Der Hannoversche Schweißhund ist ein hoch spezialisierter deutscher Jagdhund für die Nachsuche auf verletztes Schalenwild. Mit seiner hervorragenden Nase, großen Ausdauer und engen Bindung an seinen Hundeführer ist er ein Spezialist auf der sogenannten roten Fährte. Als reiner Familien- oder Freizeithund ist die Rasse dagegen nur bedingt geeignet.
Geschichte
Die Wurzeln des Hannoverschen Schweißhundes liegen bei den historischen Leithunden. Solche Jagdhunde wurden über viele Jahrhunderte dafür eingesetzt, Wild anhand seiner Fährte zu verfolgen. Mit der zunehmenden Verwendung von Schusswaffen veränderte sich auch die Aufgabe dieser Hunde: Nun wurden besonders leistungsfähige Hunde benötigt, die krankgeschossenes oder anderweitig verletztes Wild zuverlässig nachsuchen konnten.
Aus dem alten Leithund entwickelte sich der sogenannte Deutsche Schweißhund. Durch gezielte Zucht im damaligen Königreich Hannover entstand daraus schließlich der heutige Hannoversche Schweißhund. Die moderne Rasse sollte daher nicht einfach mit Hunden aus der Antike gleichgesetzt werden. Ihre direkte Entwicklung ist wesentlich enger mit der deutschen Jagdgeschichte und den Leithunden des Mittelalters und der frühen Neuzeit verbunden.
Eine zentrale Rolle bei der Erhaltung und Leistungszucht spielt der Verein Hirschmann, der die Rasse seit 1894 betreut. Der Verein ist in Deutschland der von JGHV, VDH und FCI anerkannte Zuchtverein für den Hannoverschen Schweißhund. Die Zucht orientiert sich nicht nur am Erscheinungsbild, sondern insbesondere an Gesundheit, Wesen und jagdlicher Leistungsfähigkeit.
Was sind Schweißhunde?
Der Begriff Schweißhund hat nichts mit Schwitzen zu tun. In der Jägersprache bezeichnet „Schweiß“ das Blut eines verletzten Wildtieres. Ein Schweißhund ist entsprechend ein speziell für die Nachsuche ausgebildeter Jagdhund.
Wird ein Tier bei der Jagd verletzt oder beispielsweise im Straßenverkehr angefahren und flüchtet anschließend, kann ein geprüftes Nachsuchengespann eingesetzt werden. Der Hund verfolgt die sogenannte Wund- oder Krankfährte und hilft dabei, das verletzte Tier zu finden.
Dabei geht es keineswegs nur darum, einer sichtbaren Blutspur zu folgen. Ein leistungsfähiger Hannoverscher Schweißhund kann auch schwierige und ältere Fährten ausarbeiten. Gerade diese hoch spezialisierte Nasenarbeit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften der Rasse.
Die Nachsuche erfüllt zugleich eine wichtige Aufgabe im Tierschutz: Verletztes Wild soll möglichst schnell gefunden und unnötiges Leiden vermieden werden. Der Verein Hirschmann stellt deshalb hohe Anforderungen sowohl an die Ausbildung der Hunde als auch an ihre Führer.
Aussehen
Der Hannoversche Schweißhund gehört zu den mittelgroßen Hunden und ist kräftig, funktional und eher langgestreckt gebaut. Nach dem aktuellen FCI-Standard erreichen Rüden eine Widerristhöhe von 50 bis 55 cm, Hündinnen von 48 bis 53 cm. Rüden wiegen ungefähr 30 bis 40 kg, Hündinnen etwa 25 bis 35 kg.
Seine Beine wirken im Verhältnis zum kräftigen und vergleichsweise langen Körper nicht besonders hoch. Die Behauptung, kurze Beine seien speziell dafür gezüchtet worden, damit seine Nase näher am Boden liegt, wäre allerdings zu stark vereinfacht.
Typisch sind außerdem die mittelgroßen, herabhängenden Ohren, eine leicht faltige Stirn und ein ernster Gesichtsausdruck. Das kurze Fell, ist dicht und derb bis harsch. Die Farbe reicht von hellem bis dunklem Hirschrot und kann stärker oder schwächer gestromt sein. Eine dunkle Maske kann vorhanden sein, ist aber nicht vorgeschrieben.
Die robuste Erscheinung ist kein Zufall. Der Hannoversche Schweißhund wurde als Arbeitshund gezüchtet, der sich bei anspruchsvollen Nachsuchen auch über längere Distanzen und durch schwieriges Gelände bewegen können muss.
Charakter
Der Hannoversche Schweißhund gilt als ruhig, sicher, sensibel und stark führerbezogen. Während einer Nachsuche zeigt er gleichzeitig enorme Konzentration, Selbstständigkeit und Beharrlichkeit. Genau diese Kombination macht ihn zu einem ausgesprochen spezialisierten Arbeitshund.
Eine gute Nase allein reicht für diese Arbeit nicht. Ein Schweißhund muss über längere Zeit konzentriert auf einer bestimmten Fährte bleiben und darf sich nicht von anderen Wildspuren oder Umweltreizen leicht ablenken lassen. Bei schwierigen Nachsuchen sind außerdem körperliche Fitness, Nervenstärke und Entscheidungsfähigkeit gefragt.
Gegenüber fremden Menschen beschreibt der Rassestandard den Hannoverschen Schweißhund als eher zurückhaltend. Das bedeutet nicht, dass er grundsätzlich scheu oder aggressiv ist. Wie sich ein einzelner Hund gegenüber Menschen und anderen Hunden verhält, hängt außerdem von Sozialisation, Erfahrungen, Ausbildung und individuellem Temperament ab.
Abseits seiner Arbeit kann der Hannoversche Schweißhund ruhig und ausgeglichen wirken. Trotzdem sollte er nicht als gewöhnlicher Familienhund betrachtet werden. Er stellt keinesfalls einen Anfängerhund dar. Sein Besitzer muss mit dem ausgeprägten Jagdinstinkt und den besonderen Anforderungen eines leistungsgezüchteten Jagdhundes umgehen können.
Haltung und Beschäftigung
Beim Hannoverschen Schweißhund reicht es nicht, lediglich für ausreichend lange Spaziergänge zu sorgen. Seine wichtigste Beschäftigung ist die Arbeit mit der Nase. Die Rasse wurde über Generationen gezielt für anspruchsvolle Nachsuchen selektiert und wird bis heute als Spezialist für diesen Einsatz gezüchtet.
Der Verein Hirschmann gibt seine Welpen deshalb nicht einfach als Familien- oder Freizeithunde ab. Nach den aktuellen Vergaberegeln werden die Hunde an Vereinsmitglieder vermittelt, die bereit und in der Lage sind, sich der Nachsuchenarbeit zu widmen. Dazu gehören entsprechende Ausbildung, Training und zeitliche Einsatzbereitschaft.
Wer lediglich einen sportlichen Begleithund für Wanderungen, Joggen und den Familienalltag sucht, sollte daher besser eine andere Rasse wählen. Selbst viel körperliche Bewegung ersetzt die anspruchsvolle Nasenarbeit eines Hannoverschen Schweißhundes nicht.
Erziehung und Ausbildung
Die Ausbildung eines Hannoverschen Schweißhundes beginnt bereits früh. Dabei geht es nicht darum, seinen eigenständigen Charakter zu unterdrücken. Ein guter Nachsuchenhund muss lernen, selbstständig zu arbeiten und gleichzeitig zuverlässig mit seinem Führer zusammenzuarbeiten.
Wichtig sind eine stabile Bindung, klare Kommunikation, Geduld und eine sorgfältige jagdliche Ausbildung. Der Verein Hirschmann beginnt bereits im Welpenalter mit ersten altersgerechten Übungen. Später folgen künstliche und natürliche Fährten sowie spezielle Prüfungen.
Der Hannoversche Schweißhund ist daher kein Hund, dessen Ausbildung nach einem normalen Grundgehorsamskurs abgeschlossen ist. Hund und Führer bilden langfristig ein Nachsuchengespann, dessen Leistungsfähigkeit regelmäßig trainiert und weiterentwickelt werden muss.
Gesundheit und Zucht
Bei der Zucht des Hannoverschen Schweißhundes werden nicht nur Arbeitsleistung und Erscheinungsbild berücksichtigt. Der Verein Hirschmann nennt Gesundheit, Leistung und Formwert als zentrale Säulen der Zucht.
Zuchthunde werden unter anderem auf Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogendysplasie (ED) und lumbosakrale Übergangswirbel (LÜW) röntgenologisch untersucht. Zusätzlich müssen sie die erforderlichen jagdlichen Leistungs- und Wesensanforderungen erfüllen.
Wie bei jeder Hunderasse lässt sich daraus keine Garantie auf vollständige Gesundheit ableiten. Ein verantwortungsvoller Züchter sollte jedoch die vorgesehenen Gesundheitsuntersuchungen durchführen und transparent über die Ergebnisse sowie die Abstammung der Tiere informieren.
Hannoverscher Schweißhund kaufen
Einen Hannoverschen Schweißhund solltest Du nicht wie einen gewöhnlichen Familienhund nach Farbe, Preis oder Entfernung zum Züchter auswählen. Die Vergabe innerhalb der anerkannten Leistungszucht ist eng mit der späteren jagdlichen Verwendung verbunden.
Der Verein Hirschmann vermittelt seine Welpen nach eigenen Angaben ausschließlich an Vereinsmitglieder. Eine Mitgliedschaft allein begründet dabei noch keinen Anspruch auf einen Welpen. Von künftigen Führern werden unter anderem Bereitschaft zur Nachsuche, eine passende jagdliche Einsatzmöglichkeit und die Teilnahme an der vorgesehenen Ausbildung erwartet.
Eine pauschale Aussage wie „ein Hannoverscher Schweißhund kostet 850 Euro“ ist deshalb wenig hilfreich. Bei dieser Rasse steht die Frage, ob ein geeigneter jagdlicher Einsatzplatz vorhanden ist, deutlich vor einem Preisvergleich.
Das Wichtigste nochmal zusammengefasst
Der Hannoversche Schweißhund wurde speziell für die Nachsuche auf verletztes Schalenwild gezüchtet und gehört nach FCI-Systematik zur Gruppe 6, Sektion 2 der Schweißhunde.
Er ist ein hoch spezialisierter Jagd- und Arbeitshund und sollte nicht als unkomplizierter Familien- oder Anfängerhund betrachtet werden.
Die Vorfahren der Rasse sind historische Leithunde. Der heutige Hannoversche Schweißhund entwickelte sich aus dem Deutschen Schweißhund durch gezielte Zucht im Königreich Hannover. Der Verein Hirschmann betreut die Rasse seit 1894.
Typisch sind ein ruhiges, sicheres und führerbezogenes Wesen, enorme Nasenleistung sowie hohe Konzentration und Beharrlichkeit bei der Arbeit.