Islandpferd

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Größe:
125 – 148 cm
Gewicht:
300 – 500 kg
Herkunft:
Island
Lebensdauer:
25 – 35 Jahre
Farbe:
Bis auf Tigerschecken sind alle Farben möglich
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Kräftig
Körper
Pony- bis Reitpferdetyp
Gang
Drei-, Vier- und Fünfgänger
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Das Islandpferd ist eine aus Island stammende Gangpferderasse, die seit rund 1000 Jahren über eine Reinzucht verfügt. Einst brachten die Wikinger ihre germanischen Ponys aus Norwegen mit auf die Insel und kreuzten sie mit keltischen Ponys.

Das Ergebnis war ein trittsicheres und robustes Pony, das auch kräftige Männer reiten können und das den Widrigkeiten des rauen Klimas auf der Vulkaninsel im Nordwesten Europas trotzen kann.

Neben der vielfältigen Optik sind es besonders der Tölt und Pass, zwei genetisch fixierte Gangarten, die je nach Veranlagung des Pferdes vorhanden und ausgeprägt sind, und auf denen die Beliebtheit des Islandpferdes fußt.

Doch nicht nur der bequeme Tölt und rasante Rennpass lässt das Herz vieler Menschen höher schlagen: Das Islandpferd verfügt über einen überaus freundlichen und ausgeglichenen Charakter und ist obendrein unkompliziert in der Haltung. 

Rassebeschreibung

Das Islandpferd ist eine aus Island stammende Kleinpferderasse, die trotz ihres Stockmaßes unter 148 cm nicht als Pony eingestuft wird.

Dank seines kräftigen Körperbaus kann das Islandpferd problemlos von Erwachsenen geritten werden und ist in Deutschland mit rund 65.000 Pferden eine der beliebtesten Pferderassen.

Herkunft und Rassegeschichte

Bereits im 9. Jahrhundert brachten Wikinger die ersten Ponys nach Island. Es war Ingolfur Arnason, der auf der Flucht war vor der Herrschaft des norwegischen Königs Harald I. Schönhaar.

Arnason war auf der Suche nach neuem Land, um es zu besiedeln. Im Gepäck hatte er nicht nur seine Familie, sondern auch germanische Ponys. Auf Zwischenstation in Schottland und Irland gesellten sich keltische Ponys dazu.

Es war eine kluge Entscheidung von Ingolfur Arnason Ponys mit auf die raue Insel im Norden zu nehmen. Denn ohne ihre Pferde wären die Wikinger kaum in der Lage gewesen, auf Island zu überleben.

Zu unwegsam ist das Gelände, zu gefährlich die Gletscher und Hochebenen. Nicht umsonst entwickelten die Menschen auf Island eine enge Bindung zu ihren Pferden.

Das Islandpferd ist bis heute nicht nur treuer Begleiter, sondern auch Statussymbol der Isländer. Eines kannst Du Dir sicher sein: Der Isländer liebt sein Islandpferd!

Es ist nicht umsonst Teil vieler Sagen und Mythen. Ein Zeichen der Wertschätzung an ihr Islandpferd war 930 der Beschluss, ein Einfuhrverbot für Pferde zu verhängen.

Anlass war die Gründung des Althings, die älteste gesetzgebende Versammlung auf Island. Bis heute darf kein Pferd nach Island einreisen, selbst, wenn es von da stammt.

Die Wikinger fürchteten einst, ihr Islandpferd könnte durch Kreuzungen mit anderen Pferden die von ihnen geschätzten Eigenschaften verlieren.

Heute ist es die Angst vor Seuchen und Krankheiten, die das Einfuhrverbot für ausnahmslos jedes Pferd aufrechterhalten lässt und nochmals 1909 fixiert wurde.

Aufgrund dieser Maßnahme und der daraus entstandenen Isolationszucht gilt das Islandpferd als eine der weltweit ältesten Reinzuchten. Es wird kein Pferd ins Zuchtbuch aufgenommen, dessen Abstammung sich nicht lückenlos bis nach Island zurückverfolgen lässt.

Das Islandpferd erlebte im Jahr 1783 einen herben Rückschlag, als ein Vulkanausbruch und der daraus folgende Ascheregen für eine Weidevergiftung sorgten.

Die Population des Islandpferdes schrumpfte zu diesem Zeitpunkt von über 30.000 Pferden auf nur rund 8.000. Erst ab 1970 wuchs die Islandpferde-Anhängerschaft in Deutschland immer mehr, obwohl bereits in den Jahren zuvor einige Reiter gefallen aus den Ponys aus dem Norden gefunden hatten.

Die heutige Popularität des Islandpferdes ist unter anderem Walter Feldmann zu verdanken.

Aussehen des Islandpferdes

Das Aussehen des Islandpferdes variiert von Pferd zu Pferd. Grundsätzlich handelt es sich beim Islandpferd um ein Kleinpferd, welches in der kalten Jahreszeit ein ausgeprägtes Winterfell entwickelt.

Bei einem Stockmaß von 130 bis 148 cm bringt das Islandpferd rund 300 bis 500 kg auf die Waage. Beim Islandpferd wird zwischen zwei Zuchtrichtungen unterschieden.

Trotz der Trennung eines älteren und moderneren Typs, ist durch das charakteristische Aussehen der Pferde auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zur Rasse erkennbar.

Viele Pferde stehen im älteren Ponytyp, der sich durch verschiedene Merkmale auszeichnet und das Islandpferd stabil wirken lässt. Gerne werden Pferde aus dieser Zuchtrichtung als Gewichtsträger bezeichnet.

Bedingt durch ihren Körperbau können sie auch erwachsene Menschen problemlos tragen.

Diese Merkmale zeichnen das Islandpferd aus

  • Kurze, kräftige Beine
  • Gedrungener Rumpf
  • Kräftiger Kopf mit ausgeprägten Ganaschen
  • Kräftige Gelenke

Im Gegensatz dazu steht der moderne Typ, der aktuell in der Zucht am häufigsten verfolgt wird. Im Fokus steht bei diesem Zuchtziel ein modernes und elegantes Reitpferd.

Markant ist bei solchen Pferden, dass sie deutlich langlinieger, eleganter und feiner sind. Neben der sportlichen Erscheinung wird zudem wert auf üppiges Langhaar und viel Vorderhandaktion gelegt.

Inwiefern ein Islandpferd dieses Typens überhaupt noch als Gewichtsträger bezeichnet werden kann, wird immer wieder diskutiert.

Charakter und Wesen

Alle Islandpferdeliebhaber schätzen nicht nur das besondere Gangwerk ihres Pferdes, sondern vor allem seinen Charakter. Das Islandpferd ist mutig, ausgeglichen und jederzeit freundlich.

Da es auf Island viele Jahrhunderte keinen natürlichen Fressfeinden ausgesetzt war, ist es außerdem recht unerschrocken und begegnet unbekannten Situation in aller Regel äußerst gelassen.

Bedingt durch seine Herkunft ist das Islandpferd zudem selbstbewusst und ponytypisch unabhängig. Es arbeitet gerne mit dem Menschen zusammen und ist ihm zugewandt, eine gewisse Eigenständigkeit im Charakter verliert das Islandpferd allerdings nie.

Ein Islandpferd kann bei entsprechender Erziehung problemlos von Kindern geritten werden – ein weiterer Aspekt, der das Wesen des Pferdes ausmacht und es als Familienpferd äußerst attraktiv werden lässt.

Haltung und Ernährung

Bedingt durch seine Herkunft und die damit einhergehende Robustheit eignet sich das Islandpferd ideal für eine ganzjährige Haltung im Freien.

Trotz seiner Wetterfestigkeit sollte dem Islandpferd allerdings über das gesamte Jahr hinweg ein Unterstand mit trockener Liegefläche zur Verfügung gestellt werden.

Bei der Haltung sollte wie bei jedem anderen Pferd auch, darauf geachtet werden, dass das Islandpferd die Möglichkeit hat, sich 24 Stunden frei bewegen zu können und keine länger andauernden Fresspausen entstehen.

Beim Futter ist das Islandpferd nicht mäkelig – im Gegenteil. Wie Du sicherlich weißt, sind Pferde fast 20 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt.

Das Islandpferd ist über mehrere Jahrhunderte das karge und kaum nährstoffreiche Gras auf Island gewohnt gewesen. Der gesamte Organismus des Pferdes hat sich diesen Bedingungen angepasst und ist in der Lage, selbst unter den rausten Bedingungen mit nur wenig Futter überleben zu können.

Entsprechend überfordert ist der Stoffwechsel des Islandpferdes mit den in Deutschland üblichen nährstoffreichen Gräsern.

Bei unbegrenztem Zugang zu gehaltvollem Gras und Heu neigt das Islandpferd daher schnell zur Fettleibigkeit, ein in den letzten Jahren häufig auftretendes Problem bei Pferden.

Besitzer von Islandpferden müssen daher die Figur ihres Pferdes im Blick behalten und versuchen mit angepasster Bewegung und Futterreduzierung dem Übergewicht entgegenzuwirken.

Erziehung und Pflege

Da es sich beim Islandpferd um ein Gangpferd mit mehr als drei Gängen handelt, ist das Islandpferd nur bedingt für Anfänger geeignet. Bei einem sicheren und routinierten Pferd können Reitanfänger ohne Bedenken auf dem Islandpferd reiten lernen.

Aufgrund der Vielfalt im Auftreten gibt es routinierte und gelassene Kinderpferde und temperamentvolle Sportpferde, die nur von erfahrenen Reitern geritten werden sollten.

Neben den drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp verfügt das Islandpferd über den Tölt, einem schnellen Viertakt, und dem Rennpass, einem Zweitakt, der als absolute Königsdisziplin gilt.

Es bedarf je nach natürlicher Veranlagung des Pferdes ein ausgeprägtes reiterliches Können, um das Islandpferd gesunderhaltend reiten zu können. Ungeübte Reiter können teilweise Probleme haben, die verschiedenen Gangarten voneinander zu trennen, was zu einem Verschleiß des Pferdes führen kann.

Bei entsprechender Erfahrung im Gangpferdebereich bringt das Islandpferd seinem Reiter viel Spaß und ist für nahezu jede Disziplin zu begeistern. Ponytypisch ist es in der Erziehung durchaus dickköpfig.

Gesundheit und typische Krankheiten

Beim Islandpferd sollte in jüngeren Jahren darauf Rücksicht genommen werden, dass es sich um Spätentwickler handelt. Das bedeutet, dass die körperliche Reife erst mit 8 Jahren erreicht ist und vorher noch nicht alle Wachstumsfugen der Knochen geschlossen sind.

Das Islandpferd ist ein in der Haltung robustes Pferd, hat allerdings einige rassetypische Erkrankungen vorzuweisen.

Die bekannteste Erkrankung ist das Sommerekzem, dass einige Pferde betrifft, die von Island nach Deutschland kamen. Es handelt sich dabei um eine allergische Reaktion auf den Speichel von Mücken, die in Island nicht heimisch sind.

Auch Islandpferde, die auf dem europäischen Kontinent gezogen sind, können Sommerekzem entwickeln.

Mittlerweile ist bekannt, dass beim Sommerekzem eine erbliche Komponente vorhanden ist, da es in einigen Zuchtlinien häufiger vorkommt. Das Sommerekzem wird zur Linderung der Symptome mit entsprechenden Präparaten behandelt, geheilt werden kann es nicht.

Viele Pferde tragen in den Sommermonaten eine Ekzemdecke. Neben dem Sommerekzem tritt beim Islandpferd nicht selten eine Arthrose im Sprunggelenke (Spat) auf. Dabei handelt es sich um einen schmerzhaften Prozess, bei dem das Gelenk mit der Zeit verknöchert.

Ab diesem Zeitpunkt ist das Pferd schmerzfrei, lediglich eine leichte Steife in der Hinterhand kann beobachtet werden. Zudem neigt das Islandpferd aufgrund seiner Leichtfuttrigkeit zu Wohlstandserkrankungen wie EMS (Equines metabolisches Syndrom) und Cushing.

EMS ist eine Entgleisung des Stoffwechsels durch ein zu reichliches Futterangebot. Bei Cushing ist eine Störung der Hirnanhangdrüse Ursache für die Erkrankung.

Beide Erkrankungen können über ständige Diät und ausreichend Bewegung gut in den Griff bekommen werden.

Lebenserwartung des Islandpferdes

Islandpferd

Falls Du Dir gerne ein Islandpferd kaufen möchtest, solltest Du wissen, dass diese Pferde eine lange Lebenserwartung haben. Nicht selten werden die zähen Ponys 25 bis 35 Jahre alt.

Viele Pferde können bis weit über 20 Jahre geritten werden, während andere Pferde aufgrund von Erkrankungen schon längst in Rente gehen müssen. 

Ein Islandpferd kaufen

Du hast Dich bereits dazu entschieden ein Islandpferd zu kaufen?

Der Kaufpreis eines Islandpferdes ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

Geschlecht 

Stuten sind teurer als Wallach, da sie in der Zucht verwendet werden können.

Ausbildungsstand

Ein rohes Pferd ist günstiger als ein fertig ausgebildetes.

Gesundheitszustand

Gesunde Pferde sind grundsätzlich teurer als Pferde mit Vorerkrankungen.

Potential

Ein Sportpferd wird Dich mehr kosten als ein Freizeitpferd.

Eignung

Ein kinderliebes Pferd ist teurer als ein Pferd, welches nicht von Kindern gehandelt werden kann

Farbe

Sonderfarben wie Windfarben oder Helmschecken sind teurer als Rappen und Füchse.

Die Preisspanne erstreckt sich entsprechend von 2.000 bis 25.000 EUR, wobei die Grenze nach oben offen ist. Für ein bereits fertig ausgebildetes Freizeitpferd im besten Alter (8 bis 12 Jahre) solltest Du rund 6.000 bis 8.000 EUR einkalkulieren.

Unabhängig vom Kaufpreis solltest Du Dir über die monatlich laufenden Kosten bewusst sein.

Darunter fallen:

  • Pension
  • Hufschmied
  • Tierarzt
  • Versicherungen
  • Ausrüstung
  • Futter
  • Reitstunden.

Hinzu kommt, dass ein Pferd im Krankheitsfalle Tierarztkosten von mehreren Tausend Euro verursachen kann. Eine Kolik-OP beispielsweise schlägt mit 4000 bis 7000 EUR zu Buche.

Ein einfacher Nageltritt kann schnell 1500 EUR kosten. Gegen einige Kosten kannst Du Dich mit einer sogenannten OP-Versicherung für Pferde absichern. Abgedeckt werden können mit einer solchen Versicherung allerdings immer noch nicht alle Kosten.

Ein Faktor, den Du bei der Kaufentscheidung immer im Hinterkopf behalten solltest.

Entscheidungshilfe

Hast Du Erfahrung mit Gangpferden oder bestenfalls mit Islandpferden, braucht es vermutlich wenig, um Dich für diese besondere Rasse zu begeistern.

Bist Du unschlüssig, solltest Du einmal ein Islandpferd reiten, um zu testen, ob diese Pferde etwas für Dich sein könnten. Bist Du von der Kraft und Einzigartigkeit des Islandpferds erst einmal eingenommen, wird Dir die Entscheidung sicher leicht fallen.

Für das Islandpferd spricht, dass es robust in jeder Hinsicht ist. Es ist nicht krankheitsanfällig und lässt sich problemlos im Offenstall halten. Du solltest auf jeden Fall wissen, dass ein Islandpferd zu besitzen oft nicht nur mit einer anderen Reitweise verbunden ist.

Nicht selten bleiben Islandpferdereiter gerne unter sich. Du kannst selbstverständlich auch mit Deinem Islandpferd in einen normalen Reitstall gehen.

Sogar eigene Turniere werden speziell für diese Rasse vom Islandpferde-Reiter- und Züchterverband organisiert.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Wie alt werden Islandpferde?

Islandpferde werden normalerweise recht alt, 30 bis 35 Jahre und mehr sind keine Seltenheit.

Wie groß sind Islandpferde?

Die meisten Islandpferde gelten offiziell als Ponys, da sie selten größer als 148 Zentimeter Stockmaß werden. Sie können trotzdem von Erwachsenen gereitet werden.

Wie viel Gewicht können Islandpferde tragen?

Durchschnittlich 128 kg.

Wann werden Islandpferde eingeritten?

Islandpferde sind Spätentwickler und erst mit 7 Jahren vollständig ausgewachsen. Sie werden daher erst mit 4 oder 5 Jahren eingeritten.

Warum dürfen Islandpferde nicht zurück nach Island?

In Island ist die Einfuhr von Pferden zur Vermeidung von Krankheiten verboten. Daher können Pferde, die in Island geboren wurden und einmal die Insel verlassen haben, nicht wieder nach Island eingeführt werden.

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