Eine blaue Zunge beim Hund kann zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen haben: Bei einigen Hunderassen ist eine dunkelblaue bis blau-schwarze Pigmentierung der Zunge angeboren und vollkommen normal. Verfärbt sich eine zuvor rosafarbene Zunge dagegen plötzlich blau, grau oder violett, kann dahinter eine ernsthafte Störung der Sauerstoffversorgung stecken. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du beides voneinander unterscheidest und wann Du sofort tierärztliche Hilfe brauchst.
Wie kommt es, dass Hunde eine blaue Zunge haben?
Bei manchen Hunden ist eine dunkle Zungenfarbe genetisch bedingt. Verantwortlich ist eine stärkere Pigmentierung der Schleimhaut. Besonders bekannt dafür sind der Chow-Chow und der Shar-Pei. Auch bei anderen Hunden können einzelne dunkle Pigmentflecken auf der Zunge vorkommen.
Beim Chow-Chow gehört eine blau-schwarze Zunge sogar zum offiziellen Erscheinungsbild der Rasse. Auch beim Shar-Pei ist eine blau-schwarze Zunge beziehungsweise eine entsprechende Pigmentierung charakteristisch.
Der Akita Inu wird dagegen nicht allgemein durch eine vollständig blaue Zunge charakterisiert. Einzelne dunkle Pigmentstellen können bei verschiedenen Hunden auftreten, eine vollständig blau-schwarze Zunge ist jedoch vor allem mit Chow-Chow und Shar-Pei verbunden.
Die frühere Erklärung, die dunkle Zunge habe sich als Schutz vor Kälte entwickelt oder helfe bei der Regulation der Körpertemperatur, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Pigmentierung sollte deshalb als genetisch beziehungsweise rassebedingt beschrieben werden und nicht als Anpassung an Schnee oder niedrige Temperaturen.
Ist eine blaue Zunge beim Hund ungewöhnlich?
Das hängt entscheidend davon ab, ob die Farbe schon immer vorhanden war oder plötzlich auftritt. Eine seit dem Welpenalter dunkel pigmentierte Zunge bei einem Chow-Chow oder Shar-Pei ist normalerweise kein Krankheitszeichen.
Auch einzelne klar abgegrenzte dunkle Flecken können normale Pigmentierungen sein, insbesondere wenn sie schon lange unverändert bestehen und der Hund keinerlei Beschwerden zeigt.
Anders sieht es aus, wenn eine normalerweise rosafarbene Zunge oder das Zahnfleisch plötzlich blau, grau, violett oder ungewöhnlich dunkel erscheint. Eine solche Veränderung kann auf eine sogenannte Zyanose hinweisen. Dabei ist das Blut beziehungsweise Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das kann ein tiermedizinischer Notfall sein.
Bei anderen Hunderassen ist eine plötzlich auftretende blaue Zunge deshalb ungewöhnlich und kann auf bestimmte Gesundheitsprobleme hinweisen. Mögliche Ursachen sind unter anderem:
- Schwere Atemprobleme: Erkrankungen oder Verengungen der Atemwege können dazu führen, dass nicht mehr genügend Sauerstoff aufgenommen wird.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bestimmte Herzerkrankungen können die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigen.
- Fremdkörper oder Verlegung der Atemwege: Ein verschluckter Fremdkörper oder eine starke Schwellung im Rachen kann die Atmung akut behindern.
- Erkrankungen von Lunge oder Brustkorb: Schwere Lungenerkrankungen, Flüssigkeitsansammlungen oder andere Störungen können die Sauerstoffaufnahme reduzieren.
- Kreislaufversagen oder Schock: Auch schwere Kreislaufprobleme können mit einer veränderten Schleimhautfarbe einhergehen.
- Vergiftungen: Einige Giftstoffe können Atmung, Kreislauf oder die Sauerstoffverwertung beeinträchtigen und dadurch ebenfalls auffällige Schleimhautfarben verursachen.
Ein einfacher Vitamin-, Zink-, Kupfer- oder Eisenmangel ist dagegen keine typische Erklärung für eine plötzlich blau verfärbte Zunge. Eine Anämie führt ebenfalls eher zu ungewöhnlich blassen als zu klassisch blau verfärbten Schleimhäuten.
Blaue Zunge oder Zyanose: Wo liegt der Unterschied?
Bei einer normalen Pigmentierung ist die Farbe dauerhaft vorhanden und der Hund verhält sich ansonsten unauffällig. Die dunklen Bereiche können je nach Hund blau-schwarz, dunkelgrau oder fast schwarz erscheinen.
Bei einer Zyanose verändert sich dagegen die Farbe von Schleimhäuten, die normalerweise rosa erscheinen. Neben der Zunge kann insbesondere das Zahnfleisch grau, violett oder blau wirken.
Besonders kritisch ist die Situation, wenn gleichzeitig Atemprobleme auftreten. Dazu gehören:
- auffällig schnelle oder angestrengte Atmung
- Atmen mit weit geöffnetem Maul ohne erklärbare Belastung
- gestreckter Kopf und Hals beim Atmen
- deutliches Mitbewegen des Bauches
- ungewöhnliche Atemgeräusche
- Unruhe oder Panik
- Schwäche
- Taumeln oder Zusammenbrechen
Eine blau oder grau verfärbte Schleimhaut zusammen mit Atemnot ist ein akuter tiermedizinischer Notfall. Warte in diesem Fall nicht ab, ob sich die Farbe wieder normalisiert.
Was solltest Du tun, wenn Dein Hund plötzlich eine blaue Zunge hat?
Wenn die Zunge Deines Hundes normalerweise rosa ist und sich plötzlich blau, grau oder violett verfärbt, solltest Du die Situation ernst nehmen. Besonders in Verbindung mit Atemnot, Schwäche oder Kollaps benötigt Dein Hund sofort tierärztliche Hilfe.
Kontaktiere eine Tierarztpraxis oder Tierklinik und kündige den Notfall möglichst telefonisch an. Halte Deinen Hund auf dem Weg dorthin möglichst ruhig und vermeide zusätzliche körperliche Belastung.
Versuche nicht, einem Hund mit deutlicher Atemnot Futter, Wasser oder Medikamente einzuflößen. Auch eine intensive Untersuchung des Mauls kann zusätzlichen Stress verursachen. Nur wenn Du eindeutig siehst, dass ein leicht erreichbarer Fremdkörper die Atemwege blockiert und Du ihn gefahrlos entfernen kannst, ist eine unmittelbare Hilfe sinnvoll. Tief im Rachen sitzende Gegenstände solltest Du nicht blind herausziehen.
Wann ist eine blaue Zunge harmlos?
Eine dunkle Zunge ist in der Regel unproblematisch, wenn sie angeboren beziehungsweise seit langem unverändert ist und zu den normalen Pigmentmerkmalen des Hundes gehört.
Das trifft beispielsweise beim Chow-Chow zu. Auch der Shar-Pei kann eine charakteristisch dunkel pigmentierte Zunge besitzen. Bei solchen Hunden ist die Farbe nicht Ausdruck von Sauerstoffmangel.
Auch einzelne dunkle Pigmentflecken können harmlos sein. Werden solche Stellen jedoch größer, erhaben, wund, blutig oder verändern sie plötzlich Farbe und Form, solltest Du sie tierärztlich untersuchen lassen.
Welche Hunderassen haben eine blaue Zunge?
Am bekanntesten ist der Chow-Chow. Der FCI-Rassestandard beschreibt bei dieser chinesischen Hunderasse eine blau-schwarze Zunge als charakteristisches Merkmal.
Auch beim Shar-Pei, ebenfalls einer ursprünglich chinesischen Hunderasse, gehört eine sehr dunkle Pigmentierung von Zunge und Maul zu den typischen Merkmalen.
Bei anderen Rassen und Mischlingen können ebenfalls dunkle Flecken auf der Zunge vorkommen. Solche Pigmentierungen beweisen übrigens nicht, dass der betreffende Hund zwingend einen Chow-Chow oder Shar-Pei in seiner Abstammung hat.
Was musst Du beachten?
Bei einer blauen Zunge beim Hund ist die wichtigste Frage nicht allein die Farbe, sondern ob sie normal für diesen Hund ist. Eine seit jeher dunkel pigmentierte Zunge kann ein vollkommen harmloses Rasse- oder Pigmentmerkmal sein.
Eine plötzlich auftretende bläuliche Verfärbung einer sonst rosafarbenen Zunge oder des Zahnfleischs ist dagegen etwas völlig anderes. Sie kann auf einen gefährlichen Sauerstoffmangel hinweisen. Treten gleichzeitig Atemnot, Schwäche oder Kollaps auf, handelt es sich um einen Notfall.
Wenn Du unsicher bist, kannst Du bei einem gesunden Hund gelegentlich darauf achten, wie Zunge und Zahnfleisch normalerweise aussehen. So fällt Dir eine deutliche Farbveränderung im Ernstfall schneller auf.
