip nur ca. 6-12 Monate wirkt. Da hier keine Operation und somit auch keine Vollnarkose nötig ist, können Komplikationen ausgeschlossen werden. Des Weiteren sind die Nebenwirkungen noch rückgängig zu machen.

Bei der Hündin ist die chemische Kastration bei weitem nicht so weit fortgeschritten und verbreitet, wie bei den Rüden. Sie befindet sich noch im Testlauf. Hierbei wird der Hündin eine Hormon-Injektion verabreicht, um den Eisprung zu verhindern. Dies funktioniert ähnlich wie die Pille bei Menschen.

Wenn eine Kastration aufgrund von Hodenkrebs durchgeführt werden soll, ist diese Methode nicht zu empfehlen. Grund dafür ist, dass bei der chemischen Variante die Hoden des Hundes keine Rolle spielen, sondern lediglich der Hormonhaushalt beeinflusst wird. Bei einer Erkrankung wie Hodenkrebs ist es jedoch unausweichlich, die Hoden zu entfernen.

Fazit

Die Frage ob man seinen Hund kastrieren lassen soll, oder nicht ist und bleibt eine Einzelfallentscheidung. Wichtig ist es, sich individuell mit seinem Tierarzt abzusprechen und gemeinsam eine, für den Hund sinnvolle, Entscheidung zu treffen. Jedoch ist es ratsam, sich zu dem Thema im Voraus zu informieren.

In den meisten Fällen macht eine Kastration Sinn, da sowohl Krankheiten, als auch ungewollte Schwangerschaften vermieden werden können. Dennoch handelt es sich um eine Operation, die immer ein gewisses Risiko birgt.

Letztendlich sollte man die Entscheidung treffen, die einem für sich selbst und vor allem für den Hund als richtig erscheint.

Bewertung:
Bewertungen: 5 Ihre Bewertung: {{rating}}