Murgese

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Größe:
150 – 168 cm
Gewicht:
650 – 700 kg
Herkunft:
Italien
Lebensdauer:
25 – 30 Jahre
Farbe:
Rappen
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Groß, ramsnasig
Körper
Kompakt, breit
Gang
Locker
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Italien ist bekannt für gutes Essen, guten Wein und herrliche Urlaubsorte. Was die meisten nicht wissen: Italien hat – neben dem Lipizzaner und dem Friesen – eine der schönsten Barock-Pferderassen der Welt, den Murgese.

In diesem Artikel haben wir alles Wissenswerte über die Pferderasse Murgese für Dich zusammengestellt.

Rassebeschreibung

Der Murgese ist ein stattliches Barockpferd und präsentiert sich – wie der schöne Friese – überwiegend in Schwarz. Es ist mit einer der ältesten Pferderassen, außerhalb Italiens aber kaum bekannt.

Das stattliche, muskulöse Barockpferd stammt aus der Region Murgia in Apulien und ist damit ein waschechter Süditaliener.

Der Murgese ist ein ausgezeichnetes Reitpferd, wird aufgrund seiner stattlichen Statur in seiner Heimat aber auch als Rückepferd bei der Holzernte, als Forst- und Polizeipferd eingesetzt.

Herkunft und Rassegeschichte

Der Ursprung des Murgese geht weit bis in das 13. Jahrhundert zurück. Als direkter Nachkommen der legendären Neapolitaner, entwickelte sich in der Murge, einer Region in den steinigen, trockenen Bergen Apuliens, ganz im Süden Italiens gelegen, die nicht nur wunderschöne, sondern auch robuste Pferderasse.

Auch heute noch wird der Murgese überwiegend in dieser Region gezüchtet.

Die Geschichte der Murgesen

Ausschlaggebend für die Entstehung und Zucht dieser Rasse ist der damalige Stauferkaiser Friedrich II. , der in den Jahren zwischen 1212 und 1250 über das Römische Reich herrschte.

Immer auf der Suche nach einem kräftigen und zuverlässigen Schlachtross, Pferde in der harten und unwirtschaftlichen Region zu züchten. Er hoffte auf Pferde, die stark, robust und mit besonders kräftigen Beinen und harten Hufen ausgestattet sind.

Innerhalb kürzester Zeit gründete Friedrich der Zweite in der Murge drei Gestüte, auf denen er mit viel Liebe und Begeisterung die Murgesen züchtete.

Allerdings spielte nicht nur die Auswahl der Zuchtpferde eine größte Rolle, um die Murgesen zu den Pferden zu machen, die sie heute sind, sondern die Aufzucht der Pferde.

Die Aufzucht der Murgese

In dem kargen, steinigen und bergigen Gebiet wachsen die Pferde im Herdenverband zweieinhalb Jahre halbwild auf.

Die Landschaft ist es auch, die dem Murgese seine Trittsicherheit, die starken Hufe und kräftigen Beine, seine Widerstandsfähigkeit, Mut und seine Ausdauer verleihen.

Würden die Pferde auf saftigen grünen Wiesen oder gepflegten Weiden aufwachsen, ginge der Charakter dieser herrlichen Barockpferde verloren. Die Murge macht sie zu dem, was sie sind: stolze, liebenswürdige und etwas wilde Italiener.

Der Murgese heute

Als Schlachtross kämpfte der Murgese schon in Kriegen und trug seinen Reiter zuverlässig und ausdauernd durch das unwegsamste Gelände.

Die Zucht der Rasse wurde im 19. Jahrhundert in die Hände der Bauern gegeben, da der Murgese in dieser Zeit überwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt wurde.

Es sollen zu dieser Zeit auch zwei Schläge existiert haben: einmal der schwere Arbeitsschlag und den leichteren Schlag.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren beide Schläge der Pferderasse jedoch fast ausgestorben, die Zucht der wunderschönen und kräftigen Pferde stagnierte.

Durch Eingreifen des italienischen Landschaftsministeriums im Jahr 1926, um die alte und schöne Pferderasse zu erhalten und strenger Selektion in der Reinzucht im Gestüt Foggia gelang es, die Rasse zu retten.

1948 wurde dann der erste Zuchtverband für die Murgesen geründet, der 1990 noch einmal komplett reorganisiert wurde und für die Zuchtschauen zuständig ist. Fohlen erhalten nur ihre Papiere, wenn die dem Verband in einer Zuchtschau vorgestellt wurden.

Heute gehen fast alle Murgesen auf drei der bedeutesten Hengststämme – Granduca, Nerone und Araldo, zurück. Diese drei Hengstlinien stammen noch aus der Zeit Friedrich des Zweiten.

Aussehen des Murgesen

Murgese

Der Murgese ist vom Typ ein sogenanntes Wirtschaftspferd. Das Stockmaß beträgt zwischen 150 cm bis 168 cm, der Murgese ist also ein mittelgroßes Pferd.

Markant sind bei dem italienischen Murgese der große, schön geformte Kopf mit der Ramsnase, die dunklen, intelligenten und ausdrucksvollen Augen und – wie beim Friese – der hoch aufgesetzte und sehr kräftige Hals.

Der Hals geht in eine leicht geneigte Schulter von ausreichender Länge über. Der Widerrist ist gut angesetzt, der Rücken gerade und gut getragen, die Brust ist breit und muskulös.

Die Kruppe ist wohlproportioniert und kräftig. Der Körper ist kompakt und verfügt über ausreichend Tiefe und Breite. Auffällig sind auch die Beine der schwarzen Schönheiten.

Sie sind stabil, verfügen über große, kräftige Gelenke und harte, gut ausgerichtete und schwarze Hufe.
Die Mähne und der Schweif sind üppig und schwarz.

Bei der Fellfarbe kommt überwiegend der Rappe vor. Nur circa 3 Prozent aller Tiere sind Mohrenkopfschimmel. Abzeichen sind nicht erwünscht.

Charakter und Wesen

Der Murgese ist ein echter Italiener – liebenswürdig im Charakter, stolz im Auftreten und etwas wild im Verhalten. Der Murgese zeichnet sich durch einen freundlichen, ausgeglichenen Charakter und ein lebhaftes Temperament aus.

Der Murgese sind bekannt für seine absolute Trittsicherheit, Ausdauer und Lauffreude. Die Bewegungen sind gebunden. Die Reiteigenschaften der Murgesen sind hervorragend, die Einsatzmöglichkeiten für die wundervollen Pferde vielfältig.

So können sie als zuverlässiges Kutschpferd, als Forst- und Polizeipferd oder als Freizeitpferd eingesetzt werden.

Durch ihre hohe Versammlungsfähigkeit machen sie auch im Dressurreiten eine sehr gute Figur.

Der Murgese ist gutmütig, intelligent und hat eine hohe Arbeitswilligkeit – kurz, ein wahrer Allrounder und der ideale Freizeitpartner.

Haltung und Ernährung

Diese robuste Pferderasse stellt keine allzu hohen Ansprüche. Der Murgese sollte regelmäßig bewegt und gearbeitet werden. Er ist für eine Boxhaltung ebenso geeignet wie für den Offenstall.

Wichtig ist eine gute und intensive Beziehung zu diesen Pferden, nur so entwickeln sie sich zu den wundervollen, gehorsamen und gutmütigen Pferden, für die sie bekannt sind.

Bei der Ernährung Deines Pferdes solltest Du auf hochwertiges und ausgewogenes Futter achten.

Viele Pferdehalter meinen es zu gut. Da der Murgese in seiner Heimat ein Arbeitspferd ist, sprich er in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt wird oder als Polizeipferd regelmäßig im Einsatz ist, ist die Fütterung dieser Pferde ihrem Einsatz und „Kalorienbedarf“ angepasst.

Als Freizeitpferd wird der Murgese, der ein guter Futterverwerter ist, nicht so oft und regelmäßig gefordert.

Erhält Dein Pferd nun zu viel Futter, kann es schnell verfetten. Eine den Umständen angepasste Fütterung nicht zu eiweißhaltigem Futter ist daher ratsam.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Murgesen sind intelligente und arbeitswillige Pferde. Die lernen dank ihrer Klugheit schnell und gerne. Der Murgese ist allerdings ein Pferd, der sich nicht auf jeden Reiter oder Halter einlassen kann.

Der Murgese braucht quasi einen „Langzeitpartner“, dem er vertrauen und auf den er sich einlassen kann. Hast Du allerdings erst einmal eine Beziehung zu Deinem Murgesen aufgebaut, folgt er Dir bedingungslos durch dick und dünn.

Der Murgese ist ein ruhiges Pferd, welches sich extrem über eine lange Zeit konzentrieren kann. Setzt Du eine liebevolle, sanfte Konsequenz bei der Erziehung ein, ist die Erziehung dieser tollen Pferderasse kinderleicht.

Pflege

Die Pflege ist ein besonderer Bestandteil bei der Pferdehaltung. Mit der regelmäßigen Pflege stärkst Du die Bindung zwischen Dir und Deinem Murgesen. Es lernt, dass es Dir vertrauen kann und es tut ihm gut.

Die Pflege Deines Pferdes ist auch wichtig, um Haut- oder Hufkrankheiten vorzubeugen und sie schneller zu erkennen. Beim Striegeln, bürsten oder kämmen fallen Dir auch Verletzungen schneller ins Auge.

Für die Pflege benötigst Du natürlich das passende Zubehör. Für den Kopf benötigst Du einen weichen Schwamm oder eine sehr weiche Kopfbürste.

Für den Körper und die Beine brauchst Du einen Striegel, eine Wurzelbürste für gröberen Schmutz und die Kardätsche. Für die Hufe einen Hufkratzer und Huffett. Mit dem Striegel die empfindlichen oder knochigen Stellen auslassen.

Das Zubehör erhältst Du in jedem Fachgeschäft.
Damit die üppige Mähne Deines Murgesen nicht so schnell zerzaust oder gar verfilzt, kannst Du sie flechten.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Murgese ist ein robustes und gesundes Pferd. Das verdankt er seiner Herkunft und seiner Aufzucht. Typische Pferdekrankheiten wird man bei einem Murgese nicht finden.

Dennoch kann auch ein robustes Pferd erkranken. Die Hufe des Murgesen sind zwar hart und fest, sollten jedoch stets gut sauber und trocken gehalten werden, um Mauke vorzubeugen, die unter Umständen bei jedem Pferd auftreten kann.

Lebenserwartung

Murgese

Der schöne und stolze Murgese verbringt während seiner ersten 2 1/2 Jahre in einem Herdenverband. Halbwild können die Pferde in der kargen, unwirtschaftlichen Region Apuliens ihre Freiheit genießen.

Diese schwierige Landschaft mit klirrender Kälte im Winter und trockene, heiße Sommer macht den Murgesen kräftig, robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten.

Bei ordentlicher Haltung und guter Pflege und Ernährung kann ein Murgese Dir 25 bis 30 treu zur Seite stehen.

Pferderasse Murgese kaufen

Züchter für Murgese gibt es in Deutschland nicht. Es gibt Stallungen und Höfe, die Murgesen anbieten, allerdings sind diese Pferde in der Regel direkt aus Italien importiert.

Einen Murgese findest Du über Kleinanzeigen und auf entsprechenden Pferdemärkten. Viele Pferdemärkte stellen ihre Verkaufspferde in der Regel auch online ein, sodass Du vorab schon eine Vorauswahl treffen kannst.

Wenn Du über die Möglichkeit verfügst, Dein Pferd auch über eine längere Strecke hin abzuholen, kannst Du Dir einen Murgese direkt bei einem Züchter in Italien holen.

Hier in Deutschland starten die Preise für einen dieser wunderschönen schwarzen Perlen bei circa 5.000 Euro. Um einen „echten“ Italiener zu bekommen, schau Dir die Papiere Deines zukünftigen Pferdes genau an. Eine Ankaufuntersuchung durch einen Tierarzt ist bei jedem Pferdekauf ratsam.

Entscheidungshilfe

Der Murgese ist ein temperamentvolles, robustes und ein wunderschönes Pferd mit einem eignen Kopf. Er ist nicht stur oder dickköpfig, sondern anfangs nur etwas reserviert. Der Murgese möchte einen Menschen ganz für sich, eine Art „Langzeit-Partnerschaft“.

Er ist gutmütig, freundlich und sehr arbeits- und lernwillig. Vorausgesetzt, Du hast sein Vertrauen gewonnen und eine Beziehung mit ihm aufgebaut.

Am Anfang Eurer Beziehung wird der Murgese sparsam mit seiner Energie umgehen, es kann passieren, dass Du Kommandos zwei, dreimal wiederholen musst, bevor er reagiert.

Forderst Du den Gehorsam dann vehement ein, kann es passieren, dass Dein Pferd sich komplett verweigert. Hast Du den Murgesen aber mit viel Liebe, Geduld und Sanftmut von Dir überzeugt, hast Du ein Pferd, welches Dich mit stoischer Ruhe begleiten wird.

Der Murgese ist ein ideales Freizeitpferd, für die Dressur bestens geeignet, ein verlässliches, ruhiges Kutschpferd und für Forst- und Landwirtschaftliche Arbeiten zu empfehlen.

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