Ein Kaninchen kann das perfekte Haustier sein – niedlich, ruhig und zudem günstig. Um Enttäuschungen und Haltungsprobleme zu vermeiden, sind ausreichende Vorkenntnisse notwendig. Was man alles beachten sollte, erfahrt ihr hier!

 

Artgerechte Unterbringung

Bevor man sich ein Kaninchen anschafft, muss man sich klarmachen, dass diese Tiere sozial, gesellig, aktiv und neugierig sind. Menschlicher Kontakt ist kein Ersatz für einen Artgenossen. Daher beginnt die artgerechte Haltung zunächst mit der Anschaffung von mindestens zwei dieser Tiere. Soll das Tier als Kuschelpartner dienen, ist das Kaninchen in der Regel eher ungeeignet. Die Beobachtungstiere lassen sich anfangs nur ungern anfassen. Meist baut das Kaninchen eher eine „lockere“ Beziehung zu seinem Halter auf. Diese charakteristischen Merkmale sind allerdings von Persönlichkeit zu Persönlichkeit unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt auch Hasen, die sehr menschenbezogen sind und sich Kunststücke antrainieren lassen oder verschmust und handzahm sind. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. In der Regel werden Kaninchen instant nervös, wenn sie vom Boden aufgehoben werden. Wenn es nicht wirklich notwendig ist, tragt das Kaninchen nicht herum.

Tipp: Kauft das Tier nicht in der Zooabteilung des Baumarkts. Fragt bei Tierheimen oder regionalen Züchtern nach. Diese können euch häufig vorab schon Charakteristika des Kaninchens nennen. Außerdem weisen diese Tiere häufig einen besseren gesundheitlichen Zustand auf.

Kaninchen in der Wohnung

Die nächste Überlegung ist nun, wo man das Kaninchen unterbringt. Wohnt ihr in einer Wohnung, stellt sicher, dass euer langohriger Freund hin und wieder Auslauf in einem Garten oder Park hat. Auch sollte das Tier innerhalb der Wohnung laufen können. Schäden an Möbeln und Teppichen sind dabei keine Seltenheit. Angenagte Kabel oder Schuhe können nur verhindert werden, wenn ihr einen kleinen Indoor-Zaun anbringt. Dieses Areal könnt ihr dann mit Spielzeug ausstatten. Urin und Kot werden häufig als Reviermarkierung genutzt.

Außerdem sind Kaninchen besonders in der Dämmerung aktiv. Sie verursachen Nage-, Kratz-, und Klopfgeräusche. Besonders in Gefangenschaft. Weiterhin wird oftmals der Platzbedarf des Käfigs unterschätzt. Die Modelle aus Zoohandlungen sind zu klein für die bewegungsfreudigen Tiere. Bei zu kleinen Käfigen können Kaninchen Verhaltensstörungen entwickeln wie Gitternagen oder Aggressionen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Platz für das Gehege aufgebracht werden kann, desto besser. Der Vorteil von Wohnungskäfigen ist ihre Mobilität. Der Käfig besteht meist aus einem Kunststoffboden und einem Drahtdach. Dadurch ist er sehr leicht und kann verschoben werden. Die Bodenwanne könnt ihr mit Zeitungspapier auslegen und dann mit Kaninchenstreu befüllen. Wähle weiches, warmes Einstreu, das Flüssigkeit absorbiert (z.B. Hobelspäne, Heu oder Stroh). Kaninchen sind sehr reinliche Tiere. Als Toilette kann daher auch ein offenes Katzenklo verwendet werden. Dies kann man einfach mit kaninchenverträglichem Streu füllen. Um Gerüche zu vermeiden, muss das Streu täglich gewechselt werden.

 

Kaninchen im Garten

Ideal für die Kaninchenhaltung ist der Garten. Da die handelsüblichen Ställe oft zu klein sind, empfiehlt es sich, selbst etwas zu bauen. Dies ist nicht nur leichter als man erwartet, auch kann man dem Kaninchen eine artgerechte Behausung bieten. Dazu findet man viele Anleitungen und Ratgeber. Der Stall sollte mindestens 80cm breit und 120cm lang sein sowie hoch genug, damit das Kaninchen aufrecht stehen kann. Holzställe bieten genügend Schutz vor Kälte und Feinden. Vorne kann die Behausung mit Hühnerdraht versehen werden. So könnt ihr das Tier gut sehen, es kann selbst hinnausschauen und ist gut mit Licht und Luft versorgt. Tagsüber kann man das Tier am besten in einen Freilauf auf das Gras setzen und abends zurück in den Stall. So kann das Kaninchen umherhoppeln, Haken schlagen oder graben. Zu beachten gilt, dass sich weibliche Kaninchen unter dem Hindernis Zaun ausgraben können. Um dies zu vermeiden, können Unterschlupfmöglichkeiten wie hohle Baumstämme oder kleine Holzhäuser Rückzugsorte bilden. In der Natur graben sie unterirdische Gänge und Höhlen, um sich vor Feinden zu schützen. Das Gehege muss groß, sicher und witterungsgeschützt sein. Die simulierte Höhle sollte im Sommer kälter, im Winter wärmer als der Rest des Geheges sein. Außerdem muss es vor Eindringlingen wie Fuchs oder Mader geschützt werden. Ein perfekter Außenbereich ist an den Stall angeschlossen, sodass sich die Kaninchen entscheiden können, wo sie ihre Zeit verbringen möchten. Der Auslauf sollte für 2 Kaninchen mindestens 6m² haben. Das Kaninchen wird euch mit ausgeglichenem, gesunden und zufriedenen Verhalten danken.

Ernährung und Futter

Kaninchen sind ständig am Fressen. Da sie nur einen schwach ausgeprägten Magen-Darm-Trakt haben, versorgen sie sich über den ganzen Tag mit kleinen Mahlzeiten. Anders als beim Menschen, muss Nahrung von oben „nachgedrückt“ werden. Die reine Gabe von handelsüblichem Futter ist nicht zu empfehlen. Neben dem Trockenfutter sind Gemüse, Obst und Grünfutter bei einer gesunden Ernährung nicht wegzudenken. Kaninchen sind vegane Pflanzenfresser. Ideal für ihre Ernährung ist frisches Gras. Es beinhaltet die optimale Zusammensetzung aus Nähr- und Ballaststoffen. Auch schleift es ihre Zähne und fördert die Verdauung. Allerdings gilt zu beachten, ausschließlich pestizid- und chemikalienfreies Gras zu verfüttern. Auch kann hochwertiges Heu den Großteil der Ernährung ausmachen. Dazu füttert man ein täglich wechselndes Gemüse und schon hat man eine ausgewogene Kaninchenernährung! Doch Pflanze ist nicht gleich Pflanze! Vermeide alle Produkte, die an Müsli erinnern. Kaninchenmüsli besteht meist aus Erbsen, Mais, Weizen, Nüssen und Keksen. Kaninchen picken sich dabei allerdings gerne die Leckereien aus. Nahrhafte Bestandteile werden übriggelassen. Die Folgen sind Übergewicht und schwache Knochen. Auch sollten Obststückchen durch den hohen Zuckergehalt nur die Ausnahme bleiben. Stelle durchgehend frisches Trinkwasser in einer sauberen Trinkflasche oder einem Wassernapf im Kaninchenstall zur Verfügung.

Bewegung und Training

Wenn du in deiner Wohnung bist, lass die Kaninchen aus dem Käfig. So bekommen sie nötige Bewegung und geistige Anregungen. Falls du kein Außengehege hast, kannst du dein Kaninchen mit Geschirr und Leine auch nach draußen mitnehmen und spazieren gehen. Lasse dein Kaninchen niemals draußen allein. Greifvögel könnten dein Haustier als leckere Beute ansehen. Aktivitäten wie Bürsten oder ein kleines Training stärkt die Bindung zwischen dir und deinem Haustier. Um Kaninchen Tricks beizubringen brauchst du allerdings viel Geduld. In der Regel sind sie sehr langsame Lerner. Mit gutem Spielzeug können sich deine Tiere auch wunderbar alleine beschäftigen. Da sie von Natur aus neugierig und aktiv sind, beschäftigen sie sich mit aller Art Spielzeug. Du kannst eine leere Toilettenpapierrolle mit Heu ausstopfen – sie werden es lieben! Auch Katzenspielzeug eignet sich hervorragend. Aber denk dran, dass Kaninchen alles anknabbern. Daher sind Plastik, Farbe, Lacke und Etikette nicht geeignet.

Häschen

Kaninchen

Was es sonst noch zu beachten gibt:

Hitze und Kälte

Bade dein Kaninchen nicht! Die Tiere sind sehr reinlich und ein Bad ist daher unnötig. Wasser könnte hierbei in die Ohren gelangen und eine Entzündung auslösen. Im Sommer kannst du natürlich als Abkühlung eine flache Schale mit Wasser mit ins Gehege stellen. Besser bei heißen Temperaturen ist, eine Flaschen mit gefrorenem Inhalt in den Kaninchenstall zu legen. Mit Kälte kommen Kaninchen grundsätzlich gut zurecht. Bei kalten Temperaturen empfiehlt es sich, eine trockene, mit Stroh befüllte Box bereitzustellen. Hier können sie sich bei Bedarf vergraben und einkuscheln. Steht dein Stall draußen kannst du zusätzlich einen Teil des Gitters mit einem Tuch oder einem Brett abhängen, sodass sie von kaltem Wind geschützt sind.

 

Kosten

Hat man einmal Kaninchen mit Ställen, Ausläufen und Spielzeugen ausgestattet, halten sich die Kosten für ihre Haltung recht gering. Verfügen sie zudem draußen über Zugang zu Gras und Heu, fallen kaum Kosten für Futter oder ähnliches an.

Einmalige Kosten entstehen also für das Kaninchen an sich. Unkastrierte Kaninchen liegen etwa bei 30€, kastrierte vom Tierheim bei 45€. Möchtet ihr euch eine spezielle Rasse zulegen, kann man gezielt auf einen Züchter zugehen. Da viele Züchter liebevoll mit ihren Tieren umgehen, sind Kaninchen hier oft schon etwas zutraulicher. Je nach Rassenabhängigkeit liegen die Kosten bei diesen Tieren zwischen 20€ und 50€.

Grundsätzlich empfiehlt es sich nicht, Tiere aus Zoohandlungen oder Baumarktabteilungen zu kaufen. Die Herkunft ist meist nicht bekannt. Ebenso können durch die beengte Haltung schnell Erkrankungen auftreten. Die Preise variieren zwischen 30€ und 60€. Bei der Kaninchenausstattung kommt es nun ganz auf deinen Geschmack an. Heuraufe, Futternapf und Trinkflasche lassen sich insgesamt unter 5€ besorgen. Dazu kommen Käfig, Futter, Box oder Haus, ggf. Toilette und Streu. Man kann hierbei mit Kosten zwischen 80€ und 200€ rechnen. Die laufenden Kosten variieren je nach Futtersorten und Einstreu. Monatliche Kosten liegen meist unter 30€. Zu empfehlen ist ein Polster von ca. 70€ pro Jahr einzuplanen, falls Tierarztkosten anfallen oder Reparaturen anstehen.

 

Verständigung unter Kaninchen

Um sein Kaninchen zu verstehen kann man sein Verhalten analysieren. Unter Artgenossen verständigen sie sich über Laut- und Körpersprache. Klopfen sie laut mit ihren Hinterläufen auf den Boden, stoßen sie ein Warnsignal für die Gruppe aus. Legen sie sich langgestreckt hin, vielleicht sogar auf Rücken oder Seite, fühlen sie sich wohl und sicher. Sitzen sie mit angelegten Ohren aufrecht, sind sie bereit zum Angriff. Dabei springen sie mit scharfen Krallen nach vorne, beißen zu und knurren. Sitzen sie mit ausgestreckten Ohren auf ihren Hinterläufen zeigt sich ihre Neugier.

Ein Kaninchen, welches sich flach auf den Boden drückt und die Ohren anlegt, zeigt, dass es sich unterwirft. Dies kann bei einem Kampf sein, aber auch im Kontakt mit Menschen vorkommen. Meist hat das Tier dabei Angst. Erschreckt sich das Kaninchen, bleibt es meist regungslos mit weit geöffneten Augen sitzen. In der Natur verhalten sich die Tiere so, wenn eine Flucht aussichtslos scheint. Da viele Jagdtiere nur auf Bewegung reagieren, wird so das Kaninchen manchmal übersehen.

 

Verträglichkeit unter Kaninchen

Kaninchen sind generell sehr sozial. Wenn du aber 2 Kaninchen in einem Stall halten möchtest, lohnt es sich diese zu kastrieren. Sonst kann es passieren, dass sie sich verletzen oder eben paaren. Wie bei anderen Lebewesen auch, verstehen sich manche Tiere einfach nicht miteinander. Beobachte die Tiere und stelle sicher, dass sie zusammen auskommen.

 

Verträglichkeit mit Meerschweinchen

Nur weil beide Tiere klein und kuschelig sind, ist es nicht empfehlenswert Kaninchen und Meerschweinchen zusammen zu halten. Nicht nur kommen sie von verschiedenen Kontinenten, sie „sprechen eine unterschiedliche Sprache“. Sie verstehen sich einfach nicht. So sind im Endeffekt beide Tiere gemeinsam einsam. Ein Artgenosse ist eben anders als ein fremdes Tier.

Hält man die Tiere dennoch zusammen, leben sie meist recht friedlich nebeneinander her und haben sonst nichts miteinander zu tun. Manchmal nutzen sie den anderen als warme Liegefläche im Winter.

 

Verträglichkeit mit Hunden

Wachsen Hunde mit dem Kaninchen auf, ist die Beziehung zwischen den beiden Arten meist problemlos. Dies setzt aber voraus, dass man dem Hund Grenzen setzt, wenn er ein Verhalten zeigt, welches dem Kaninchen Angst macht. Allerdings ist bei Jagdhunden besondere Vorsicht geboten. Hier benötigt es viel Zeit, Geduld und Konsequenzen, um sie aneinander zu gewöhnen. Oftmals kann man dem Kaninchen diesen Stress allerdings nicht zumuten.

 

Verträglichkeit mit Katzen

Katzen haben ihren eigenen Kopf. Generell lassen sie sich schwerer erziehen als Hunde. Man lenkt sie also eher in eine bestimmte Richtung. Jungkaninchen und Kaninchenbabys sollten erstmal von Katzen ferngehalten werden. Diese gehören nämlich in das Beuteschema der Katze. Ausgewachsene Kaninchen dagegen könnten sich im Falle eines Streites durchaus wehren. Katzen finden sie meist eher interessant. Die Wahrscheinlichkeit auf einen Angriff ist schwindend gering. Oftmals spielen die Tiere auch miteinander.

Generell sollte man sich bewusst machen, dass ein Kaninchen etwa 10 Jahre alt werden kann. Geht man diese Verpflichtung ein, ist man also langfristig gebunden.

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