Du interessierst Dich für den Bloodhound und möchtest mehr über diese außergewöhnliche Hunderasse erfahren? Der auch als Bluthund oder Chien de Saint Hubert bekannte Hund gehört zu den traditionsreichsten Lauf- und Spürhunden Europas. Auffällig sind nicht nur seine Größe, die langen Ohren und die lose Haut, sondern vor allem sein hervorragender Geruchssinn und seine ausgeprägte Bereitschaft, einer Spur ausdauernd zu folgen.
Rassebeschreibung
Der Bloodhound ist von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) als eigenständige Hunderasse anerkannt. Die FCI führt ihn unter der Standardnummer 84 in Gruppe 6 „Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen“, Sektion 1.1 „Grosse Laufhunde“. Für die Rasse ist eine Arbeitsprüfung vorgesehen.
Der offizielle französische Rassename lautet Chien de Saint Hubert. Als Ursprungsland führt die FCI Belgien. Im deutschsprachigen Raum ist neben „Bluthund“ vor allem die englische Bezeichnung Bloodhound gebräuchlich.
Der Bloodhound ist ein großer, kräftiger Lauf- und Spürhund mit einem außerordentlich ausgeprägten Geruchssinn. Seine traditionelle Aufgabe bestand darin, über längere Strecken einer Fährte zu folgen. Heute können seine Fähigkeiten unter anderem bei Fährtenarbeit, Mantrailing und anderen Formen der Nasenarbeit genutzt werden.
Seine besondere Nase bedeutet allerdings nicht, dass jeder Bloodhound automatisch ein ausgebildeter Rettungs- oder Suchhund ist. Sucharbeit erfordert eine gezielte Ausbildung von Hund und Halter.
Herkunft und Rassegeschichte
Die Geschichte des Bloodhounds reicht weit zurück. Eng mit der Entwicklung der Rasse verbunden ist die Abtei Saint-Hubert in den belgischen Ardennen. Dort wurden über viele Generationen große Laufhunde gehalten und gezüchtet, die wegen ihrer Ausdauer und ihres Geruchssinns geschätzt wurden.
Die historische Überlieferung verbindet diese Hunde mit Hubertus, dem später heiliggesprochenen Schutzpatron der Jäger. Die heutigen Bloodhounds sollten jedoch nicht einfach mit Hunden aus dem frühen Mittelalter gleichgesetzt werden: Wie bei vielen alten Hunderassen entwickelte sich der moderne Rassetyp über viele Generationen.
Im 11. Jahrhundert gelangten entsprechende Saint-Hubert-Hunde nach England. Dort entwickelte sich der Begriff „Bloodhound“. Nach der vom VDH wiedergegebenen Rassegeschichte geht die Bezeichnung auf „blooded hound“ im Sinne eines Hundes von reinem beziehungsweise edlem Blut zurück und nicht darauf, dass der Hund Blutspuren verfolgen würde.
In England wurde die Rasse weiterentwickelt und besonders wegen ihrer Fähigkeiten bei der Spurensuche geschätzt. Der heutige Bloodhound verbindet damit eine lange europäische Laufhundtradition mit einer außergewöhnlichen Spezialisierung auf Geruchsarbeit.
Aussehen des Bloodhounds
Der Bloodhound ist ein großer, massiver und starkknochiger Hund. Trotz seiner Substanz soll er laut Rassestandard harmonisch gebaut sein und nicht übermäßig schwer oder grob wirken.
Der VDH nennt für Rüden eine gewünschte Widerristhöhe von etwa 68 cm und ein Gewicht von 46 bis 54 kg. Hündinnen liegen bei etwa 62 cm und 40 bis 48 kg. Einzelne Hunde können von diesen Richtwerten abweichen.
Das Haar ist kurz, dicht und am Körper vergleichsweise harsch. Anerkannt sind die Farbschläge schwarz und loh, leberfarben und loh sowie rot.
Typisch sind der langgezogene Kopf, die sehr langen und tief angesetzten Ohren sowie die dünne, lose Haut an Kopf und Hals. Gerade diese Merkmale dürfen jedoch nicht übertrieben ausgeprägt sein: Zu viel lose Haut oder extrem schlaffe Augenlider können Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigen.
Die Rute ist kräftig, lang und wird säbelförmig getragen. Insgesamt soll der Bloodhound trotz seiner Größe beweglich und funktional bleiben.
Charakter und Wesen
Der Bloodhound wird im Rassestandard als sanftmütig, ruhig, freundlich und umgänglich beschrieben. Er kann eine enge Bindung zu seinen Bezugspersonen entwickeln und reagiert häufig ausgesprochen sensibel auf den Umgang mit ihm.
Gleichzeitig ist er kein Hund, der jede Anweisung blind ausführt. Die jahrhundertelange selbstständige Arbeit auf einer Spur hat einen Hund hervorgebracht, der eigene Entscheidungen treffen kann. Der FCI- beziehungsweise VDH-Standard beschreibt ihn daher auch als eher zurückhaltend und eigensinnig.
Eine gute Sozialisierung ist wie bei jeder Hunderasse wichtig. Viele Bloodhounds sind sozial mit anderen Hunden, dennoch hängt die tatsächliche Verträglichkeit immer vom einzelnen Tier, seiner Aufzucht und seinen Erfahrungen ab.
Seine hervorragende Nase sollte sinnvoll beschäftigt werden. Suchspiele, Fährtenarbeit oder Mantrailing können besonders geeignete Beschäftigungen sein, weil sie an die natürlichen Fähigkeiten der Rasse anknüpfen.
Entgegen der alten Darstellung werden Bloodhounds keineswegs fast ausschließlich von Rettungshundeführern gehalten. Sie können auch als Begleit- und Familienhunde leben. Aufgrund ihrer Größe, Kraft, ihres ausgeprägten Spürtriebs und ihrer Eigenständigkeit sind sie aber keine unkomplizierten Anfängerhunde.
Für Familien kann ein gut sozialisierter Bloodhound durchaus ein freundlicher Begleiter sein. Entscheidend ist, dass genügend Zeit für Bewegung, Nasenarbeit, Erziehung und Betreuung vorhanden ist und Kinder einen respektvollen Umgang mit dem großen Hund lernen.
Haltung und Ernährung
Der Bloodhound benötigt regelmäßige Bewegung und vor allem Gelegenheit, seine Nase einzusetzen. Wie viel Bewegung sinnvoll ist, hängt von Alter, Gesundheitszustand und Trainingsstand des einzelnen Hundes ab. Stundenlange Gewaltmärsche sind insbesondere für Welpen und Junghunde nicht angemessen.
Nasenarbeit kann einen wichtigen Teil der Beschäftigung ausmachen. Fährtensuche und Mantrailing fordern den Hund geistig und entsprechen seinen natürlichen Anlagen.
Ein eigener Garten ist praktisch, aber keine Voraussetzung für eine gute Haltung. Auch ein großer Garten ersetzt keine Spaziergänge und gemeinsame Beschäftigung. Aufgrund seiner Größe benötigt der Bloodhound im Haus allerdings ausreichend Platz und einen geeigneten Ruhebereich.
Bei Spaziergängen solltest Du seinen ausgeprägten Spürtrieb berücksichtigen. Hat ein Bloodhound eine interessante Spur aufgenommen, kann die Umwelt für ihn kurzfristig nebensächlich werden. Ein zuverlässiges Management mit gut sitzendem Geschirr und gegebenenfalls Schleppleine kann deshalb sinnvoll sein.
Für Autofahrten brauchst Du eine sichere Transportlösung. Ein ausreichend großer Kennel beziehungsweise eine geeignete Transportbox muss zur Größe des Hundes und zum Fahrzeug passen.
Weiter benötigst Du ein gut sitzendes Hundegeschirr. Gerade bei einem kräftigen Hund ist eine gute Passform wichtig, damit Bewegungsfreiheit erhalten bleibt und keine unnötigen Druck- oder Scheuerstellen entstehen.
Auch ein ausreichend großer Ruheplatz ist sinnvoll, auf dem sich der Bloodhound bequem ausstrecken und ungestört schlafen kann.
Ernährung
Der Bloodhound benötigt wie andere Hunde ein vollwertiges, bedarfsgerechtes Futter. Entscheidend sind Alter, Körpergewicht, Aktivität, Gesundheitszustand und individuelle Verträglichkeit.
Besonders während des Wachstums ist eine ausgewogene Energie- und Nährstoffversorgung wichtig. Zu viel Energie kann bei jungen großen Hunden unerwünscht sein, weshalb Welpen nicht möglichst schnell wachsen sollten.
Auch beim erwachsenen Bloodhound solltest Du auf ein gesundes Körpergewicht achten. Übergewicht belastet unter anderem Gelenke und Bewegungsapparat.
Leckerlis aus Training und Nasenarbeit sollten in die tägliche Futtermenge eingerechnet werden. Gerade bei längeren Trainingseinheiten kann ansonsten unbemerkt eine beträchtliche zusätzliche Energiemenge zusammenkommen.
Ob Du ein Hundefutter als Trocken- oder Nassfutter anbietest, ist weniger entscheidend als dessen Eignung als bedarfsdeckendes Alleinfuttermittel und die Verträglichkeit für Deinen Hund.
Eine Mischung aus Nass- und Trockenfutter ist möglich, aber nicht grundsätzlich gesünder als eine ausschließlich bedarfsgerechte Fütterungsform. Bei Unsicherheiten zu Gewicht, Wachstum oder Rationsgestaltung hilft eine tierärztliche Ernährungsberatung.
Erziehung und Pflege
Der Bloodhound gilt als intelligenter Hund, seine Intelligenz zeigt sich jedoch stark in der selbstständigen Nasenarbeit. Hat er eine interessante Spur aufgenommen, kann seine Aufmerksamkeit vollständig auf diese Aufgabe gerichtet sein.
Die Erziehung benötigt deshalb Geduld, Konsequenz und gute Motivation. Härte ist bei einem sensiblen Bloodhound fehl am Platz. Der Rassestandard beschreibt ihn ausdrücklich als empfindsam gegenüber Lob und Tadel.
Bereits im Welpenalter sind eine sorgfältige Sozialisierung, Alltagstraining und ein kontrollierter Aufbau des Rückrufs sinnvoll. Gleichzeitig solltest Du berücksichtigen, dass ein stark ausgeprägter Spürtrieb auch bei einem gut erzogenen Hund Grenzen für den ungesicherten Freilauf setzen kann.
Nasenarbeit lässt sich hervorragend als Belohnung und Beschäftigung einsetzen. Neben Fährtentraining braucht ein Bloodhound jedoch auch die üblichen Alltagskompetenzen – etwa ruhiges Warten, Leinenführigkeit und entspanntes Verhalten gegenüber Menschen und anderen Hunden.
Pflege
Das kurze Fell des Bloodhounds ist vergleichsweise pflegeleicht. Regelmäßiges Bürsten entfernt lose Haare und bietet gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Haut und Körper auf Auffälligkeiten zu kontrollieren.
Nach Spaziergängen kannst Du den Hund außerdem auf Zecken und andere Parasiten absuchen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Ohren, Augenlider und Hautfalten. Die langen Hängeohren sollten regelmäßig auf Rötung, Geruch, Sekret oder Fremdkörper kontrolliert werden. Bei entsprechenden Beschwerden sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden, statt das Ohr ohne Diagnose mit beliebigen Reinigern zu behandeln.
Auch die Augen solltest Du beobachten. Rötung, Kneifen, Ausfluss oder sichtbare Fehlstellungen der Augenlider gehören tierärztlich untersucht. Augentropfen solltest Du nicht auf eigene Faust einsetzen, da hinter ähnlichen Symptomen unterschiedliche Erkrankungen stecken können.
Gesundheit und typische Krankheiten
Die alte Aussage, beim Bloodhound seien keine relevanten rassetypischen Gesundheitsprobleme bekannt, ist zu pauschal. Wie bei vielen großen Rassehunden gibt es Erkrankungen und Körpermerkmale, denen verantwortungsvolle Züchter und Halter besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.
Ein wichtiger Bereich sind die Augenlider. Entropium bezeichnet ein nach innen eingerolltes Augenlid, Ektropium ein nach außen abstehendes Lid. Beide Veränderungen können zu Reizungen und weiteren Augenproblemen führen.
Auch übermäßig ausgeprägte lose Haut und tiefe Hautfalten können gesundheitlich problematisch werden. In schlecht belüfteten oder feuchten Falten können Hautreizungen und Entzündungen entstehen. Die Haut sollte deshalb regelmäßig kontrolliert und bei Auffälligkeiten tierärztlich untersucht werden.
Für die Zucht empfiehlt der Royal Kennel Club Untersuchungen auf Hüftdysplasie und Ellenbogendysplasie sowie Augenuntersuchungen. Diese Untersuchungen können das Risiko erblich mitbedingter Erkrankungen besser einschätzen, garantieren jedoch keinen lebenslang vollkommen gesunden Hund.
Wie andere große, tiefbrüstige Hunde kann auch der Bloodhound außerdem von einer Magendrehung betroffen sein. Ein plötzlich aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen, starke Unruhe, Speicheln oder Kreislaufprobleme sind ein akuter tiermedizinischer Notfall.
Beim Welpenkauf solltest Du Dir deshalb nicht nur die Tiere ansehen, sondern auch nach dokumentierten Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere fragen. Ein seriöser Züchter kann erklären, welche Untersuchungen in seiner Zucht durchgeführt werden und welche gesundheitlichen Risiken für die Rasse relevant sind.
Lebenserwartung
Für den Bloodhound werden häufig etwa 10 bis 12 Jahre als Orientierung genannt. Eine individuelle Lebensdauer lässt sich jedoch nicht garantieren.
Genetik, Körpergewicht, Haltung, Ernährung, Bewegung, Erkrankungen und tierärztliche Vorsorge beeinflussen, wie gesund ein einzelner Hund altert. Auch ein verantwortungsvoll gezüchteter Bloodhound kann im Laufe seines Lebens tierärztliche Behandlung benötigen.
Hunderasse Bloodhound kaufen
Wenn Du einen Bloodhound kaufen möchtest, solltest Du Dir zunächst sicher sein, dass die Eigenschaften der Rasse zu Deinem Alltag passen. Die Kombination aus großer Körperkraft, ausgeprägtem Spürtrieb und selbstständigem Wesen kann anspruchsvoll sein.
Ein seriöser Züchter interessiert sich deshalb nicht nur dafür, ob Du einen Welpen bezahlen kannst, sondern auch dafür, wie der Hund künftig leben wird.
Eine gute Anlaufstelle können Züchter sein, die einem anerkannten Rassehundeverein beziehungsweise dem VDH angeschlossen sind. Dort gelten Zuchtordnungen und Vorgaben für Zuchtzulassung und Gesundheitsvorsorge.
Auch ein erwachsener Bloodhound aus dem Tierschutz oder einer Rasse-Nothilfe kann infrage kommen. Gerade bei einem erwachsenen Hund solltest Du Dich ausführlich über Vorgeschichte, Gesundheitszustand und Verhalten informieren.
Ein kleiner Züchter-Check hilft Dir bei der Auswahl:
- Du kannst Züchter, Mutterhündin und Welpen persönlich kennenlernen.
- Die Welpen wachsen in einer sauberen, geeigneten und sozial eingebundenen Umgebung auf.
- Der Züchter beantwortet Fragen zu Charakter, Haltung und möglichen Problemen der Rasse offen.
- Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere werden nachvollziehbar dokumentiert.
- Du erhältst Informationen zu Abstammung, Impfungen, Kennzeichnung und bisherigen tierärztlichen Untersuchungen.
- Die Welpen wirken ihrem Alter entsprechend neugierig und gepflegt.
- Der Züchter stellt auch Dir Fragen und gibt den Hund nicht ohne Interesse an den zukünftigen Lebensbedingungen ab.
- Ein sofortiger Kauf unter Zeitdruck oder eine Übergabe auf einem Parkplatz sollte Dich misstrauisch machen.
Wenn Du Dir vorstellen kannst, einen älteren Hund zu übernehmen und die nötige Erfahrung mitbringst, lohnt sich außerdem die Nachfrage bei Tierheimen und spezialisierten Tierschutzorganisationen.
Entscheidungshilfe
Der Bloodhound ist für Ersthundehalter meist keine einfache Wahl. Seine enorme Nasenleistung, seine Eigenständigkeit und seine körperliche Kraft erfordern konsequentes, geduldiges Management.
Wer gerne mit seinem Hund draußen unterwegs ist, Freude an Fährtenarbeit oder Mantrailing hat und einen sanften, aber durchaus eigensinnigen großen Hund sucht, kann in dieser Rasse einen faszinierenden Begleiter finden.
Entscheidend ist, den Bloodhound nicht auf seine beeindruckende Nase oder sein markantes Aussehen zu reduzieren. Er benötigt eine sorgfältige Erziehung, ausreichend Bewegung, sinnvolle Nasenarbeit, gesundheitliche Vorsorge und einen Alltag, der zu einem großen, selbstständig arbeitenden Laufhund passt.

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