Impfungen sind unverzichtbare Maßnahmen, um Infektionskrankheiten und den Ausbruch von Erkrankungen zu verhindern. Da Tierhalter zunehmend öfter mit ihren Hunden reisen steigt die Wichtigkeit der Vorsorge. So wird nicht nur das eigene Tier geschützt. Auch kann durch Impfungen die Erregerausschreitung reduziert und eingedämmt werden.

 

Wie funktioniert´s?

Der Körper, ob von Hund oder Mensch, reagiert auf Fremdkörper in der Umwelt mit der Produktion spezifischer Antikörper. So bildet der Organismus eine Grundimmunität. Durch diese „natürliche aktive Immunisierung“ ist der Körper später im Falle einer erneuten Infektion bereits vor den Erregern geschützt.

„Künstliche aktive Immunisierung“ passiert mittels Impfung. Als Reaktion auf den Impfstoff folgt eine spezifische und unspezifische Immunabwehr. Dadurch wird wie nach einer natürlichen Infektion eine gezielte Immunität gebildet. Impfstoffe können in die Muskulatur, unter die Haut oder auf Schleimhautoberflächen verabreicht werden.

Wie lang eine Impfung ihre Gültigkeit behält oder wann sie aufgefrischt werden muss, hängt sowohl vom Impfstoff als auch vom Hund selbst ab. Empfehlenswert ist zunächst eine Grundimmunisierung im Welpenalter.

 

Wie oft sollte man seinen Hund impfen?

In der Vergangenheit wurde oft geraten, seinen Hund jährlich zu impfen. Doch Vorsicht! Ob der Impfschutz noch wirkt oder aufgefrischt werden sollte, kann wie beim Menschen durch eine Titerbestimmung festgestellt werden. Im Blut werden dabei die Menge der Antikörper gemessen. Ist der Wert in Ordnung muss und sollte nicht nachgeimpft werden.
Neue Impfstoffe können auch eine mehrjährig anhaltende Wirkung besitzen.
Am besten an die Richtlinie „so oft wie nötig, so wenig wie möglich“ halten. Dies rät die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet.) seit 2016, nachdem sie die „Leitlinien zur Impfung von Kleintieren“ herausgegeben hatte.

In den ersten Wochen nach der Geburt ist der Hundewelpe noch durch die Antikörper seiner Mutter geschützt (passive Immunität). Um den Welpen den bestmöglichsten Schutz mitzugeben, ist es wichtig die Hündin vor ihrer Trächtigkeit impfen zu lassen. So stellt es das geringste Risiko für die werdende Mutter da. Gleichzeitig bekommen die Welpen möglichst viele Antikörper mit auf ihren Weg. Verpasst man den Moment, kann man sie auch während der Trächtigkeit impfen lassen.

Nach der Geburt nimmt die Anzahl der Antikörper bei den Welpen ab. Eine Impfung ist aber erst nach etwa 2 Monaten möglich. Vorher würden die infektiösen Stoffe von den im Welpenblut enthaltenden Antikörper der Mutter direkt neutralisiert werden.

 

Wogegen sollte man den Hund impfen lassen?

Die Grundimmunisierung ist bereits im Welpenalter möglich und absolut empfehlenswert. Damit euer kleiner Schützling auch später gesund bleibt, wird ab einem Alter von 8 Wochen die erste Impfung verabreicht. Dafür bietet sich die Kombinations-Impfung gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose (SHPL) an. Nach weiteren Auffrischungen sind die ersten Impfungen nach 12 bis spätestens 16 Wochen abgeschlossen. Ab einem Alter von 15 Monaten gibt es die letzte Impfung der Grundimmunisierung. Jetzt ist dein Hund gegen die meisten gängigen Hundekrankheiten geschützt.

Auch wenn Deutschland bereits als tollwutfrei gilt, soll es schließlich auch so bleiben. Die Impfung gegen Tollwut ergibt durchaus Sinn. Wenn du gerne mit dem Hund in andere Länder reist, ist die Tollwutimpfung oft für die Einreise Pflicht. Informiert euch hier über Einreisebestimmungen und Voraussetzungen des jeweiligen Landes (lies dazu: Urlaub mit dem Hund). Empfohlen wird die Tollwutimpfung im Alter von etwa 6 Monaten oder nach dem Zahnwechsel. Sie kann aber auch mit der Impfung gegen SHPL kombiniert und ab der 12. Woche verabreicht werden. Danach ist eine Auffrischung alle 3 Jahre notwendig.

 

Welche Impfstofftypen gibt es?

Der große Vorteil von Lebendimpfstoffen liegt darin, dass sie eine echte Krankheit ohne Symptome erzeugen. So kann der Körper Antikörper gegen die Krankheit entwickeln ohne an ihren Auswirkungen leiden zu müssen. Abgeschwächte Erreger dringen in den Körper ein, können aber keine Erkrankung auslösen. Sie erzielen eine langanhaltende Immunität und wirken sehr effizient. Bei Tieren mit vorher schon bestehenden Immundefiziten kann es zu Nebenwirkungen und Krankheitserscheinungen kommen (selten).

Inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe) enthalten entweder nur Bruchstücke des Erregers oder bereits abgetötete. Sie haben einen geringeren immunogenen Effekt. Durch Trägersubstanzen wird dann für eine ausreichende Immunreaktion gesorgt.

Kombinationsstoffe enthalten Antigene mehrerer Erreger. Der absolute Vorteil dieser Wirkstoffe ist natürlich, dass das Tier nur einmal zum Arzt gebracht werden und nur eine Spritze bekommen muss. Der Nachteil liegt darin, dass sie oftmals nicht einzeln aufgefrischt werden können. So muss z.B. Parvovirose und Staupe lediglich alle drei Jahre aufgefrischt werden, Leptospirose dagegen jährlich.

 

Welche Risiken & Nebenwirkungen können auftreten?

Als Schutz vor Infektionskrankheiten ist die Impfung das sicherste Mittel. Sie erspart dem Hund im Falle einer Infizierung die womöglich qualvolle Krankheit. Gewisse Risiken sind dennoch nie auszuschließen. Einen völlig risikofreien Impfstoff gibt es nicht. Trotzdem gilt: der Nutzen einer Impfung ist um ein Vielfaches größer als das damit verbundene Risiko. Wichtig bei der Impfung ist, dass euer Tier vorher gesund ist. So können Komplikationen vermieden werden. Auch sollte die Impfung immer durch einen ausgebildeten Tierarzt vorgenommen werden. Bei falscher Behandlung können sich Entzündungsreaktionen an der Impfstelle bilden.

 

Welche Hundekrankheiten gibt es?

Hepatitis können sowohl Mensch als auch Tier bekommen. Die ansteckende Leberentzündung wird durch Adenoviren übertragen. Die Krankheit macht sich häufig zunächst durch Fieber, Erbrechen, Durchfall, Blutungen in der Lunge und manchmal durch neurologischen Störungen bemerkbar. Der Impfschutz nach der Grundimmunisierung kann bis zu 9 Jahren halten.

Staupe ist eine virale Infektion. Häufig geht sie mit Nasen- und Augenausfluss und Lungenentzündung einher. Manchmal begleitet von Durchfall. Die Impfung gegen Staupe hält glücklicherweise lang an. Vergleichen kann man die Krankheit mit dem Masernvirus bei Menschen. Nach zweimaliger Grundimmunisierung sind Menschen ein Leben lang geschützt.

Auch unter Hundeseuche bekannt ist Parvovirose und ähnelt stark dem Katzenseuchevirus. Eine recht häufig auftretende Erkrankung, die besonders für Welpen gefährlich werden kann. Durchfall und Erbrechen sind dabei die Hauptsymptome. Parvovirose wird schnell und einfach übertragen, z.B. über Kot. Der Schutz der Impfung hält in der Regel mehrere Jahre an.

Bei der Leptospirose handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, die tödlich verlaufen kann. Sie kann auch von Tier auf Mensch übertragen werden. Zwischen Tieren wird sie meist durch Urin infizierter Nagetiere weitergegeben. Erledigt ein infiziertes Tier sein Geschäft, vermischt sich der Erreger mit der Umwelt. Trinkt dein Hund nun aus einer Pfütze, einem Bach oder schläft auf der kontaminierten Erdstelle, kann er sich auch ohne direkten Kontakt zum Tier anstecken. Schwere Nierenschäden und Blutungen in der Lunge sind die Folge.

Sowohl als virale als auch bakterielle Infektion kann Zwingerhusten auftreten.  Der virale Erreger wird durch den Impfstoff gegen Hepatitis ausgeschaltet. Gegen den bakteriellen Erreger wirken meistens die Kombinationsimpfungen bei der Grundimmunisierung. Besonders gefährdet sind Hunde, die dicht auf dicht (wie in Tierheimen) leben oder bei denen keine ausreichende Hygiene gewehrleistet ist.

Für trächtige Hündinnen, die keinerlei Antikörper aufweisen empfiehlt sich eine Impfung gegen Herpesviren. Diese können im schlimmsten Fall Welpensterben, Fehl- oder Totgeburten verursachen. Für alle anderen Hunde ist diese Impfung aber nicht notwendig.

Nahezu alle warmblütigen Lebewesen können von Tollwut betroffen werden. Besonders verbreitet sich die Krankheit durch direkte Bisse mit Speichel. Die immer tödlich verlaufende Krankheit wird durch eine Virusinfektion mit dem Lyssa-Virus ausgelöst. Um Europa vor Tollwut zu schützen, ist in vielen europäischen Ländern die Tollwutimpfung bei Hunden Pflicht. Die Tollwutverordnung sieht außerdem vor, dass ungeimpfte Tiere, die mit einem tollwütigen Tier (z.B. ein kranker Rotfuchs) in Kontakt kommen, ausnahmslos getötet werden. Die Gefahr der Verbreitung von Tollwut ist einfach zu hoch.

Zusammenfassung Impfschema:

  • 6. – 8. Lebenswoche: Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose (SHPL, meist als 4-Fach-Impfung)
  • 10. – 12. Lebenswoche: SHPL + Tollwut
  • 16. Lebenswoche: SHP
  • 15. Lebensmonat: SHPL + Tollwut

Auffrischungen je nach Impfstoff:

  • Nach 1. Jahr: Leptospirose und ggf. Zwingerhusten
  • Nach 2. Jahr: Leptospirose und Zwingerhusten
  • Nach 3. Jahr: STHPL + Tollwut
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