Lewitzer

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Größe:
115 – 147 cm
Gewicht:
450 – 550 kg
Herkunft:
Deutschland
Lebensdauer:
30 – 50 Jahre
Farbe:
Rapp-, Fuchsschecken, Tigerschecken, selten einfarbige Braune und Füchse
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Gerade
Körper
Quadratisch, robust
Gang
Schwungvoll
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Lewitzer Ponys haben viel zu bieten. Vor allem für Kinder, die reiten lernen möchten oder einen treuen Pferdefreund suchen, sollte der Lewitzer nicht in der engeren Auswahl fehlen.

Informiere dich, welche Vorteile die Lewitzer Pferderasse mit sich bringt.

Rassebeschreibung

Bei der Lewitzer Pferderasse handelt es sich um Ponys mit einem maximalen Stockmaß von 147/148 Zentimeter, die damit Endmaß für Ponygröße erreichen.

Sie sind in vier Kategorien eingeteilt, wobei jede (mehr oder weniger) für einen bestimmten Einsatz der Ponys steht. Eingetragen ist das Lewitzer Pony als Rasse beim deutschen Ponyzuchtverband beziehungsweise im deutschen Pinto Zentralregister, kurz DPZR.

1. Kategorie: Stockmaß zwischen 115 und 132 Zentimeter
2. Kategorie: Stockmaß zwischen 133 und 147 Zentimeter – Einsatz als Freizeitpony und in der Landwirtschaft
3. Kategorie: Stockmaß zwischen 138 und 147 Zentimeter – reines Reitpony mit elegantem Erscheinungsbild
4. Kategorie: Stockmaß zwischen 136 und 147 Zentimeter – hauptsächlich landwirtschaftlicher Einsatz

Herkunft und Rassegeschichte

Im Jahre 1971 entstand auf dem Gut Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern nahe der Stadt Neustadt-Glewe die Idee, aus vorhandenen gescheckten Ponys eine neue Zuchtlinie ins Leben zu erwecken.

Der Grundgedanke dabei war, ein Pony zu „erschaffen“, das durch Charakterfestigkeit, Gelehrigkeit und Leistungsbereitschaft für Kinder gut zu handhaben ist und auch leichte Erwachsene problemlos Spaß am Reiten bereitet.

So entstand eine Kreuzung aus den einheimischen Ponys mit Vollblutaraber sowie Trakehnern. Diese sorgen für das edle Erscheinungsbild.

Im Ergebnis entstand eine neue Rasse, die insbesondere durch ihre rassentypische Tobianoscheckung deutschlandweit und über die Grenzen hinaus bekannt wurde, wenngleich das Erscheinungsbild inklusive Farbe/Scheckung unterschiedliche Variationen aufweisen kann.

Der Name Lewitzer bezieht sich dementsprechend auf den Ort, wo die Idee her resultiert und der erste Zuchtversuch vorgenommen wurde.

Für die weitere Zucht wurden ausschließlich Lewitzer Pferde eingesetzt, die zu DDR-Zeiten zuvor eine Reiteignungs- sowie Zugleistungsprüfung absolviert hatten, um eine entsprechend gute Qualität als Basis für den Nachwuchs zu schaffen.

Aussehen des Lewitzers

Lewitzer

Die Lewitzer Ponys besitzen einen verhältnismäßig kleinen, aber ausdrucksstarken Kopf. Dafür sorgt eine breite Stirn, die im Profil leicht vorgewölbt ist, während der Nasenrücken sehr gerade nach unten verläuft.

Bei manchen fällt die starke Ähnlichkeit mit Vollblutarabern auf, bei denen der Nasen-/Nüsternbereich minimal nach oben geschwungen ist.

Der Hals ist sehr muskulös, breit und gebogen. Er besitzt eine Länge, optisch im Einklang mit dem Körperbau steht. Der Halsansatz bildet zum Widerrist eine ideale Linie und erlaubt einen fast nahtlosen Übergang zum abgerundeten Halskamm.

Das ist für die Dressurreiterei von besonderer Wichtigkeit ist, weil ein harmonisches Bild durch einen „selbsttragenden“ Hals entsteht, wenn das Pony „am Zügel“ steht.

Vom Widerrist aus folgt nach hinten die kurze Rückenpartie, welcher sich eine gerundete, geringfügig abfallende Kruppe anschließt. Eine kräftige Rückenmuskulatur unterstreicht die überdurchschnittliche Traglast des Lewitzer Ponys.

Der Schweifansatz sitzt beim Lewitzer tiefer, als beim klassischen Warmblutpony. Die Extremitäten machen einen robusten Eindruck und die Gelenke zeigen sich stark in ihrem Umfang.

Die Gelenkstellungen sind korrekt. Ein geringer Fesselbehang befindet sich im unteren Extremitätenbereich. Die Hufe sind fest und verfügen über eine normale Formung, die einen Beschlag unkompliziert durchführen lassen.

Das Lewitzer Pony weist ein normal langes Fell auf, das über eine ebenso normale Dichte verfügt.

In den Fellfarben gibt es einige Unterschiede. Wenngleich aus Zuchtgründen einfarbige Lewitzer nicht gewünscht sind, so kommen sie dennoch als Braune oder Füchse und selten auch als Schimmel vor. Ansonsten sind gescheckte Fellfarben das „Aushängeschild“ der Lewitzer-Rasse. Sie können klein- und großflächig sein.

Als Tobianos präsentieren sie sich als Rappen, Füchse und Braune. Unter „Tobiano“ ist eine Scheckung gemeint, die scharf begrenzte Farbflecken aufweisen, deren Ränder glatt sind.

Oftmals steht dies in Verbindung mit hellen Hufen und/oder ausgeprägten Beinzeichnungen. Am Kopf hingegen zeigt sich das Tobiano-Gen seltener in Form von Flecken beziehungsweise großflächigen Abzeichen, als sie bei anderen Pferderassen vorkommen.

Charakter und Wesen

Die Lewitzer Pferde zeichnen sich durch ihren angenehmen Charakter und eine gehörige Portion Ausgeglichenheit aus, was sie zum idealen Pony kleinerer Kinder und unerfahrener Reiter macht.

Sie gelten aus anspruchslos und beweisen sich als nervenstarke Tiere, die sich nicht leicht erschrecken lassen.

Im Umgang bestechen sie durch ihr freundliches Wesen. Sehr ruhig sind Lewitzer der Kategorien eins und zwei, was sie ideal als Kutschpferde einsetzen lässt.

Die edlere Kategorie drei weist ein temperamentvolleres Wesen auf, was dem quirligen Vollblutaraber als Zuchtpferd geschuldet ist. Sie sind nicht ganz so nervenstark und ausgelassen, wie die Lewitzer der anderen Kategorien, weshalb sie nur bedingt für kleine und/oder unerfahrene Reiter geeignet sind.

Haltung und Ernährung

Haltung

In der Haltung stellen Lewitzer Pferde keine besonderen Ansprüche. Sie gelten als sehr genügsam und überstehen auch problemlos einen Ruhetag im Stall, ohne anschließend durch Energieüberschuss zu einem unbändigen Tier zu werden.

Regelmäßige Bewegung ist selbstverständlich für alle Pferde und Ponys, sowie auch für die Lewitzer Rasse ein Muss.

Aber ein Auspowern ist nicht zwingend erforderlich, um einen Lewitzer im „Zaum“ zu halten. Dementsprechend ist er gleichermaßen für die Stallhaltung als auch für die Weidenhaltung geeignet.

Eine enorm große Weidefläche ist nicht von Nöten. Lewitzer reicht es, wenn sie ausreichend zu fressen finden. Ideal ist ein „Spielgefährt“, denn ein Lewitzer ist nicht für die Einzelhaltung geeignet.

Aufgrund der hohen Regenerierungsfähigkeit sowie einer robusten Gesundheit kann er auch den Winter im Freien verbringen. Eisige Winde und enorm tiefe Temperaturen empfindet der Lewitzer dennoch nicht als angenehm, sodass eine Stallhaltung in den kalten Monaten zumindest einen Großteil ausmachen sollte.

Ernährung

Das Lewitzer Pferd ist leichtfuttrig. Das bedeutet, auch in Sachen Ernährung stellt das Pony keine großen Ansprüche.

Hafer sollte es in der Menge erhalten, die der körperlichen Belastung angepasst ist, um Übergewicht zu vermeiden, aber ausreichend Energiequellen bereitzustellen.

Ansonsten sind saftige Wiesen und gegebenenfalls Heu- oder Silagezugaben möglich. Gelegentliche Fütterungen mit Kleie oder Leinsamen fördern die Verdauung, sind aber keine Bedingung.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Lewitzer Ponys sind sehr gelehrig und besitzen eine enorm gute Auffassungsgabe.

Das macht die Erziehung recht einfach. Wie bei allen anderen Pferde, ist das Schaffen einer Vertrauensbasis ein wichtiger Faktor, damit der Lewitzer sich vom Lernen begeistern lässt. Macht er schlechte Erfahrungen, erschwert dies seine weitere Erziehung.

Da Lewitzer Ponys sehr umgängliche „Vertreter“ sind und vielfältige Talente in ihnen schlummern, sind sie leicht trainierbar.

Ob für das Dressurreiten, die Kutschfahrt, als Lastenträger oder als ein Geländepferd, mit dem entsprechenden Vertrauen zum Reiter/Führer zeigen sie sich für alles offen.

Vor allem ihre Nervenstärke kommt ihnen auf Turnieren und bei Ausreiten beziehungsweise im Gelände zu Gute, was die Erziehung von Dressurlektionen und Springverhalten sowie Ruhe bei Kutschfahrten auch in Stresssituationen zu bewahren, vereinfacht.

Pflege

Der Pflegebedarf umfasst ein normales Pensum, wie bei anderen Pferden auch. Allerdings könnten öftere Putzaktionen erforderlich sein, wenn ein Lewitzer sauber erscheinen soll.

Durch die Scheckungen und entsprechend weißen Fellbereiche verhält es sich, wie bei Schimmeln: sie ziehen nahezu Schmutz an.

Ein Wälzen auf der Weide oder im Stall reicht aus, um unschöne Schmutzstellen deutlich sichtbar entstehen zu lassen. Hier benötigt es hin und wieder einer Waschung.

Nach getaner Arbeit an heißen Sommertagen freut sich ein Lewitzer über eine erfrischende Dusche. Ansonsten sind Lewitzer nicht weniger oder mehr pflegeaufwendig, als andere Pferde.

Gesundheit und typische Krankheiten

Lewitzer Ponys präsentieren sich in der Regel mit einer robusten Gesundheit, guten psychischen und psychischen Belastbarkeit. Rassetypische Erkrankungen sind bei Pferden und Ponys schwer zu ermitteln.

Meist basieren Erbkrankheiten auf einzelnen Elternteilen. Zeigt sich beispielsweise die Mutterstute mit schwerer Arthrose, besitzen die Fohlen ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an Arthrose zu erkranken.

Meist aber resultieren „typische Krankheiten“ aus übermäßiger oder mangelhafter körperlicher Belastung, nicht tier-/artgerechter Haltung und unzureichender Pflege.

Öfter wird bei Lewitzer Ponys neben Arthrose-Erkrankungen auch von Hufrolle berichtet.

Bei Letzterem handelt es sich um eine Entzündung in den Bereichen Strahlbein, Hufrollenschleimbeutel und unterer, tiefer Beugesehne.

Es wird vermutet, dass die recht schlanken unteren Extremitäten der Vorderhand im Verhältnis zum kräftigen, gewichtigen Körperbau Lewitzer unter bestimmten Bedingungen anfälliger für Hufrehe machen.

Schneller, als andere Pferde reagieren sie mit Hufrehe auf zu lang gezogene Hufkorrektur-Rhythmen, zu hohe oder zu wenig Bewegung sowie zu kleine/kurze Hufeisen.

Auch sind genetisch bedingte Hufveränderungen bei Lewitzer-Ponys möglich, die zusätzlich das Hufrehe-Risiko erhöhen. Aus diesem Grund sollten junge Lewitzer nicht zu früh angeritten werden, um einer übermäßigen Vorderhandbelastung vorzubeugen. Mit der Bestellung des Hufschmieds sollte nicht zu lange gewartet werden.

Ansonsten fördert viel frische Luft, Bewegung, ein ideales Stallklima sowie soziale Kontakte zu Artgenossen das gesundheitliche Wohlbefinden der Lewitzer Ponys.

Typischen „Stallkrankheiten“, wie Lahmheit, Verspannungen und Atemwegserkrankungen kann so vorgebeugt werden.

Lebenserwartung des Lewitzers

Lewitzer

Die Lewitzer gehören zu den Pferderassen mit der höchsten Lebenserwartung von bis zu 50 Jahren. Voraussetzung sind eine optimale Pflege und Haltungsbedingungen.

Pferderasse Lewitzer kaufen

Einen Lewitzer findest Du meist auf öffentlichen Pferdemärkten. Der Kauf dort ist als schwierig einzustufen, wenn Du nicht genau weißt, wo das Pony herkommt und wie es gehalten wurde.

Leider gibt es immer wieder Verkäufer, denen jedes Mittel recht ist, um ihren Lewitzer zu verkaufen.

So kommt es auch vor, dass Ponys medikamentös ruhig gestellt werden, wenn sie beispielsweise aufgrund schlechter Erziehung, Erfahrungen und/oder Haltung psychische Störungen aufweisen.

Schmerzmittelgaben bei Lahmheit sind ebenfalls keine Seltenheit. Auch die Rittigkeit kann auf einem Pferdemarkt meist nicht geprüft werden.

Deshalb ist es ratsam, einen Kauf nur dort vorzunehmen, wo der Lewitzer gehalten wird und im Idealfall auch als Kutsch- oder Reitpferd ausprobiert werden kann.

Dazu bieten sich vor allem Züchter/Zuchtbetriebe an, die überwiegend Lewitzer Fohlen zum Kauf anbieten.

Hier wird unterschieden zwischen beim Zuchtverband eingetragene Zuchtbetriebe und private Züchter, die dies mehr oder weniger als Hobby betreiben.

Bei eingetragenen Zuchtbetrieben triffst Du auf Nachwuchs, bei dem in der Regel zumindest der Hengst (männliches Elterntier) die für eine Zucht erforderlichen Bedingungen erfüllt, wozu zum Beispiel keine vererbbaren Krankheiten sowie Stammbaumnachweis zählen.

Bei hobbymäßig betriebenen Züchtern kann der väterliche Teil auch von Nachbars Wiese oder einem der „Stallkollegen“ stammen.

Lewitzer von registrierten Zuchtbetrieben sind in der Regel teurer im Anschaffungspreis, als von Hobbyzüchtern und vor allem von Verkäufern auf dem Pferdemarkt.

Dafür weißt Du aber auch, was Du von einem registrierten Zuchtbetrieb erhältst. Bei denen anderen Kaufoptionen ist ein hohes Maß an Fachkenntnis und Erfahrung gefragt, wenn Du den Kauf von einem Lewitzer Pony nicht dem Zufall überlassen möchtest.

Preislich sind Lewitzer Fohlen bis ungerittene Dreijährige durchschnittlich um die 1.000 Euro erhältlich, wobei exzellente Abstammungen den Preis auch nach oben treiben können.

Bei älteren Lewitzer Ponys bestimmt der Ausbildungsstatus und gegebenenfalls sportliche Erfolge den Preis. Hier können beispielsweise für erfolgreiche Dressurponys als Turnierpferde durchaus Summen bis zu 10.000 oder mehr veranschlagt werden.

Du interessierst Dich für Ponys? Wie wäre es mit dem American Miniature Horse, dem Shetland Pony oder Highland Pony?

Entscheidungshilfe

Suchst Du ein Pony für Deine Kinder, das nicht schreckhaft ist, über ein ausgeglichenes Wesen verfügt, gelehrig ist und mit denen Deine Kleinen gut sowie sicher umgehen können, dann ist ein Lewitzer die ideale Wahl.

Vor allem zum Reiten lernen bringt ein Lewitzer eine passende Ruhe mit. Wenn es ein Pony/ Kleinpferd für Dich als Erwachsene sein soll, solltest Du eher zu den Leichtgewichten zählen, damit der Körperbau des Ponys nicht überbelastet wird.

Gleiches gilt für jugendliche Kinder, die über ein Körpergewicht eines Erwachsenen verfügen.

Aber Gewicht ist nicht alles, denn Du benötigst auch optimale Haltungsbedingungen für einen Lewitzer.

Steht Dir nicht viel Weideraum zur Verfügung und/oder Du möchtest Dir die Kosten für die Stallung von Frühjahr bis Herbst sparen, dann ist auch in dem Fall der anspruchslose Lewitzer eine gute Wahl.

Im Winter solltest Du allerdings die Kosten für eine Stallunterbringung nicht scheuen und fest in Deinem Budget einkalkulieren.

Die Pferdehaltung verlangt prinzipiell ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Wenngleich ein Lewitzer durchaus als reines Weidetier gehalten werden kann, vorausgesetzt, er steht mit Artgenossen zusammen, so kommst Du dennoch nicht um eine regelmäßige Pflege umher und musst unter Umständen auch täglich zum Füttern Zeit aufbringen.

Dessen solltest Du Dir ebenso bewusst sein, wie über die Kosten, die neben dem Kaufpreis auf Dich zukommen werden.

Dazu gehören neben Unterbringungs- und Futterkosten unter anderem auch Hufschmiedkosten, Ausstattungen, eventuell Tierarztkosten und Haftpflichtversicherung.

Wenn Du Dir dieser Verantwortung bewusst bist und die Kosten stemmen kannst, ist ein Lewitzer eine hervorragende Wahl für ausgiebige Kutschfahrten mit der Familie, für den Freizeitspaß, das Reiten lernen und je nach Lewitzer-Kategorie, auch für den Aufstieg in den Turniersport.

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