Das Wichtigste in Kürze
Was ist zu tun, wenn die Katze ins Freie möchte, aber nicht darf?
Ist es schlimm, wenn die Katze keinen Freigang hat?
Was kann man tun, wenn die Katze immer nach draußen will?
Deine Katze will raus, aber darf nicht? Vielleicht kratzt sie an der Tür, miaut am Fenster oder versucht bei jeder Gelegenheit zu entwischen. Besonders bei Katzen, die früher Freigang hatten, kann die Umstellung auf reine Wohnungshaltung herausfordernd sein. Es gibt aber auch andere mögliche Gründe für den Drang nach draußen. In diesem Beitrag erfährst Du, warum Deine Katze raus will und wie Du ihre Umgebung abwechslungsreicher und katzengerechter gestalten kannst.
Darum will Deine Katze raus
Katzen sind neugierige Tiere und besitzen ein ausgeprägtes Bedürfnis danach, ihre Umgebung zu beobachten und zu erkunden. Sie klettern, suchen erhöhte Plätze auf, verfolgen Bewegungen und zeigen Jagdverhalten. Durch ihren ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn nehmen sie außerdem zahlreiche Reize aus der Außenwelt wahr, die für Menschen kaum bemerkbar sind.
Besonders deutlich kann der Wunsch nach draußen bei einer Katze sein, die bereits Freigang gewohnt war. Draußen konnte sie ein größeres Gebiet erkunden, Geruchsspuren verfolgen, klettern, jagen und auf andere Katzen treffen. Wird aus einem bisherigen Freigänger plötzlich eine reine Wohnungskatze, sollte die neue Umgebung deshalb besonders abwechslungsreich gestaltet werden. Nicht jede ehemalige Freigängerkatze kommt gleichermaßen gut mit dauerhafter Wohnungshaltung zurecht.
Auch Hormone können eine Rolle spielen
Ist Deine Katze beziehungsweise Dein Kater nicht kastriert, kann der Wunsch nach draußen durch Fortpflanzungsverhalten zusätzlich verstärkt werden. Unkastrierte Kater können weite Strecken zurücklegen und nach paarungsbereiten Katzen suchen. Rollige Katzen können wiederum unruhig werden, laut rufen und verstärkt versuchen, nach draußen zu gelangen. Wenn Du keine verantwortungsvolle Zucht planst, solltest Du die Kastration mit Deinem Tierarzt besprechen.
Tipp: Wenn Deine Katze kontrollierten Freigang erhält und Du ihre Wege nachvollziehen möchtest, gibt es GPS-Tracker für Katzen. Achte bei tragbaren Geräten auf ein möglichst geringes Gewicht und eine sichere Befestigung. Ein Halsband sollte sich bei starkem Zug lösen können, damit Deine Katze nicht daran hängen bleibt.
Warum Deine Katze nicht raus darf
Es gibt viele Gründe, warum eine Katze keinen unbeaufsichtigten Freigang erhalten kann oder vorübergehend im Haus bleiben muss. Dazu gehören beispielsweise:
- Du wohnst in einer Etagenwohnung oder unmittelbar an stark befahrenen Straßen. Straßenverkehr gehört zu den wichtigen Risiken des unkontrollierten Freigangs.
- Deine Samtpfote hat eine Krankheit oder eine Verletzung und muss vorübergehend geschont, kontrolliert oder regelmäßig behandelt werden. Nach bestimmten Operationen kann beispielsweise eine zeitweise Wohnungshaltung notwendig sein.
- Deine Katze ist erst vor Kurzem bei Dir eingezogen. Auch Katzen, die später Freigang bekommen sollen, sollten ihr neues Zuhause zunächst kennenlernen und eine stabile Bindung an ihren neuen Lebensmittelpunkt entwickeln.
- Deine Katze ist aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mehr sicher im unbeaufsichtigten Freigang unterwegs. Bei Sehproblemen, eingeschränkter Beweglichkeit oder anderen Erkrankungen kann ein geschützter Außenbereich die sicherere Alternative sein.
Hinweis: Wohnungshaltung bedeutet nicht automatisch schlechte Katzenhaltung – und umgekehrt ist unbeaufsichtigter Freigang nicht in jeder Wohnlage sinnvoll. Entscheidend ist, ob die körperlichen und verhaltensbezogenen Bedürfnisse der Katze erfüllt werden. Wenn Du unsicher bist, ob Freigang an Deinem Wohnort möglich oder sinnvoll ist, können ein gesicherter Balkon, ein Außengehege oder gegebenenfalls kontrollierter Freigang eine Alternative sein.
Freigang und Wildtierschutz
Bei der Entscheidung für oder gegen Freigang spielt nicht nur die Sicherheit Deiner Katze eine Rolle. Freigängerkatzen jagen unter anderem Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und andere Wildtiere. Wohnungshaltung oder kontrollierter Freigang über einen gesicherten Balkon, ein Außengehege oder einen katzensicheren Garten verhindert diese Jagd und kann deshalb zum Schutz heimischer Tiere beitragen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Hauskatzen allein für den Rückgang heimischer Vogelbestände verantwortlich sind. Auch Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und ein geringeres Nahrungsangebot spielen eine große Rolle. Sinnvoll ist deshalb eine Abwägung zwischen den Bedürfnissen der Katze und dem Schutz der Wildtiere. Besonders in ökologisch sensiblen Gebieten kann kontrollierter Freigang die bessere Lösung sein.
Wie Du Deiner Katze helfen kannst
Wenn Deine Katze nach draußen möchte, aber nicht darf, solltest Du nicht nur versuchen, sie von der Tür abzulenken. Wichtiger ist eine katzengerechte Umgebung, in der sie viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausleben kann. Dazu gehören unter anderem Beobachten, Klettern, Kratzen, Jagen, Spielen und Rückzug.
Sichere den Balkon mit einem geeigneten Katzennetz, wenn die baulichen Gegebenheiten dies ermöglichen. Ein gesicherter Balkon bietet Deiner Katze zusätzliche Gerüche, Geräusche und Beobachtungsmöglichkeiten. Auch erhöhte Liegeplätze und katzenverträgliche Pflanzen können den Bereich interessanter machen. Achte darauf, dass keine giftigen Pflanzen vorhanden sind und Deine Katze weder über noch durch die Sicherung gelangen kann.
Mehr Höhe, Verstecke und Aussichtspunkte schaffen
Katzen nutzen ihren Lebensraum nicht nur am Boden. Gerade in einer Wohnung kannst Du die verfügbare Fläche durch vertikale Ebenen deutlich vergrößern. Hohe Kratzbäume, stabile Regalbretter, Fensterplätze und andere erhöhte Liegeflächen bieten Aussicht und Rückzugsmöglichkeiten. Zusätzlich sollte Deine Katze geschützte Verstecke besitzen, in denen sie ungestört schlafen oder sich zurückziehen kann.
Ob Deine Wohnungskatze einen Artgenossen braucht, hängt von der individuellen Katze ab. Katzen können soziale Beziehungen zu anderen Katzen aufbauen, aber eine zweite Katze ist nicht automatisch für jedes Tier eine Bereicherung. Eine erwachsene Katze, die lange allein gelebt hat und andere Katzen nicht mag, kann durch einen neuen Mitbewohner sogar erheblichen Stress erleben. Möchtest Du zwei Katzen zusammen halten, sollten Temperament, Alter, Sozialverhalten und bisherige Erfahrungen möglichst gut zusammenpassen. Die Zusammenführung sollte langsam erfolgen.
Beschäftige Deine Katze regelmäßig mit interaktivem Spiel, einem Kratzbaum, Kratzbrettern, Futterspielen oder Clickertraining. Besonders sinnvoll sind Spiele, die Elemente des Jagdverhaltens nachahmen: beobachten, anschleichen, verfolgen und schließlich etwas fangen. Spielangeln, Bälle, bewegliche Spielzeuge und Fummelbretter können dafür geeignet sein. Wechsel Spielzeuge gelegentlich aus, statt ständig alles verfügbar zu lassen. So bleiben sie interessanter.
Damit Deine Katze ihre Krallen pflegen, markieren und sich ausgiebig strecken kann, sind Kratzmöglichkeiten wichtig. Biete möglichst sowohl senkrechte als auch waagerechte Varianten an und stelle sie dort auf, wo Deine Katze sie tatsächlich nutzen möchte. Zusätzlich können Fummelbretter oder Futterspielzeuge das natürliche Such- und Beuteverhalten ansprechen. Beim Clickertraining wird ein erwünschtes Verhalten mit einem gleichbleibenden Geräusch markiert und anschließend belohnt. So kannst Du Deine Katze geistig beschäftigen und beispielsweise einfache Signale oder kleine Tricks trainieren.
Kann man mit einer Katze an der Leine spazieren gehen?
Für manche Katzen kann ein gut aufgebauter Spaziergang mit Katzengeschirr und Leine eine Möglichkeit für kontrollierten Außenkontakt sein. Nicht jede Katze empfindet das allerdings als angenehm. Gewöhne sie zunächst in der Wohnung langsam an ein gut sitzendes Geschirr und zwinge sie nicht nach draußen. Eine Katze, die sich duckt, erstarrt oder panisch fliehen möchte, profitiert nicht von einem Spaziergang. Verwende für solche Ausflüge ein Geschirr und befestige die Leine nicht an einem gewöhnlichen Halsband.
Vorsicht beim Laserpointer
Laserpointer können Katzen zum Hinterherjagen animieren, besitzen aber einen Nachteil: Die Katze kann den Lichtpunkt niemals tatsächlich fangen. Wenn Du einen Laserpointer verwendest, sollte das Spiel deshalb beispielsweise damit enden, dass Du auf ein reales Spielzeug oder ein kleines Futterstück lenkst, das Deine Katze greifen beziehungsweise finden kann. Richte den Laser niemals in die Augen Deiner Katze oder anderer Personen und nutze ihn nicht als einzige Form der Beschäftigung.
Geh regelmäßig mit Deiner Katze zum Tierarzt und besprich dort individuell notwendige Vorsorge, Impfungen und Parasitenkontrollen. Auch Wohnungskatzen sind nicht vollständig vor Infektionen oder Parasiten geschützt. Wie häufig eine Entwurmung beziehungsweise Kotuntersuchung sinnvoll ist, hängt jedoch vom individuellen Risiko ab und sollte nicht pauschal festgelegt werden. Achte außerdem auf Zähne, Gewicht, Fell, Krallen und Veränderungen des Verhaltens.
Katzenhaltung
Katzen sind domestizierte Raubtiere und haben viele Verhaltensweisen ihrer wilden Vorfahren bewahrt. Dazu gehören Jagdverhalten, Klettern, Kratzen, territoriales Verhalten und das Bedürfnis nach sicheren Rückzugsorten. Eine gute Wohnungshaltung berücksichtigt diese Bedürfnisse. Statt die Wohnung nur mit möglichst viel Spielzeug zu füllen, ist eine sinnvoll strukturierte Umgebung mit unterschiedlichen Funktionsbereichen wichtig: Futter und Wasser, Toiletten, Schlaf- und Rückzugsplätze, Kratzmöglichkeiten sowie erhöhte Beobachtungsplätze.
Was Du vermeiden solltest, wenn Deine Katze raus will
Miaut oder kratzt Deine Katze regelmäßig an der Tür, solltest Du dieses Verhalten nicht bestrafen. Schreien, Erschrecken oder Besprühen mit Wasser kann zusätzlichen Stress verursachen und löst die Ursache des Verhaltens nicht. Achte auch darauf, die Tür nicht immer genau dann zu öffnen, wenn Deine Katze lautstark danach verlangt. Andernfalls kann sie lernen, dass Miauen oder Kratzen zuverlässig zum gewünschten Erfolg führt.
Hilfreicher ist es, vorhersehbare Routinen mit festen Spiel-, Futter- und Ruhephasen zu schaffen und Deiner Katze attraktive Alternativen anzubieten. Wenn der Drang nach draußen plötzlich neu auftritt oder mit starkem Miauen, Unruhe, Unsauberkeit, Aggressivität oder anderen Verhaltensänderungen verbunden ist, solltest Du auch gesundheitliche Ursachen tierärztlich ausschließen lassen.
Das Katzenleben so angenehm wie möglich gestalten
Wenn Deine Katze raus will, aber nicht darf, kannst Du viel dafür tun, ihr Leben in der Wohnung abwechslungsreicher zu gestalten. Besonders wichtig sind erhöhte Liegeplätze, Rückzugsorte, Kratzmöglichkeiten, regelmäßiges Jagd- und Bewegungsspiel sowie Möglichkeiten zum Beobachten und Erkunden. Ein gesicherter Balkon oder ein anderer kontrollierter Außenbereich kann zusätzliche Reize bieten und zugleich verhindern, dass Deine Katze Wildtiere jagt. Bei ehemaligen Freigängern solltest Du besonders genau beobachten, wie gut sie mit der Umstellung zurechtkommen – denn nicht für jede Katze ist dauerhafte Wohnungshaltung gleichermaßen geeignet.
