Wildvogel Amsel – früher im Wald zu Hause, heute ein Stadtvogel

Die Amsel ist in den deutschen Gärten zu Hause, sitzt im Frühjahr auf Bäumen, Laternen und Dächern. Häufig trifft man den Wildvogel auch in Städten.

Allerdings finden Menschen auch immer wieder verwaiste Amselküken. Kannst Du diesen Vögeln helfen? Wenn ja – wie? Reicht es, wenn Du einfach beim Naturschutzbund anrufst? Und was fressen Amseln eigentlich?

Wildvogel Amsel: Herkunft

Amsel

Sie gehört zu der Familie der Drosseln und ist einer der am weitesten Vögel dieser Vögel in Europa. Zwischen 24 cm und 27 cm wird der Vogel lang, die Männchen sind schwarz mit einem gelben Schnabel. Weibchen sind meist dunkelbraun.

Nahezu jeder kennt den melodiösen und lauten Reviergesang, den die Männchen in Mitteleuropa zwischen März und Juli schon zur Morgendämmerung ertönen lassen. Noch brütet die Amsel fast flächendeckend in Europa.

Sie ist ein Zugvogel und verbringt den Winter in Südeuropa und Nordafrika. Früher lebten Amseln überwiegend im Wald, aber schon seit dem 19. Jahrhundert stellte sie sich als Kulturfolger heraus.

Im Frühjahr häufen sich Funde vermeintlich verwaister Jungvögel. Was kannst Du tun, wenn Du ein Amselküken findest?

Als Wildvogel ist die Amsel auf Regenwürmer oder Käfer ganz versessen. Findet sie keine tierische Nahrung, ernährt sie sich aber auch von Beeren und Früchte.

Die Freibrüter nisten gerne in Bäumen und Sträuchern. Allerdings findet die Amsel in den Städten immer weniger Parks und Gärten.

Feuchte, dichte Wälder – so das natürliche Habitat des Vogels – findet die Amsel heute auch in ländlichen Gegenden kaum noch.

Sie sucht zum Brüten dunkle Standorte wie unterholzreiche Wälder, benötigt für die Futtersuche aber vegetationsfreie oder kurzrasige Böden. Was weißt Du über den Wildvogel Amsel?

Kulturfolger: Wildvogel Amsel ist in die Städte gezogen

Die belebten Zentren von Großstädten gehören inzwischen genauso zu der Heimat der Amseln wie Vorgärten und Parks, Baum- und Strauchgruppen, Streuobstwiesen und die offene Feldflur.

Alte Wälder gibt es kaum noch, die Amsel hat sich angepasst. Seit 2001 macht Amseln das von Stechmücken übertragene Usutu-Virus zu schaffen, das es früher nur in Afrika gab.

Die Tiere in Österreich, Ungarn, der Schweiz, Italien und Deutschland verendeten zwischen 2001 und 2004 flächendeckend daran. Seit 2006 normalisierten sich die Bestände wieder, die Amseln haben zumindest in einigen Gegenden eine Herdenimmunität entwickelt.

Viele Amseln leiden unter Parasiten, und der Hitzesommer 2018 hat zu einer weiteren Ausbreitung des Usutu-Virus nach Norden beigetragen. Allerdings entwickeln die Tiere auch in Niedersachsen und nördlicheren Gegenden bereits jetzt eine Immunität dagegen.

In den Städten fällt der Wildvogel Amsel zunehmend Prädatoren zum Opfer. Vor allem die häufig am Boden nach Nahrung suchenden Weibchen werden von Falken, Sperbern, Habichten, Bussarden und Milanen gejagt.

In den stadtnahen Gebieten sind Rotmilande, Mäusebusarde und Habichte recht häufig, in den Städten trifft man seit einigen Jahren vermehrt Falken an.

In ländlichen Gegenden fällt der Wildvogel Amsel dem Waldkauz, der Waldohreule und dem Uhu zum Opfer.

Die verschiedenen in Deutschland heimischen Rabenvögel räubern gerne Eier und Jungvögel aus den Nestern, die Aaskrähe greift sogar Altvögel an.

Weitere Beutegreifer, die die Amselbestände dezimieren, sind Marderarten und Füchse, Hauskatzen und Wanderratten sowie bisweilen sogar Eichhörnchen.

Allerdings haben es Wanderratten und Eichhörnchen nicht auf die Altvögel abgesehen, sondern auf die Gelege und noch nicht flügge gewordenen Jungvögel im Nest.

Wildvogel Amsel bedroht? Der Mensch ist der größte Feind

Amseln verstehen die StVO nicht. Da die Vögel vor allem in Siedlungsgebieten siedeln, fallen sie dem Straßenverkehr sehr häufig zum Opfer.

Schnellstraßen entlang von Grünflächen sind besonders gefährlich für die Vögel. Wird eine Amsel von einem Fahrzeug erwischt, kann sie das aber auch überleben.

Da das Nahrungsangebot vor allem in den Stadtgebieten ganz gut ist, hat man schon einige Amseln beobachtet, die offenbar mehrere Verkehrsunfälle überlebten. Da die Amsel in einigen Gegenden als Schädling gilt, wird sie bejagt.

Trotz der Probleme, die das enge Zusammenleben mit Menschen bedeutet, sind die Amselbestände stabil, die Vögel sind nicht gefährdet. In den 1970er Jahren sah das noch anders aus, weil da aufgrund einer Intensivierung der Landwirtschaft und dem vermehrten Einsatz von Pestiziden vor allem in Großbritannien die Populationen um bis 30 % eingebrochen sind.

Nutztier? Wildvogel Amsel galt früher als schmackhaft

Im Alten Rom wurden Amseln in großen Vogelhäusern gemästet, denn der Vogel galt als leckere Speise. Heute wird die Amsel nur noch selten als Schlachttier betrachtet. Allerdings gehört die Amselpastete, die Pâté de Merle, zur traditionellen Küche Korsikas.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde die Amsel dagegen wegen ihres Gesangs als Stubenvogel gehalten, nicht wegen ihres Fleischs.

Dabei gab es zwei Trends: Einerseits fing man ältere Tiere ein und hielt sie im Käfig, denn diese Tiere hatten schon in der Natur ihre volle Stimmkraft und einen sehr melodiösen Gesang ausgebildet.

Andererseits würde der Wildvogel Amsel auch von Hand aufgezogen. So konnte man den Jungtieren Melodien beibringen. Amseln wurden außerdem oft als Lockvögel auf dem Vogelherd eingesetzt. Das ist das Besondere am Amselgesang?

Vogelgesang hat mit dem menschlichen Verständnis von Musik eigentlich nicht viel zu tun. Amselgesang lässt sich allerdings sehr gut im Notensystem wiedergeben. Betrachtet man den Gesang unter musikwissenschaftlichen Gesichtspunkten, lässt er sich ganz gut darstellen.

Denn die Stimme der Amsel deckt sehr viel mehr als nur eine Oktave ab, und die Vögel nutzen tatsächlich ihre Möglichkeiten ausgiebig.

Von ganz schlichten Melodien über Dreiklangmotive bis hin zu diatonischen Intervallen und Chromatik findet man bei der Amsel alles.

Der Wildvogel Amsel hat daher auch Musikwissenschaftler/-innen schon ausgiebig beschäftigt. Die Haltung von Amseln ist nicht vertretbar. Die Tiere werden, wenn sie eingefangen werden, nie ganz zahm.

Sie sind anderen Vögeln gegenüber immer aggressiv im Verhalten, und das gilt vor allem bei Artgenossen. Von Hand aufgezogene Amseln können dagegen durchaus zahm werden.

Was hat es im Frühjahr mit den verwaisten Jungtieren auf sich?

Amsel

Häufig findet man Jungvögel auf dem Boden und fern von ihren Nestern. Allerdings sind diese vermeintlich hilflosen Jungvögel in der Regel weder hilflos, noch verwaist: Sie verlassen schlicht ihr Nest, bevor das Gefieder komplett ausgebildet ist.

Die Jungvögel unternehmen unter elterlicher Aufsicht die ersten Flugversuche und Erkundungstouren in die Nestumgebung, bevor sie für menschliche Augen als erwachsen erkennbar sind. Meist sind die Vogeleltern nicht weit weg und schreiten ein, wenn dem Jungtier tatsächlich Gefahr droht.

Die Jungtiere sind oft noch nicht komplett flugfähig, wenn sie aus dem Nest heraus kommen. Mit ihren Eltern stehen sie durchaus in Verbindung: Bettelrufe kannst Du jederzeit hören. Allerdings werden sich die Vogeleltern nicht zeigen, solange Du in der Nähe bist.

Erst wenn Du Dich entfernst, kümmern sie sich wieder um ihr Jungtier. Aus diesem Grund solltest Du einen augenscheinlich „aus dem Nest gefallenen“ Jungvogel nie anfassen.

Und zwar auch nicht mit Handschuhen. Denn der Wildvogel Amsel hat, wie alle Wildvögel, einen extrem gut ausgeprägten Geruchssinn.

Die Vogeleltern nehmen ihr Küken nicht mehr auf, wenn es nach Mensch riecht. Beobachte stattdessen den Vogel aus sicherer Entfernung.

Vogeleltern kommen auch nach Stunden nicht – was tun?

Findest Du einen Wildvogel, vielleicht eine Amsel, und kannst das Tier keinem Elternpaar zuordnen, beobachte es erst aus einiger Entfernung und idealerweise so, dass Du für vielleicht in der Nähe befindliche Vogeleltern nicht auffällig bist. Vermutlich kannst Du sehen, dass die Vogeleltern sich bald um ihr Junges kümmern.

Sollte das nicht der Fall sein, darfst Du den NABU, den Naturschutzbund telefonisch über das Jungtier informieren. Benötigt werden neben Angaben zum Standort auch Beschreibungen zum Zustand des Vogels.

Jungvögel lassen sich nicht so einfach bestimmen: Der Wildvogel Amsel beispielsweise ist als Küken weder auffällig schwarz mit gelbem Schnabel, wie die adulten Männchen, noch ist er graubraun wie die Weibchen.

Das Gefieder ist sehr hell und braun bis sandfarben gefleckt. Damit ist der Vogel im Unterholz und auf der nackten Erde sehr gut getarnt. Und der Wildvogel Amsel ist nicht der einzige Vogel in Deutschland, dessen Gefieder so aussieht.

Im Zweifelsfall stellst Du also eher keine Mutmaßungen über die Vogelart an, sondern beschreibst Größe, Form und Gefieder des Vogels.

Du kannst übrigens auch jede nahe Wildvogelstation anrufen, es muss nicht der NABU sein. Bevor Du anrufst, solltest Du das Tier aber wirklich aus einem Versteck wie hinter der Fenstergardine heraus für zwei bis drei Stunden beobachten.

Die fast flügge gewordenen Vögel brauchen mehr Bewegungsfreiheit, als das Nest ihnen bietet. Deshalb stolpern sie über die Äste, auf denen das Nest sich befindet. Sie erkunden zu Fuß die Sträucher und verteilen sich in einem ganz netten Radius um ihr Nest.

Sie üben, langsam selbständig zu werden und sich alleine in der Natur zu bewegen. Das ist wichtig für ihre Entwicklung. Natürlich setzen sie sich damit auch Fressfeinden aus.

Sonderfall: Wildvogel Amsel sitzt auf der Straße

Wird eine junge, nicht flugfähige Amsel von einem Bussard oder einem anderen natürlichen Feind angegriffen, schreiten die Vogeleltern in der Regel rechtzeitig ein und schützen ihr Jungtier. Aber es gibt auch Gefahren, gegen die der Wildvogel Amsel alleine nichts ausrichten kann.

Beobachtest Du beispielsweise, dass ein Jungtier auf der Straße oder auf einem Fahrradweg sitzt, solltest Du es durchaus da wegbringen. Fass das Tier aber nicht an. Benutze Handschuhe, die Du vorher bei der Gartenarbeit getragen hast und die intensiv nach Erde und Pflanzen riechen.

Alternativ kann eine alte Zeitung benutzt werden. Aber Du solltest den Wildvogel Amsel nie mit bloßen Händen oder neuen Handschuhen anfassen. Handschuhe sind deshalb sinnvoll, weil der Vogel sich unter Umständen mit Schnabel und Krallen verteidigt.

Die Tiere sind nicht an Menschen gewöhnt und verstehen nicht, warum sie angefasst und weggetragen werden. Setze das Jungtier so nah wie möglich an der Fundstelle ab, möglichst an einem sicheren und geschützten Ort.

Sollte es nötig sein, das Tier etwas weiter zu transportieren, darfst Du die Amsel auch in einen mit vielen Luftlöchern versehenen Karton setzen. Setze sie niemals in einen Käfig

Vorgehen bei verletzten Tieren

Verletzten Vögeln solltest Du selbstverständlich helfen. Allerdings gilt auch hier: Beobachte den Wildvogel Amsel eine Weile, bevor Du einschreitest. Sammel den Vogel nicht einfach ein. Sind Elterntiere in der Nähe, kümmern sie sich um ihr verletztes Junges. Dann wirst Du unter Umständen gar nicht gebraucht.

Kannst Du keine fürsorglichen Vogeleltern beobachten, und das auch über Stunden nicht, solltest Du eine Tierschutzorganisation wie den NABU oder eine Wildvogelstation telefonisch verständigen.

Verletzte Vögel kannst Du wie oben beschrieben vorsichtig mit dicken Garten- oder Bauarbeiterhandschuhen einsammeln. Fass auch verwaiste und verletzte Tiere niemals mit nackten Händen an! Das hat zwei Gründe: Erstens können Wildvögel Krankheiten übertragen, die auch für Menschen sehr, sehr unangenehm werden können.

Und sie haben möglicherweise Parasiten, die Du nicht übernehmen willst. Zweitens ist auch ein verletzter Vogel immer noch ein Wildtier. Und Wildtiere sehen Berührungen und Wegtragen grundsätzlich als Angriff an. Verletzte Tiere verteidigen sich schneller und heftiger als gesunde Tiere.

Dicke Lederhandschuhe schützen Deine Hände vor dem spitzen Schnabel und den scharfen Krallen der Tiere. Merke: Die Amsel greift Dich nicht an, weil sie keine Hilfe will. Sie verteidigt sich nur, weil sie Deine Hilfe nicht versteht.

Setze die verletzte Amsel in einen mit Küchenpapier oder einem Handtuch ausgepolsterten Pappkarton. Achte darauf, dass der Karton Luftlöcher zum Atmen hat. Die Dunkelheit im Karton beruhigt das Tier ein wenig. Und die Polsterung sollte ebenfalls für mehr Wohlbefinden und Ruhe sorgen.

Bevor Du den verletzten Wildvogel Amsel zum Veterinär bringst, solltest Du dort telefonisch Bescheid geben. Nicht alle Tierärzte können Kleintiere wie Vögel behandeln, und nicht jeder Tierarzt hat eine Notaufnahme für verletzte Wildvögel und das nötige Equipment.

Kann der Arzt das Tier nicht behandeln, weiß man in der Praxis aber, an wen Du Dich wenden kannst.

Nimm den Karton mit ins Haus und stelle ihn an einen ruhigen Ort. So kann sich der Vogel erst einmal stabilisieren. Blutet das Tier stark, solltest Du es allerdings sofort zur Versorgung zu einem Arzt bringen.

Wildvogel Amsel im Haus: Der Vogel regeneriert sich selbst

Der Wildvogel Amsel erholt sich, wie alle Wildtiere, sehr schnell von seiner Verletzung. Normalerweise schlafen die Tiere im Karton für einige Stunden und werden dann aktiver.Wenn Du nach etwa vier Stunden einen Blick in den Karton wirfst, solltest Du das in einem abgedunkelten Raum tun. Achte darauf, dass die Amsel nicht aus dem Karton entwischen kann.

Darauf solltest Du achten:

  • Ist Dein Wildvogel Amsel wach?
  • Ist das Gefieder an Kopf und Körper glatt?
  • Hält Deine Amsel den Kopf und den Schwanz gerade?
  • Kann die Amsel die Flügel halten, oder hängen sie herunter?
  • Hält der Wildvogel Amsel Füße und Zehen in einer natürlichen Stellung?
  • Der Vogel sollte keine Krampfanfälle oder Lähmungen zeigen.

Wirkt die Amsel fit und halbwegs agil, kannst Du sie in der Nähe des Ortes, wo Du sie gefunden hast, wieder freilassen. Du hast dem Vogel fern von Raubtieren einen Ort zur Erholung gegeben und damit sein Überleben gesichert.

Ist der Vogel nicht fit, ist gelähmt oder hält einen Körperteil in einer komischen Stellung, solltest Du ihn an eine Wildvogelstation oder einen entsprechend praktizierenden Tierarzt übergeben.

Dort wird man Dir weitere Instruktionen geben oder den Vogel stationär behandeln. Bitte gib dem verletzten Tier kein Wasser, kein Futter und fass es nicht an. Wirf den Vogel auf keinen Fall in die Luft – liegt ein Vogel auf dem Boden, kann er nicht mehr fliegen.

Versuche nicht, den Vogel mit einer Heizung, einer Lampe oder ähnlichem zu wärmen. Sterbehilfe darf bei Wildtieren auch nur der Tierarzt leisten!

Quellen

https://www.bund-nrw.de/themen/vogelschlag-an-glas/hintergruende/verletzter-vogel-was-tun/

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