Sperlingspapageien: Haltung, Ernährung, Arten & Pflege

Größe:
etwa 10 – 14 cm, je nach Art
Gewicht:
etwa 25 – 35 g, je nach Art und Individuum
Herkunft:
Mittel- und Südamerika
Lebensdauer:
häufig etwa 10 – 15 Jahre, bei guter Haltung teils länger
Farbe:
Naturformen überwiegend grün; je nach Art blaue Zeichnungen, in Zucht zahlreiche Farbmutationen
Geeignet als:
FCI Gruppen:
Haltung
mindestens paarweise
Preis
stark abhängig von Art, Herkunft und Farbschlag
Aktivität
Pflegeaufwand
Beschäftigung
Lärm
Eignung für Anfänger
Sprachbegabung
Intelligenz
Verspieltheit
Geselligkeit
Handzahm
    wenig:
    viel:

Klein, selbstbewusst und ausgesprochen lebhaft: Sperlingspapageien gehören zu den kleinsten Papageien, zeigen aber viele typische Eigenschaften ihrer größeren Verwandten. Sie sind neugierig, intelligent, sozial und können innerhalb ihres Reviers erstaunlich durchsetzungsfähig sein.

Wer Sperlingspapageien halten möchte, sollte sich deshalb nicht von ihrer geringen Körpergröße täuschen lassen. Die Vögel benötigen einen Partnervogel, ausreichend Flugraum, Beschäftigung, eine ausgewogene Ernährung und eine sichere, gut strukturierte Umgebung.

Mit geduldigem Training können einzelne Tiere freiwillig auf die Hand kommen oder kleine Übungen lernen. Das eigentliche Ziel der Haltung sollte aber nicht sein, einen möglichst zahmen Einzelvogel zu bekommen. Ein artgleicher Sozialpartner ist für das Wohlbefinden wesentlich wichtiger.

Artbeschreibung

So klein wie ein Sperling, aber eindeutig ein Papagei: Sperlingspapageien gehören zur Gattung Forpus. Dabei handelt es sich nicht um sieben Unterarten einer einzigen Art, sondern um mehrere eigenständige Arten.

In der Heimtierhaltung begegnet man besonders häufig folgenden Arten:

  • Blaugenick-Sperlingspapagei (Forpus coelestis)
  • Augenring-Sperlingspapagei (Forpus conspicillatus)
  • Grünbürzel-Sperlingspapagei (Forpus passerinus)

Daneben gehören weitere Arten zur Gattung Forpus. Haltung, Körpergröße, Sozialverhalten und Ernährung ähneln sich in vielen Punkten, sollten aber dennoch immer artspezifisch betrachtet werden.

Herkunft und natürliche Lebensweise

Sperlingspapageien sind in unterschiedlichen Regionen Mittel- und Südamerikas beheimatet. Das genaue Verbreitungsgebiet hängt von der jeweiligen Art ab. Der Blaugenick-Sperlingspapagei stammt beispielsweise aus dem westlichen Südamerika, während der Grünbürzel-Sperlingspapagei weiter nördlich und östlich verbreitet ist.

Auch die Aussage, alle Sperlingspapageien lebten in denselben tropischen Regenwäldern, wäre zu pauschal. Je nach Art bewohnen sie offene Landschaften, Waldränder, Buschland, landwirtschaftlich geprägte Gebiete und andere strukturreiche Lebensräume.

Viele Sperlingspapageien bewegen sich außerhalb der Brutzeit in Gruppen. Paarbindungen spielen gleichzeitig eine wichtige Rolle. In menschlicher Obhut sollten sie deshalb nicht dauerhaft einzeln gehalten werden.

In der Natur besteht die Nahrung unter anderem aus Samen, Pflanzenteilen, Früchten und weiteren pflanzlichen Nahrungsquellen. Welche Bestandteile mengenmäßig dominieren, unterscheidet sich zwischen Arten, Lebensraum und Jahreszeit.

Artenschutz bei Sperlingspapageien

Sperlingspapageien gehören zu den Papageien und unterliegen internationalen Artenschutzregelungen. Verschiedene Forpus-Arten werden im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES erfasst.

Für Halter in Deutschland gibt es jedoch eine wichtige Besonderheit: Der Blaugenick-Sperlingspapagei, der Augenring-Sperlingspapagei und der Grünbürzel-Sperlingspapagei sind ebenso wie einige weitere Forpus-Arten in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt. Sie sind damit von der Anzeigepflicht nach § 7 Absatz 2 BArtSchV ausgenommen.

Trotzdem solltest Du beim Kauf auf eine nachvollziehbare legale Herkunft achten und Kauf- beziehungsweise Herkunftsunterlagen aufbewahren. Bei einer anderen oder seltenen Forpus-Art solltest Du den konkreten Schutzstatus vor dem Kauf prüfen.

Aussehen der Sperlingspapageien

Sperlingspapageien

Sperlingspapageien gehören mit ungefähr 10 bis 14 cm Körperlänge zu den kleinsten Papageien. Das genaue Maß hängt von der jeweiligen Art ab.

Viele der häufig gehaltenen Arten wiegen ungefähr 25 bis 35 g. Der Körper ist kompakt, der Schwanz vergleichsweise kurz und der Schnabel für die geringe Körpergröße kräftig.

Wildfarbene Tiere sind überwiegend grün. Bei mehreren Forpus-Arten besitzen insbesondere die Männchen charakteristische blaue Gefiederbereiche, deren Lage sich je nach Art unterscheidet.

In der Zucht sind zahlreiche Farbmutationen entstanden. Je nach Art und Zuchtlinie gibt es beispielsweise blaue, gelbliche, pastellfarbene oder gescheckte Tiere. Die genaue genetische Bezeichnung eines Farbschlags sollte allerdings nicht mit der Artzugehörigkeit verwechselt werden.

Charakter und Wesen

Sperlingspapageien besitzen trotz ihrer geringen Größe ein ausgesprochen selbstbewusstes Wesen. Sie sind neugierig, aktiv, lernfähig und erkunden neue Gegenstände häufig intensiv mit Schnabel und Füßen.

Gleichzeitig können sie territorial reagieren. Gerade der Blaugenick-Sperlingspapagei ist dafür bekannt, Artgenossen und andere Vögel innerhalb seines Reviers energisch auf Abstand zu halten.

Eine Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist deshalb nicht automatisch eine gute Idee. Kleine Körpergröße bedeutet nicht geringe Wehrhaftigkeit. Sperlingspapageien können andere Vögel erheblich verletzen und selbst verletzt werden.

Auch bei mehreren Paaren derselben Art ist ausreichend Platz und eine sorgfältige Beobachtung notwendig. Gruppenhaltung kann funktionieren, ist aber kein Selbstläufer.

Sperlingspapageien niemals dauerhaft allein halten

Papageien sind soziale Vögel. Das Gutachten des Bundesministeriums zu den Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien sieht grundsätzlich Paar- oder Gruppenhaltung vor.

Ein Mensch kann einen artgleichen Partner nicht ersetzen. Das gilt auch dann, wenn der einzelne Vogel sehr zahm ist, viel spricht oder regelmäßig auf der Schulter sitzt.

Für die Heimtierhaltung ist deshalb mindestens ein harmonierendes Paar derselben Art die sinnvollste Ausgangslage.

Werden Sperlingspapageien zahm?

Sperlingspapageien können zahm werden, müssen es aber nicht. Manche Vögel fressen nach einiger Zeit aus der Hand, steigen freiwillig auf einen Finger oder Targetstick und lassen sich gut trainieren. Andere behalten lebenslang mehr Abstand zu Menschen.

Vertrauen sollte nicht durch Einfangen, Festhalten oder Futterentzug erzwungen werden. Besser funktioniert freiwilliges Training mit kleinen Belohnungen.

Dass ein Vogel einen Partner hat, verhindert eine gute Beziehung zum Menschen nicht. Im Gegenteil: Ein sozial sicherer Vogel kann entspannter mit neuen Situationen umgehen.

Können Sperlingspapageien sprechen?

Einzelne Sperlingspapageien können Laute oder wenige Wörter imitieren. Eine ausgeprägte Sprachbegabung wie bei manchen größeren Papageien sollte jedoch nicht erwartet werden.

Auch zwischen einzelnen Vögeln bestehen deutliche Unterschiede. Ein Sperlingspapagei sollte deshalb nicht aufgrund der Hoffnung gekauft werden, dass er sprechen lernt.

Sind Sperlingspapageien laut?

Verglichen mit vielen großen Papageien sind Sperlingspapageien aufgrund ihrer Körpergröße meist weniger durchdringend. Leise sind sie deshalb nicht automatisch.

Sie kommunizieren über den Tag regelmäßig, können bei Aufregung laut rufen und sich bei Auseinandersetzungen deutlich bemerkbar machen. Die individuelle Lautstärke und Häufigkeit der Rufe unterscheiden sich von Paar zu Paar.

In einer sehr hellhörigen Wohnung solltest Du deshalb nicht davon ausgehen, dass Sperlingspapageien vollkommen geräuschlose Haustiere sind.

Haltung und Ernährung

Haltung

Die Haltung von Sperlingspapageien ist wegen ihrer geringen Größe nicht automatisch unkompliziert. Sie brauchen deutlich mehr Raum, als ein typischer kleiner Vogelkäfig bietet.

Das BMEL-Gutachten zu Papageien ist eine tierschutzfachliche Orientierung für Mindestanforderungen. Diese Angaben sind als Mindestniveau zu verstehen – eine möglichst großzügige Unterbringung mit viel nutzbarer horizontaler Flugstrecke ist vorzuziehen.

Gerade Sperlingspapageien profitieren von einer möglichst langen Voliere beziehungsweise einem Vogelzimmer. Höhe allein ersetzt keine Flugstrecke.

Voliere statt kleiner Käfig

Für ein Paar sollte die Unterbringung so groß gewählt werden, dass beide Vögel mehrere Flügelschläge horizontal fliegen können. Eine geräumige Innenvoliere oder ein gut gesichertes Vogelzimmer bietet dafür wesentlich bessere Voraussetzungen als ein schmaler Hochkäfig.

Wenn die Vögel nicht dauerhaft in einem Vogelzimmer oder sehr großen Flugraum leben, benötigen sie zusätzlich regelmäßigen gesicherten Freiflug.

Die alte pauschale Angabe von 100 × 50 × 100 cm sollte deshalb nicht als optimale Dauerhaltung verstanden werden. Mindestmaße aus Gutachten sind keine Zielgröße für eine besonders tiergerechte Haltung.

Gitterabstand und Material

Der Gitterabstand muss so gewählt sein, dass der kleine Kopf eines Sperlingspapageis nicht zwischen die Stäbe geraten kann. Beachte hierzu die Angaben des Volierenherstellers für kleine Papageien beziehungsweise die konkrete Forpus-Art.

Auch die Beschichtung ist wichtig. Rostende, abblätternde oder unbekannt beschichtete Metallteile gehören nicht in eine Papageienvoliere. Bei selbstgebauten Volieren muss besonderes Augenmerk auf vogelsichere Materialien gelegt werden.

Sicherer Freiflug

Beim Freiflug müssen Fenster und Außentüren zuverlässig gesichert sein. Auch gekippte Fenster können für Vögel gefährlich sein.

Weitere typische Gefahren sind:

  • offene Fenster und Türen,
  • heiße Herdplatten und offene Töpfe,
  • Deckenventilatoren,
  • offene Wasserbehälter,
  • giftige Zimmerpflanzen,
  • Stromkabel,
  • offene Flammen,
  • Tabakrauch und Aerosole,
  • Hunde und Katzen.

Besonders wichtig: Auch ein ruhiger Hund oder eine Katze bleibt für einen kleinen Vogel ein potenzieller Beutegreifer. Gemeinsamer unbeaufsichtigter Freilauf ist deshalb keine sichere Lösung.

Einrichtung der Voliere

Sowohl in der Voliere als auch im Flugzimmer sollten verschiedene Sitzmöglichkeiten angeboten werden. Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern ermöglichen den Füßen wechselnde Griffpositionen und dienen gleichzeitig als Beschäftigungsmaterial.

Geeignete frische Äste sollten ungiftig, ungespritzt und frei von starken Verschmutzungen sein. Je nach verfügbarem Pflanzenmaterial kommen beispielsweise geeignete Zweige von Hasel, Weide oder unbehandelten Obstgehölzen infrage.

Sperlingspapageien nagen ausgesprochen gern. Dieses Verhalten sollte nicht verhindert, sondern über sichere Materialien ermöglicht werden.

Geeignete Beschäftigung kann unter anderem sein:

  • Naturäste,
  • unbehandeltes Holz,
  • Kork,
  • Pappe und Papier ohne problematische Beschichtungen,
  • frische Zweige und Blätter geeigneter Pflanzen,
  • Futtersuche und Foraging-Spielzeug,
  • geeignete Seile und Schaukeln.

Bei Seilen und Spielzeug solltest Du regelmäßig kontrollieren, ob sich Fasern lösen oder Schlaufen entstehen, in denen sich Zehen oder Füße verfangen können.

Spiegel gehören nicht in die Voliere

Ein Spiegel ersetzt keinen Sozialpartner. Manche Papageien reagieren auf ihr Spiegelbild dauerhaft mit Balz-, Fütterungs- oder Territorialverhalten.

Bei paarweise gehaltenen Sperlingspapageien besteht ohnehin kein Grund, einen Spiegel als vermeintlichen „Partnerersatz“ anzubieten.

Bademöglichkeit

Viele Sperlingspapageien baden gern. Du kannst regelmäßig eine flache, sichere Badeschale mit frischem Wasser anbieten.

Das Wasser sollte täglich beziehungsweise bei Verschmutzung sofort gewechselt werden. Tiefe offene Gefäße sind unnötig.

Licht und Tagesrhythmus

Sperlingspapageien benötigen einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus mit ausreichend ungestörter Dunkelphase. Dauerhafte Beleuchtung bis spät in die Nacht ist nicht sinnvoll.

Bei reiner Innenhaltung sollte die Beleuchtung so geplant werden, dass sie für Vögel geeignet ist und ausreichend Helligkeit bietet. Spezielle Vogelbeleuchtung kann abhängig vom Raum und fehlendem natürlichem Licht sinnvoll sein.

Die pauschale Aussage, jede Birdlamp liefere automatisch die richtige UV-Versorgung für Knochen und müsse zwingend eingesetzt werden, greift jedoch zu kurz. Lampentyp, Abstand, Intensität und tatsächliche UV-Abgabe müssen zusammenpassen.

Ein Nachtlicht ist ebenfalls nicht grundsätzlich erforderlich. Nur wenn einzelne Vögel wiederholt zu nächtlichen Panikreaktionen neigen, kann eine sehr schwache Orientierungshilfe individuell sinnvoll sein.

Ernährung

Die Ernährung von Sperlingspapageien sollte abwechslungsreich und auf die Bedürfnisse kleiner Papageien abgestimmt sein. Eine reine Körnermischung aus Wellensittich- und Agapornidensaaten ist langfristig keine vollständig ausgewogene Ernährung.

Das Merck Veterinary Manual weist darauf hin, dass reine Saatendiäten bei Papageien unter anderem zu wenig Calcium, Vitamin A und bestimmte Aminosäuren liefern können.

Eine sinnvolle Fütterung kann je nach Haltungskonzept aus einem geeigneten ausgewogenen Papageienfutter beziehungsweise hochwertigen Pellets oder Extrudaten, einer kontrollierten Saatenmenge und täglich geeigneten frischen Pflanzenbestandteilen bestehen.

Wie die Ration konkret zusammengestellt wird, hängt unter anderem von Art, Gewicht, Aktivität und bisheriger Fütterung ab. Eine abrupte Umstellung von einem reinen Körnerfresser auf ein völlig neues Futter ist oft wenig erfolgreich und sollte schrittweise erfolgen.

Saaten nicht unbegrenzt anbieten

Sonnenblumenkerne und andere besonders fettreiche Saaten sollten nicht den Hauptanteil bilden. Gerade bei wenig Bewegung können energiereiche Körnermischungen Übergewicht begünstigen.

Auch Kolbenhirse ist ein geeignetes Trainings- und Beschäftigungsfutter, sollte aber in die tägliche Gesamtfuttermenge eingerechnet werden.

Frischfutter für Sperlingspapageien

Geeignetes Gemüse, Blattgrün und Kräuter können die Ration abwechslungsreicher gestalten. Neue Futtermittel sollten langsam angeboten werden, da manche Vögel unbekannte Nahrung zunächst ignorieren.

Mögliche Beispiele sind:

  • Paprika,
  • Zucchini,
  • Karotte,
  • Brokkoli,
  • geeignete Blattgemüse,
  • Vogelmiere,
  • geeignete frische Kräuter,
  • kleine Mengen Obst.

Obst sollte wegen seines Zuckergehalts nicht den Hauptanteil des Frischfutters ausmachen.

Avocado ist für Vögel ungeeignet und potenziell giftig. Auch Alkohol, koffeinhaltige Getränke, Schokolade und stark gesalzene oder gewürzte menschliche Lebensmittel gehören nicht in den Futternapf.

Brauchen Sperlingspapageien Grit?

Nein, Grit ist für Papageien nicht zur Verdauung notwendig. Papageien schälen Samen vor dem Schlucken und benötigen deshalb keine Steinchen im Muskelmagen, wie es beispielsweise bei bestimmten Körnerfressern vorkommen kann.

Das Merck Veterinary Manual weist ausdrücklich darauf hin, dass Grit für Psittaciden nicht benötigt wird. Frei angebotener Grit sollte daher nicht mit einer notwendigen Calciumversorgung verwechselt werden.

Calcium muss über eine insgesamt ausgewogene Ernährung beziehungsweise bei konkretem Bedarf über geeignete, fachgerecht eingesetzte Ergänzungen bereitgestellt werden.

Eifutter während der Mauser?

Auch die alte Empfehlung, während jeder Mauser automatisch einmal pro Woche Eifutter oder anderes tierisches Eiweiß zu geben, ist zu pauschal.

Eine ausgewogene Ernährung sollte bereits ausreichend Protein, Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine liefern. Zusätzliche Vitaminpräparate sind bei bedarfsdeckender Fütterung nicht automatisch notwendig und können bei falscher Dosierung sogar problematisch sein.

Bei starker Mauser, verändertem Gefieder oder gesundheitlichen Problemen sollte deshalb lieber die Gesamtration überprüft werden als wahllos Eiweiß- oder Vitaminpräparate zu ergänzen.

Das richtige Vogelfutter besteht deshalb nicht allein aus einer bestimmten Körnermischung, sondern aus einer insgesamt bedarfsgerechten Ration.

Mehrere Futterstellen bei mehreren Vögeln

Sperlingspapageien können Futter und bevorzugte Sitzplätze verteidigen. In einer Paar- oder Gruppenhaltung sind deshalb mehrere gut zugängliche Futterstellen sinnvoll.

Beobachte insbesondere, ob ein Vogel den anderen dauerhaft vom Futter vertreibt. Gewichtsverlust eines unterlegenen Tieres kann sonst lange unbemerkt bleiben.

Erziehung und Pflege

Eingewöhnung und Training

Nach dem Einzug brauchen Sperlingspapageien zunächst Ruhe und einen vorhersehbaren Tagesablauf. Schnelle Bewegungen direkt vor der Voliere und unnötiges Einfangen sollten vermieden werden.

Die Vögel können anschließend über positive Verstärkung an die Anwesenheit des Menschen und an einfache Abläufe gewöhnt werden. Geeignet sind beispielsweise Targettraining, freiwilliges Aufsteigen auf einen Stock oder das ruhige Betreten einer Transportbox.

Gerade das Transporttraining ist sinnvoll. Muss ein kranker Vogel erst hektisch durch das Zimmer verfolgt werden, entsteht zusätzlicher Stress.

Pflege und Hygiene

Auch wenn Sperlingspapageien ihre Gefiederpflege selbst übernehmen, bedeutet das nicht, dass ihre Haltung kaum Arbeit verursacht. Futterreste, Kot, Federn und zerlegtes Beschäftigungsmaterial müssen regelmäßig entfernt werden.

Trinkwasser sollte täglich frisch angeboten und bei Verschmutzung sofort ersetzt werden. Futter- und Wassernäpfe müssen regelmäßig gründlich gereinigt werden.

Frischfutter darf nicht so lange in der Voliere bleiben, dass es verdirbt. Besonders bei warmen Temperaturen können feuchte Lebensmittel schnell mikrobiell belastet werden.

Der Bodenbelag sollte abhängig von Verschmutzung und Haltungssystem regelmäßig erneuert werden. Eine starre Regel wie „einmal pro Woche alles desinfizieren“ ist dagegen nicht sinnvoll.

Desinfektionsmittel sind nicht bei jeder normalen Reinigung erforderlich und können bei falscher Anwendung die Atemwege reizen oder Rückstände hinterlassen. Im Alltag stehen mechanische Reinigung, frisches Wasser und gute Hygiene im Vordergrund. Eine gezielte Desinfektion kann beispielsweise bei bestimmten Infektionskrankheiten nach tierärztlicher Empfehlung notwendig sein.

Gesundheit und typische Krankheiten

Sperlingspapageien können bei guter Haltung lange gesund bleiben, sind aber keineswegs vor Krankheiten geschützt. Wie viele Vögel verbergen sie Schwäche und Krankheit teilweise lange.

Deshalb ist es sinnvoll, die Vögel täglich kurz zu beobachten und Veränderungen ernst zu nehmen.

Mögliche Warnzeichen sind:

  • deutlich verminderte Aktivität,
  • anhaltend aufgeplustertes Sitzen,
  • Futterverweigerung,
  • ungewöhnliche Gewichtsabnahme,
  • veränderte Kotmenge oder Kotbeschaffenheit,
  • Atemgeräusche oder verstärkte Atembewegungen,
  • Ausfluss aus Augen oder Nasenöffnungen,
  • Erbrechen beziehungsweise Hochwürgen außerhalb normalen Sozialverhaltens,
  • Veränderungen an Schnabel oder Füßen,
  • Federschäden oder kahle Stellen,
  • neurologische Auffälligkeiten.

Vogelkundiger Tierarzt

Bei Krankheit sollte möglichst eine Tierarztpraxis mit Erfahrung in der Vogelmedizin beziehungsweise bei Papageien aufgesucht werden. Nicht jede allgemeine Kleintierpraxis ist auf die besonderen diagnostischen und medizinischen Anforderungen kleiner Papageien spezialisiert.

Ein neu aufgenommenes Tier sollte außerdem nicht ohne Gesundheitskontrolle direkt zu bereits vorhandenen Vögeln gesetzt werden. Eine Quarantäne beziehungsweise getrennte Unterbringung und ein vogelkundiger Eingangscheck können bei Neuzugängen sinnvoll sein.

PBFD und andere Infektionskrankheiten

Die durch ein Circovirus verursachte Psittacine Beak and Feather Disease (PBFD) kann auch kleine Papageien betreffen. Je nach Krankheitsverlauf können Gefieder- und Schnabelveränderungen sowie eine Beeinträchtigung des Immunsystems auftreten.

Auch andere virale, bakterielle, parasitäre oder pilzbedingte Erkrankungen kommen bei Papageien vor. Die Behauptung, Sperlingspapageien litten „oft“ an Spulwürmern, lässt sich jedoch nicht pauschal auf gut gehaltene Wohnungsvögel übertragen.

Aspergillose

Aspergillose ist eine Pilzerkrankung, die insbesondere die Atemwege beziehungsweise Luftsäcke von Vögeln betreffen kann. Das Erkrankungsrisiko hängt von mehreren Faktoren ab.

Schimmeliges oder verdorbenes Futter darf grundsätzlich niemals angeboten werden. Die alte Formulierung, Pilzsporen in Körnern oder Nüssen würden bei Sperlingspapageien „leicht“ zu Aspergillose führen, vereinfacht die Erkrankung jedoch zu stark.

Lebenserwartung der Sperlingspapageien

Viele Sperlingspapageien können bei guter Haltung ungefähr 10 bis 15 Jahre alt werden. Einzelne Tiere können dieses Alter auch überschreiten.

Die tatsächliche Lebenserwartung hängt unter anderem von Genetik, Ernährung, Bewegung, Haltung und medizinischer Versorgung ab. Ein garantiertes Alter lässt sich deshalb nicht angeben.

Stirbt einer von zwei Partnervögeln, sollte für den verbleibenden Vogel wieder ein geeigneter Sozialpartner gesucht werden. Die Aussage, ein Sperlingspapagei würde allein zwangsläufig innerhalb kurzer Zeit sterben, ist dagegen zu pauschal. Dauerhafte Einzelhaltung ist dennoch aus sozialen Gründen nicht anzustreben.

Vogelart Sperlingspapageien kaufen

Beim Kauf sollte nicht die Farbe oder der niedrigste Preis im Vordergrund stehen. Wichtiger sind nachvollziehbare Herkunft, Gesundheit, passende Sozialpartner und eine seriöse Aufzucht.

Festpreise von 15 bis 150 Euro sind wenig sinnvoll, weil sich Preise nach Art, Alter, Farbschlag, Region, Herkunft und Marktsituation verändern können.

Wenn Du Sperlingspapageien übernehmen möchtest, achte darauf, dass:

  • die genaue Art bekannt ist,
  • die Vögel gesund und aufmerksam wirken,
  • die Herkunft nachvollziehbar dokumentiert ist,
  • Du möglichst ein bereits harmonierendes Paar übernimmst,
  • die bisherige Ernährung bekannt ist,
  • Du vor dem Einzug eine geeignete Unterbringung vorbereitet hast.

Bei einem Neuzugang kann ein Gesundheitscheck bei einer vogelkundigen Tierarztpraxis sinnvoll sein. Einen pauschalen Untersuchungspreis kann man nicht seriös angeben, da Umfang und regionale Gebühren variieren.

Entscheidungshilfe

Sperlingspapageien sind spannende kleine Papageien für Menschen, die ihre Vögel gerne beobachten, Beschäftigung anbieten und Freude an natürlichem Sozialverhalten haben.

Sie passen gut zu Dir, wenn Du:

  • mindestens zwei Vögel halten möchtest,
  • Platz für eine große Voliere oder ein Vogelzimmer hast,
  • regelmäßigen Freiflug ermöglichen kannst,
  • tägliche Reinigung und Fütterung einplanst,
  • Nagen, Federn und herumgetragenes Futter im Wohnbereich akzeptierst,
  • nicht erwartest, dass die Vögel unbedingt zahm oder sprachbegabt werden.

Weniger geeignet sind sie, wenn Du einen kleinen Käfig als dauerhaften Lebensraum planst oder einen einzelnen Vogel möchtest, der hauptsächlich mit Menschen interagiert.

Auch als klassisches „Kinderhaustier“ sollte ein Sperlingspapagei nicht betrachtet werden. Jugendliche können sich selbstverständlich an Pflege und Training beteiligen, die Verantwortung für eine artgerechte Haltung liegt jedoch bei den Erwachsenen.

FAQ zu Sperlingspapageien

Wie alt werden Sperlingspapageien?
Viele Sperlingspapageien erreichen bei guter Haltung ungefähr 10 bis 15 Jahre. Das tatsächliche Alter hängt unter anderem von Art, Genetik, Ernährung, Haltung und medizinischer Versorgung ab.
Was fressen Sperlingspapageien?
Sperlingspapageien benötigen eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung. Eine reine Körnermischung ist langfristig nicht ideal. Je nach Fütterungskonzept können geeignete Pellets oder Extrudate, kontrollierte Saatenmengen sowie täglich geeignetes Gemüse, Blattgrün und Kräuter eingesetzt werden.
Brauchen Sperlingspapageien Grit?
Nein. Papageien schälen Samen und benötigen keinen Grit zur mechanischen Verdauung. Grit sollte nicht mit einer notwendigen Calciumversorgung verwechselt werden.
Kann man Sperlingspapageien einzeln halten?
Dauerhafte Einzelhaltung ist nicht zu empfehlen. Papageien sind soziale Tiere und sollten grundsätzlich mindestens mit einem passenden artgleichen Partner gehalten werden.
Sperlingspapageien Paar: Wie groß muss die Voliere sein?
Die Unterbringung sollte so groß wie möglich sein und insbesondere ausreichend horizontale Flugstrecke bieten. Mindestanforderungen aus Haltungsgutachten sind als Untergrenze zu verstehen und nicht als optimale Zielgröße. Zusätzlich ist regelmäßiger sicherer Freiflug sinnvoll, sofern kein entsprechend großer Flugraum vorhanden ist.
Werden Sperlingspapageien zahm?
Das ist individuell unterschiedlich. Manche Sperlingspapageien fressen aus der Hand oder lernen freiwillig auf einen Finger beziehungsweise Stock zu steigen. Andere behalten mehr Abstand. Zahmheit sollte niemals durch Einfangen oder dauerhafte Einzelhaltung erzwungen werden.
Sind Sperlingspapageien laut?
Sie sind meist weniger durchdringend als große Papageien, können aber durchaus laut rufen, schimpfen und sich über den Tag regelmäßig bemerkbar machen. Für absolut geräuschempfindliche Haushalte sind sie deshalb nicht automatisch geeignet.
Können Sperlingspapageien sprechen?
Einzelne Vögel können Laute oder wenige Wörter imitieren. Eine ausgeprägte Sprachbegabung ist jedoch nicht garantiert und sollte kein Kaufgrund sein.
Welche Sperlingspapageien werden häufig gehalten?
Zu den bekannteren Arten in der Heimtierhaltung gehören der Blaugenick-Sperlingspapagei, der Augenring-Sperlingspapagei und der Grünbürzel-Sperlingspapagei. Sie gehören alle zur Gattung Forpus, sind aber eigenständige Arten.
Müssen Sperlingspapageien in Deutschland angemeldet werden?
Mehrere häufig gehaltene Forpus-Arten – darunter Blaugenick-, Augenring- und Grünbürzel-Sperlingspapageien – stehen in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung und sind damit von der Anzeigepflicht nach § 7 Absatz 2 ausgenommen. Bei anderen Arten solltest Du den konkreten Schutzstatus prüfen und die Herkunft der Tiere nachvollziehbar dokumentieren.
Kann man Sperlingspapageien mit anderen Vogelarten halten?
Das ist häufig problematisch. Sperlingspapageien können territorial und gegenüber anderen Vögeln aggressiv reagieren. Eine gemeinsame Haltung sollte deshalb nicht aufgrund ihrer kleinen Körpergröße als automatisch sicher angesehen werden.
Brauchen Sperlingspapageien täglich Freiflug?
Wenn sie nicht in einem entsprechend großen Vogelzimmer oder dauerhaft nutzbaren Flugraum leben, benötigen sie regelmäßige Gelegenheit zum freien Fliegen in einem vogelsicher eingerichteten Raum.

 

Quellen

Ähnliche Artikel

Gelbhaubenkakadu

Größe:bis zu 50 cm Gewicht:0,72 - 1,02 kg Herkunft:Australien ... weiterlesen
Lesedauer: 8 Minuten Aufrufe 1567

Agaporniden

Größe:12 - 18 cm Gewicht:0,45 - 0,65 kg Herkunft:Afrika ... weiterlesen
Lesedauer: 9 Minuten Aufrufe 1672

Rosakakadu

Größe:35 - 36 cm Gewicht:0,2 - 0,38 kg Herkunft:Australien, ... weiterlesen
Lesedauer: 9 Minuten Aufrufe 1582

Rostkappenpapagei

Größe:21 - 23 cm Gewicht:0,1 - 0,12 kg Herkunft:Südamerika ... weiterlesen
Lesedauer: 7 Minuten Aufrufe 2087

Prachtfinken

Größe:8 - 17 cm Gewicht:0,07 - 0,17 kg Herkunft:Australien, ... weiterlesen
Lesedauer: 8 Minuten Aufrufe 1388

Zebrafinken

Größe:10 - 12,5 cm Gewicht:0,1 - 0,4 kg Herkunft:Australien, ... weiterlesen
Lesedauer: 9 Minuten Aufrufe 1603

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die mobile Version verlassen