Tiere als Helfer in der Therapie

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Tiere sind in vielerlei Hinsicht eine wahre Bereicherung für uns Menschen. Geschulte Hunde sind bspw. in der Blindenassistenz, bei der Drogenfahndung oder beim Aufspüren von Menschen in Lawinen behilflich.

Auch in der Therapie sind Tiere echte Helfer, da sie nachweislich für ein höheres Wohlbefinden sorgen. Interessante Informationen zu tiergestützter Therapie, für wen sie geeignet ist und welche Formen es gibt, erfährst Du hier.

Wie können Tiere in der Therapie helfen?

Die positive Wirkung von Tieren auf Therapiepatienten kam erstmals Mitte des letzten Jahrhunderts im öffentlichen Diskurs auf. Der amerikanische Kinderpsychologe Boris M. Levinson machte während einer Therapiestunde zufällig die Entdeckung, dass das Kind in Anwesenheit seines Hundes besser ansprechbar und bereit war, sich zu öffnen. 

Daraufhin wurde die Therapie mit Tieren insbesondere in den USA, in Kanada und Großbritannien erforscht, bevor auch in deutschsprachigen Ländern die Forschung auf dem Gebiet begann. Der Begriff „tiergestützte Therapie“ ist die Übersetzung für die englische Bezeichnung pet-facilitated therapy.

Die tiergestützte Therapie fungiert, wie der Name bereits vermuten lässt, lediglich unterstützend zu anderen Therapieformen, bspw. der Verhaltenstherapie. D.h. dass das Tier als „Co-Therapeut“ neben dem ausgebildeten Psychotherapeuten anwesend ist und zu höherem Therapieerfolg beiträgt.

Forschung und Kosten zu Tieren in der Therapie

In Deutschland begann die Forschung der tiergestützten Therapie erst später, als in Ländern aus dem angloamerikanischen Raum. Da die Wissenschaft – zumindest in Deutschland – auf dem Gebiet noch nicht so weit ist, wie es Pädagogen und Therapeuten fordern bzw. umsetzen möchten, werden die Kosten häufig noch nicht von der Krankenkasse getragen.

Klienten müssen meist selbst für die Kosten einer tiergestützten Therapie aufkommen, in Sonderfällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Es gibt jedoch auch schon günstigere Preise, gerade bei Gruppentherapien. Die positiven Wirkungen einer Therapie mit Tieren stellen wir Dir im Folgenden vor.

Wirkung von Tieren

Tiere haben eine beruhigende Wirkung auf uns und bieten Ablenkung vom Alltagsstress und negativen Emotionen wie Wut oder Trauer. Die Therapie mit Tieren spricht alle Sinne an, weswegen sich der Klient voll und ganz entspannen kann. Dabei ist es wichtig, dass sich der Klient auf das Tier einlässt und offen ist für die Begegnung. So können auch Ängste und Stress abgebaut werden. 

Darüber hinaus werden die Motorik und das Feingefühl geschult, da der Klient auf das Tier eingeht, es z.B. streichelt oder pflegt. Das Tier kann auch als Motivation zur Bewegung dienen und die Koordinationsfähigkeit schulen. 

Die tiergestützte Therapie erfordert eine andere bzw. neue Form von Kommunikation. Die Klienten achten auf die Bedürfnisse des Tieres, was sowohl die Aufmerksamkeit, als auch das Empathievermögen stärkt. Diese Erfahrung ist besonders für Kinder hilfreich, aber auch Alzheimer Patienten können ein Gefühl von Verantwortung und Lebensfreude erleben.

Einsatzmöglichkeiten in der Therapie 

Die Therapie mit Tieren eignet sich für Menschen jeder Altersgruppe, die kognitive, motorische oder sozial-emotionale Einschränkungen haben. Für Menschen mit Depressionen haben Tiere eine heilende Wirkung, da sie Ablenkung, Wärme und Zuneigung schenken. 

Kinder, die verhaltensauffällig sind, eine Behinderung oder Einschränkungen in der Motorik haben, können eine tiergestützte Therapie in Anspruch nehmen. Auch Menschen mit chronischen Schmerzen oder Patienten, die einen Schlaganfall hinter sich haben, profitieren von einer tiergestützten Therapie.

Darüber hinaus hilft die Therapie mit Tieren Demenzpatienten. Hier findet die Therapie meist in Form eines Besuchs statt, d.h. dass die Tiere, wie Hunde oder Katzen, mit ausgebildeten Therapeuten bzw. Pflegern in Pflegeeinrichtungen kommen und den Patienten Ablenkung sowie Geborgenheit spenden.

In einigen Schulen gibt es bereits sogenannte Schulhunde, die den Zusammenhalt der Klassengemeinschaft sowie das Verantwortungsbewusstsein und Empathievermögen der Schüler stärken. In den Pausen können die Kinder mit den Hunden spielen, Aufgaben übernehmen oder sich einfach entspannen. Das Streicheln des Tieres reduziert das Stresslevel, was gerade für Schulkinder sehr hilfreich ist.

Formen von Therapie-Tieren

Die Therapie mit Tieren gibt es in Gruppen- oder Einzelform. Je nach individuellen Bedürfnissen kann man entscheiden, welche Form geeignet ist und wie häufig die Therapieeinheiten in Anspruch genommen werden sollen. Zum Einsatz kommen ganz unterschiedliche Tiere.

Hundetherapie 

Hunde sorgen nachweislich für ein höheres Wohlbefinden bei Menschen, so trägt bspw. ein Hund im Büro zu einem besseren Arbeitsklima im Unternehmen bei. Auch in der tiergestützten Therapie kommen Hunde zum Einsatz. Therapiehunde unterscheiden sich von Assistenz- oder Besuchshunden. 

Hunde erspüren die Gefühle und Stimmung des Klienten und helfen diesem, sich zu entspannen und zu öffnen. Der Hund spendet Trost und Wärme, allein durch seine Anwesenheit wird die Stimmung gelockert. Streichelt der Klient den Hund, wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, was bei der Bewältigung von Ängsten hilft und Anspannungen löst. 

Hunde kommen auch in der Ergotherapie zum Einsatz, bei der bspw. kreativ gearbeitet wird, eigene Gewohnheiten oder Grenzen erprobt oder erweitert werden. Hunde sind hierbei sehr behilflich, da sie durch ihre Zuneigung eine Senkung des Cortisolspiegels bei dem Klienten bewirken.

Wichtig ist, dass der Hund geduldig und ruhig ist. Hunde, die in der Therapie tätig sind, sind jedoch auch immer professionell ausgebildet. Besonders für die Therapie geeignet sind Labradore, Berner Sennenhunde, aber auch Mischlinge und Golden Retriever.  

Delfintherapie 

Delfine kommen meist in der Therapie mit Kindern und Jugendlichen mit Einschränkungen zum Einsatz. Delfine verfügen über eine unglaublich hohe Sozialkompetenz sowie Intelligenz und werden daher gerne für verschiedene Therapieformen genutzt.

Wenngleich Delfine eine sehr beruhigende Wirkung auf den Patienten haben, sollte man vorher die Haltung der Tiere prüfen. Es lohnt sich also, sich gründlich über den Anbieter zu informieren, bevor man eine Delfintherapie in Anspruch nimmt.

Therapeutisches Reiten

Das therapeutische Reiten umfasst das heilpädagogische Voltigieren, die Hippotherapie und die Reittherapie. Das heilpädagogische Voltigieren findet meist in einer Gruppe statt. Hierbei werden das Gleichgewicht, die Koordinationsfähigkeit sowie die Motorik der Teilnehmer geschult. Unter Hippotherapie versteht man Krankengymnastik, die von Pferden unterstützt wird.

Die Reittherapie richtet sich vor allem an Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen oder einer geistigen Behinderung. Es wird, wie die anderen Formen, mit speziell ausgebildeten Pferden ausgeführt. Bei der Reittherapie können Ängste und Aggressionen abgebaut werden, des Weiteren verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit und der Klient stärkt sein Selbstbewusstsein bzw. -vertrauen. Der Umgang mit dem Pferd schult das Empathievermögen sowie die soziale Kompetenz.

Fazit

Da Tiere intuitiv die Gefühle und Stimmung des Klienten erspüren können, sind sie uns der Therapie eine große Hilfe. Sie spenden allein durch ihre Anwesenheit Wärme und Geborgenheit. Die tiergestützte Therapie richtet sich vor allem an Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen und hilft diesen, sich zu entspannen und zu öffnen. Bei den verschiedenen Formen, die es gibt, kann individuell entschieden werden, welche Form sich am besten eignet. 

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