Anhängliche Nager

Jahrhundertelang galten Ratten als schmuddelige Hinterhoftiere und Krankheitsüberträger. So ganz werden sie dieses Image wohl auch nicht loswerden, denn selbstverständlich gibt es auch heute noch genügend freilebende Ratten.

Als sehr anpassungsfähiges Tier hat die Ratte aber parallel eine Laufbahn als Haustier eingeschlagen. Und das zu Recht: Hausratten sind menschenbezogen und verspielt und eignen sich daher sowohl für Kinder als auch für Erwachsene als Haustier. Man sollte allerdings wissen, dass Ratten hauptsächlich in der Dämmerung aktiv werden.

Wie die meisten Nager möchte auch die Ratte kein Einzelgänger-Dasein führen und sollte unbedingt mit mindestens einem Artgenossen zusammenwohnen dürfen.

Anschaffung einer Ratte

Wie schon geschrieben, sollten Ratten unbedingt zumindest paarweise gehalten werden. Zwei Tiere sind im Unterhalt nicht sehr viel teurer als eines und es ist wirklich eine Freude, die Tiere im Umgang miteinander zu sehen.

Es gibt auch bei Ratten verschiedene Bezugsquellen, die ich Ihnen nachfolgend vorstellen möchte:

Aus dem Zooladen

Für den Anfänger ist dies wohl der naheliegendste Weg. Da es allerdings sehr viele unerwünschte Rattenbabies gibt, die man über den Tierschutz oder private Vermittlung erhält, ist es für mich persönlich nicht der beste Weg. Doch dazu später.

Sollten Sie im Zooladen ein bzw. zwei Ratten erwerben möchten, sollten Sie auf Folgendes achten:

– Die Tiere sollten in ausreichend großen Käfigen gehalten werden. Ratten sind verspielt, sie benötigen viel Platz. Die Käfige selbst sollten sauber sein, es sollten also keine vergammelten Essenreste oder viel Kot herumliegen. Frisches Wasser sollte bereitstehen.

– Die Ratten selbst sollten einen gesunden Eindruck machen. Also klare Augen und saubere Nasen und After haben. Am Besten gehen sie in den frühen Abendstunden zum Kauf, da sind die kleinen Nager am wachesten. Sie sollten also nicht lethargisch in einer Ecke liegen.

– Die Ratten sollten nach Geschlechtern getrennt gehalten werden. Einmal, damit sie auch wirklich das Geschecht bekommen, dass sie möchten, zum zweiten, damit unerwünschte Schwangerschaften vermieden werden.

– Und zum Abschluß sollte das Personal der Zoohandlung Ihnen geduldig und fachkundig Fragen zur Haltung von Ratten beantworten können.

Vom Züchter

Mittlerweile gibt es auch bei Ratten viele Farbschläge und Typen. Die klassische Zucht ist aber meines Wissens nach bei Ratten noch nicht so verbreitet. Daher lasse ich hier diese Rubrik einmal aus.

Vom Tierschutz

Dies ist der Weg dem ich jedem Ratten-Interessenten wirklich ans Herz legen möchte. Kleintiere aller Art sitzen zu Tausenden in Tierheimen. Sie werden häufig schnell angeschafft, aber auch schnell wieder abgegeben. Zudem gibt es immer noch haufenweise unerwünschten Nachwuchs.

Im Tierheim können Sie sowohl ältere als auch junge Ratten erhalten. Diese sind in der Regel tierärztlich betreut worden, sodass Sie sicher sein können, ein gesundes Tier zu erhalten. Außerdem kennt das Tierheim-Personal oft schon die Eigenheiten jedes einzelnen Tieres, sodass Ihnen das richtige Tier empfohlen wird.

Ganz kostenlos sind Ratten aus dem Tierschutz dennoch nicht. Üblicherweise wird eine „Schutzgebühr“ verlangt, die verhindern soll, dass die Tiere leichtsinnig oder zu dubiosen Zwecken aus den Heimen geholt werden. Wenn Sie sich für ein Tier aus dem Tierschutz interessieren, gucken Sie doch einfach mal auf meine Tierschutzseiten.

Von Privat

Wie gesagt, gibt es immer wieder unerwünschten Ratten-Nachwuchs. Häufig werden diese Tiere ins Tierheim gegeben. Manche Ratten-Baby-Besitzer vermitteln die Tiere allerdings selbst. Meist inserieren sie in regionalen Anzeigenblättern. Dies ist ein durchaus guter Weg, an die Tiere zu kommen. Sie sollten nur auf die äußeren Umstände achten, die ich auch beim Zooladen aufgeführt habe.

Da Sie hier natürlich keine besonders fachkundige Beratung erwarten dürfen, sollten Sie sich bereits vorher über Ratten schlau machen. Gerade was die Geschlechtsunterschiede anbelangt, damit sie auch wirklich die Geschlechter bekommen, die sie möchten.

Ratte – Käfigeinrichtung

Ratten sollten grundsätzlich mindestens zu zweit gehalten werden. Daher gelten nachfolgende Angaben für zwei Tiere.

Standort

Der Käfig sollte weder an einem sehr warmen Ort (also vor Heizungen oder vor einem Fenster mit starker Sonneneinstrahlung) noch in Zugluft stehen. Da Ratten gerne am Familienleben teilhaben, kann man den Käfig ruhig ins Wohn- oder Kinderzimmer stellen. Einzige Vorraussetzung ist, dass in dem betreffenden Raum nicht zu laute Musik gehört wird und auch nicht geraucht wird.

Käfig

Je größer desto besser. Ratten sind sehr bewegungsfreudig, klettern, graben und laufen gerne. Für zwei Tiere würde ich eine Mindestgröße von 1 m hoch, 1 m breit und ca. 80 cm Tiefe angeben. Sie sollten im Käfig mehrere Ebenen einbauen, sodass die Ratten klettern können oder sich auf einer erhöhten Plattform ausruhen können. Spezielle Rattenkäfige habe ich noch nicht gesehen. Wenn Sie einen fertigen Käfig kaufen möchten, eignen sich z. B. Vogelvolieren und Meerschweinchenkäfige. Bei Kaninchenkäfigen sind gerade für junge Ratten die Gitterstäbe zu weit auseinander, die Tiere könnten flüchten.

Die Inneneinrichtung

Als Einstreu eignet sich handelsübliche Kleintierstreu (alternativ unbehandelte Hobelspäne). Für den Nestbau können Sie den Ratten ein paar Schnipsel Küchenpapier oder Toilettenpapier in den Käfig legen.

Dann gehören natürlich eine Wasserflasche, die außen am Käfig befestigt wird, dazu. Und ein oder zwei Futternäpfe. Am Besten aus Keramik, das ist leicht zu reinigen und kann nicht so leicht umgeworfen werden.

Dann braucht man natürlich noch ein Schlafhäuschen. Bei mehreren Ratten sollte man auch mehrere Schlafhäuschen haben. Diese kann man im Handel kaufen oder aus Spanplatten leicht selbst bauen. Wichtig ist, dass sie geräumig genug sind und auch das Einstiegsloch groß genug ist. Man sollte den Deckel zur Reinigung abnehmen können.

Zur Beschäftigung können Sie noch starke Seile, Wurzeln (aus dem Terrarienbedarf) oder z. B. große Tonröhren in den Käfig einbauen.

Zeitaufwand für eine Ratte

Ratten werden schnell zahm und sind in der Regel dann sehr anhänglich. Sie freuen sich über menschlichen Kontakt und sollten daher auch nicht ihren ganzen Tag im Käfig verbringen müssen. Eine Stunde beaufsichtiger Freilauf am Tag sollte den kleinen Nagern vergönnt werden. Ganz besonders ist dabei auf offene Stromkabel geachtet werden, die gerne angenagt werden. Ratten werden aber auch ganz gerne auf der Schulter oder dem Arm herumgetragen.

Das Wasser sollte täglich gewechselt werden. Und natürlich jeden Tag frisches Grünfutter angeboten werden.

Außerdem täglich sollte der oberflächliche Schmutz wie Kot und vergammelte Essensreste aus dem Käfig entfernt werden.

Einmal wöchentlich sollte der Käfig ganz gereinigt werden. Also Einstreu ausgewechselt und die Bodenschale mit warmen Wasser ausgespült werden (bitte nur selten Reinigungsmittel verwenden und wenn dann gut ausspülen).

Ratte & Kind

Gerade in letzter Zeit hat die Ratte durch den Disney-Film „Ratatouille“ an Beliebtheit bei Kinder gewonnen. Wie so oft hat jedoch dieser Zeichentrick-Film nichts mit der Realität zu tun.

Wie bei jedem anderen Haustier auch liegt die eigentliche Verantwortung bei den Eltern. Kinder verlieren leider oft schnell oder zumindest vorübergehend das Interesse. Die Eltern müssen sich also im Klaren sein, dass das Käfigreinigen zumindest ab und zu an ihnen hängenbleiben wird.

Ratten sind normalerweise recht zahm und robust. Kinder ab ca. 7 Jahren können sie streicheln und sich in gewissem Rahmen um die Tiere kümmern.

Ausschließlich alleine versorgen kann ein Kind Ratten ab ca. dem 12. Lebensjahr. Aber auch hier muß man mit vorübergehend nachlassendem Interesse rechnen. Da Ratten sehr soziale Tiere sind, benötigen sie aber auch in solchen Zeiten viel Ansprache, am allerbesten natürlich einen oder mehrere Artgenossen.

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