Knabstrupper

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Größe:
153 – 170 cm
Gewicht:
600 – 700 kg
Herkunft:
Dänemark
Lebensdauer:
25 – 35 Jahre
Farbe:
Rassetypisch Tigerschecken, in allen Variationen
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Fein, wohlgeformt
Körper
Je nach Typ
Gang
Dreigang
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Der Knabstrupper ist eine sehr alte, zwischendurch fast ausgestorbene Pferderasse, die gerade um so prächtiger wiederaufersteht: Neben dem alten barocken Typ Knabstrupper wird heute ein leichter, sportlicher Warmblut-Typ und ein knuddliger Pony-Typ gezüchtet.

Hochintelligent, hoch begabt und gelegentlich auch ziemlich störrisch, fordern Knabstrupper ihre Halter und Reiter in hohem Ausmaß.

Rassebeschreibung

Der Knabstrupper geht auf eine alte dänische Barockpferderasse mit üppigem, rundleibigen Erscheinungsbild zurück, wird aber heute in drei Typen gezüchtet: Einem modernen Typ mit dem Zuchtziel „modernes Sportpferd“, der in etwa einem Deutschen Reitpferd ähnelt.

Dieser Typ wird unter Einkreuzung beliebigen Fremdbluts gezüchtet, das sich zur Erreichung des Zuchtziels anbietet. Von diesem modernen Typ Knabstrupper wird auch einen Pony-Typ hezüchtet, dessen Widerristhöhe unter 1,42 m bleibt.

Der dritte Typ ist der alte barocke Typ mit kräftigem Bau und mehr Masse. In dieser Zuchtlinie gilt nur ein Knabstrupper, der mindestens drei Generationen ohne Einkreuzung fremden Blutes gezüchtet wurde, als Original im barocken Typ stehender Knabstrupper.

Diese Reinzucht ist zwar das Zuchtziel, trotzdem wird auch bei diesem Typ nicht mit einem vollkommen geschlossenen Zuchtbuch gearbeitet. Dazu hat der Gen-Pool der Rasse im Laufe seiner Geschichte zu viel an Vielfalt eingebüßt.

Deshalb werden das barocke Zuchtregister auch einzelne Nachfahren der vielen Knabstrupper aufgenommen, die einst mit Lusitanos oder anderen spanischen Rassen gekreuzt wurden, wenn sie dem barocken Knabstrupper-Typ gut entsprechen.

Herkunft und Rassegeschichte

Die Knabstrupper entstanden aus den dänischen „Frederiksborgern“, die ab 1536 auf dem königlichen Gestüt Frederiksborg in Dänemark gezüchtet wurden.

Frederiksborgern waren früher weltberühmt und begehrt, sie spielen auch bei der Entstehung der Pferderassen Lipizzaner, Oldenburger, Hannoveraner und Spanier/Andalusier eine entscheidende Rolle.

Die Zucht der Knabstrupper wurde begonnen, als gegen Ende des 16. Jahrhunderts Tigerschecken zum Trend bei Königen und anderen gut betuchten Leuten wurden.

Tigerschecken kamen bei den Frederiksborgern ohnehin gelegentlich vor, also begann man auf Gestüt Frederiksborg mit der konsequente Zucht der teuren und begehrten Farb-Pferde.

Tigerschecken wollten zwar damals alle züchten, aber nur die Dänen bewiesen bei der damals per „genetischen Blindflug“ gesteuerten Zucht das glückliche Händchen, einen reinen Tigerscheckenstamm zu selektieren, der fast nur weiß gefleckte Nachkommen erzeugte.

Die Tigerschecken aus Frederiksborg zählten im 17. Jahrhundert zu den begehrtesten Pferden der Welt, zogen goldene Kutschen und trugen Könige und Kaiser als Lieblingsreitpferde zu ihren Krönungen.

Als jedoch zu Napoleons Zeiten erstmals einfache Bauern und Bürger zu Soldaten rekrutiert wurden, brach die auf edlem spanischen Blut fußende staatliche Zucht erlesener, vielgestaltiger Rassepferde samt der Reitkunst der „Hohen Schule“ ein.

Man brauchte jetzt Massen schlichter, einfarbiger Pferde, die nicht mehr können mussten als geradeaus laufen. Ein paar Tigerschecken waren jedoch längst in die Hände von Privatleuten gelangt und wurden von diesen auch weitergezüchtet – vor allem auf dem dänischen Gut Knabstrup, dessen Namen die Rasse dann schließlich erhielt.

Die Knabstrupper-Zucht auf Gut Knabstrup fiel 1891 einem schrecklichen Feuer zum Opfer, in dem alle Zuchttiere ums Leben kamen. Knabstrupper liefen aber noch überall im Land herum, 1952 wurde das erste Nachfolge-Gestüt für Knabstrupper gegründet, 1972 vereinigten sich die einzelnen dänischen Knabstrupper-Privatzüchter im dänischen Verband für die Knabstrupperzucht.

Seitdem wird versucht, die Knabstrupper-Rasse mit den wenigen Zuchttieren zu erhalten, die noch die genetischen Überreste der dänischen Tigerschecken in sich tragen. In Dänemark wird heute vor allem der Sportpferde-Typ des Knabstruppers gezüchtet, der alle Anforderungen an ein modernes Reitpferd erfüllt. Vertreter der alten Blutlinie hatten sich in der Historie vor allem in Deutschland gesammelt.

Bei uns wird deshalb auch versucht, den barocken Typ des Knabstrupper zu erhalten: Die Interessengemeinschaft Knabstrupper Deutschland arbeitet mit ausdrücklicher Billigung der Dänen auf Grundlage eines selbst entwickelten Zuchtprogramms, das eine züchterische Basis für den Sporttyp und den Barocktyp des Knabstruppers stellt.

Aussehen des Knabstruppers

Knabstrupper

Der Knabstrupper vom modernen Typ ähnelt wie gesagt dem Typ „Deutsches Reitpferd“: Ein Warmblut mit harmonischem Körper, mittellangem Hals, geraden Beinen und kräftigen Gelenken, das einen schönen, ausdrucksvoller Kopf mit großen Augen hat.

Der alte barocke Typ ist nicht weniger schön, aber eben viel kräftiger und ursprünglich spanischer: Ein Knabstrupper mit viel Substanz, kräftigem Hals und gut bemuskelter Hinterhand, der einen mehr oder weniger ramsnasigen Kopf mit leicht nach vorne gewölbter Nasenlinie trägt.

Diese den Körperbau betreffenden Hauptunterschiede zwischen beiden Typen betreffen vor allem die sportliche Verwendung; in allen sonstigen Eigenschaften gleichen sich die beiden Knabstrupper-Typen.

Die außergewöhnliche Fellfarbe, die Anlass und Grundlage der Knabstrupper-Zucht war und ist, basiert auf sehr komplizierten genetischen Anlagen.

Diese Anlagen zeigen sich in 5 Grundvarianten der Tigerscheckenfärbung, die jeder echte Knabstrupper-Fan kennt und unterscheidet

Volltiger

Weißes Fell mit schwarzen, braunen, roten Tupfern, die gleichmässig und gut abgegrenzt über den gesamten Körper (Kopf, Hals, Rumpf, Beine) verteilt sind.

Schabracktiger

Im vorderen Teil einfarbig schwarz, braun, rotes Fell, auf dem Hinterteil schwarze, braune oder rote Punkte auf weisser Grundfarbe.

Schneeflockentiger

Fragmente des „Tiger-Mantels“ verteilen sich als weiße Flecken auf schwarzer, brauner oder roter Grundfarbe über den Körper.

Weißgeborene

Weiße Knabstrupper, bei denen die besonderen Gene der Knabstrupper dazu führen, dass sie im Gegensatz zum „üblichen Schimmel“ bereits weiß geboren werden; Melierungen und vereinzelte Punkte kommen vor.

Einfarbige Knabstrupper

Knabstrupper mit schwarzem, braunem oder rotem Fell (keine Schimmel), die aber die Tigerscheckengenetik rezessiv in sich tragen.

Innerhalb dieser Tigerscheckung sind dann noch verschiedenste abweichende Färbungen möglich und erlaubt, was die Unterscheidung nicht einfacher macht.

Zu diesen Farbvarianten müssen sich bei einem echten Knabstrupper immer folgende sekundäre Merkmale gesellen:

  • Ovale Augen, die menschlichen Augen ähneln sollen
  • Krötenmaul (weiße, fleckige Zeichnung auf Lippen und Nüstern)
  • Lidränder und/oder Iris weiß umrandet und/oder gefleckt
  • Hufe vertikal gestreift
  • Geschlechtsteile und/oder After gefleckt
  • Melierungen (wie „verwaschen“ wirkende Fellfarbe)

Schon gewusst? Die meisten Menschen in der westlichen Welt kennen den Knabstrupper übrigens recht gut.

Was ihnen nicht immer bewusst ist: Astrid Lindgren hatte im Buch „Pippi Langstrumpf“ eindeutig einen Knabstrupper vor Augen, auch wenn der „Kleine Onkel“ im Film nur ein mit Haarfärbemittel gepunkteter Schimmel war.

Charakter und Wesen

Knabstrupper sind gelehrig, ehrgeizig und neugierig, ziemlich gutmütig und im Allgemeinen vorbildlich gelassen.

Der Knabstrupper hat aber auch einen starken und stolzen Charakter und einen entschiedenen Willen, und er kann mitunter ein außerordentlich eigenwilliges Temperament entwickeln.

Wenn sich ein Knabstrupper gerade einmal stur zeigt, muss der Halter stark und souverän genug sein, um ruhig und geduldig dagegen zu halten. Wenn Du Dich gegen den charakterstarken und hochintelligenten Knabstrupper nicht durchsetzen kannst, besteht die Gefahr, dass er macht, was er will.

Also kein Pferd für Ersthalter, besonders wenn diese nicht so gerne Ratschläge von erfahrenen Pferdemenschen annehmen oder solche in der Nähe nicht verfügbar sind.

Haltung und Ernährung

Haltung

Die Haltung eines Knabstruppers unterscheidet sich nicht von der Haltung der meisten anderen Pferderassen. Beim intelligenten Knabstrupper musst Du nur besonders gut darauf achten, dass Dein Pferd immer genug Beschäftigung hat.

Wenn ein Knabstrupper sich langweilt, wird er nicht nur depressiv oder missmutig, sondern denkt sich auch gerne allen möglichen „Blödsinn“ aus, der viel Unruhe in den Stall bringen kann.

Ernährung

In Bezug auf die Ernährung gibt es beim Knabstrupper nichts besonderes zu vermelden: Ganz normale gesunde Ernährung mit Raufutter, Kraftfutter und Saftfutter, die dem Knabstrupper über den Tag auch viel angenehme Beschäftigung bringt.

Über diese ganz normale, bei Pferden doch sehr vielfältige gesunde Ernährung musst Du Dich natürlich umfassend informieren, bevor Du Dir ein Pferd anschaffst.

Die einzelnen Futtermittel müssen natürlich von guter Qualität sein und in einer speziell für Dein Pferd angemessenen Weise über den Tag verteilt gegeben werden.

Bei der Pferderasse Knabstrupper kommt es weiter darauf an, dass Du den Beschäftigungsaspekt wirklich ernst nimmst. Ein nicht zu weitmaschiges Heunetz, aus dem sich der Knabstrupper jedes Maul voller Heu richtig erarbeiten muss, ist das Mindeste.

Der schnell lernende Knabstrupper hat aber auch nichts gegen eine Abfolge von Ritualen, nach der es zu bestimmten Zeiten ganz bestimmte Leckerlis gibt. Ansonsten heißt es nur noch, gut auf die individuellen Bedürfnisse des Knabstruppers zu achten und die Ernährung möglichst gut an seine besonderen Vorlieben und Abneigungen anzupassen.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Für die Stall-Erziehung eines Knabstrupper gilt:

Kennenlernen

Das solltest Du am besten schon vor dem Kauf: Wenn Du einen Knabstrupper ausgewählt hast, wird der meist nicht sofort bei Dir einziehen.

Besuch ihn bis dahin öfter, rede mit ihm, geh vielleicht mit ihm Spazieren oder reite ihn auch ein wenig.

Anfreunden

Freunde Dich mit dem Pferd an, bis der Knabstrupper Dich als Vertrauten empfindet. Wenn Dein neues Pferd angekommen ist, solltest Du erst einmal jede Menge Zeit mit ihm verbringen.

Ausprobieren

Wenn ihr euch beide einigermaßen bekannt gemacht habt, kannst Du vom bloßen Bewegen zur Arbeit übergehen. Anfangs eher vorsichtig, damit Du erspüren kannst, was und wie viel Dein Knabstrupper von selbst anbietet.

Alle Knabstrupper bringen tolle Anlagen und „mentale“ Begabung mit, alle Knabstrupper können unter einem guten Reiter in den zur jeweiligen Größe und Bauart passenden Disziplinen sehr gute Leistungen erzielen.

Knabstrupper können sich aber auch ausgesprochen stur zeigen und neigen als hochintelligente Pferde dazu, schnell einmal falsche Dinge zu lernen.

Sie lassen sich deshalb am besten von erfahrener Reitern ausbilden, die bei keiner Hilfe mehr überlegen brauchen und der ehrgeizigen Entschlossenheit eines Knabstruppers starke Führungsqualitäten entgegensetzen können.

Also kein Pferd für Anfänger; oder nur für Anfänger, die zusammen mit dem Knabstrupper Unterricht nehmen und ihren Knabstrupper auch gerne mal von besseren Reitern reiten lassen.

Pflege

Das besondere Fell des Knabstruppers hat in der Pflege keine besonderen Ansprüche. Es braucht aber wie bei jedem Pferd regelmäßig Pflege, um immer eine gesunde, saubere Struktur zu behalten.

Außerdem verpasst Du Deinem Knabstrupper mit jedem Striegeln auch gleich eine angenehme Massage und vor allem beschäftigst Du Dich mit ihm, weshalb die regelmäßige Fellpflege die Bindung zum Pferd nachhaltig stärkt.

Ein weiterer wichtiger Teil der Pflege ist beim Knabstrupper die Hufpflege, denn die meist „bunt gestreiften“ Hufe des Knabstruppers sollten natürlich immer in voller Schönheit vorzeigbar sein.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Knabstrupper ist eigentlich eine gesunde Pferderasse, bei der noch keine Häufung von „typischen Krankheiten“ beobachtet wurde.

Nur das Auge des Knabstruppers ist ein wenig „verzüchtet“, weil es von rund zu oval gezüchtet wurde, um dem menschlichen Auge möglichst ähnlich zu sehen.

Das führt beim Knabstrupper immer wieder zu empfindlichen Reaktionen des Auges, die dann sofort durch Behandlung mit einer Augensalbe besänftigt werden sollten.

Lebenserwartung des Knabstruppers

Knabstrupper

Die Lebenserwartung ist beim Knabstrupper schlecht als ein Durchschnitt anzugeben, weil sie sich je nach Typ unterscheidet:

  • Ponys haben eine Lebenserwartung von bis zu 50 Jahren, und auch gut gehaltene Knabstrupper-Ponys können sehr alt werden.
  • Von den Großpferden leben die kleineren Exemplare meist länger als große, schwere Typen.
  • Knabstrupper sollen nicht selten um die 35 Jahre alt werden und können dann bis ins 25. Lebensjahre vollumfänglich geritten werden.

Aber für die Lebenserwartung gilt natürlich auch, dass Du sie über artgerechte Haltung, gesundes Futter und ausreichende Bewegung ganz entscheidend beeinflussen kannst.

Pferderasse Knabstrupper kaufen

Adressen von Knabstrupper-Züchtern bekommst Du zum Beispiel beim Zuchtverband für Deutsche Pferde e.V., der Interessengemeinschaft Knabstrupper Deutschland oder beim dänischen Verband für die Knabstrupperzucht.

Schwieriger als der Zugang zum Züchter ist die Auswahl des für Dich besten Knabstrupper-Typs, weil bei der Entscheidung die verschiedensten Faktoren bedacht werden sollten.

Zunächst solltest Du Dich generell mit den Unterschieden zwischen Pony und (kleinerem und größeren) Großpferd beschäftigen und dann mit den speziellen Unterschieden zwischen den verschiedenen Knabstrupper-Typen.

Wenn Du auf dem eng begrenzten Knabstrupper-Markt kein passendes Pferd für Dich finden solltest, haben wir einen Tipp für Dich:

In Zusammenarbeit mehrerer Züchter wird ein genau für Dich passender Knabstrupper gesucht oder sogar als Fohlen geplant, wenn das ansonsten gut in die Zucht passt.

Entscheidungshilfe

Zunächst solltest Du Dir selbst einige Fragen beantworten:

Bist Du sicher, dass es unbedingt ein Pferd sein soll, dessen Haltung nicht ganz so einfach und günstig ist? Warum nicht z. B. Ratten , die sind super schlau und sind gerade wieder sehr beliebt.

Oder wie wäre es mit einem Hund? Du kannst mit dem Hund fast überall spannende Dinge anstellen, nicht nur im Stall und in dessen Umfeld wie mit einem Pferd.

Wenn Du sicher bist, dass es ein Pferd sein soll, ist ein Knabstrupper auch erst dann wirklich zu empfehlen, wenn Du schon einigermaßen gut reiten kannst. Dann allerdings um so mehr, Knabstrupper sind ganz wunderbare Pferde.

Fans von schönen bzw. auffallenden Fellfarben finden unter den beiden Typen Knabstrupper immer das richtige Pferd. Der Knabstrupper ist aber auch ein tolles „Familienpferd“ und ein tolles Pferd für alle Menschen, die mit überlegtem Kauf dabei helfen wollen, eine alte Rasse zu retten oder ganz allgemein die genetische Vielfalt zu erhalten.

Quellen

https://www.markt.de/ratgeber/pferde/knabstrupper/

https://magazin.ehorses.de/pferderassen/knabstrupper/

https://www.haustiermagazin.com/pferderassen/knabstrupper/

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