Tarpan

Lesedauer: 8 Minuten Aufrufe 1828

Größe:
125 – 135 cm
Gewicht:
200 – 250 kg
Herkunft:
Polen
Lebensdauer:
25 – 30 Jahre
Farbe:
Falben mit Aalstrich
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Mittelgroß, schwer
Körper
Kurzer Hals, stämmig
Gang
Leichtfüßig, trittsicher
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Der interessante Tarpan besitzt mehr „wildes“ Aussehen als wilden Charakter. Im Grunde ist er ein gutmütiges Pony.

Ab und zu zeigt er doch seine harsche Seite und will seinen Willen durchsetzen.

Rassebeschreibung

Die Pferderasse Tarpan bezeichnet ursprünglich ein Wildpferd, das von der Iberischen Halbinsel bis in die russischen Steppen verbreitet war.

Im 19. Jahrhundert starb der letzte Vertreter dieser Rasse. Heute ist der Tarpan wieder eine anerkannte Rasse.

Sie beruht auf Rückzüchtungen anhand des Erscheinungsbildes der ursprünglichen Tiere.

Herkunft und Rassegeschichte

Der Tarpan ist eine sehr alte Pferderasse. Seine ursprüngliche Wildform gehört zusammen mit dem Przewalski-Pferd zu den Ausgangsformen der heutigen Hauspferde.

Das Verbreitungsgebiet des Tarpan dehnte sich über ganz Europa aus. Durch intensive Jagd schrumpfte es im 16. Jahrhundert auf ein Gebiet von Mitteleuropa bis zum Ural.

Es gab zwei Typen des Tarpan: In Mittel- und Osteuropa lebte der kräftigere Waldtarpan. In den Steppen Südrusslands war der Steppentarpan heimisch. Dieser war kleiner und feingliedriger.

Der Tarpan lebte zunächst wild in großen Herden mit bis zu 100 Tieren. Vor etwa 6000 Jahren begann die Domestizierung eines Teils der Pferde. Bis ins 18. Jahrhundert lebten freie Herden im Süden der Ukraine, dem unteren Djneper und der Krim.

Die domestizierten Tiere wurden als Arbeitspferd eingesetzt. Der Tarpan war Packpferd und Fahrpferd. Das Fleisch der Tiere diente besonders in den harten Wintern als Nahrung, es galt beim Adel allerdings auch als Delikatesse.

Die intensive Jagd trug letztendlich mit dazu bei, dass die Tiere ausstarben. Ein anderer Grund war die Kreuzung mit Hauspferden, die den reinblütigen Bestand verringerte.

Im 18. Jahrhundert erkannte der russische Fürst Zamojski das langsame Aussterben des Tarpan und versuchte, die Reinrassigkeit zu bewahren. Er besaß eine der letzten reinrassigen Herden der Wildpferde.

Ein unerwartet harter Winter reduzierte seine Geldmittel für die Unterhaltung der Tiere so stark, dass er sie an Bauern abgeben musste. Die Bauern konnten die kleinen Tiere nicht für die Feldarbeit nutzen und kreuzten sie mit anderen Pferden.

So entstanden die Koniks. Ende des 19. Jahrhunderts ist der Tarpan ausgestorben. In den 1930er Jahren begann Heinz Heck im Tierpark Hellabrunn in München, den Tarpan rückzuzüchten. In Polen gab es ebenfalls Rückzüchtungen.

Es handelt sich um so genannte Abbildzüchtungen. Wie der Tarpan wirklich aussah, ist nicht eindeutig belegt. Die Züchtungen sind eine Annäherungen an ein bestimmtes Bild des Ur-Tarpans. Die Zucht beschränkt sich auf verschiedene Merkmale, die der Tarpan wohl hatte.

Als Quellen für die Rückzüchtungen dienen hauptsächlich zwei Beschreibungen von Naturforschern. Der Deutsche Samuel Gottlieb Gmelin und der Russe Peter Simon Pallas beobachteten wilde Herden im 18. Jahrhundert.

Ob die ursprüngliche Form eine Stehmähne besaß, ist umstritten. Der heutige Tarpan entstand aus Kreuzungen von Koniks, Huzulen oder Dülmener Pferden, Przewalski-Pferden, isländischen, skandinavischen und polnischen Ponys.

Tarpan-Wildherden kannst Du heute wieder beobachten. In Deutschland beispielsweise in der Haselünne oder im Popielno Wald in Polen. Der Tarpan gilt als leicht gefährdete Rasse.

Aussehen des Tarpans

Tarpan

Individuen der heutigen Rasse haben ein Stockmaß von 125 bis 135 cm und kommen auf ein Gewicht von 250 kg. Typisch für den Tarpan ist das graue Fell mit Aalstrich, also einem dunklen Strich auf dem Rücken.

Es gibt Varianten in verschiedenen gelblichen und bräunlichen Tönen. Alles sind Falben das heißt der Körper der Pferde ist stets hell, die Haare und Abzeichen immer dunkel.

Der Tarpan trägt oft ein Schulterkreuz als Abzeichen sowie Querstreifen an den dunkleren Beinen (Zebrastreifen). Die großen Nüstern sind dunkel. Die langen Haare von Mähne, Schopf und Schweif sind dicht und rau.

Die Mähne ist bei manchen Tieren zweifarbig. Das Fell ist länger als bei Hauspferderassen und sehr dicht. Typisch ist die farbliche Aufhellung im Winter. Den Bezug zum Wildpferd siehst Du beim Tarpan sofort.

Es wirkt kompakt und primitiv. Das Fell ist nicht so glänzend und glatt anliegend wie bei Haustierpferden. Es wirkt rauer. Der mittelgroße, schöne Kopf ist schwer und wird von den kräftigen Ganaschen (den Backen) bestimmt.

Auffallend ist die Ramsnase, also eine runde Nase mit konkavem Profil, die die Pferde meistens zeigen. Sie können auch einen geraden Kopf oder einen Ramskopf besitzen. Nasenrücken und Stirn der Tiere sind auffallend breit. Die Ohren sind klein.

Der Hals ist kurz und stark, er sitzt mäßig hoch an den gut schrägen Schultern. Mitunter sind die Unterhalsmuskeln sehr ausgeprägt, manchmal zeigt die Oberlinie des Halses eine schöne Rundung. Der Hals endet in einem flachen Widerrist.

Der Tarpan hat einen kurzen, geraden Rücken mit kurzer, runder und leicht abfallender Kruppe. Der Schweif ist tief angesetzt. Brust und Rippen weisen eine mäßige Breite im gut geschlossenen Rumpf auf.

Das Fundament des Tarpan ist stabil, trocken und feingliedrig. An den kurzen, teils stämmigen Beinen kannst Du Muskeln, Sehnen und Knochen gut erkennen.

An den Fesseln tragen die Tarpane hin und wieder einen leichten Behang. Die mittelgroßen Hufe des Tarpan sind rund und sehr hart.

Charakter und Wesen

Ein Tarpan hat seinen eigenen Charakter. Jedes Pferd dieser Rasse ist anders. Grundsätzlich sind die Pferde jedoch kluge, gutmütige Tiere. Ihre Vorfahren waren scheue Pferde und dennoch mutig.

Es ist überliefert, dass Tarpan-Hengste domestizierte Stuten entführten, dabei domestizierte Hengste angriffen und mitunter töteten. Diese Zwiespältigkeit im Charakter zeigen die heutigen Pferde auch.

Sie können offen, neugierig und zugänglich sein, doch auch eigenwillig und stur. Dann lassen sie sich wenig gefallen. Ein Tarpan ist genügsam, ausdauernd und robust.

Wenn Du Deinen Tarpan gut erziehst, zeigt er großen Arbeitswillen, ist zuverlässig und nervenstark. Besonders letzteres ist ein Merkmal der Tarpane. Sie strahlen eine fast greifbare Ruhe aus. Ein Tarpan neigt nicht zum Beißen oder Keilen.

Durch ihre Klugheit können sie schnell neue Lektionen lernen. Dann eignen sie sich als gutes Fahrpferd und Reitpferd für Kinder. Allerdings solltest Du die Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen.

Falls Du klein bist, ist es möglich, dass Du auf einem Tarpan reiten kannst. Dann musst Du ihn jedoch lange ausbilden. Denn die meisten Tarpane sind nicht an Führstrick oder gar Sattel gewöhnt.

Haltung und Ernährung

Haltung

Die Abstammung von wilden und halbwilden Pferden prädestinieren den Tarpan für die Haltung im Freien. Sein Fell ist dicht und schützt ihn vor Nässe und Kälte.

Tarpane können das ganze Jahr auf der Koppel verbringen. Der Tarpan ernährt sich von Gräsern, Kräutern, Knospen, Trieben und ausgewählten Sträuchern.

Ernährung

Die Nahrung ist stark kieselsäurehaltig. Wenn Dein Tarpan auf einer nährstoffreichen Wiese steht, bekommt er alles, was er braucht.

Falls Du eher Magerwiesen vor Deiner Haustür hast, kann es sinnvoll sein, ab und zu Mineralfutter zu geben.

Über einen Salzleckstein bekommt Dein Pferd ebenfalls wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente. Als Leckerli freut sich ein Tarpan über eine Möhre.

Allerdings solltest du mit Leckerlis jeglicher Form vorsichtig sein, um Koliken zu vermeiden. Im Winter kannst Du Heu und auch Kraftfutter an den Tarpan verfüttern.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Die Erziehung eines Tarpans hängt stark davon ab, wo Du ihn einsetzen willst. Möchtest Du Dich lediglich am Anblick der Tiere erfreuen und sie zur Beweidung einsetzen, musst Du ihnen nicht viel beibringen.

Wenn Du sie zum Reiten oder Fahren verwenden willst, solltest Du kontinuierlich mit ihnen arbeiten. Je nach Charakter des Pferdes musst Du Dich mehr oder weniger stark durchsetzen.

Du solltest konsequent in der Erziehung sein und Deinen Tarpan gut behandeln. Dann wird das eigenwillige Pferd kooperieren. In der Regel lernt ein Tarpan schnell, arbeitet gern und leistet viel.

Die Pferde sind zugstark vor dem Wagen. Manche Tarpane wurden sogar als Schul- und Therapiepferd sowie als Turnierpferd für Dressur- und Springturniere eingesetzt.

Dafür sind sie eigentlich nicht vorgesehen. Die Grenzen dieser Rasse in Bezug auf ihr Einsatzgebiet sind noch nicht ausgetestet.

Das Können der Pferde hängt stark von der Beziehung zur Reiterin und der Erziehung ab. Gut erzogene Pferde können auch für Anfänger geeignet sein. Rohe Pferde, also Pferde ohne Erziehung, sind dies nicht.

Pflege

Wenn Du mehrere Tarpane halten willst, putzen sie sich gegenseitig. Willst Du nur einen Tarpan halten, musst Du die Pflege übernehmen, besonders falls Du den Tarpan als Reit- oder Fahrpferd einsetzen möchtest.

Durch die Bewegung schwitzen die Tiere stärker. Sattel, Zaumzeug und Geschirr hinterlassen Druckstellen im Fell. Du solltest diese Stellen ordentlich bürsten, damit sich keine Entzündungen bilden.

Ebenso wichtig ist das Ausschneiden der Hufe. Auch wenn Dein Tarpan nur auf der Wiese steht, solltest Du hin und wieder nachsehen, ob die Hufe gesund sind. Grundsätzlich erneuern sich die Hufe von selbst.

Doch dieser Prozess läuft nicht immer ohne Probleme ab. In der Wildbahn lahmen solche Tiere dann und können im Ernstfall nicht mehr fliehen.

Um Deinem Tarpan gesund zu halten, solltest Du einen erfahrenen Hufschmied bestellen. Dieser beurteilt den Zustand der Hufe und kann sie artgerecht schneiden.

Grundsätzlich braucht ein Tarpan wenig Pflege. Es ist aber nicht so, dass Du Dich nie um diese Tiere kümmern musst.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Tarpan ist ein widerstandsfähiges Pferd. Es sind keine rassespezifischen Krankheiten bekannt. Wenn das Nahrungsangebot reichhaltig ist, neigen die Pferde zu Übergewicht.

Wenn Du sie auch im Winter auf der Weide stehen lässt, reguliert sich das Gewicht von selbst.

Der Tarpan verträgt auf Dauer keinen ständig feuchten Untergrund. Wenn er auf sumpfigen Wiesen steht, weichen die Hufe auf. Bakterien haben dann leichtes Spiel. Krankheiten wie Strahlfäule können die Folge sein.

Lebenserwartung

Tarpan

Bei guter Pflege und artgerechter Haltung erreicht ein Tarpan durchschnittlich ein Lebensalter zwischen 20 und 30 Jahren.

Pferderasse Tarpan kaufen

In Deutschland gibt es einige Züchter und Vereine, die die Rasse Tarpan züchten. Manchmal geben auch Zoos und Tierparks einen Tarpan ab. Die Rasse ist selten.

Für erwachsene Tiere mit guter Ausbildung zahlst Du zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Der Preis ist abhängig vom Alter, der Gesundheit, dem Stand der Ausbildung und dem Vorhandensein von Papieren (Equidenpass).

Tiere mit Ausweis sind immer teuer als solche ohne. Ein Tarpan, der gut eingeritten oder bereits als Zugpferd eingesetzt wurde, kostet mehr als ein Pferd, das bisher nur auf der Koppel stand.

Du interessierst Dich für Zugpferde? Wie wäre es mit dem Polo Pony oder dem Highland Pony?

Entscheidungshilfe

Ein Tarpan ist ein urwüchsiges Pony. In ihm steckt ein kleiner Teil Wildpferd. Das sollte Dir bewusst sein, wenn Du überlegst, einen Tarpan zu kaufen.

Die Pferde sind gutmütig, aber eben auch willensstark. Je nachdem, was Du mit dem Tarpan vorhast, solltest Du über Erfahrung im Umgang mit Ponys und Pferden besitzen.

Wenn Du ein Anfänger bist und einen schlecht ausgebildeten Tarpan kaufst, wird er Dir auf der Nase herumtanzen. Du solltest Dich auf jeden Fall vor einem Kauf ausgiebig mit der Rasse und Deinem auserwählten Tarpan bekannt machen.

Nicht jeder Charakter eines Tarpan passt zu jedem Menschen. Die Chemie muss stimmen.

Dann steht einer profunden Ausbildung und dem Vergnügen im Umgang mit dieser vielfältigen Rasse nichts im Wege.

Quellen

https://www.wildtierpark-edersee.eu/wp/de/tiereimpark/

https://wissenueberpferde.de.tl/

https://www.pferde-lexikon.de/Tarpan

Ähnliche Artikel

Kommentare

  1. Pingback: Anglo Araber
  2. Pingback: Huzule

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.