Ardenner

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Größe:
155 – 164 cm
Gewicht:
800 – 1000 kg
Herkunft:
Frankreich, Belgien
Lebensdauer:
16 – 22 Jahre
Farbe:
Braun, Fuchs, Rotschimmel, Roan
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Gerade
Körper
Massig, muskulös
Gang
Dreigang
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Der Ardenner ist eine massige, aber gleichzeitig sanftmütige Pferderasse, deren Ursprünge in Frankreich liegen. Vom Armeepferd über Arbeitstier bis hin zum heutigen Freizeitpartner hat diese Rasse viele Stationen durchgemacht.

Erfahre hier alles Wissenswerte über den sanften Riesen Frankreichs.

Rassebeschreibung

Kaum eine Pferderasse verdient die Bezeichnung „sanfter Riese“ so sehr wie der Ardenner. Als eine der schwersten Pferderassen überhaupt musste der Ardenner im Laufe der Geschichte eine Reihe an harten Arbeitsaufgaben übernehmen.

Die meisten davon werden heute von Maschinen durchgeführt, weswegen diese alte französische Kaltblutasse beinahe in Vergessenheit geriet.

Es sieht aber so aus, als macht der Ardenner langsam ein Comeback – und zwar als Freizeit- und Reitpferd.

Der Ardenner ist selbst für ein Kaltblut eine wahre Wucht. Mit einem Lebendgewicht von bis zu einer Tonne stellt er praktisch alle anderen Pferderassen in den Schatten.

Dennoch ist er agiler als man glauben möchte. Gemeinsam mit seiner hohen Ausdauer ist er daher ein ideales Zug- und Reitpferd. Den Namen bekam die Rasse von den Ardennen, einem Gebirgszug, der sich über Frankreich, Luxemburg und vor allem Belgien erstreckt.

Dies ist auch das traditionelle Herkunftsgebiet dieses Pferds. Heute wird der Ardenner vor allem in seinen Ursprungsgebieten Frankreich, Belgien und Luxemburg sowie in Schweden gezüchtet und gehalten.

Herkunft und Rassegeschichte

Die Wurzeln der Ardenner lassen sich bis in die Frühgeschichte zurückverfolgen. Die Rasse stammt vom Solutré-Pferd ab, das vor 20 000 Jahren im heutigen Frankreich lebte.

Das macht den Ardenner zu einer der ältesten Kaltblutrassen weltweit und einer der ältesten Pferderassen Frankreichs. Erste geschichtliche Beachtung bekamen die Ardenner in den römischen Legionen, wo sie als kräftige Schlachtrösser dienten.

So soll sogar Julius Cäsar ein Bewunderer der wuchtigen Pferde gewesen sein. Seit dem Einmarsch der Römer in Gallien war der Ardenner bei vielen historischen Ereignissen anwesend. Im Mittelalter waren sie ein beliebtes Pferd für Schlachten und Turniere, da nur wenige Rassen Ritter mitsamt ihrer Rüstung tragen konnten.

Später setzte Napoleon Ardenner für seine Feldzüge ein. Die kräftigen Tiere zogen Wägen, Geschütze und landwirtschaftliche Geräte.

Zur Zeitpunkt der Kreuzzüge begann man, orientalische Pferde wie Araber in die Ardenner einzukreuzen, um die Armeepferde leichter und wendiger zu machen.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Einsatzgebiet der Ardenner schließlich hin zur Landwirtschaft. Die Tiere mussten nun nicht mehr in den Krieg ziehen, halfen dafür aber bei schweren Arbeiten. Sie zogen Pflüge, schwere Lasten und Fuhrwerke.

Ab diesem Zeitpunkt kreuzte man wieder Kaltblutrassen ein, um die Tiere wieder stärker und massiver werden zu lassen. Die Neuzeit der Ardennerzucht wurde schließlich 1908 eingeleitet, als das erste Stutbuch in Frankreich eingeführt wurde.

Heute werden Ardenner vor allem als Fleischlieferant gehalten, wobei sich aber in jüngster Zeit wieder ein Schwenk hin zum Reitpferd abzeichnet. Besonders dafür werden oft Araber eingekreuzt, um wendigere und ein wenig kleinere Typen herauszuzüchten.

Der ursprüngliche, massive Typ, wird vor allem im Ursprungsgebiet und in Schweden weiterhin reingezüchtet.

Aussehen des Ardenners

Ardenner

Der durchschnittliche Ardenner bleibt mit einem Stockmaß von ca. 160 cm etwas kleiner als andere Kaltblutrassen. Diese fehlende Größe macht er hingegen mit Muskelmasse wett.

Die Tiere bringen 800 bis 1000 kg auf die Waage, wobei Masttiere diese Werte sogar noch übertreffen können. Trotz der Masse ist der Ardenner flink und bewegungsfreudig.

Der Körper ist breit und gedrungen, die Beine kurze und stämmig. Auf einem kurzen Hals sitzt ein relativ kleiner Kopf, der entweder gerade geformt ist oder eine leichte Ramsnase aufweist.

Oft tragen Ardenner dichten Fesselbehang, der etwas dunkler gefärbt ist als das meist braune oder rote Fell des Körpers. Die Robustheit dieses Körperbaus spiegelt sich auch in der Haltung wider. Der Ardenner trotzt Wind und Wetter und ist genügsam und zäh, was seine Haltung sehr einfach macht.

Obwohl es die Masse nicht vermuten lässt, ist er dadurch ein geeignetes Anfängerpferd. Im Gegensatz zu anderen Rassen verzeiht er kleine Fehler nämlich leicht. Zugarbeit verrichtet er gerne, auch der Reitsport bereitet ihm Freude.

Charakter und Wesen

Der Ardenner gilt vor allem als ruhig, besonnen und geduldig. Zwar hat er einen hohen Bewegungsdrang, aber er ist auch gehorsam. Das macht ihn trotz seiner Größe zu einem geeigneten Pferd für Anfänger und ängstliche Reiter.

Zusätzlich hat der Ardenner sein Temperament immer gut in Griff, was ihn selbst in brenzligen Situationen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Auf einen Ardenner ist damit immer Verlass.

Durch den robusten Körper ist der Ardenner auch sehr ausdauernd, was nicht nur in der Arbeit wichtig ist, sondern auch lange, anstrengende Ausritte ermöglicht.

Lässt man dem Ardenner freien Lauf, ist er aber durchaus auch lebhaft und verspielt. Für seine Masse ist er nämlich erstaunlich agil.

Haltung und Ernährung

Die Haltung eines Ardenners stellt sich als sehr einfach dar. Die Tiere sind genügsam und vertragen auch widrige Bedingungen. Daher eignet sich die Rasse vorzüglich für einen ganzjährigen Freilauf.

Aber wie bei anderen Rassen auch, gilt: Das Pferd soll selber entscheiden können, ob es seine Zeit im Freien verbringt oder lieber einen geschützten Unterstand sucht. Dem Bewegungsdrang solltest Du mit weiten Koppeln Rechnung tragen.

Ansonsten gilt dasselbe wie für andere Pferde auch: Der Ardenner braucht soziale Kontakte und eine gesunde Ernährung in Form von Heu, Stroh, Gras oder Silage. Besonders Ardenner, die starke Arbeit verrichten müssen, dürfen vemehrt Kraftfutter gereicht bekommen.

Allgemein gibt es bei der artgerechten Ernährung von Pferden nur einige wenige Dinge zu beachten. Der Ardenner stellt hier keine besonderen Ansprüche.

Heute werden Ardenner vor allem in der Forstwirtschaft eingesetzt, wo sie helfen, die schweren Baumstämme ans Ziel zu bringen. Durch den Fesselbehang eignen sich die Tiere auch als attraktive Kutschpferde.

Oft reicht aufgrund der hohen Kraft bereits ein einziger Ardenner, um eine Kutsche zu ziehen. Als Reitpferd kann er bereits für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden.

Er kann aber auch schwere und große Reiter mühelos tragen. Sogar leichte Sprungeinheiten lassen sich mit dem Ardenner reiten.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Die Erziehung stellt sich als ähnlich einfach heraus wie die gesamte Haltung der Ardenner. Das Pferd ist geduldig und lernwillig und Du wirst keine Probleme damit haben, Deinem Tier neue Aufgaben beizubringen.

Pflege

Die regelmäßige Fellpflege ist beim Ardenner so wichtig wie bei jedem anderen Pferd auch. Neben der Beseitigung von Unreinheiten und Verfilzungen stärkt das Bürsten auch die Bindung zu Deinem Pferd.

So wie sich Pferde auf der Weide gegenseitig beknabbern, sieht Dein Pferd auch das Striegeln als sanften Liebesbeweis. Die Hufe solltest Du regelmäßig auskratzen und alle paar Wochen vom Hufschmied untersuchen lassen.

Der schneidet die Hufe nach und beschlägt sie gegebenenfalls. Achte darauf, dass je nach Untergrund und Einsatzgebiet nicht jedes Pferd einen Hufbeschlag benötigt.

Besonders Kaltblutrassen neigen zu starkem Wachstum der Kastanien. Diese müssen gekürzt werden, wenn sie zu lang werden.

Das kannst Du entweder selber mit einer Hufzange erledigen oder Du bittest ebenso den Hufschmied bei seinen regelmäßigen Kontrollterminen darum.

Gesundheit und typische Krankheiten

Regelmäßige Impfungen, vor allem gegen Tetanus, sollten für jedes Pferd selbstverständlich sein. Ebenso verhält es sich mit Routineuntersuchungen beim Tierarzt.

Dieser untersucht den Gesamtzustand des Tieres genauso wie die Abnutzung und Gesundheit der Zähne. Je nach Abrieb muss hier mit einer Feile nachgeholfen werden.

Die nachgesagte Robustheit des Ardenners schlägt sich auch in der Gesundheit nieder. Die Rasse ist bekannt dafür, jegliche Krankheiten abblitzen zu lassen. Auch zur Lahmheit neigt er wesentlich weniger als andere Pferderassen.

Die einzige Krankheit, für die der Ardenner anfällig ist, ist die Mauke. Diese Entzündung der Fesselbeuge betrifft vor allem Pferde mit dichtem Fesselbehang. Symptome sind Hautrötungen und Ekzeme. Solltest Du diese bei Deinem Pferd feststellen, konsultierst Du am besten den Tierarzt.

Dieser wird Dir Medikamente oder Umschläge für die betreffenden Stellen empfehlen. Auch solltest Du während der Heilungsphase auf penible Sauberkeit im Stall sorgen, um den Prozess zu unterstützen.

Lebenserwartung

Ardenner

Diese niedrige Anfälligkeit für Krankheiten wirkt sich aber leider nicht auf eine erhöhte Lebensdauer aus. Die Lebenserwartung von Pferden ist stark von ihrer Größe abhängig.

Ähnlich wie bei Hunden sind kleinere Rassen langlebiger als große. Obwohl beide als Robustrassen gelten, kann beispielsweise ein Islandpferd locker doppelt so alt werden wie ein Ardenner.

Im Durchschnitt kannst Du bei einem Kaltblut mit einer Lebenserwartung von 20 Jahren rechnen. Methusalems mit 30 Jahren sind hier hingegen eher selten. Du darfst aber auch nicht enttäuscht sein, wenn Dein Ardenner bereits mit 15 Jahren das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat.

Dafür sind Ardenner aber bereits ein wenig früher ausgewachsen als andere Pferdrassen und können entsprechend früher ausgebildet und geritten werden.

Pferderasse Ardenner kaufen

Da der Ardenner ein wenig aus der Mode gekommen ist, dürfte es sich heute als nicht ganz so einfach erweisen, einen Züchter zu finden. Die meisten heutigen Ardenner befinden sich nämlich in der Fleischwirtschaft und diese Tiere eignen sich nicht als Freizeitpferd.

Am ehesten wirst Du im Ursprungsgebiet der Rasse fündig, also in Frankreich, Belgien und Luxemburg. Auch im Saarland und in der Pfalz wird eine eigene Linie gezüchtet, der sogenannte Pfalz-Ardenner.

Je nach Alter und Zustand des Tieres musst Du mit einem Anschaffungspreis von durchschnittlich 5000 Euro rechnen. Achte bei einem Kauf darauf, dass das Tier aus guter Haltung kommt, alle Impfungen erhalten hat und Papiere vorweisen kann.

Frage unbedingt auch danach, wie der Ardenner bereits eingesetzt wurde, damit Du weißt, welche Kommandos das Tier bereits beherrscht.

Weitere Dinge, die Du vor der Anschaffung eines Ardenners beachten solltest sind eine Versicherung, ob Du bereits das richtige Zubehör besitzt, sowie die Unterbringung, falls Du keinen eigenen Hof hast.

Entscheidungshilfe

Der Ardenner eignet sich besonders für Anfänger. Wenn Du also gerade überlegst, Dir Dein erstes Pferd zuzulegen, dann solltest Du unbedingt auch über einen Ardenner nachdenken.

Er ist ein genügsames und zuverlässiges Reitpferd, auf dem Du Dich auch als Reitanfänger sicher fühlen kannst. Denn der Ardenner wird Dich niemals abwerfen.

Vielleicht aber suchst Du auch einen Freizeitpartner, der dir hin und wieder bei schweren Arbeiten zur Hand geht. Oder aber Du suchst ein braves und ausdauerndes Kutschpferd.

Für all dies ist der Ardenner vorzüglich geeignet. Achte nur darauf, dass die Tiere einen höheren Futterverbrauch haben als kleinere, schlankere Rassen. Auch dem Bewegungsdrang der Ardenner solltest du genug Freiraum bieten können.

Wenn Du diese Vorgaben erfüllst, dann kannst Du in einem Ardenner einen langjährigen und treuen Gefährten finden, der Dich in keiner Situation in Stich lässt und den meisten Krankheiten genauso wie harschen Wetterbedingungen mühelos trotzt.

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