Molosser oder Molossoide sind keine einzelne Hunderasse, sondern eine Gruppe kräftig gebauter Hunderassen. Dazu gehören sehr unterschiedliche Hunde – von Boxer und Rottweiler über Deutsche Dogge und Cane Corso bis hin zu Neufundländer, Hovawart und Bernhardiner. Erfahre hier, welche Rassen nach der FCI tatsächlich zu den Molossoiden zählen und was Du vor der Anschaffung wissen solltest.
Geschichte und Einsatz der Molosser
Der Begriff Molosser hat historische Wurzeln. Der Name wird mit den Molossern, einem antiken Volksstamm in der Region Epirus, und den dort gehaltenen großen Hunden in Verbindung gebracht. Große, kräftige Hunde wurden im Laufe der Geschichte für sehr unterschiedliche Aufgaben eingesetzt – unter anderem zum Bewachen von Menschen, Vieh und Grundstücken, als Treib- und Arbeitshunde sowie teilweise auch für militärische Zwecke oder Tierkämpfe.
Es wäre allerdings zu pauschal, heutige Molosser grundsätzlich als ehemalige Kampfhunde zu bezeichnen. Die einzelnen Rassen haben sehr unterschiedliche Entstehungsgeschichten und ursprüngliche Aufgaben.
Der Cane Corso Italiano wurde beispielsweise als vielseitiger Wach- und Arbeitshund genutzt. Der Rottweiler hat eine lange Geschichte als Treib-, Wach- und Gebrauchshund. Andere Molosser wie der Neufundländer wurden dagegen für Arbeiten am und im Wasser bekannt, während große Berghunde traditionell Herden oder Besitz schützten.
Deshalb sagt die Bezeichnung „Molosser“ zwar etwas über die kynologische Einordnung und teilweise den Körperbau aus, aber nur begrenzt etwas über den ursprünglichen Einsatzzweck oder den Charakter einer einzelnen Rasse.
Molosser als Haustiere
Molosser können je nach Rasse und individuellem Hund ausgeglichene, enge und zuverlässige Begleiter sein. Gleichzeitig sollte ihre körperliche Kraft nicht unterschätzt werden. Ein 50 oder 70 Kilogramm schwerer Hund stellt an Erziehung, Leinenführigkeit und Alltag andere Anforderungen als ein kleiner Begleithund.
Wie viel Bewegung ein Molosser benötigt, lässt sich nicht für die gesamte Gruppe beantworten. Ein sportlicher Cane Corso oder Rottweiler hat andere Ansprüche als ein sehr schwerer Mastiff. Auch Alter, Gesundheit und individuelles Temperament spielen eine wesentliche Rolle.
Gemeinsam ist vielen dieser Hunde, dass eine frühe und sorgfältige Sozialisation, verlässliche Erziehung und ein kontrollierbarer Umgang besonders wichtig sind. Körperliche Stärke sollte dabei nicht mit Härte beantwortet werden. Sinnvoll sind klare Regeln, planbares Training und der Aufbau erwünschten Verhaltens.
Wenn Du überlegst, einen Molosser aufzunehmen, solltest Du außerdem Platzbedarf, Transportmöglichkeiten, Futterkosten, Tierarztkosten und gegebenenfalls höhere Versicherungsbeiträge berücksichtigen. Bei sehr großen Rassen können sich selbst alltägliche Ausgaben deutlich von denen kleiner Hunde unterscheiden.
Vor der Anschaffung solltest Du außerdem die für Deinen Wohnort geltenden Vorschriften prüfen. Rechtliche Einschränkungen knüpfen nicht an die gesamte Gruppe der Molosser an, sondern können bestimmte Rassen oder individuell als gefährlich eingestufte Hunde betreffen.
Bekannte Molosser – Hunderassen
Hier findest Du eine bessere Übersicht über die Hunderassen, die nach der Systematik der FCI tatsächlich als Molossoide eingeordnet werden. Sie stehen in der FCI-Gruppe 2, Sektion 2 „Molossoide“.
Die FCI unterteilt diese Sektion wiederum in zwei Gruppen: doggenartige Hunde und Berghunde. Deshalb sehen längst nicht alle Molosser wie eine klassische Dogge aus.
Doggenartige Molosser
Zu den doggenartigen Molossoiden der FCI gehören:
- Dogo Argentino – großer, athletischer Hund aus Argentinien
- Fila Brasileiro – brasilianischer Molosser
- Shar Pei – chinesische Rasse, die trotz ihres deutlich anderen Erscheinungsbildes zu den doggenartigen Molossoiden zählt
- Broholmer – große dänische Rasse
- Bordeauxdogge – schwerer französischer Molosser
- Deutscher Boxer – sportlicher, mittelgroßer bis großer Molosser
- Deutsche Dogge – besonders hochläufiger deutscher Molosser
- Rottweiler – kräftiger deutscher Gebrauchs- und Begleithund
- Englische Bulldogge – kompakter britischer Molosser
- Bullmastiff – britische Rasse aus der Gruppe der doggenartigen Hunde
- Mastiff – besonders großer und schwerer britischer Molosser
- Cane Corso Italiano – italienischer Wach- und Arbeitshund
- Mastino Napoletano – massiger italienischer Molosser
- Tosa Inu – japanische Molosserrasse
- Cão Fila de São Miguel – portugiesischer Treib- und Arbeitshund von den Azoren
- Perro Dogo Mallorquín / Ca de Bou – Molosser von Mallorca
- Presa Canario – kräftiger Hund von den Kanarischen Inseln
- Cimarrón Uruguayo – uruguayische Hunderasse
Molossoide vom Berghund-Typ
Weniger offensichtlich ist, dass die FCI auch zahlreiche große Herdenschutzhunde, Berg- und Arbeitshunde den Molossoiden zuordnet. Dazu gehören:
- Tornjak – Hirten- und Herdenschutzhund aus Bosnien-Herzegowina und Kroatien
- Neufundländer – großer kanadischer Wasser- und Arbeitshund
- Pyrenäenberghund – französischer Herdenschutzhund
- Hovawart – deutscher Gebrauchshund, von der FCI als Molossoid vom Berghund-Typ geführt
- Leonberger – sehr großer deutscher Begleit- und Wachhund
- Landseer (europäisch-kontinentaler Typ) – großer weiß-schwarzer Hund
- Aïdi – Atlas-Berghund aus Marokko
- Šarplaninac – Herdenschutzhund vom Balkan
- Cão de Castro Laboreiro – portugiesischer Wach- und Herdenschutzhund
- Estrela-Berghund / Cão da Serra da Estrela – portugiesischer Herdenschutzhund
- Rafeiro do Alentejo – großer portugiesischer Herdenschutz- und Wachhund
- Ciobănesc Românesc de Bucovina – rumänischer Herdenschutzhund
- Kaukasischer Schäferhund – großer Herdenschutz- und Wachhund
- Zentralasiatischer Schäferhund (Alabai) – kräftiger Herdenschutzhund Zentralasiens
- Karst-Schäferhund – slowenische Hunderasse
- Pyrenäen-Mastiff – spanischer Herdenschutzhund
- Spanischer Mastiff – großer spanischer Herdenschutzhund
- Bernhardiner – Schweizer Berghund und einer der bekanntesten sehr großen Molosser
- Do Khyi / Tibetmastiff – ursprünglicher Wach- und Herdenschutzhund aus Tibet
- Kangal – türkischer Herdenschutzhund
Welche kräftigen Hunderassen sind keine FCI-Molosser?
Bei der Bezeichnung „Molosser“ kommt es häufig zu Verwechslungen. Nicht jeder muskulöse oder sogenannte Listenhund gehört kynologisch zu den Molossoiden.
Der American Staffordshire Terrier wird beispielsweise von der FCI in Gruppe 3 – Terrier und dort bei den bullartigen Terriern geführt. Gleiches gilt für Staffordshire Bull Terrier und Bull Terrier.
Der häufig als „Pitbull“ bezeichnete American Pit Bull Terrier ist wiederum keine von der FCI anerkannte Hunderasse. Er sollte deshalb nicht einfach in eine Liste der FCI-Molosser aufgenommen werden.
Umgekehrt können Rassen wie Hovawart, Neufundländer und Kangal auf den ersten Blick weniger „doggenartig“ erscheinen, werden von der FCI aber tatsächlich in der Sektion der Molossoide geführt.
Sind alle Molosser riesig und schwer?
Nein. Die Gruppe umfasst zwar zahlreiche sehr große und schwere Hunde, die Spannweite ist aber erheblich. Eine Englische Bulldogge oder ein Shar Pei unterscheidet sich deutlich von einem Mastiff, einer Deutschen Dogge oder einem Bernhardiner.
Deshalb ist auch die verbreitete Beschreibung von Molossern als ausschließlich „riesige Hunde“ zu ungenau. Charakteristisch ist vielmehr ihre kynologische Zuordnung. Körpergröße, Gewicht, Fell, Bewegungsbedarf und ursprünglicher Einsatzzweck unterscheiden sich teilweise stark.
Welchen Charakter haben Molosser?
Einen einheitlichen „Molosser-Charakter“ gibt es nicht. Ein Boxer unterscheidet sich in Temperament und Arbeitsbereitschaft deutlich von einem Mastiff, während ein Kangal oder Kaukasischer Schäferhund als traditioneller Herdenschutzhund wiederum ganz andere Eigenschaften mitbringen kann.
Bei einigen Rassen wurden Wachsamkeit, Schutzverhalten und selbstständiges Entscheiden über Generationen gezielt genutzt. Andere wurden stärker als Begleit-, Arbeits- oder Gebrauchshunde selektiert. Vor einer Anschaffung solltest Du Dich deshalb immer über die konkrete Rasse informieren und nicht nur danach fragen, ob sie zu den Molossern gehört.
Sind Molosser für Anfänger geeignet?
Auch diese Frage lässt sich nicht für alle Molosser gleich beantworten. Größe und Körperkraft allein machen einen Hund nicht automatisch schwierig. Bei Rassen mit ausgeprägtem Wach-, Schutz- oder Territorialverhalten können Fehler in Sozialisation, Management und Erziehung jedoch besonders schwer ins Gewicht fallen.
Wer wenig Hundeerfahrung besitzt, sollte deshalb sehr sorgfältig prüfen, welche Rasse tatsächlich zum eigenen Alltag passt. Ein seriöser Züchter oder eine fachkundige Vermittlungsstelle sollte nicht nur nach Aussehen und Wunschfarbe vermitteln, sondern auch Erfahrung, Wohnsituation und Erwartungen berücksichtigen.
Molosser und Listenhunde sind nicht dasselbe
Die Begriffe Molosser und Listenhund solltest Du nicht gleichsetzen. „Molosser“ ist eine kynologische Einordnung. Welche Hunde rechtlich besonderen Vorschriften unterliegen, richtet sich dagegen nach der jeweils geltenden Gesetzgebung.
In Deutschland unterscheiden sich die Vorschriften zur Haltung bestimmter Hunde zwischen den Bundesländern. Zusätzlich gibt es auf Bundesebene besondere Regeln für das Verbringen und die Einfuhr von Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen. Diese vier Rassen sind damit aber nicht automatisch „die Molosser“.
Auch in Österreich unterscheiden sich die Regelungen nach Bundesland. In der Schweiz können kantonale Bestimmungen maßgeblich sein. Prüfe deshalb vor Anschaffung, Umzug oder Einreise immer die aktuell geltenden Vorschriften am konkreten Wohn- beziehungsweise Zielort.
Beeindruckende Hunde
Molosser bilden eine ausgesprochen vielseitige Gruppe von Hunden. Dazu gehören kompakte Bulldoggen ebenso wie sportliche Boxer und Cane Corsos, hochläufige Deutsche Doggen sowie massive Mastiffs und große Herdenschutzhunde.
Ob eine dieser Rassen zu Dir passt, solltest Du deshalb niemals allein anhand der Bezeichnung „Molosser“ entscheiden. Informiere Dich über Größe, Charakter, ursprünglichen Verwendungszweck, Bewegungsbedarf, Gesundheit und rechtliche Rahmenbedingungen der konkreten Rasse.
Mit passender Auswahl, guter Sozialisation, fairer Erziehung und verantwortungsvollem Management können viele Molosser zuverlässige Begleiter sein. Gerade bei sehr großen oder selbstständig arbeitenden Rassen solltest Du aber realistisch einschätzen, ob Erfahrung, Zeit und Haltungsbedingungen zu ihren Bedürfnissen passen.
