Edelpapagei

icon groesse Größe:
etwa 35 – 42 cm
icon gewicht Gewicht:
etwa 350 – 620 g, je nach Art und Geschlecht
icon herkunft Herkunft:
Molukken, Neuguinea, umliegende Inseln und Nordostaustralien
icon lebensdauer Lebensdauer:
mehrere Jahrzehnte möglich
icon farbe Farbe:
Männchen überwiegend grün, Weibchen überwiegend rot mit blauen bis violetten Partien
icon geeignet als Geeignet als:
anspruchsvoller Papagei für erfahrene und gut vorbereitete Halter
icon charakter Charakter:
intelligent, aktiv, neugierig, sozial und mitunter sehr laut
FCI Gruppen:
nicht zutreffend
Haltung
Grundsätzlich mit Artgenossen
Preis
je nach Art, Herkunft und Anbieter unterschiedlich
Aktivität
Pflegeaufwand
Beschäftigung
Lärm
Eignung für Anfänger
Sprachbegabung
Intelligenz
Verspieltheit
Geselligkeit
Handzahm
wenig:

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viel:

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Der Edelpapagei gehört zu den auffälligsten farbenprächtigen Papageien. Besonders ungewöhnlich ist der extreme Farbunterschied zwischen Männchen und Weibchen. Die intelligenten Vögel benötigen viel Platz, Sozialkontakt, Beschäftigung und ausreichend Gelegenheit zum Fliegen.

Was Edelpapageien charakterisiert, welche Arten heute unterschieden werden und welche Anforderungen sie an Haltung und Ernährung stellen, erfährst Du in diesem Beitrag.

Artbeschreibung

Beim Begriff Edelpapagei ist die Taxonomie wichtig. Ältere Literatur behandelte zahlreiche Populationen als Unterarten einer einzigen Art, Eclectus roratus. Diese Einteilung ist inzwischen überholt.

Aktuelle internationale Vogellisten unterscheiden innerhalb der Gattung Eclectus mehrere heute lebende Arten. Dazu gehören der Molukken-Edelpapagei (Eclectus roratus), der Sumba-Edelpapagei (Eclectus cornelia), der Tanimbar-Edelpapagei (Eclectus riedeli) und der Papua-Edelpapagei (Eclectus polychloros).

Daneben ist mit Eclectus infectus eine ausgestorbene Art aus dem pazifischen Raum bekannt. Subfossile Funde zeigen, dass die Gattung früher ein noch größeres Verbreitungsgebiet besaß.

  • Moluccan beziehungsweise Molukken-Edelpapagei (Eclectus roratus)
  • Sumba-Edelpapagei (Eclectus cornelia)
  • Tanimbar-Edelpapagei (Eclectus riedeli)
  • Papua-Edelpapagei (Eclectus polychloros)
  • ausgestorbener Ozeanien-Edelpapagei (Eclectus infectus)

Ältere Bezeichnungen wie Aru-, Biak-, Salomonen- oder Queensland-Edelpapagei findest Du weiterhin in Literatur und Vogelhaltung. Durch die neuere taxonomische Aufteilung werden einige dieser Formen heute jedoch anders innerhalb der Gattung eingeordnet.

Herkunft und Artgeschichte

Die verschiedenen Edelpapageien stammen aus dem Raum der Molukken, Neuguineas und benachbarter Inselgruppen bis nach Nordostaustralien. Welche Region genau dazugehört, hängt von der jeweiligen Art beziehungsweise Population ab.

Die Vögel besiedeln vor allem tropische und subtropische Waldlebensräume. Regional können Verbreitung und Bestandsdichte deutlich voneinander abweichen.

Ein großer Teil des Verbreitungsgebiets des Papua-Edelpapageis liegt auf Neuguinea und den umliegenden Inseln.

Besonders auffällig ist der starke Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen sehen so unterschiedlich aus, dass sie in der frühen zoologischen Beschreibung zeitweise sogar für verschiedene Arten gehalten wurden.

Aussehen des Edelpapageis

Edelpapagei

Edelpapageien sind mittelgroße bis große Papageien mit kräftigem Körperbau. Typisch sind der relativ kurze, eher gerade wirkende Schwanz und die breiten Flügel.

Das Gefieder wirkt bei gesunden Vögeln glatt und intensiv gefärbt. Auffällig ist außerdem der kräftige, deutlich gebogene Papageienschnabel.

Wie andere Papageien besitzen Edelpapageien eine befiederte beziehungsweise teilweise von Federn verdeckte Wachshaut im Bereich des Schnabelansatzes. Der kräftige Schnabel dient unter anderem dazu, Früchte und andere Nahrung zu bearbeiten.

Je nach Art, Unterart beziehungsweise Population erreichen Edelpapageien ungefähr 35 bis etwas über 40 Zentimeter Körperlänge. Auch das Gewicht variiert und kann grob zwischen etwa 350 und über 600 Gramm liegen.

Farben des männlichen Edelpapageis

Männliche Edelpapageien besitzen überwiegend grünes Gefieder. Je nach Art zeigen sich rote, blaue oder violette Bereiche beispielsweise an Flanken und Flügeln. Bei erwachsenen Männchen ist der Oberschnabel meist auffällig orange bis rötlich gefärbt, während der Unterschnabel dunkler ist.

Farben des weiblichen Edelpapageis

Bei den Weibchen dominieren dagegen kräftige Rot-, Blau- und Violetttöne. Wie die Farbbereiche genau verteilt sind, unterscheidet sich zwischen den heutigen Arten und Populationen deutlich.

Der Schnabel erwachsener Weibchen ist überwiegend schwarz. Dadurch lassen sich die Geschlechter bei adulten Edelpapageien bereits äußerlich sehr leicht unterscheiden.

Hinweis: Gerade die unterschiedliche Färbung der Weibchen war ein wichtiger Grund dafür, die frühere Zusammenfassung zahlreicher Formen als nur eine Art taxonomisch neu zu bewerten.

Gemeinsamkeiten männlicher und weiblicher Edelpapageien

Trotz der extrem unterschiedlichen Gefiederfarben besitzen beide Geschlechter denselben typischen Körperbau mit kräftigem Schnabel, vergleichsweise kurzem Schwanz und kräftigen Füßen. Die genaue Irisfarbe verändert sich mit Alter, Geschlecht und Art.

Geschlechtsdimorphismus schon bei Jungvögeln sichtbar

Auch bei Jungvögeln lässt sich der Geschlechtsunterschied anhand des Gefieders bereits erkennen. Die Farben wirken anfangs allerdings teilweise weniger ausgeprägt als bei vollständig ausgefärbten erwachsenen Tieren.

Mit zunehmendem Alter entwickeln sich Gefieder- und Schnabelfarben weiter. Bei der Altersbestimmung eines einzelnen Vogels sollte man sich deshalb nicht allein auf eine einzelne Farbe verlassen.

Jungvögel besitzen zunächst dunklere Schnabelbereiche und eine dunklere Iris. Die typische Färbung erwachsener Vögel entwickelt sich im Laufe der Reifung.

Charakter und Wesen

Edelpapageien sind intelligente, aktive und kommunikative Vögel. Ihre Rufe können ausgesprochen laut und durchdringend sein. Damit eignen sie sich nur bedingt für besonders geräuschempfindliche Haushalte.

Die Kommunikation der Edelpapageien im Überblick

  • Kontaktrufe können laut und weit tragend sein.
  • In ruhigeren Situationen äußern Edelpapageien auch weichere und leisere Laute.
  • In Menschenobhut können manche Tiere menschliche Stimmen und andere Alltagsgeräusche imitieren.

Die Fähigkeit, Wörter oder Geräusche nachzuahmen, ist individuell unterschiedlich. Ein Edelpapagei sollte deshalb niemals allein wegen seiner möglichen Sprachbegabung angeschafft werden.

Das Sozialverhalten freilebender Edelpapageien ist komplexer als eine einfache dauerhafte Paarbindung. Tiere können sich zur Nahrungssuche oder an Schlafplätzen in Gruppen zusammenfinden. Besonders das Fortpflanzungssystem unterscheidet sich von dem vieler klassisch monogam beschriebener Papageien.

Edelpapageien halten sich überwiegend in Bäumen auf und nutzen Baumhöhlen als Brutplätze. Am Boden sind sie deutlich seltener zu beobachten.

Die Geschlechtsreife wird erst nach mehreren Jahren erreicht. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem vom einzelnen Tier und seiner Entwicklung ab.

Das Weibchen brütet in einer Baumhöhle. Männchen beteiligen sich an der Versorgung mit Futter. Anders als frühere vereinfachte Darstellungen vermuten lassen, können im natürlichen Fortpflanzungssystem mehrere Männchen ein Weibchen mit Nahrung versorgen.

Nach dem Schlupf bleiben die Jungvögel mehrere Wochen in der Bruthöhle, bevor sie flügge werden. Auch anschließend können sie noch eine Zeit lang von adulten Vögeln versorgt werden.

Edelpapageien sind gute Flieger. Entsprechend wichtig ist es, ihnen in Menschenobhut deutlich mehr Bewegungsraum zu bieten als lediglich einen kleinen Käfig.

In Menschenobhut beobachten Edelpapageien ihre Umgebung sehr genau und lernen schnell. Beschäftigung und Training können eine vertrauensvolle Beziehung zum Menschen fördern, ersetzen aber keinen angemessenen Sozialkontakt mit Artgenossen.

Viele Edelpapageien können Stimmen, Pfiffe oder andere Geräusche imitieren. Wie ausgeprägt diese Fähigkeit ist, unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Vögeln.

Tipp: Besonders geschlechtsreife Weibchen können während hormonell aktiver Phasen deutlich territorialer reagieren. Bei mehreren Vögeln müssen deshalb ausreichend Platz, Rückzugsmöglichkeiten und die individuelle Verträglichkeit berücksichtigt werden.

Haltung und Ernährung

Haltung

Edelpapageien benötigen Sozialkontakt, viel Bewegungsraum, Beschäftigung und eine abwechslungsreiche Umgebung. Menschliche Zuwendung allein reicht nicht aus, um ihre artspezifischen Bedürfnisse abzudecken.

Bei der Haltung von Edelpapageien solltest Du insbesondere folgende Punkte berücksichtigen:

Papageien sind grundsätzlich soziale Vögel. Das BMEL-Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien sieht deshalb grundsätzlich eine Paar- oder Gruppenhaltung vor. Ausnahmen können beispielsweise bei unverträglichen, kranken oder fehlgeprägten Vögeln notwendig sein. Die häufig zitierte Behauptung, Einzelhaltung sei seit 2005 ausdrücklich durch ein eigenes gesetzliches Verbot untersagt, ist dagegen so nicht korrekt.

Eine großzügige Voliere beziehungsweise ein Vogelzimmer mit ausreichender Flugstrecke ist für Edelpapageien wesentlich geeigneter als eine Unterbringung, in der sie ihre Flügel kaum benutzen können. Mindestangaben aus älteren Haltungsgutachten sind als Untergrenze und nicht als optimale Zielgröße zu verstehen.

Bei der Ausstattung müssen Verletzungsgefahren vermieden werden. Stabile, ungiftige Materialien sind wichtig, weil Papageien mit ihren kräftigen Schnäbeln zahlreiche Materialien bearbeiten und zerstören können.

Naturäste verschiedener Stärken, Kletterelemente, zerstörbares Beschäftigungsmaterial und Möglichkeiten zur Futtersuche sorgen für Abwechslung. Beschäftigung sollte nicht nur dazu dienen, Übergewicht zu verhindern, sondern auch natürliche Verhaltensweisen fördern.

Bei Innenhaltung sollte regelmäßig sicherer Freiflug ermöglicht werden, sofern keine ausreichend große dauerhaft nutzbare Flugvoliere beziehungsweise ein entsprechendes Vogelzimmer vorhanden ist.

Viele Edelpapageien baden gern. Ein ausreichend großes Badegefäß oder andere sichere Möglichkeiten zum Baden können deshalb zur Haltung gehören. Wasser muss hygienisch sauber gehalten und regelmäßig erneuert werden.

Auch Luftqualität und Luftfeuchtigkeit spielen bei tropischen Papageien eine Rolle. Pauschales tägliches Besprühen ist jedoch nicht bei jedem Haltungssystem zwingend erforderlich. Entscheidend sind Raumklima, Belüftung, Haut- und Gefiederzustand sowie ausreichend Badegelegenheiten.

Einen Nistkasten solltest Du nicht automatisch jedem geschlechtsreifen Paar anbieten. Brutmöglichkeiten können Fortpflanzungsverhalten und territoriales Verhalten fördern. Wer tatsächlich züchten möchte, muss sich vorher mit den rechtlichen, räumlichen und fachlichen Anforderungen sowie der späteren Unterbringung der Jungvögel beschäftigen.

Eine angemessene Beleuchtung und ein verlässlicher Tag-Nacht-Rhythmus sind wichtig. Bei dauerhafter Innenhaltung sollte auch die Qualität der künstlichen Beleuchtung berücksichtigt werden.

Edelpapageien stammen aus tropischen beziehungsweise subtropischen Regionen. Deshalb benötigen sie bei Außenhaltung einen geeigneten Schutzraum und müssen vor ungeeigneten Temperaturen, Zugluft und extremen Wetterbedingungen geschützt werden. Eine starre Temperaturgrenze von exakt 15 °C lässt sich jedoch nicht unabhängig von Art, Akklimatisation und Haltungssituation festlegen.

Ernährung

Wildlebende Edelpapageien nehmen überwiegend pflanzliche Nahrung wie Früchte, Samen, Blüten, Knospen und andere Pflanzenteile auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass Heimvögel mit einer besonders fettreichen Saaten- oder Nussmischung ernährt werden sollten.

Der kräftige Schnabel ermöglicht es Edelpapageien, unterschiedlichste pflanzliche Nahrung zu bearbeiten. Nüsse eignen sich wegen ihres hohen Energiegehalts eher als begrenzter Bestandteil beziehungsweise Belohnung als als Hauptfutter.

Für die Fütterung in Menschenobhut ist eine ausgewogene Zusammenstellung entscheidend:

  • ein für Papageien geeignetes, ernährungsphysiologisch ausgewogenes Hauptfutter
  • abwechslungsreiches frisches Gemüse
  • Obst in angemessener Menge
  • Saaten und Nüsse nur passend zur Gesamtration und nicht als fettreiches Hauptfutter
  • frisches Trinkwasser jederzeit verfügbar

Eine Mischung, die zu zwei Dritteln aus Sonnenblumenkernen besteht, ist als dauerhaftes Hauptfutter nicht empfehlenswert. Saaten- und nussreiche Rationen sind häufig sehr fettreich und können gleichzeitig wichtige Nährstoffe nur unzureichend liefern.

Auch Grit ist für Papageien nicht grundsätzlich erforderlich. Anders als Vogelarten, die Samen mitsamt Schale verschlucken, entspelzen Papageien viele Samen mit dem Schnabel. Mineralstoff- oder Vitaminpräparate sollten ebenfalls nicht ohne konkreten Bedarf zusätzlich gegeben werden, wenn bereits ein vollwertiges Futter verwendet wird.

Avocado gehört zu den Lebensmitteln, die Papageien nicht bekommen sollten. Auch alkoholische Getränke, koffeinhaltige Produkte und andere ungeeignete menschliche Lebensmittel gehören nicht in den Futternapf. Pauschale Verbote von Zitrusfrüchten speziell bei jeder Nierenerkrankung lassen sich dagegen nicht seriös verallgemeinern; bei einem kranken Vogel sollte die Ernährung individuell mit einem vogelkundigen Tierarzt abgestimmt werden.

Erziehung und Pflege

Erziehung

Das Ziel im Umgang mit einem Edelpapagei sollte nicht darin bestehen, ihn um jeden Preis „handzahm“ zu machen. Wichtiger sind Vertrauen, stressarmer Umgang und ein Training, das notwendige Alltagssituationen wie Transport, Wiegen oder tierärztliche Untersuchungen erleichtert.

1. Schritt: Gib neuen Vögeln zunächst Sicherheit. Die Unterbringung sollte an einem ruhigen, überschaubaren Platz stehen, an dem die Tiere nicht permanent bedrängt werden und gleichzeitig am Alltag teilnehmen können.

2. Schritt: Lass den Edelpapageien nach dem Einzug Zeit, die neue Umgebung, Menschen und Artgenossen kennenzulernen. Vermeide in dieser Phase unnötiges Greifen und Bedrängen.

3. Schritt: Gewöhne den Vogel langsam an Deine Anwesenheit. Ruhige Bewegungen, eine gleichmäßige Stimme und vorhersehbare Abläufe helfen dabei.

Wichtig: Unnötige Eingriffe in die Voliere oder den persönlichen Rückzugsbereich des Vogels solltest Du vermeiden.

Führe diesen Schritt so lange fort, bis der Edelpapagei in Deiner Nähe entspannt bleibt.

4. Schritt: Finde heraus, welche kleinen und gesundheitlich geeigneten Futterbelohnungen Dein Vogel besonders gern annimmt.

5. Schritt: Nutze diese Belohnungen, um freiwillige Annäherung zu fördern. Der Vogel entscheidet zunächst selbst, wie nahe er kommen möchte.

6. Schritt: Verkürze den Abstand schrittweise. Belohne ruhiges und freiwilliges Verhalten, statt den Vogel zu bedrängen oder festzuhalten.

7. Schritt: Öffne die Tür des Käfigs beziehungsweise der Voliere nur in einem vogelsicheren Raum. Du kannst dem Vogel anschließend beibringen, freiwillig auf einen Ast, eine Trainingsstange oder die Hand zu steigen. Eine bestimmte Haltung der Hand ist dabei nicht grundsätzlich erforderlich.

Hinweis: Jeder Vogel lernt in seinem eigenen Tempo. Manche Edelpapageien werden sehr menschenbezogen, andere bleiben zurückhaltender. Beides ist normal und sollte respektiert werden.

8. Schritt: Freiflug sollte nicht erst davon abhängig gemacht werden, ob der Vogel auf Deiner Hand sitzen bleibt. Sobald der Vogel eingewöhnt und der Raum sicher vorbereitet ist, benötigt er geeignete Bewegungsmöglichkeiten. Fenster, Türen, heiße Flächen, offene Wasserbehälter, giftige Pflanzen und andere Gefahren müssen vorher gesichert werden.

Tipp: Positive Verstärkung eignet sich sehr gut, um erwünschtes Verhalten freiwillig aufzubauen und notwendiges Handling für Vogel und Halter stressärmer zu gestalten.

Setze bei der Erziehung Deines Edelpapageien auf positive Verstärkung. Belohne gezielt Verhaltensweisen, die Du häufiger sehen möchtest.

Wenn Dein Vogel etwas nicht tun soll, ist es oft sinnvoller, ihm eine erlaubte Alternative anzubieten und diese gezielt zu verstärken.

Ausreichend Schlaf, störungsfreie Ruhephasen, Sozialkontakt, Bewegung und abwechslungsreiche Beschäftigung gehören ebenfalls zu einem guten Haltungsmanagement.

Pflege

Bei geeigneten Naturästen und ausreichender Bewegung nutzen sich Krallen häufig auf natürliche Weise ab. Überlange Krallen können jedoch auch durch ungeeignete Sitzstangen, Fehlstellungen oder gesundheitliche Probleme begünstigt werden und sind nicht einfach ein Hinweis auf „Überfütterung mit bestimmten Nährstoffen“.

Krallen solltest Du nur selbst kürzen, wenn Du genau weißt, wo die durchbluteten Bereiche verlaufen und wie der Vogel sicher gehalten wird. Im Zweifel ist ein vogelkundiger Tierarzt die bessere Anlaufstelle.

Zur Pflege gehören außerdem saubere Badegelegenheiten, hygienische Futter- und Wassernäpfe, geeignete Sitzäste sowie die regelmäßige Beobachtung von Gewicht, Gefieder, Kot, Füßen, Schnabel und Verhalten.

Gesundheit und typische Krankheiten

Edelpapageien können bei guter Haltung ein hohes Alter erreichen. Die Bezeichnung als grundsätzlich „robuster Vogel, der kaum zu Erkrankungen neigt“ wäre dennoch irreführend. Papageien können Krankheiten lange verbergen und sollten bei Veränderungen von Gewicht, Verhalten, Atmung, Kot, Gefieder oder Futteraufnahme frühzeitig einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden.

Ein besonders wichtiger Gesundheitsfaktor ist die Ernährung. Dauerhaft samen- und nussreiche Rationen können zu Übergewicht und Nährstoffmängeln beitragen. Auch Vitamin-A-, Calcium- und andere Ernährungsstörungen kommen bei unausgewogener Papageienfütterung vor.

Eine Übersicht zu möglichen Papageienkrankheiten kann bei der Orientierung helfen, ersetzt jedoch keine Diagnose. Da Vögel Krankheitsanzeichen häufig erst spät deutlich zeigen, sind regelmäßige Kontrollen durch einen vogelkundigen Tierarzt sinnvoll.

Lebenserwartung des Edelpapageis

Edelpapagei

Edelpapageien können in Menschenobhut mehrere Jahrzehnte leben. Angaben zur durchschnittlichen Lebenserwartung schwanken je nach Quelle und Art erheblich, sodass eine starre Grenze von 25 oder 30 Jahren nicht als Garantie verstanden werden sollte.

Vogelart Edelpapagei kaufen

Beim Kauf beziehungsweise bei der Übernahme eines Edelpapageis solltest Du auf folgende Punkte achten:

Informiere Dich genau über Züchter, Abgabestelle und Herkunft des Vogels. Durch die neuere taxonomische Aufteilung ist bei gezielter Zucht außerdem wichtig, welche Art beziehungsweise Population tatsächlich vorliegt. Unkontrollierte Vermischungen verschiedener Formen können für Erhaltungszuchten problematisch sein.

Eine Handaufzucht sollte nicht mit besonders guter Sozialisation verwechselt werden. Zu frühe Trennung von den Eltern und fehlender Kontakt zu Artgenossen können die normale soziale Entwicklung eines Papageis beeinträchtigen.

Informiere Dich vor dem Kauf bei einer fachkundigen Zuchtorganisation, einer vogelkundigen Tierarztpraxis und der zuständigen Artenschutzbehörde über Herkunft, Haltung und erforderliche Dokumente.

Für Edelpapageien gelten in Deutschland artenschutzrechtliche Vorgaben. Eclectus roratus ist in Anlage 6 der Bundesartenschutzverordnung bei den Kennzeichnungsmethoden aufgeführt und gehört nicht zu den in Anlage 5 genannten Arten, die von der Anzeigepflicht nach § 7 Absatz 2 ausgenommen sind. Bei Erwerb und Haltung solltest Du deshalb Herkunftsnachweise, Kennzeichnung und Meldung mit der zuständigen Behörde klären.

Eine pauschale Preisangabe ist wenig hilfreich. Der Preis kann je nach Art beziehungsweise Herkunft, Alter, Geschlecht, Zuchtstatus, Dokumentation und Anbieter deutlich variieren. Entscheidender als ein niedriger Kaufpreis sind eine seriöse Herkunft und die erheblichen langfristigen Kosten für Voliere, Futter, Ausstattung und vogelkundige Tiermedizin.

Entscheidungshilfe

Ein Edelpapagei passt nur dann zu Dir, wenn Du

  • mit einer teilweise erheblichen Lautstärke umgehen kannst.
  • ausreichend Platz für eine großzügige Unterbringung und Flugmöglichkeiten hast.
  • eine langfristige Haltung mit geeignetem Sozialpartner beziehungsweise Artgenossen ermöglichen kannst.
  • täglich Zeit für Versorgung, Reinigung, Beschäftigung und Beobachtung einplanen kannst.

Edelpapageien sind faszinierende, intelligente Vögel, stellen aber hohe Anforderungen an Platz, Ernährung, Sozialkontakt und Beschäftigung. Wer diese langfristig erfüllen kann, erlebt einen außergewöhnlichen Papagei – die Anschaffung sollte dennoch gut vorbereitet und niemals allein wegen Aussehen oder möglicher Sprachbegabung erfolgen.

FAQ zum Edelpapagei

Wie alt wird ein Edelpapagei?
Edelpapageien können in Menschenobhut mehrere Jahrzehnte alt werden. Die tatsächliche Lebensdauer hängt unter anderem von Art, Genetik, Ernährung, Haltung und medizinischer Versorgung ab.
Kann ein Edelpapagei sprechen?
Manche Edelpapageien lernen Wörter, Stimmen und andere Alltagsgeräusche nachzuahmen. Die Fähigkeit ist individuell verschieden und sollte kein Hauptgrund für die Anschaffung sein.
Was dürfen Edelpapageien fressen?
Die Ernährung sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein. Ein geeignetes vollständiges Papageienfutter kann mit frischem Gemüse und einer angemessenen Menge Obst ergänzt werden. Sehr fettreiche Saaten und Nüsse sollten nicht den Hauptanteil der Ernährung bilden.
Sollte man Edelpapageien einzeln halten?
Papageien sind soziale Vögel. Das deutsche BMEL-Haltungsgutachten sieht grundsätzlich Paar- oder Gruppenhaltung vor. Menschlicher Kontakt ersetzt den Sozialpartner nicht vollständig. Bei unverträglichen, kranken oder fehlgeprägten Vögeln können individuelle Lösungen erforderlich sein.
Wie laut ist ein Edelpapagei?
Edelpapageien können sehr laute und durchdringende Kontaktrufe äußern. Wer in einer hellhörigen Wohnung lebt oder empfindlich auf Vogelrufe reagiert, sollte diesen Punkt vor der Anschaffung besonders berücksichtigen.
Wie groß wird ein Edelpapagei?
Je nach Art und Population werden Edelpapageien ungefähr 35 bis etwas über 40 Zentimeter lang. Auch beim Körpergewicht gibt es deutliche Unterschiede.
Warum sehen männliche und weibliche Edelpapageien so unterschiedlich aus?
Edelpapageien besitzen einen außergewöhnlich starken Geschlechtsdimorphismus. Erwachsene Männchen sind überwiegend grün, während Weibchen hauptsächlich rot mit blauen oder violetten Bereichen gefärbt sind.
Wie viele Edelpapagei-Arten gibt es?
Moderne internationale Vogellisten teilen den früher als eine Art behandelten Eclectus-Komplex in mehrere Arten auf. Heute werden unter anderem Molukken-, Sumba-, Tanimbar- und Papua-Edelpapagei als eigenständige lebende Arten geführt.
Muss ein Edelpapagei in Deutschland gemeldet werden?
Für Edelpapageien gelten artenschutzrechtliche Vorschriften. Eclectus roratus ist nicht in der Liste der nach Bundesartenschutzverordnung von der Anzeigepflicht ausgenommenen Arten aufgeführt. Vor dem Kauf solltest Du deshalb mit der zuständigen Artenschutzbehörde klären, welche Meldung, Kennzeichnung und Herkunftsnachweise für den konkreten Vogel erforderlich sind.

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5 Gedanken zu „Edelpapagei“

  1. Sehr ausführlicher Artikel. Allerdings besteht die Basis für die Ernährung nicht aus Körnerfutter sondern aus Früchten und Gemüse (70-90%) und der Rest aus Körnermischungen, Nüssen, Pellets etc. Zu viele Nüsse und Sonnenblumenkerne (sowie Vitaminzusätze) machen Edelpapageien krank. Stichwort: langer Verdauungstrakt. Das macht die Haltung der Edelpapageien aufwendiger.

    Antworten
    • Hallo Kathleen,

      wir sind keine Tierärzte, deshalb können wir Dir bei gesundheitlichen Fragen keine Tipps geben. Du solltest mit Deinem Papagei dringend zu einem Tierarzt fahren und es dort abklären lassen.

      Liebe Grüße

      Antworten

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