Braune Labradore sind besonders schöne Tiere und bei vielen Labrador-Fans beliebt. Doch was zeichnet einen braunen Labrador eigentlich aus? Charakterlich gehört er ganz normal zur Rasse Labrador Retriever: Die Fellfarbe Braun macht aus ihm keinen eigenen Labrador-Typ mit grundsätzlich anderen Wesenseigenschaften. Was Du über Herkunft, Charakter, Größe, Gesundheit und mögliche Besonderheiten brauner Labradore wissen solltest, erfährst Du hier.
Welche Eigenschaften zeichnen die Rasse aus?
Die Rasse Labrador Retriever ist eine der beliebtesten Hunderassen überhaupt. Viele Menschen entscheiden sich für einen Labrador, weil diese Hunde als intelligent, freundlich, arbeitsfreudig und menschenbezogen gelten. Andere bevorzugen ganz gezielt einen braunen Labrador, weil ihnen diese Fellfarbe besonders gut gefällt.
Braune Labradore können sehr intelligente und lernfreudige Tiere sein. Das ist allerdings keine Besonderheit der braunen Fellfarbe, sondern gehört zu den typischen Eigenschaften der Rasse. Der offizielle FCI-Standard beschreibt den Labrador Retriever als intelligent, aufmerksam, führig und mit einem ausgeprägten „will to please“, also einer großen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Menschen.
Die Tiere sind außerdem häufig aktiv und arbeitsfreudig. Viele Labradore lieben es, zu spielen und Aufgaben gemeinsam mit ihrem Menschen zu lösen. Besonders ausgeprägt ist bei der Rasse häufig die Freude am Apportieren. Daher eignen sich beispielsweise Dummytraining und andere Spiele, bei denen der Hund Gegenstände suchen und zurückbringen darf.
Labradore gelten außerdem als freundlich und anpassungsfähig. Viele kommen bei guter Sozialisation gut mit anderen Hunden, Tieren und Menschen zurecht. Auch als Familienhund ist der Labrador sehr beliebt. Ob ein einzelner Hund tatsächlich gut mit Kindern oder anderen Haustieren harmoniert, hängt jedoch nicht von seiner Fellfarbe ab, sondern unter anderem von Genetik, Sozialisation, Erziehung und individuellen Erfahrungen.
Woher kommt der braune Labrador?
Die Geschichte des Labrador Retrievers führt über Neufundland nach Großbritannien. An der Küste Neufundlands arbeiteten Hunde vom Typ der sogenannten St. John’s Hunde mit Fischern und galten als hervorragende Wasser- und Apportierhunde. Im 19. Jahrhundert gelangten entsprechende Hunde nach England, wo sich daraus der moderne Labrador Retriever entwickelte. Als offizielles Ursprungsland der heutigen Rasse nennt die FCI Großbritannien.
Braun ist dabei nicht als eine eigene ursprüngliche Labrador-Rasse zu verstehen. Historische Labrador-Vorfahren wurden überwiegend mit schwarzem Fell beschrieben. Die braune Fellfarbe entsteht genetisch rezessiv und war lange deutlich weniger erwünscht als Schwarz. Heute gehören Schwarz, Gelb und Braun gleichermaßen zu den im Rassestandard anerkannten Fellfarben des Labrador Retrievers.
Wie unterscheidet sich der braune Labrador von anderen?
Labrador Retriever gehören unabhängig von ihrer Fellfarbe derselben Hunderasse an. Der FCI-Rassestandard kennt drei anerkannte Farben: Schwarz, Gelb und Braun beziehungsweise Chocolate/Leberbraun. Daraus lassen sich jedoch keine drei unterschiedlichen Charaktertypen ableiten.
Gelbe Labradore können ebenso aktive Arbeits- oder Jagdhunde sein wie schwarze oder braune Tiere. Gleichzeitig können Hunde aller drei Farben ausgezeichnete Familien- und Begleithunde sein.
Auch schwarze Labradore sind nicht automatisch wachsamer und werden aufgrund ihrer Farbe nicht zu typischen Wach- oder Schutzhunden. Der Labrador wurde als Apportierhund gezüchtet; der FCI-Standard fordert ausdrücklich ein freundliches Wesen ohne Aggressivität oder übermäßige Scheu.
Braune Labradore sind ebenfalls nicht grundsätzlich aktiver oder energiegeladener als ihre schwarzen oder gelben Artgenossen. Unterschiede im Temperament entstehen wesentlich stärker durch Zuchtlinie, Eltern, individuelle Veranlagung, Alter, Haltung und Training als durch die Fellfarbe.
Es kann durchaus Unterschiede zwischen sogenannten Arbeits- und Showlinien geben. Ein für jagdliche Arbeit gezüchteter Labrador kann beispielsweise leichter und sehr arbeitsorientiert sein, während andere Linien kräftiger gebaut sein können. Solche Unterschiede sollten aber nicht mit Schwarz, Gelb oder Braun gleichgesetzt werden.
Bestimmt die Fellfarbe den Charakter des Labradors?
Nein, die Fellfarbe ist kein verlässlicher Maßstab für den Charakter. Ein brauner Labrador ist nicht automatisch lebhafter, ein gelber nicht automatisch familienfreundlicher und ein schwarzer nicht automatisch wachsamer.
Wenn Du einen Labrador-Welpen auswählst, sind deshalb andere Punkte wesentlich aussagekräftiger:
- Wesen der Elterntiere,
- Zuchtlinie und ursprüngliche Zuchtziele,
- Gesundheitsuntersuchungen der Eltern,
- Sozialisation der Welpen,
- individuelles Temperament des Welpen,
- seriöse Aufzucht und Zuchtplanung.
Die Wunschfarbe darf natürlich eine Rolle spielen. Gesundheit und Wesen sollten beim Welpenkauf aber wichtiger sein als ein bestimmter Braunton.
Welche Brauntöne gibt es beim Labrador?
Braune Labradore werden im Englischen häufig als „Chocolate Labradors“ bezeichnet. Innerhalb der anerkannten braunen Fellfarbe kann die tatsächliche Farbwirkung etwas variieren – von einem vergleichsweise helleren bis zu einem sehr dunklen Braun.
Dadurch entstehen jedoch keine zusätzlichen Labrador-Rassen oder charakterlich unterschiedlichen Varianten. Begriffe, mit denen bestimmte Brauntöne im Handel oder in Anzeigen besonders hervorgehoben werden, sollten deshalb nicht mit eigenen Wesenseigenschaften verbunden werden.
Wie lange leben diese Hunde im Durchschnitt?
Ein brauner Labrador kann ein langes und gesundes Leben führen. Wie alt ein einzelner Hund tatsächlich wird, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise:
- Genetik und Zuchtlinie
- Geschlecht
- Größe und Körperbau
- Gewicht und Körperkondition
- Gesundheit
- Aktivitätslevel
- Ernährung
- tiermedizinische Versorgung
- Umweltbedingungen
Beim Labrador Retriever wird häufig mit einer Lebenserwartung im Bereich von ungefähr 10 bis 13 Jahren gerechnet. Für braune Labradore gibt es allerdings eine interessante wissenschaftliche Beobachtung: Eine große britische VetCompass-Studie mit mehr als 33.000 Labrador Retrievern fand bei braunen beziehungsweise Chocolate Labradoren eine mediane Lebensdauer von 10,7 Jahren. Bei schwarzen und gelben Labradoren lag sie in dieser Untersuchung zusammen bei etwa 12,1 Jahren.
Das bedeutet nicht, dass jeder braune Labrador früher stirbt. Die Studie zeigt eine statistische Verbindung innerhalb der untersuchten Population. Die Forscher diskutierten als mögliche Erklärung vor allem die Zuchtgenetik: Weil Braun rezessiv vererbt wird, kann eine starke Zuchtauswahl auf diese Farbe den verfügbaren Genpool verkleinern. Die Fellfarbe selbst sollte deshalb nicht vorschnell als direkte Ursache angesehen werden. Weitere Informationen findest Du auch in diesem Beitrag über die Lebenserwartung.
Gibt es gesundheitliche Besonderheiten bei braunen Labradoren?
Grundsätzlich können braune Labradore von denselben für die Rasse relevanten Erkrankungen betroffen sein wie schwarze und gelbe Labradore. Beim Welpenkauf sind deshalb Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere wesentlich wichtiger als die Fellfarbe allein.
Die bereits erwähnte VetCompass-Studie fand jedoch neben der kürzeren medianen Lebenserwartung auch Unterschiede bei einzelnen Erkrankungen. Ohrenentzündungen traten in der untersuchten Population bei braunen Labradoren häufiger auf als bei schwarzen und gelben Tieren.
Auch hierbei handelt es sich um einen statistischen Zusammenhang. Daraus sollte nicht abgeleitet werden, dass jeder braune Labrador zwangsläufig Ohrenprobleme bekommt. Die Ergebnisse unterstreichen vielmehr, warum eine verantwortungsvolle Zuchtauswahl nicht allein nach einer gewünschten Fellfarbe erfolgen sollte.
Wie groß wird ein brauner Labrador im Durchschnitt?
Braune Labradore sind nicht grundsätzlich größer oder kräftiger als ihre gelben und schwarzen Artgenossen. Auch die Körpergröße ist kein Merkmal der Fellfarbe. Der offizielle Standard nennt für Labrador-Rüden eine ideale Widerristhöhe von 56 bis 57 cm und für Hündinnen 54 bis 56 cm.
Das Fell des Labradors ist kurz, dicht und mit wetterbeständiger Unterwolle ausgestattet. Beim braunen Labrador reicht die Färbung innerhalb des zulässigen Farbspektrums von Braun beziehungsweise Leberbraun bis zu dem häufig als „Chocolate“ bezeichneten Farbton.
Beim Gewicht gibt der FCI-Standard keine feste Kilozahl vor. Körpergewicht und Statur unterscheiden sich unter anderem nach Geschlecht, Größe, Zuchtlinie und individuellem Körperbau. Entscheidend ist, dass ein Labrador ein gesundes Körpergewicht hält und nicht übergewichtig wird.
Erziehung
Die Erziehung ist ein wichtiger Punkt im Umgang mit Hunden. Für einen braunen Labrador gelten dabei dieselben Grundlagen wie für schwarze und gelbe Vertreter der Rasse. Wir haben für Dich ein paar Tipps zusammengestellt, die Dir bei der Erziehung Deines Labradors helfen können.
- Halte Deinen Hund dort an der Leine, wo ein zuverlässiger Freilauf noch nicht möglich oder aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt ist. Trainiere parallel einen guten Rückruf.
- Sei konsequent und vorhersehbar in der Erziehung. Regeln sollten für Deinen Hund verständlich und im Alltag möglichst zuverlässig gelten.
- Lobe und belohne erwünschtes Verhalten. Labradore gelten als lernfreudig und arbeiten häufig gerne mit ihren Menschen zusammen.
- Vermeide körperliche Strafen und Einschüchterung. Zeige Deinem Hund stattdessen, welches Verhalten sich lohnt.
- Sei geduldig. Training funktioniert über Wiederholungen und einen Schwierigkeitsgrad, den der Hund bewältigen kann.
- Nutze die rassetypische Freude am Apportieren beispielsweise für Dummytraining, Nasenarbeit und gemeinsame Beschäftigung.
Brauner Labrador als Familienhund
Der Labrador Retriever ist aufgrund seines freundlichen Wesens als Familienhund beliebt. Das gilt ebenso für braune Labradore wie für schwarze und gelbe.
Die Fellfarbe entscheidet jedoch nicht darüber, wie geduldig ein Hund mit Kindern ist. Ein harmonischer Familienhund benötigt gute Sozialisation, Training, ausreichend Beschäftigung und Rückzugsmöglichkeiten. Kinder sollten außerdem lernen, respektvoll mit dem Hund umzugehen.
Auch ein grundsätzlich freundlicher Labrador sollte mit kleinen Kindern nicht unbeaufsichtigt bleiben. Weitere Hinweise findest Du in unserem Beitrag darüber, ob ein Hund eine Gefahr für Kinder darstellen kann.
Brauner Labrador als Jagd- und Arbeitshund
Der Labrador Retriever wurde als Apportierhund gezüchtet und besitzt bis heute ausgeprägte Arbeitsanlagen. Er wird unter anderem jagdlich geführt, als Assistenz- oder Rettungshund eingesetzt und im Dummy-Sport beschäftigt.
Braune Labradore können selbstverständlich ebenfalls hervorragende Arbeits- und Jagdhunde sein. Das liegt aber an ihrer Abstammung, Ausbildung und individuellen Veranlagung – nicht daran, dass braunes Fell automatisch mit einem höheren Aktivitäts- oder Jagdtrieb verbunden wäre.
Das Wichtigste in Kürze
Braune Labradore sind Labrador Retriever mit einer der drei anerkannten Fellfarben der Rasse. Im Charakter unterscheiden sie sich nicht grundsätzlich von schwarzen oder gelben Labradoren. Eigenschaften wie Aktivität, Arbeitsfreude, Menschenbezogenheit und Apportierfreude sind rassetypisch und können bei Labradoren jeder Farbe auftreten.
Interessant ist allerdings der gesundheitliche Forschungsstand: In einer großen britischen Studie hatten braune Labradore statistisch eine kürzere mediane Lebenserwartung und häufiger Ohrenentzündungen. Als mögliche Ursache wird nicht die Farbe selbst, sondern unter anderem eine stärkere genetische Selektion bei der Zucht auf die rezessive braune Fellfarbe diskutiert.
Wenn Du Dich für einen braunen Labrador entscheidest, sollte deshalb nicht die möglichst außergewöhnliche Fellfarbe an erster Stelle stehen. Wichtiger sind seriöse Zucht, Gesundheitsuntersuchungen, passende Elterntiere, gute Aufzucht und ein Labrador, dessen Temperament zu Deinem Alltag passt.