Wie die Wildkatze zur heutigen Hauskatze wurde

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Die Katze gehört zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen und schon seit Tausenden Jahren ist sie ein Begleiter der Menschen. Doch wie ist diese Freundschaft zustande gekommen und wie wurde aus der einstigen Wildkatze ein zahmes Stubenkätzchen?

Wir verraten Dir in diesem Ratgeber mehr über die Geschichte der Katzen und wie Du Dich verhalten solltest, falls Du einmal auf eine echte Wildkatze triffst.

Katzen werden Haustiere

Die Vorfahren der heutigen Hauskatze kamen vor ca. 6000 Jahren mit Bauern nach Europa. Die sogenannte Falbkatze oder Afrikanische Wildkatze schloss sich schon vor rund 9500 Jahren Bauern im Nahen Osten an, da die Tiere schnell merkten, dass es in der Gegenwart der Menschen bessere Futterquellen gab. Mäuse und Ratten, die sich auf den angebauten Feldern der Bauern schnell vermehrten, waren für die Wildkatzen leichte Beute. Die Menschen wiederum waren froh, die kleinen Nagetiere loszuwerden. So entstand im Laufe der Jahre eine Symbiose zwischen Katze und Mensch.

Es gibt einige wissenschaftliche Untersuchungen und Studien, welche die Beziehung zwischen Menschen und Katzen genauer unter die Lupe nehmen. Ein Team aus Geologen, Evolutionsbiologen und Archäologen der Universität Tübingen und der Nikolaus-Kopernikus-Universität untersuchte dafür die Knochen von Katzen, die im Süden Polens zwischen 3600 und 2300 v. C. lebten. Die Knochenreste wurden auf Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotope untersucht, um die Nahrungsquellen der Katzen zu bestimmen. Dünger auf den Feldern bestimmt den Isotopgehalt, welcher in die Pflanzen übergeht und somit von Nagetieren und letztlich von den Wildkatzen aufgenommen wird. Durch die Werte konnten die Forscher vergleichen, ob die Katzen hauptsächlich Mäuse in Nähe der Bauern oder Mäuse weit ab der angebauten Felder gefressen haben. 

Die Werte wurden mit denen von Hunden verglichen, die zur gleichen Zeit gelebt haben. Die Forscher stellten fest, dass sich Hunde hauptsächlich vom Futter der Menschen ernährten. Katzen hingegen haben nicht nur Mäuse in Nähe der Menschen gefressen.

Dieses Ergebnis bestätigt, dass sich die Wildkatzen nicht vollständig vom Menschen abhängig machten. Prof. Dr. Hervé vom Senckenberg Centrum der Universität Tübingen fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Die Tiere waren also nicht synanthrop, nicht vollständig auf den Menschen und seinen Lebensraum angepasst, sondern lebten – im Gegensatz zu den Hunden in dieser Zeit – ‚opportunistisch’.“ 

Das Fressverhalten der aus dem Nahen Osten stammenden Falbkatze wurde auch bei der heimischen europäischen Wildkatze erforscht. Beide Arten ernährten sich nahezu gleich und standen in einer direkten Futterkonkurrenz. Da allerdings das Angebot an Futterquellen sehr hoch war, wurde keine der beiden Arten verdrängt.

Haben sich Katzen selbst domestiziert?

Die Forschung an den Katzenknochen und die Art, wie sich Katzen den Menschen näherten, legt nahe, dass sich die Katzen selbst dazu entschieden haben, zu den Menschen zu kommen. Der Mensch erkannte den Nutzen der Katze schnell und versuchte sie immer mehr anzulocken. Dies führte dazu, dass die Wildkatzen ihre Scheu vor den Menschen verloren haben.

Dass sich Katzen selbst domestiziert haben, ein Prozess bei den Wildtieren ihr Verhalten verändern und normalerweise von Menschen über Generationen hinweg von früheren Wildformen getrennt werden, ist bisher nicht bewiesen. Eine umfassende Studie von domestizierten Katzen lässt darauf schließen, dass Katzen Jahrtausende an der Seite des Menschen lebten, ohne dass ihr Verhalten von den Menschen angepasst wurde. So gibt es kaum genetische Veränderungen von den heutigen Hauskatzen zu ihren Vorfahren aus Afrika und Asien. 

Erst seit 150 Jahren gibt es die uns bekannten Hauskatzen. In dieser kurzen Zeit ist es noch nicht gelungen, die Katze komplett zu domestizieren. Anders als bei Hunden, die schon seit Jahrtausenden domestiziert werden, ist die Hauskatze nur halbdomestiziert. Das Cat Genome Sequencing Projekt ist eine Studie verschiedener Forscher, die Gene reinrassiger Hauskatzen mit denen der Wildkatzen aus Asien und Europa verglichen haben. 

Dabei wurde festgestellt, dass Wilidkatzen das beste Gehör unter den fleischfressenden Säugetieren haben und Pheromone besonders gut riechen können. Die Botenstoffe sind für Katzen ein wichtiges Merkmal, um Informationen über andere Tiere zu erhalten. 

Das Ergebnis dieser Studie war eindeutig. Nur 13 Gene der Hauskatzen weisen eine Genveränderung zu den Wildkatzen auf. Alle veränderten Gene spielen bei dem Belohnungssystem, dem Gedächtnis und der Angstverarbeitung eine wichtige Rolle. Dies ist deutlich weniger als bei Hunden, allerdings ist das aufgrund der kurzen Domestikationsgeschichte kaum verwunderlich. 

Wildkatzen: Aussehen, Verhalten und Vorkommen 

In Deutschland gibt es knapp 8000 Wildkatzen. Viele verwechseln die Wildkatzen mit entlaufenen Hauskatzen und versuchen sie einzufangen. Allerdings sind Tierheime, Wohnungen und Häuser nicht das richtige Zuhause für Wildkatzen und ihnen wird damit kein Gefallen getan.

Triffst Du im Wald auf eine Katze, handelt es sich meist um eine Wildkatze. Wenn Du genau hinschaust, ist der Unterschied zwischen den beiden Katzenarten leicht zu erkennen. Diese Merkmale sind bei Wildkatzen besonders auffällig: 

  • Das Fell ist länger, etwas verwachsener und meist grau mit cremefarbigen Stellen
  • Der Körperbau ist kräftig, massiv und im Vergleich zu Hauskatzen etwas größer 
  • Ihr Schwanz ist sehr buschig und dick
  • Wildkatzen verhalten sich meist scheu und meiden den Kontakt zu Menschen

Entdeckst Du im Wald eine Katze mit ihrem Jungen, handelt es sich meist um eine Wildkatze, die unbedingt in Ruhe gelassen werden sollte. Auch ist die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten ziemlich hoch, wenn man eine Wildkatze in ein Tierheim oder mit nach Hause bringt. Falls Du eine verletzte oder kranke Wildkatze entdeckst, solltest Du Dich beim Naturschutzbund oder dem zuständigen Jäger melden. Auch hier ist es nicht ratsam, die Katze einzufangen und zum Tierarzt zu bringen.

Auswirkungen der Ähnlichkeit zwischen Wildkatzen und Hauskatzen

Es wurde bereits deutlich, dass die Gene von Wildkatzen und Hauskatzen sehr ähnlich sind, aber wie wirkt sich das auf die Erziehung unsere Katzen aus? Katzen haben meist ihren eigenen Kopf und hören oft nicht zu 100 % auf ihr Frauchen oder Herrchen. Die Erziehung der eigenen Katze fällt dann meist weniger streng aus als die von Hunden, da viele Besitzer kaum einen Sinn in der Erziehung sehen. Die Co-Autorin des Buches „The Trainable Cat“ Sarah Ellis sagt dazu: „Menschen erziehen Katzen für gewöhnlich nicht, weil sie Katzen für […] unabhängig und von freiem Willen erfüllt halten.“

Doch meist erziehen Besitzer ihre Katzen ganz unterbewusst. Vielleicht ist Dir auch schon aufgefallen, dass Du Deiner Katze ein böses „Nein“ hinterherrufst, wenn sie auf den Tisch gesprungen ist. Da für Katzen Aufmerksamkeit besser als nichts ist, werden sie ihr Verhalten sehr wahrscheinlich wiederholen.

Bei der Erziehung Deiner Katze ist es wichtig, dass Du in kleinen Schritten neue Gewohnheiten einführst. Wenn Du ihr zum Beispiel das Krallenschneiden beibringen möchtest, kannst Du sie für kleine Zwischenschritte mit ihrem liebsten Leckerli oder Katzenminze belohnen. Mit der Zeit wird Deine Katze das Kommando verstehen und ihr Verhalten anpassen. 

Durch die kurze Domestizierung der Katze wurde ihnen, anders als Hunden, noch kein bestimmtes Verhalten an- oder abtrainiert. Jedoch klappt es mit einigen Tipps und Tricks auch bei Katzen mit der richtigen Erziehung. Wenn Du die Geschichte der Katzen im Hinterkopf behältst und viel Geduld mitbringst, wird die Erziehung Deiner Katze sicherlich erfolgreich. 

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