Clydesdale

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Größe:
163 – 195 cm
Gewicht:
800 – 1000 kg
Herkunft:
Schottland
Lebensdauer:
25 – 30 Jahre
Farbe:
Braun, seltener Rotschimmel und Rappe
Geeignet als:
Charakter:
FCI Gruppen:
Kopfform
Groß, imposant
Körper
Kräftig, Muskulös
Gang
Kraftvoll, trittfest
Temperament
Auffassungsgabe
Ausgeglichenheit
Für Anfänger geeignet
Gehorsam
    wenig:

    viel:

Ursprünglich in Schottland als Arbeits- und Zugpferd gezüchtet, ist der große und gutmütige Clydesdale heutzutage besonders in den USA als Showpferd beliebt und berühmt.

Dort ziehen sie wunderschön geschmückt die Wagen einer in den USA bekannten und beliebten Brauerei.

Rassebeschreibung

Der Clydesdale ist ein stattliches Kaltblut. Das kräftige Clydesdale Pferd mit den charakteristischen weißen Behängen an den Beinen wurde in der Vergangenheit als verlässliches und robustes Arbeitspferd gezüchtet.

Heutzutage wird der ansehnliche Clydesdale kaum noch als Arbeitspferd eingesetzt, sondern ist als Zug- und Kutschpferd für Showzwecke häufig im Einsatz.

Herkunft und Rassegeschichte

Waschechte Schotten sind sie, die Clydesdale Kaltblüter. Ihren Namen verdanken sie dem schottischen Fluss Clyde, dem drittlängsten Fluss Schottlands, an dessen Ufern die schöne Stadt Glasgow liegt.

Früher wurden die imposanten Clydesdale als Schlachtross und später als reines Arbeitspferd gezüchtet. Die Zucht der Clydesdale lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen, hier begann erstmalig die richtige Zucht dieser wundervollen Pferde.

Um ein großes, starkes und ausdauerndes Pferd für schwere Land- und Forstwirtschaftliche Arbeiten zu erhalten, wurden die größten der in der Region lebenden Pferde mit noch größeren Rassen verpaart.

Es wird vermutet, das einheimische, große und schwere Stuten mit Hengsten aus England und sogar Belgien verpaart wurden. Später wurde noch das Shire Horse eingekreuzt. Das Shire Horse ist die größte Pferderasse weltweit und dessen Einkreuzung hat erheblich zu der jetzigen Größe der Clydesdale beigetragen.

Der Anfang der Zucht wird ungefähr auf den Zeitraum zwischen 1715 und 1720 datiert. In dieser Zeit brachte John Peterson of Lochlyoch einen flämischen Hengst nach Schottland. Dieser Hengst soll laut Überlieferungen die Qualität der Zucht enorm verbessert haben.

Clydesdale und Shire Horse ähneln sich optisch sehr stark. Der Clydesdale ist in der Regel allerdings etwas kleiner und wesentlich leichter und wendiger, als das imposante Shire Horse. Die Zuchtbemühungen zeigten sehr schnell Erfolg, der Clydesdale als Pferderasse war geboren.

Nach und nach wurden die herrlichen Kaltblüter erst in den Norden Englands, dann in ganz England verkauft. Es folgten Exporte in andere Länder der Welt, unter anderem in die USA, Deutschland, Russland, Südafrika und Japan.

Laut dem in 1877 gegründeten Zuchtverband der „Clydesdale Horse Society“ wurden zwischen 1884 und 1945 circa 20.000 Pferde ins Ausland verkauft und machten den Clydesdale neben dem französischen Percheron zu einem der wichtigsten Kaltblut-Rassen.

Die frühere Zucht

Hier spielte der Pferdehändler und Clydesdale Züchter Davie Riddell eine große Rolle.

Er entdeckte schnell, dass es eine große Nachfrage für ausdauernde, kräftige Arbeitspferde weltweit gab und begann, die besten Clydesdale nach Kontinentaleuropa, nach Amerika, Australien und Neuseeland.

Davie Riddell war auch der Besitzer des Clydales Hengstes „Darnley“, aus dessen Blutlinie die berühmten Clydesdale Hengste „Sir Everard“, „Baron’s Pride“, „Baron of Buchlyvie“ und „Dunure Footprint“ abstammten.

Als landwirtschaftliche Maschinen immer mehr die Arbeit der Pferde übernahmen, stockte die Zucht der herrlichen Clydesdale. Clydesdale sind heute leider nicht mehr weit verbreitet.

Clydesdale heute

In den USA allerdings erfreuen sich die Clydesdale weiterhin großer Beliebtheit. Sie werden dort als Showpferde hochgeschätzt. Die Clydesdale präsentieren in den USA die Biermarke Budweiser, aus der Brauerei Anheuser-Busch.

Sie vertreten die Biermarke in wundervollen Werbespots, in denen die eleganten Kaltblüter die Hauptrolle spielen und ziehen schön geschmückt die Wagen der Brauerei auf Shows und Festlichkeiten.

Als der ehemalige Präsident Roosevelt 1933 die Prohibition, also das Alkohlverbot beendete, bekam er von den Söhnen des Brauerei Besitzers ein Gespann von sechs preisgekrönten Clydesdale, die drei Bierwagen zogen, geschenkt.

Begeistert von diesem einzigartigen Geschenk ernannte Roosevelt die Pferderasse Clydesdale zum offiziellen Maskottchen der Marke Budweiser. Schnell wurden die schönen und eleganten Clydesdale zum Publikumsliebling und sind heute noch berühmt und hoch angesehen.

Die Anheuser-Busch Brauerei unterhält sogar eigene Zuchtstallungen, die von Besuchern besichtigt werden können. In Deutschland ist das ehemalige Arbeitspferd unter Freizeitreitern sehr beliebt, die das sanfte, freundliche und menschenbezogene Wesen und die Ursprünglichkeit der Clydesdale lieben.

Aussehen des Clydesdale

Clydesdale

Clydesdale sind sogenannte Sabinoschecken. Das heißt, das Pferd weist deutliche, große Bein- und Kopfabzeichen auf. Die Beinabzeichen sind weiß, die Kopfabzeichen klar abgegrenzt und deutlich.

Das Weiß der Beine „kriecht“ langsam nach oben und endet in einem mehr oder weniger ausgeprägten weißen Bauchfleck. Bei manchen Sabinoschecken ist der Bauchfleck jedoch kaum zu erkennen, während bei anderen der gesamte Bauch in weiß erstrahlt.

Die Blesse findet man beim Clydesdale oft auch in der sogenannten Laternen-Form. Sie fängt oberhalb der Nüstern an und überzieht den kompletten Nasenrücken und die Stirn. Meist sind das breite Maul und die weiten Nüstern hell gefärbt.

Charakteristisch für den Clydesdale sind auch die langen, weißen Kötenbehänge an den Beinen.

Der seidige, weiße Kötenbehang sieht nicht nur elegant aus und sorgt für einen Blickfang, sondern schützt die Beine des Clydesdale auf vor Feuchtigkeit und Nässe. Die Stirn eines Clydesdale ist breit, im Profil wirkt der Nasenrücken gerade.

Der imposante, große und kräftige Kopf weist sehr lange und gut geformte Ohren auf. Die Beine der Clydesdale sind lang, länger als die anderer Kaltblüter. Die langen Beine mit dem Kötenbehang sorgen für das elegante Erscheinungsbild, welches der Clydesdale innehat und hebt ihn dadurch von anderen Kaltblut-Rassen ab.

Die Hufe der Clydesdale sind groß, hart und widerstandsfähig. Sie verleihen dem Pferd auf dem Untergrund einen guten Stand. Wusstest Du, dass der Hufschmied für ein Hufeisen eines Clydesdale Metallstücke von einem halben Meter Länge benötigt?

Die fertigen Hufeisen der eindrucksvollen Pferde wiegen pro Stück über 2,5 Kilo und damit fünfmal soviel wie die Hufeisen normaler Warmblut-Pferde. Der Schweif setzt hoch an. In früheren Zeiten wurde die Schweifrübe der Kaltblut-Pferde oft kupiert.

Ein Grund war „ästhetischer“ Natur. Die massive Kruppe der Clydesdale sollte dadurch besser zur Geltung kommen. Ein anderes Argument war, dass durch das Kupieren der Schweifrübe das Risiko, dass sich bei Zug- und Fahrpferden die Leinen verklemmen können, gesenkt wurde.

Durch das Kupieren wurde den Tieren aber nicht nur unnötig große Schmerzen zugefügt, sondern sie wurden auch ihrer natürlichen Insektenabwehr beraubt. Das Kupieren ist mittlerweile in Deutschland verboten.

Der Hals der Clydesdale ist lang gebogen und kräftig bemuskelt und geht über einen wenig ausgeprägten, hohen Widerrist in eine kräftige, starke und kurze Rückenpartie über. Kräftig sind bei dem Clydesdale auch die Kruppe, die schräge Schulter und die extrem bemuskelte Hinterhand.

Bei den Farben überwiegt ein sattes, ansprechendes Braun. Es gibt allerdings auch Rotschimmel und seltener Rappen.

Bei einem Stockmaß von bis zu 1,95 Metern und einem Gewicht von bis zu 1000 Kilogramm, dem starken gebogenen Hals, dem gut durchmuskelten, kräftigen Körper und den seidigen weißen Kötenbehängen eines der schönsten und elegantesten Kaltblüter der Welt.

Charakter und Wesen

Die Clydesdale Kaltblutpferde sind sehr menschenbezogen. Sie haben ein freundliches und sanftes Wesen und bestechen durch ihre Arbeitswilligkeit und ihrer Lernbereitschaft.

Sie brauchen und suchen den Kontakt zu „ihrem“ Menschen, was sie als Freizeitpferd für Anfänger und ältere Menschen nahezu ideal macht, sieht man einmal davon ab, dass es hin und wieder recht schwierig sein kann, einen passenden Sattel zu finden.

Wer denkt, ein Kaltblut habe kein Temperament, der kennt die Clydesdale nicht. Trotz ihres großen, kräftigen Körpers, den langen stämmigen Beinen und der großen Hufe können sie ausgelassen auf den Weiden herumtollen.

Man traut ihnen soviel Lebensfreude einfach nicht zu. Für den Freizeitreiter sind sie ausdauernde und verlässliche Partner.

Haltung und Ernährung

Haltung

Die Haltung eines Clydesdale erfordert mehr Aufwand, als die Haltung eines Kleinpferdes. Aufgrund seiner Größe braucht der Clydesdale eine entsprechend große Box im Stall und eine Weide, die ihm genügend Auslauf bietet.

Eine normale Box für ein Warmblutpferd ist hier nicht angebracht. Zwar gibt es die klassische Faustformel 2 x Widerristhöhe im Quadrat, selbst diese jedoch ergibt noch nicht den optimalen Wert.

Der Clydesdale muss sich in seiner Box bewegen können, um sich wohl zu fühlen. Daher empfehlen Experten eine Boxgröße von mindestens 14 bis 16 qm. Ein Paddock in der gleichen Größe wäre optimal.

Ernährung

Das Futter sollte hochwertig sein. Bei den Futterkosten für einen Clydesdale solltest Du mit circa 1.200 Euro pro Jahr rechnen.

Die Futterkosten können variieren, es kommt auf die Größe des Tieres, die Qualität und Art des Futters, dem Angebot und natürlich auch dem Appetit Deines Pferdes an.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Die Erziehung eines Clydesdale gestaltet sich recht einfach, denn diese Kraftprotze in Pferdegestalt sind äußerst lernwillig und sehr bezogen auf ihre Menschen.

Pflege

Gepflegt wird der Clydesdale genau wie jede andere Pferderasse auch, nur in einem etwas größeren Rahmen.

Regelmäßiges Bürsten, Bürsten und Kämmen der Mähne und des Schweifs und Ohren und Augenpflege sind das A und O bei einer gründlichen Pferdepflege.

Bei der Hufpflege könnten Probleme auftreten, da die meisten Hufschmiede nicht mehr für große Arbeitspferde ausgestattet sind.

Du solltest Dich daher vor dem Kauf eines Clydesdale in Deiner Umgebung nach einem passenden Hufschmied umschauen.

Gesundheit und typische Krankheiten

Clydesdale sind in der Regel robuste, widerstandsfähige Pferde. Clydesdale sind allerdings auch Arbeitspferde. Nur auf der Weide herumzustehen, ist nichts für dieses doch recht temperamentvolle Pferd, im Gegenteil: Es kann ihm sogar schaden.

Ein Clydesdale muss regelmäßig gearbeitet werden, die Menge des Futters und die Art des Futters muss dem „Mangel“ an Bewegung angepasst werden.

Bedingt durch die Größe, das Gewicht, zu viel oder falsche Fütterung und Haltung kann es nämlich zu Problemen speziell des Bewegungsapperates kommen.

Die Hufe solltest Du stets gut kontrollieren, da es auch hier zu Problemen kommen kann. Es ist daher immens wichtig, dass sich Dein Hufschmied mit der Pferderasse Clydesdale auskennt und Erfahrung hat.

Raspe, Mauke, Ekzem und Chronisch obstruktive Bronchitis (COB) gehören zu den typischen Nährstoffmangelbedingten Erkrankungen, die einen Clydesdale treffen können. Kreuzverschlag und andere Muskelerkrankungen gehören ebenso dazu.

Wird der Clydesdale nicht richtig gearbeitet und kommt noch eine grundverkehrte Fütterung dazu, können sich schnell diese und andere Krankheiten einstellen.

Die Fütterung sollte auf strukturreichem Heu, Stroh und nicht fetter Weide aufgebaut werden. Kraftfutter entweder nur als Belohnung oder in kleinen Mengen. Das Futter, Rau- als auch Kraftfutter, darf keinen hohen Eiweißgehalt haben.

Hafer ist mit Vorsicht zu genießen: Er ist ein gutes Pferdefutter, aber sehr Eiweißhaltig. Die Fütterung muss mit Mineral- und Vitaminergänzungen als Leckstein oder in Pellet Form vervollständigt werden. Als Faustformel gilt: 1 Kilogramm Raufutter pro 100 Gramm Gewicht.

Lebenserwartung der Clydesdale

Clydesdale

Das Clydesdale Kaltblut erreicht in der Regel ein Alter von 25 bis 30 Jahre.

Pferderasse Clydesdale kaufen

In Deutschland gibt es etliche sehr gute Züchter dieser herrlichen Kaltblutpferde. Adressen erhältst Du ganz leicht über das Internet oder über eingetragene Vereine für Kaltblutpferde, wie den Clydesdale Verein.

Aber auch bei privaten Kleinanzeigen kannst Du fündig werden. Je nachdem, welches Alter Dein Clydesdale haben soll und ob Dein Clydesdale schon fertig ausgebildet sein soll, starten die Preise für Einjährige hier bei circa 3.500 Euro.

Wenn Du über eine private Kleinanzeige kaufst, schau Dir das Tier selbst, die Papiere des Pferdes genau an und frage auch nach eventuell bestehenden oder vergangenen Krankheiten des Clydesdale.

So kannst Du spätere, „böse“ Überraschungen weitgehend vermeiden.

Entscheidungshilfe

In den imposanten Körpern der Clydesdale wohnt ein sanfter und gutmütiger Geist. Clydesdale sind sehr menschenbezogen, sie suchen und brauchen einen regelmäßigen und engen Kontakt zu ihren Haltern.

Das macht sie zu einem ausgezeichneten Freizeitpferd für ältere Reiter, Anfänger, Kindern und sogar als Therapiepferd. Durch ihre Größe sollten sie allerdings nicht speziell als „Kinderpony“ angeschafft werden.

Da Clydesdale sehr lernwillig sind und eine rasche Auffassungsgabe haben, kann man ihnen auch eine Menge Kunststücke beibringen.

Wenn Du ein zuverlässiges und freundliches Kutschpferd, Arbeitspferd oder Freizeitpferd suchst, eine entsprechend große Box zur Verfügung stellen kannst, bist Du mit einem Clydesdale gut beraten.

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